Paid Content ist der Versuch der Verleger, dem Online-Journalismus ein Preisschild anzuheften. lexikon2.de

“Handelsblatt” startet ersten Investigativ-Bezahl-Podcast.


Cash für Crime: Das "Handelsblatt" wagt sich ins Paid-Podcast-Geschäft. Die achtteilige Audio-Reihe "Catching Chris" erzählt die Geschichte eines Serienbetrügers und basiert auf anderthalb Jahren intensiver Recherche. Die ersten beiden Folgen sind frei verfügbar, alle weiteren stehen nur zahlenden Digital-Abonnenten zur Verfügung. Anfang 2026 kommt der nächste Bezahl-Podcast "Handelsblatt Invest", der sich an professionelle Kapitalmarktentscheider richtet. Bereits am 21. November startet der wöchentliche Diskussions-Podcast "Meckel & Matthes", in dem Sebastian Matthes und Miriam Meckel über die wichtigsten Ereignisse aus Politik, Wirtschaft und Technologie sprechen.
per Mail, handelsblatt.com ("Catching Chris")

(Bild: Handelsblatt)

BurdaForward startet mit “Money + Mind” ersten eigenen Paid-Newsletter.


Rendite-Post: "Focus Online" und BurdaForward erweitern ihre Finanzmarke "René will Rendite" mit dem Paid-Newsletter "Money + Mind". Das neue Angebot liefere "fundiertes Finanzwissen, Tipps für nachhaltiges Geldbewusstsein und konkrete Anlageimpulse". Der Newsletter knüpft an den Erfolg des gleichnamigen YouTube-Kanals an, der knapp 120.000 Follower zählt. Abonnenten erhalten tägliche Finanz-Updates und wöchentliche interaktive Live-Calls mit Experten. Das Angebot ist 30 Tage kostenlos testbar, danach kostet es 30 Euro pro Monat.
meedia.de, burda-forward.de

(Bild: Burda Forward)

Zahl des Tages: “Zeit” zählt 50.000 Probe-Abos für Podcast-Abo.


Zahl des Tages: Mehr als 50.000 Probe-Abos hat das "Zeit"-Podcast-Abo in den ersten sechs Monaten seit dem Start generiert, berichtet Paid-Content-Director Steffen Horstmannshoff bei Linked-in. Besonders stark performe das Abo auf Spotify: 60 % der Probe-Abos entstünden dort über exklusive Inhalte hinter Audio-Schranken. Die Zahler­quote derjenigen, die nach der kosten­freien Probe-Phase in ein Bezahl-Abo für 1,15 Euro pro Woche übergehen, sei "über­durch­schnittlich".
linkedin.com, turi2.de (Podcast-Interview zum Start des Podcast-Abos)

(Bild: Die Zeit)

Perplexity will Verlage an Abo-Einnahmen betiligen.


Die KI-Suchmaschine Perplexity kündigt ein neues Modell an, mit dem Publisher für die Nutzung ihrer Inhalte entlohnt werden sollen. Für fünf Dollar im Monat biete das neue Abo-Angebot "Comet Plus" zahlenden Nutzern Zugriff auf Premium-Inhalte "einer Gruppe vertrauens­würdiger Heraus­geber und Journalisten". Es sei "Zeit für ein Geschäfts­modell", das sicher­stelle, "dass Verlage und Journalisten von ihren Beiträgen zu einem besseren Internet profitieren", heißt es in einem Blog­beitrag. 80 % der Einnahmen aus "Comet Plus" will Perplexity an teil­nehmende Verlage ausschütten. Auch in den teureren Pro- und Max-Abos ist die Funktion enthalten. Zum Start stünde ein zu verteilendes Budget von 42,5 Mio Dollar zur Verfügung, berichten "Bloomberg" und "Wall Street Journal". Interessierte Medienhäuser können sich für die Teilnahme bewerben.

Bisher seien Verlage "in der mittler­weile primitiven Ökonomie von Klicks und Seiten­auf­rufen gefangen", heißt es im Blogbeitrag mit einem Seiten­hieb auf such­maschinen­optimierte Inhalte. Die Nutzer seien "erschöpft von minder­wertigem Click­bait, nervigen Erfahrungen und endlosen blauen Links zu menschlichem Unsinn und ohne Antworten". Verlage, die sich "diesem Web­modell anpassen mussten", hätten das "Vertrauen der Leser verloren und ihre Marken unter­graben, um sich über Wasser zu halten". Perplexity sieht sich dabei in der Rolle des Retters: "Der Comet-Browser ist jetzt die beste Möglichkeit, dafür zu sorgen, dass das Web für alle weiter­hin besser wird", heißt es wenig bescheiden.
stern.de, perplexity.ai, digiday.com, bloomberg.com (€), wsj.com (€)

Basta: Reality-TV-Stars heiraten live bei “Bild”.


Heitere Hochzeit: Ab Donnerstag zeigt "Bild" die Dokusoap "Die Heiters: Jetzt wird geheiratet!" über die Hochzeit der Reality-TV-Stars Mike Heiter und Leyla Lahouar. Jede Woche gibt es für Bild+-Abonnenten eine neue Folge. Höhepunkt ist am 31. August die Live-Über­tragung der Trauung an der Amalfi-Küste, für die ein "Wedding Pass" für weitere fünf Euro nötig ist. "Mit 'Bild' haben wir den perfekten Partner gefunden, um unsere Hochzeit authentisch und emotional zu dokumentieren", sagt das Paar. Die Rechte für das Scheidungs­drama in ein paar Jahren sind vermutlich auch schon verkauft.
presseportal.de

(Foto: BILD / Marc Bremer)

Steady zahlt 100 Partnern mehr als 10.000 Euro im Monat aus.

https://www.turi2.de/wissen/newsletter/sebastian-esser-die-community-ist-das-produkt/
Erfolg be-steady-gt: Die deutsche Online-Abo-Plattform Steady ist trotz Wirtschafts­krise und starker US-Konkurrenz 2024 um 26 % gewachsen, erzählt Gründer und Geschäfts­führer Sebastian Esser im Podcast "Selbständig im Netz" von Johannes Haupt. Nach roten Zahlen in den Anfangs­jahren sei Steady inzwischen profitabel und mit mehr als 260.000 zahlenden Mitgliedern inzwischen die zweitgrößte deutsche Online-Abo-Plattform nach "Bild". Rund 2.000 deutsche Content Creators verdienten mindestens 100 Euro monatlich mit Steady. Um die 100 Partner bekämen sogar mehr als 10.000 Euro monatlich überwiesen, darunter laut Esser auch "Übermedien".
selbstaendig-im-netz.de, open.spotify.com (85-Min-Audio/Video)

Stiftung Warentest wehrt sich gegen Veröffentlichung von Testergebnissen mit Affiliate-Links.


Stiftet Unruhe: Die Stiftung Warentest geht mit Abmahnungen gegen Medien vor, die zu detailliert über ihre Test­ergebnisse berichten, insbesondere wenn sie diese mit Affiliate-Links verbinden, schreibt Henning Kornfeld bei "Meedia. Vorständin Julia Bönisch bestätigt, dass die gemein­nützige Verbraucher­organisation derzeit verschiedene Medien darauf aufmerksam mache, "dass sie unsere Test­ergebnisse und den guten Ruf unserer Marke unerlaubt für ihre eigenen Zwecke aus­beuten", schreibt sie in einer Stellung­nahme. In einer verschärften Version der Rechts­hinweise auf ihrer Website weist die Stiftung explizit darauf hin, dass Affiliate-Links zu getesteten Produkten in Kombination mit der Wort­­marke "Stiftung Warentest" eine "Marken­verletzung" darstellen und nicht erlaubt sind. Medien wie "Spiegel" und "Bild", die bisher mit Affiliate-Links über Test­ergebnisse berichten, sehen sich mit ihrem Handeln im rechtlich zulässigen Rahmen.
meedia.de (€)

(Foto: Stiftung Warentest)

Zitat: “The Atlantic”-Chef will Leser mit gutem Journalismus zum Bezahlen bringen.


"Der einzige Weg, wie wir den Journalismus, insbesondere die kostenintensive Berichterstattung, gestalten können, ist, die Menschen dazu zu bringen, dafür zu bezahlen."

Jeffrey Goldberg, Chefredakteur von "The Atlantic", sagt der "Süddeutschen Zeitung", die mit dem US-Magazin jetzt kooperiert, dass er mit den "bestmöglichen journalistischen Geschichten" Menschen dazu bringen will, so selbstverständlich für Journalismus zu bezahlen wie fürs Essen im Restaurant oder einen Wagen beim Autohändler.
sueddeutsche.de (€), turi2.de (Kooperation)

(Foto: PATRICK T. FALLON / AFP / picturedesk.com)

Zahl des Tages: Markt für Online-Abos ist zunehmend gesättigt.


Zahl des Tages: Durchschnittlich 53 Euro pro Monat geben deutsche Online-Nutzer für digitale Inhalte aus, sagt eine Befragung der Technologie­beratung BearingPoint. Um Kosten zu sparen, zeigen 59 % der Befragten Interesse an gebündelten Angeboten mit reduziertem Gesamtpreis, ein Viertel nutze solche Modelle bereits. BearingPoint-Partner Thomas Heiß sieht den Markt für digitale Abos "zunehmend gesättigt". Nur 4 % der Befragten planten, in den nächsten sechs Monaten ein neues Abo abzuschließen, gleichzeitig beabsichtigten weniger als 20 %, im gleichen Zeitraum bestehende Abos zu kündigen.
presseportal.de, bearingpoint.com (Studie anfordern)

(Grafik: BearingPoint)

Digitale Bezahlangebote lassen Spiegel-Gruppe wachsen.

Erfolgsspiegel: Die Spiegel-Gruppe steigert 2024 Umsatz und Gewinn und wächst vor allem dank digitaler Bezahlangebote. "Unsere digitalen Abo-Modelle sind zur tragenden und wachsenden Umsatzsäule geworden, die unseren Journalismus nachhaltig finanzieren helfen", sagt Geschäftsführer Stefan Ottlitz (rechts). "Unsere Investitionen in Zukunftsbereichen und die Fokussierung auf unsere Plus-Strategie zahlen sich aus", freut sich auch Thomas Hass (links), Vorsitzender der Geschäftsführung. Der Gesamtumsatz der Gruppe steigt um knapp 4 % auf rund 255 Mio Euro, der Jahresüberschuss klettert um 9,5 % auf 26,5 Mio Euro. Mit 61,8 % machen die Vertriebs­erlöse aus Print und Digital wie schon 2023 den mit Abstand größten Teil des Umsatzes aus. Beim Haupttitel der Gruppe, dem "Spiegel", kommen laut Verlagsangaben bereits 75 % der Erlöse direkt von den Lesern, nur noch ein Viertel stammt aus der Vermarktung.

Mit 90,8 Mio Euro ist der Print-Vertrieb trotz eines Rückgangs um 2 % weiterhin der größte Umsatzposten der Gruppe, zu der auch "Manager Magazin", "Harvard Business Manager" und "11 Freunde" gehören. Der Umsatz des Digitalvertriebs wächst jedoch um 12 % auf 66,9 Mio Euro und soll 2025 annähernd 75 Mio Euro erreichen. Die Digitalvermarktung steigt um 4,8 % auf 43,8 Mio Euro, der Umsatz mit Print-Werbung fällt um 15 % auf 17,5 Mio Euro und macht nur noch 6,9 % am Gesamtumsatz aus. Der Umsatz der Film- und Fernsehproduktion des Medienhauses wächst um 13,7 % auf 26,6 Mio Euro und trägt 10,4 % zum Gesamtumsatz bei.
kress.de, gruppe.spiegel.de

(Foto: Anna Dittrich / Der Spiegel)

Sternrakete: “Stern”-Chefredakteur Gregor Peter Schmitz sieht Entwicklung von Digital-Abo Stern+ “über Plan”.


Das digitale Bezahl-Angebot Stern+ nimmt Fahrt auf: "Wir haben in den ersten beiden Monaten dieses Jahres so viel Abo-Zugewinn gemacht wie 2024 gesamt", sagt "Stern"-Chefredakteur Gregor Peter Schmitz im Interview mit dem "Medium Magazin". Seit Jahresbeginn seien 8.000 voll zahlende neue Nettoabos dazugekommen – "ein Plus von rund 30 % in nur vier Monaten", freut sich Schmitz. Vor allem die Bundestagswahl habe Stern+ einen "Push" gegeben: "Das Zuwachstempo steigerte sich etwa um das Sechsfache." Auch an normalen Tagen gewinne Stern+ regelmäßig Neu-Abos "im dreistelligen Bereich" hinzu, "an einem richtig guten Wochenende können es insgesamt vierstellige Zuwächse sein". Mit aktuell knapp 33.000 Abos liege man "über Plan", sagt Schmitz und strebt bis Jahresende 50.000 Abos an. Bis Ende 2026 will er die Zahl auf 100.000 verdoppeln. "Viele Maßnahmen, die anderswo längst Standard sind, wie Performance-Marketing, mehr Newsletter, Binde- und Haltemaßnahmen und eine flexiblere Paywall, führen wir gerade erst richtig ein. Auf dieser Grundlage rechnen wir hoch."

Außerdem sagt Schmitz im Interview von Senta Krasser, warum er es für einen Mythos hält, junge Leser nur mit Promi-Geschichten zu erreichen, und dass Donald Trump "nicht gut für die Demokratie, aber nach wie vor gut fürs Business" ist. Den Gastbeitrag von Elon Musk mit Wahlaufruf für die AfD dagegen hätte er nicht veröffentlicht, ein Interview mit Musk würde Schmitz aber "sofort" machen.
shop.oberauer.com (Heft oder E-Paper bestellen), mediummagazin.de (Auszug)

(Foto: RTL / Hendrik Lüders)

Hör- und Lese-Tipp: Wie ein optimierter Bezahl-Prozess Abos sichert.


Hör- und Lese-Tipp: "80 % der Online-Käufer haben schon mal einen Kauf abgebrochen, wenn ihre bevorzugte Zahlungs­methode nicht angeboten wird", berichtet Julius Danek, Head of Product DACH beim Bezahl-Dienst­leister Stripe, im "Subscribe Now"-Podcast. Er beobachtet, dass gerade in Deutschland viele Kunden, statt ein Abo regulär zu kündigen, einfach ihr Sepa-Mandat zurück­ziehen. Unverständlich findet Danek es, dass der Großteil der Abo-Verantwortlichen gar nicht versuche, fehlgeschlagene Zahlungen zu wiederholen, um Abo-Umsatz zu retten.
open.spotify.com (67-Min-Audio), subscribe-now.beehiiv.com (Tipps für Checkout-Optimierung, nach Anmeldung frei)

(Bild: Stripe, Montage: turi2)

Hör-Tipp: Wie die Zeit Akademie mit Newslettern Anmeldungen generiert.


Hör-Tipp: Die Zeit Akademie hat rund 5.000 Abonnenten und verdankt einen Großteil des Wachstums ihrem Newsletter-Verteiler, erzählt Marketing-Chef Alexandros Dimitriou im "Subscribe Now"-Podcast. Zugleich dämpft er die Erwartung, dass eine Lead-Kampagne sofort zum Abo-Abschluss führt: Bis zu einer Bestellung brauche es oft 15 bis 20 E-Mails. Die Headline könne darüber entscheiden, ob 50 oder 200 Anmeldungen eingehen.
open.spotify.com (69-Min-Audio), subscribe-now.beehiiv.com (Learnings, frei nach Anmeldung)

(Foto: Zeit Akademie)

Zeit für Zahlen: Der Zeitverlag steigert erneut Umsatz, Abos und Auflage.


Der Zeitverlag, Mutter der Wochenzeitung "Die Zeit", legt erneut Rekordzahlen vor. Im vergangenen Jahr erzielte der Verlag einen Umsatz von 306 Mio Euro – ein Plus von 14 Mio Euro verglichen mit 2023 und ein Zuwachs von 5 %. Auch die Zahl der Abos steigt weiter. So meldet die Kernmarke "Zeit" 500.000 Abonnenten (Print und Digital), die Magazine, darunter "Zeit Verbrechen" und "Zeit Wissen", kommen zusammen auf 200.000 Abos. Weitere Abos entfallen auf Angebote wie Zeit Sprachen, die Zeit Akademie und Zeit Spiele. Unter dem Strich steht eine Zahl von 850.000 bezahlten Abos. Auch die Kurve der Auflage der Wochenzeitung zeigt weiter nach oben: Die verkaufte Auflage wird im 1. Quartal bei 630.000 Exemplaren liegen, was einem Zuwachs von 30.000 verglichen mit dem Vorjahr entspricht. Damit wachsen die "Zeit" und ihre Beiboote erneut deutlich und gegen den Branchentrend. Im großen Interview von turi2 und "Meedia" führt Geschäftsführer Rainer Esser die Erfolge auf "starkes Teamwork" zurück. Er betont auch "das Zusammenspiel von Verlag und Redaktion". Zwar laufe auch bei der "Zeit" das Werbegeschäft nicht mehr so gut wie früher, sagt Esser, das betreffe aber vor allem die Stellenanzeigen. Bei Markenwerbung steht der Verlag weiter gut da.

Für Nils von der Kall, der als Chief Commercial Officer für das Geldverdienen der "Zeit" zuständig ist, ist ein Ende des Wachstums nicht in Sicht. Er freut sich, dass sich gerade in der aktuell aufgeheizten Zeit viele Menschen für die Angebote des Zeitverlags entscheiden. turi2 spricht beim Video-Besuch in Hamburg außerdem mit Chief Product Officer Christian Röpke, der eine erste Bilanz des neuen Podcast-Bezahl-Abos zieht, und mit Chief Finance Officer Iris Ostermaier, die über den Unterschied zwischen der Verlags- und TV-Branche spricht.

Verlagschef Rainer Esser analysiert im Interview bei "Meedia" zudem die Lage des dualen Mediensystems in Deutschland. Zwar lobt er die Rolle des ÖRR als "ganz wichtige Säule" für unsere Demokratie. Im Zusammenspiel mit den Verlagen sieht er ARD und ZDF aber in der "Bringschuld" und fordert mehr Kooperation. "Klagen, um höhere Gebühren durchzusetzen, wie wir sie aktuell erleben, halte ich nicht für den richtigen Weg", so Esser. Weitere Themen sind das sich wandelnde Verhältnis zu den großen Tech-Plattformen, das TikTok-Engagement der "Zeit" und Essers Zukunft als Verlagschef.
youtube.com (6-Min-Feature-Video), meedia.de (€, großes Interview mit Esser)

Mehr zum Thema:
Der Medienfachverlag Oberauer, zu dem auch turi2 gehört, zeichnet "Die Zeit" in diesem Jahr als European Digital Publisher of the Year aus. Beim European Publishing Congress am 23. und 24. Juni 2025 stellt Christian Röpke die Lesermarkt-Strategie des Verlags vor.
publishing-congress.com

(Foto: turi2)

Hör- und Lese-Tipp: Wie die “FAZ” mit mehreren Apps experimentiert.


Hör- und Lese-Tipp: Erst vor einigen Wochen hat die "FAZ" ihre kuratierte Nachrichten-App "Der Tag" einem Relaunch unterzogen. Im "Subscribe Now"-Podcast erklärt Marina Sorg, Deputy Chief Product Officer, warum eine App der "FAZ" nicht reicht. So diene die "kleine" App u.a. als Spielwiese, um neue Ideen abseits des Kernprodukts auszuprobieren.
open.spotify.com (66-Min-Audio), subscribe-now.beehiiv.com (Learnings, nach Anmeldung frei), turi2.de (Relaunch)

(Foto: Michael Wolf / FAZ)

Zeit Online startet ein Abo für Paid Podcasts.


Podcasts mit Preisschild: "Zeit Online" geht in Sachen Podcasts einen neuen Weg und führt ein Bezahl-Abo speziell für Podcasts ein. Wer künftig alle Podcasts der Wochenzeitung "Zeit" und ihres Online-Ablegers hören will, muss dafür 4,99 Euro im Monat zahlen, erklärt "Zeit Online"-Geschäftsführer Enrique Tarragona im turi2 Podcast und im "Meedia"-Interview. Dennoch will er bei den vielen Stammhörerinnen und -hörern, die bisher kostenlos einschalten, nicht den Eindruck erwecken, dass ihnen etwas weggenommen wird: "Alles hinter die Bezahlschranke zu stellen, ist überhaupt keine Option für uns. Dafür ist es viel zu spannend, viele Menschen zu erreichen, die wir sonst nirgendwo adressieren können", sagt Tarragona im Gespräch mit Rupert Sommer.

Hinter der Bezahlschranke stehen bereits jetzt das Podcast-Archiv und exklusive Doku-Serien, dazu kommen Sonderfolgen bestehender Podcasts. Aktuell sind diese Produktionen nur mit einem Zeit+-Abo abrufbar, das deutlich teurer ist als das neue Podcast-Only-Abo. Tarragona visiert damit eine Zielgruppe an, die ausschließlich Podcasts hören will, aber bereit ist, dafür zu zahlen. Womöglich ergebe sich darüber auch die Möglichkeit, die Abonnenten später an das große "Zeit Online"-Abo heranzuführen. Die Podcasts können über die Bezahl-Abos auch bei Spotify und Apple Podcasts gehört werden. Die Nutzung über externe Plattformen ist über eine Verknüpfung der Abos möglich.

Die "Zeit" und "Zeit Online" sind heute einer der erfolgreichsten Podcast-Produzenten Deutschlands. Hier entstehen etwa "Zeit Verbrechen" mit Sabine Rückert, der unendliche Podcast "Alles gesagt?" mit Jochen Wegner und Christoph Amend und der News-Podcast "Was jetzt?", die regelmäßig die Podcast-Charts stürmen.
turi2.tv (40-Min-Podcast auf YouTube), meedia.de (€, schriftliches Interview), podigee.io, open.spotify.com, podcasts.apple.com, deezer.com, plus.rtl.de, zeit-verlagsgruppe.de



(Foto: Zeit Online / Meiko Herrmann)

Hör-Tipp: Wie das “Handelsblatt” mit “Circles” Business-Communitys aufbaut.


Hör-Tipp: Mit seinen Business-Communitys "Circles" will das "Handelsblatt" zeigen, "was ein Medien­haus im 21. Jahr­hundert sein kann", sagt Chief Growth Officer Jan Kleibrink im "Subscribe now"-Podcast. Statt auf tägliche Briefings setzt "Circles" auf Events, aber nicht zu viele, sonst hätten "die Mitglieder das Gefühl, zu viel zu verpassen". Daher gestalte man das Programm "viel bewusster und reduzierter". Mit der "Technology Experience Convention Heilbronn" will das "Handelsblatt" ein "Technologie-Davos aufbauen".
open.spotify.com (57-Min-Audio), subscribe-now.beehiiv.com (Learnings aus "Circles", frei nach Registrierung)

(Bild: Handelsblatt Media Group)

“FAZ” relauncht App “FAZ. Der Tag” und führt neues Preismodell ein.


Auswahl des Tages: Die "FAZ" über­arbeitet ihre kuratierte Nachrichten-App "FAZ. Der Tag". Die App erhält eine neue Navigation mit verbesserter Nutzer­führung sowie eine Vorlese­funktion. Zudem führt der Verlag ein neues Preis­modell ein, das vom Bezahl­angebot FAZ+ losgelöst ist: Nach einem Gratis-Testmonat und einem weiteren Monat für 99 Cent kostet die Nutzung danach monatlich 7,99 Euro. Dafür haben Nutzer Zugriff auf jeweils zehn ausge­wählte Beiträge in der App, nicht jedoch auf das gesamte Digital-Angebot.
faz.net, apps.faz.net

(Bild: FAZ)

Nordwest Mediengruppe macht Politik-Inhalte zur Wahl frei verfügbar.


Freileser: Die Nordwest Mediengruppe holt ihre Bericht­erstattung zur Bundes­tags­wahl vor die Paywall. Bis Ende Februar sind alle Politik- und Meinungsinhalte auf NWZonline.de kostenlos lesbar. Auch Kommentieren ist ohne Abo möglich. Schüler bekommen für drei Monate ein Gratis-Digital-Abo. Mit der Aktion will der Verlag "möglichst vielen Menschen die Möglichkeit geben" sich im Vorfeld der Wahl zu informieren.
nwzonline.de

Zahl des Tages: 13 % kündigen Abos am ersten Tag, um Frist nicht zu verpassen.


Zahl des Tages: Bindungs­unwillige 13 % der Nutzer, die ein Abo ab­schließen, kündigen es am ersten Tag, sagt eine Analyse des Abo-Software-Anbieters Piano für "Subscribe now". 40 % "deaktivieren die auto­matische Verlängerung" inner­halb der ersten 60 Tage. Dies sei nicht per se eine Entscheidung gegen das Produkt, sondern mehr die Angst, die Kündigungs­frist zu verpassen. Die Rest­laufzeit könnten Verlage zur Über­zeugung nutzen, das Abo doch zu verlängern.
subscribe-now.beehiiv.com (gratis nach Registrierung), open.spotify.com (73 Min-Audio über weitere Abo-Trends)

(Symbolbild: IMAGO / McPHOTO)

Dyn erhöht Preise und führt flexible Abos ein.


Wollen Dyn Geld: Sportstreamer Dyn erhöht die Preise. Ab 18. März kostet das Jahres­abo monatlich 14,50 Euro statt bisher 12,50 Euro. Der Preis fürs Monats­abo steigt um fast 35 % von 14,50 Euro auf 19,50 Euro. Bestands­kunden, die ihr Abo vorher verlängern, bekommen noch den alten Preis. Zudem führt Dyn Drei- und Sechs-Monats-Abos ein.
dyn.sport

Hör-Tipp: Readly-Deutschland-Chef Jan Blender über Ausschüttung an Verlage.


Hör-Tipp: Lese-Flatrate-Anbieter Readly hat in den ersten drei Quartalen des Jahres insgesamt 30 Mio Euro an Verlags­partner ausgeschüttet, einen großen Teil davon an deutsche Verlage, erzählt Deutschland-Chef Jan Blender im "We like Mags"-Podcast. Von 14,99 Euro, die Nutzer monatlich regulär zahlen, bleiben 8,40 Euro, die Readly anteilig verteilt. Je mehr Titel ein Nutzer liest, desto weniger bekommt jeder. Der meist­genutzte Titel bei Readly ist der "Playboy".
spotify.com (29-Min-Audio)

(Fotos: Readly, Montage: turi2)

1,5 Mio Abrufe in 5 Tagen: RTL nennt erste konkrete Zahlen zur Raab-Show.


Raab-Boost: RTL-Content-Chefin Inga Leschek lässt im "DWDL"-Interview erstmals konkrete Zahlen zum Abruf der Show von Stefan Raab bei RTL+ raus. In den ersten fünf Tagen sei die Sendung mehr als 1,5 Mio mal angeschaut worden. 75 % der neuen Abonnenten seien Neukunden, davon gut 70 % Männer. Auf die Frage, ob die Raab-Show nicht doch auch noch ins lineare RTL-TV-Programm komme, bleibt Leschek vage: Die Show sei fürs Streaming konzipiert und ein "wichtiger Baustein" für das Wachstum von RTL+. "Ich sage nicht, dass das für immer so bleiben muss, aber jetzt ist es so."
dwdl.de, turi2.de (Background)

(Foto: IMAGO / Horst Galuschka)

“Zeit” lebt weiterhin “Print first”, Zeitungs- und Online-Redaktion rücken aber zusammen.


Print-Primat: Die Redaktionen von "Zeit" und "Zeit Online" sollen in den kommenden zwölf Monaten unter ein gemeinsames Markendach rücken und unter einem Namen auftreten, berichtet "Horizont". Dennoch soll die gedruckte Zeitung auch in Zukunft Vorrang haben: "Wir leben 'Print First'. Die Wochen­ausgabe hat grund­sätzlich das Erst­zugriffs­recht auch für alle digitalen Inhalte", sagt "Zeit Online"-Chefredakteur Jochen Wegner (rechts) im "Horizont"-Doppel­interview mit "Zeit"-Chef­redakteur Giovanni di Lorenzo (links). Besondere Geschichten und exklusive Stücke halte die Online-Redaktion für Print zurück, damit "auch die Print-Ausgabe weiter glänzen kann", so di Lorenzo. Die Leserinnen hätten "feine Antennen" und würden wahrnehmen, wenn beim Erscheinen des Blattes alles Wichtige schon online zu lesen war. "Man muss den Leuten wirklich nicht mit dem nackten Hintern ins Gesicht springen", formuliert es di Lorenzo drastisch und ist überzeugt: "Wenn bei einer klassischen Medienmarke die gedruckte Ausgabe – fast unabhängig von ihrer Auflage – inhaltlich nicht mehr funktioniert, dann zerfasert auch der Rest." Das Blattmachen der Print-Ausgabe zwinge "zu permanenter Selbstreflexion". Die gedruckte "Zeit" sollte "mehr denn je eine eigene Handschrift haben" und müsse mehr sein als "ein 'Best of Online'".

Zugleich gewinne die "Zeit" "zwei Drittel bis drei Viertel" aller neuen Digital-Abos "aus Online-Stücken, die nie gedruckt werden", sagt Wegner. Auch die bisher kostenlosen "Zeit"-Podcast sollen künftig aufs Bezahl-Abo einzahlen: "Wir wollen im Herbst behutsam beginnen, neue, eigens produzierte Podcasts, kleine Teile unseres riesigen Archivs oder die jeweils neuste Folge einzelner Formate im Z+-Bezahlmodell anzubieten." Die reine Werbefinanzierung stoße bei manchen "Zeit"-Podcasts wegen ihrer großen Reichweiten an Grenzen. "Wir sind Marktführer hierzulande, spüren das aber noch nicht in unseren Erlösen", so Wegner. Über ein zusätzliches, günstigeres Podcast-only-Abo denke man zwar nach, das erklärte Ziel sei aber: "Wir wollen vor allem unser Voll-Abo Z+ noch attraktiver und haltbarer machen."
horizont.net (€)

(Fotos: Di Lorenzo: Thomas Bartilla/Geisler-Fotopres/ Picture Alliance; Wegner: Andreas Chudowski)

Analyse: Paid-Content-Erlöse von Publikumsmedien wachsen um 14 %.

Digitales Geld: Deutsche Publikums­­medien erzielen mit Bezahl­inhalten 1,2 Mrd Euro pro Jahr, errechnet der Fachdienst PV Digest. Das sind 14 % mehr als im Januar 2023. Mehr als 70 % des Wachstums resultieren aus gestiegenen Abo-Zahlen, 29 % aus höheren Preisen. Den größten Einzel-Umsatz generiert die "Zeit", den meisten Leser­markt-Umsatz macht die "FAZ". Knapp zwei Drittel der Paid-Content-Umsätze entfallen auf Tages­zeitungen.
pv-digest.de

Studie attestiert Regionalzeitungen hohes Vertrauen für Bezahlinhalte.

Bezahltes Vertrauen: Kosten­pflichtige Inhalte regionaler News-Seiten genießen bei Lesenden ein höheres Vertrauen als Gratis­angebote, sagt die Studie "Zeitungs­facetten" des Regional-Vermarkters Score Media. 72 % der Befragten glauben, Bezahl­angebote geben Informationen richtig wieder, bei Gratisnews sind es nur 61 %. Binnen eines Jahres ist die Zahl derer, die mindesten wöchentlich Paid Content nutzen von 18 auf 26 % gestiegen. Unter Millennials ist die Nutzung von Bezahl­inhalten mit 41 % am höchsten.
score-media.de (PDF-Download der Studie)

Blendle verabschiedet sich vom deutschen Markt.

Ausgeblendlet: Blendle, Micropayment-Dienst für Presse­artikel, stellt seinen Betrieb in Deutschland zum 3. September ein. Seit 2015 war es möglich, Artikel verschiedener Publikationen einzeln zu kaufen. In seinem Heimatmarkt, den Niederlanden, hat Blendle den Einzelverkauf schon 2019 abgeschafft und auf ein Abo-Modell umgestellt, das weiterhin besteht.
heise.de, twitter.com

Podcast-Hoster bietet neues Feature für Podcasts hinter der Paywall.

Der Klang des Geldes: Der schwedische Podcast-Hoster Acast bietet mit Acast+ Access ein neues Feature, mit dem Medienhäuser, Publisher und Streaming-Dienste Bezahl-Podcast in ihr bestehendes Abo-Modell integrieren können. Möglich sind z. B. Folgen ohne Werbung, exklusive Inhalte, personalisierte Intros und Outros oder frühzeitiger Zugang zu neuen Folgen.
acast.com

Lese-Tipp: Spiegel+ verringert mit verschenkten Artikeln die Abwanderungsquote.

Lese-Tipp: Der "Spiegel" gibt in einem Blog-Beitrag Einblick in die Entwicklung seines Bezahlangebots Spiegel+, das seit fünf Jahren am Markt ist. Lag bei der Datenanalyse der Fokus anfangs auf Zuwächsen, rückten schnell auch die Kündigungs­zahlen in den Blick. Die Möglichkeit, Artikel hinter der Paywall zu verschenken, verringere die Abwanderungs­quote. Im Laufe des Sommers soll ein Duo-Abo kommen, bei den Kundinnen ihr Abo gegen Aufpreis mit einer zweiten Person im gleichen Haushalt teilen können.
devspiegel.medium.com

“Süddeutsche”: Beiträge von Stern+ sollen künftig gedruckten “stern” speisen.

Richtungswechsel: Der gedruckte "stern" soll sich künftig aus Beiträgen von Stern+ speisen, die zuvor online erschienen sind, statt Print-Geschichten erst nach Erscheinen ins Netz zu stellen, hört Lisa Priller-Gebhardt aus Verlagskreisen. In diesem Zuge plane Chefredakteur Gregor Peter Schmitz die Aufhebung der bisherigen Trennung von Print- und Online-Redaktion. Geplant sei, dass eine große Redaktion, in der nur noch Menschen mit Digitalkompetenz arbeiten sollen, künftig alle Inhalte erstellt.
sueddeutsche.de (€)

Zahl des Tages: Streamer Kai Cenat bricht bei Twitch den Rekord bezahlter Abos.

Zahl des Tages: Mit mehr als 305.000 Subs bei Twitch ist YouTuber und Content Creator Kai Cenat der Streamer mit den meisten bezahlten Abos bei Amazons Live-Streamingdienst. Seit 1. Februar sendet er in einem Subathon 24 Stunden live, um neue Abos zu gewinnen. Cenat überholt den bisherigen Twitch-Rekordhalter Ludwig Ahgren, der im April 2021 während eines Dauer-Livestreams rund 283.000 Abonnenten hatte.
bbc.com, buffed.de

Lese-Tipp: Studie sieht in Journalismus-Plattformen Vorteile für Medienhäuser und die Gesellschaft.

Lese-Tipp: Journalismus-Plattformen im Stil von Spotify könnten Medien­häusern eine Steigerung der digitalen Abo-Umsätze um bis zu 40 % bringen, sagt die Studie "Coopetition is King" der Landesanstalt für Medien NRW. Mit einem geringen Pauschal-Preis von rund zehn Euro im Monat könnten Medien auch Bevölkerungs­gruppen erreichen, die sich vom Journalismus abzuwenden drohen sowie inhaltlichen "Verengungs­tendenzen" entgegen­wirken.
medienanstalt-nrw.de

Bundeskartellamt genehmigt Übernahme von Readly durch die Cafeyn Group.

Keine Bedenken: Das Bundes­kartell­amt gibt grünes Licht für die Teil-Übernahme von Readly durch die französische Cafeyn Group. Der schwedische Medien­konzern Bonnier will den Magazin-Flatrate-Anbieter übernehmen, selbst aber nur das skandinavische Geschäft behalten und die internationalen Aktivitäten an Cafeyn verkaufen. Die Franzosen betreiben zwar ein ähnliches Angebot wie Readly in mehreren europäischen Ländern, sind aber bisher nicht in Deutschland aktiv. Bis 3. Februar können Readly-Aktionäre das Bonnier-Angebot noch annehmen.
new-business.de, handelsblatt.com, bundeskartellamt.de

Analyse: Paid-Content-Erlöse von Publikumsmedien überschreiten Umsatzmarke von 1 Mrd Euro.

Paid-Content-Erlöse: Deutsche Publikums­medien erzielen mit Bezahl­inhalten aktuell 1,079 Mrd Euro pro Jahr, errechnet der Fachdienst PV Digest auf Grundlage der regulären Endkunden­preise. Das sind 23 % mehr als im Januar 2022. Über 90 % des Wachstums stammten aus der gestiegenen Anzahl an Digital-Abos, weniger als 10 % aus erhöhten Preisen. Knapp zwei Drittel der Paid-Content-Umsätze entfallen auf Tages­zeitungen, den größten Einzel-Umsatz macht die "Zeit".
pv-digest.de (€), horizont.net (€)

Zitat: Welt-Digital-Chefredakteur Oliver Michalsky erinnert sich an Einführung der Paywall vor 10 Jahren.

"Uns war klar, dass Qualitäts­journalismus im Netz langfristig nicht allein mit Hilfe von Werbung finanzierbar sein wird, dass wir als zweite wesentliche Ertrags­säule Vertriebs­erlöse bräuchten."

Oliver Michalsky, Chef­redakteur von Welt Digital, erinnert sich, wie die "Welt" heute vor 10 Jahren eine Paywall eingeführt hat. "Das Risiko des Reichweiten­verlusts war uns bewusst", sagt er. Die Entscheidung sei von dem Gedanken getragen gewesen, "dass eine noch stärkere Fokussierung auf Leser­bedürfnisse bei unserer täglichen Arbeit dies kompensieren würde".
turi2 – eigene Informationen

Table.Media startet Fach-Briefing zu Nachh­altigkeits­politik.

Table.Media von Sebastian Turner bringt mit ESG.Table ein wöchentliches Briefing zu Nach­haltig­keits­politik heraus. Caspar Dohmen und Torsten Sewing leiten die Redaktion. Das Briefing richtet sich an Führungs­kräfte in Unternehmen oder Verwaltungen, die über Einkauf, Investitionen oder Lieferketten entscheiden. Zum Start ist die Nutzung kostenlos, zu Folge­kosten sagt Table.Media nichts.
table.media

“Es ist total okay, mit Podcasts Geld zu verdienen.” – Podcast-Pionierin Larissa Vassilian über Schluss-Striche und Flausch aus dem Netz.



Nichts ist für die Ewigkeit: "Ich finde, man sollte mehr aus dem Internet wieder löschen", sagt Journalistin Larissa Vassilian im Jobs-Podcast mit turi2-Redakteur Björn Czieslik. Von 2005 bis 2014 hat sie den Podcast "Schlaflos in München" gemacht und war damit Pionierin in der damals noch recht überschaubaren Podcast-Landschaft in Deutschland. Zu hören sind die Episoden ihres Audio-Tagebuchs heute nirgendwo mehr: "Ich bin jetzt 46. Das sind Dinge, die habe ich ins Mikrofon geredet, da war ich 29. So bin ich nicht mehr." Zwar hat sie alle Podcast-Folgen noch gespeichert, aber seitdem nie wieder angehört. Das Ende habe sie damals lange vor sich hergeschoben – dabei überwog das schlechte Gewissen, keine neue Folge gemacht zu haben, der Freude, einen neuen Podcast zu produzieren. Heute sagt sie: "Ich würde mich freuen, wenn mehr Leute Striche ziehen unter bestimmte Projekte, statt diese ausplätschern zu lassen."

Zum Podcasten ist Larissa Vassilian aus Interesse an der Technik gekommen. Eines Nachts hatte sie alles zum Laufen gebracht und die erste Episode von "Schlaflos in München" hochgeladen. Was eigentlich nur ein Technik-Experiment sein sollte, fand überraschend seine Hörer: überwiegend Männer, weil auch die Podcast-Szene damals größtenteils männlich war. Bei "Schlaflos in München" podcastet Larissa Vassilian unter dem Pseudonym "Annik Rubens" – Annik ist ihr zweiter Vorname, Ruben der Name ihres Vaters. Damit will sie ihre Arbeit als Journalistin von ihrem Podcast-Hobby trennen. Es geht ihr aber auch um Sicherheit: Durch die Erzählungen aus ihrem Alltag im Podcast ließe sich eingrenzen, wo sie wohnt. "Ich hatte Angst, dass mir mal irgendein Idiot auflauert und vor der Tür steht." Im Impressum steht deshalb die Adresse ihrer Eltern, erst nach rund einem Jahr, als auch Medien auf sie aufmerksam werden, tritt sie auch bildlich in Erscheinung. Annik Rubens ist keine Rolle, vielmehr eine Facette von Larissa Vassilian: "Ich habe immer versucht, möglichst persönliche Dinge zu erzählen, aber nichts Privates."

Parallel zu "Schlaflos in München" startet Larissa Vassilian 2007 den Deutschlern-Podcast Slow German, angeregt durch internationale Hörerinnen, die sich eine langsamere Version ihres Podcasts wünschen. In den fünf- bis achtminütigen Episoden spricht sie über Themen aus Deutschland, langsam gesprochen und mit Manuskript zum Mitlesen. "Ich kriege da so viel Flausch und es tut so gut", sagt sie zu ihrem Antrieb, der sich inzwischen auch auszahlt. Podcast und Manuskripte sind kostenlos, für Zusatzmaterial zahlen Deutsch­lernende einen kleinen Betrag. Zusammen mit Einnahmen von YouTube, Patreon und Steady summiert sich das für Larissa Vassilian auf ein "passives Einkommen" auf 800 bis 1.000 Euro im Monat. Damit finanziert sie als Freie ihre Urlaubszeit, in der sie nichts verdient. "Es ist total okay, mit Podcasts Geld zu verdienen", sagt sie in Richtung derer, die die Nase rümpfen, weil ein Podcast ja doch auch Spaß mache.

Zwei Wochen im Monat arbeitet Larissa Vassilian im Web- und Social-Media-Team des kritisch-satirischen BR-Magazins Quer. Die anderen zwei Wochen recherchiert und produziert sie den Wissenschafts-Podcast Exzellent erklärt, in dem sie mit Forschenden z.B. über Quantenphysik, Mikrobiome oder Krebsforschung spricht. "Mich reizt daran, dass ich sehr intelligenten Menschen sehr blöde Fragen stellen darf." Gut vorbereitet und eingelesen geht sie mit "kindlicher Neugier" an die Themen ran und freut sich, wie sehr ihre Gesprächs­partnerinnen für ihr Fachgebiet brennen und der Welt davon mit Leidenschaft erzählen wollen. Eine Euphorie, die Larissa Vassilian in manchen Podcasts vermisst: "Wenn es nur aus dem Gedanken heraus kommt, 'Ich will damit erfolgreich sein, aber eigentlich habe ich keinen Bock drauf und würde lieber Video machen', dann sollte man es lassen."

Ihre Erfahrungen mit Podcast sowie Learnings und Praxis-Tipps hat Larissa Vassilian im Buch Podcasting! Von erfahrenen Podcastern lernen aufgeschrieben. Im Jobs-Podcast erzählt sie außerdem, was sie an der Arbeit als freie Journalistin schätzt, warum sie sich mehr kürzere Podcasts wünscht und weshalb sie sich heute manchmal vorkommt, wie die "Podcast-Oma". Das Gespräch erscheint im Rahmen der turi2 Podcast-Wochen. Weitere Interviews, Podcasts, Profi-Tipps und Hör-Empfehlungen gibt es täglich bis zum 9. Oktober. Am 12. Oktober erscheint außerdem die gedruckte turi2 edition #19 Audio – jetzt schon das kostenlose E-Paper vorbestellen.
turi2.tv (57-Min-Podcast bei YouTube), turi2.podigee.io (57-Min-Audio), spotify.com, podcast.apple.com, deezer.com, audionow.de

Sind Hörerinnen bereit, für Podcasts zu bezahlen, Laura Terberl?


Zahlen, bitte: Die “Süddeutsche Zeitung” fährt bei ihrer Podcast-Strategie dreigleisig. Das Audio- und Video-Team um Ressort­leiterin Laura Terberl produziert werbe­finanzierte Reichweiten-Podcast, Auftrags­produktionen für Plattformen wie Spotify und Audio-Serien, die hinter der eigenen Paywall landen. “Menschen sind bereit, für gute Inhalte zu bezahlen”, sagt Terberl im Interview. Ein reines Podcast-Abo hält sie aber momentan nicht für sinnvoll, weil es das Abo-Angebot zu sehr fragmentieren würde. Gesellschaftlich relevante, aber schwierige Stoffe wie NSU-Terror oder Kindes­missbrauch eigneten sich für die Werbe­vermarktung nur bedingt: “Gerade deshalb sind wir froh, solche wichtigen Themen im Rahmen von SZ-Plus erzählen zu können”, sagt sie. Das Interview erscheint innerhalb der turi2 Podcast-Wochen. Weiterlesen >>>

Sky und Dazn vermarkten Bundesliga-Angebote gemeinsam.

Fußball-Bündel: Die Pay-TV-Anbieter Sky und Dazn vermarkten ihre Fußball-Pakete aus einer Hand. Für 39 Euro im Monat bekommen Fans Zugang zu allen Bundesliga-Samstags­spielen sowie allen Zweit­liga-Partien bei Sky und den Freitags- und Sonntags­spielen sowie der Champions League bei Dazn. Beim Jahres-Abo liegt die Ersparnis nach eigenen Angaben bei 156 Euro im Vergleich zu den Standard­preisen.
presseportal.de

Was nichts kostet, ist auch nichts: Carsten Knop über Bezahl­schranken für sinn­stiftenden Journalismus.


Geldwerte Werte: Mit der zunehmenden Bereit­schaft der Leserinnen, für Qualitäts­­journalismus Geld zu zahlen, holt sich der Journalismus die Hoheit über seine Vertriebs­kanäle von Plattformen wie Facebook & Co zurück, schreibt Carsten Knop. Der “FAZ”-Herausgeber beobachtet, “dass es ein Wert auch für die Orientierung im eigenen Leben sein kann”, wenn Medien die Vielfalt der Informationen ordnen, Inhalte sortieren und über “Bedeutung und Publikations­­würdigkeit” entscheiden. turi2 veröffentlicht seinen Beitrag in Kooperation mit Republic, dem gemeinsamen Vermarkter der “FAZ” und der “Süddeutschen Zeitung”. Weiterlesen >>>

Der Siegeszug der Morgen-Newsletter – Teil 20: The Pioneer Briefing.


17. Januar 2022: Steingart gibt seinen Newslettern und Podcasts Bezahl-Beiboote.

Gabor Steingart erweitert seine Newsletter- und Podcast-Flotte um einige Brutto­register­tonnen und kündigt an, in diesem Jahr 8 Mio Euro zusätzlich in sein Unternehmen zu investieren. Der Medien-Kapitän lässt den Bau eines weiteren Redaktions­schiffs ("Pioneer Two") prüfen und will in diesem Jahr 25 neue Mitarbeiterinnen an Bord holen. Zum 1. März tauft er seinen Newsletter "Gabor Steingarts Morning Briefing" in ThePioneer Briefing um. Das Briefing gibt es seitdem als kostenlose "Economy-Edition" und als Bezahl­variante "ThePioneer Business Class".

Die Chronik der Morgen-Newsletter erscheint im Rahmen der Newsletter-Wochen zum 15. Geburtstag des turi2-Morgen-Newsletters.

Der Siegeszug der Morgen-Newsletter – Teil 18: FAZ Frühdenker.


1. April 2021: "FAZ Frühdenker" positioniert sich als Teaser fürs Bezahlen.

Die "FAZ" überarbeitet ihren "Newsletter für Deutschland" und benennt ihn um in FAZ Frühdenker. Neue Abonnentinnen erhalten ihn nur noch drei Monate lang kostenlos, danach werden sie aufgefordert, ein Abo abzuschließen. Die "FAZ" will so "das Paradigma durchbrechen, dass Nachrichten-Newsletter grundsätzlich kostenlos sind".

Das dürfte ein Trend werden im Rahmen der Paid-Strategien: Jahrelang wollten die Verlage mit ihren Newslettern hauptsächlich Appetit auf Bezahl­produkte wie die Zeitung oder ein Digital-Abo zu machen, jetzt sehen sie ihre Newsletter selbst als Produkt und versehen sie mit einem Preisschild.

Die Chronik der Morgen-Newsletter erscheint im Rahmen der Newsletter-Wochen zum 15. Geburtstag des turi2-Morgen-Newsletters.

Sebastian Esser: “Die Community ist das Produkt.”

https://www.turi2.de/wissen/newsletter/sebastian-esser-die-community-ist-das-produkt/
Mitgliederwerbung: Sebastian Esser ist Mitgründer des Magazins Krautreporter und der Online-Bezahl­plattform Steady. Anfang des Jahres hat er sich dort aus dem operativen Geschäft zurückgezogen, um sich einem eigenen Projekt zu widmen: Mit seinem Newsletter Blaupause will er Journalistinnen und Creators dabei helfen, Medien aufzubauen, die sich über Mitgliedschaften finanzieren. Während Blaupause selbst kostenlos ist, bietet Esser zahlenden Mitgliedern exklusive Video-Konferenzen an. “Jedes Mal treffen sich sehr verschiedene Mitglieder mit unterschiedlichen Kompetenzen, die aber alle am Aufbau eines Inhalte-Geschäfts arbeiten. Ich bin bei diesen Treffen nicht derjenige, der ihnen etwas erzählten könnte, sondern strukturiere nur”, berichtet er im Interview. “Die Community ist wirklich das Produkt.” Sein Rat: Wer einen Newsletter starten will, sollte das möglichst schnell tun – am besten noch in dieser Woche. Das Interview mit Esser erscheint im Rahmen der Newsletter-Wochen zum 15. Geburtstag des turi2-Morgen-Newsletters. Weiterlesen >>>

Der Siegeszug der Morgen-Newsletter – Teil 4: Welt Lage.


31. August 2009: Axel Springer startet die "Welt Lage" als Paid Modell

Die erste nationale Tageszeitung in Deutschland entdeckt den Morgen-Newsletter – und scheitert schnell mit einem Paid Modell. Springers "Welt" startet Ende August 2009 die "Welt Lage", einen "Überblick über die Nachrichten- und Debattenlage". Auch die "Welt Lage" setzt, wie turi2 und "Playbook", auf Aggregation, also den kuratierten Überblick am Morgen.

Die "Welt Lage" fasst Berichte und Kommentare von Medien aus dem In- und Ausland zusammen. Von Dezember 2009 an verlangt Springer 2,90 Euro pro Monat für diesen Service, doch der kuratierte Newsletter mit Preisschild ist ein Ladenhüter. Schon zum Jahresende 2009 wird die "Welt Lage" eingestellt.
turi2.de (gesamte Chronik)

Die Chronik der Morgen-Newsletter erscheint im Rahmen der Newsletter-Wochen zum 15. Geburtstag des turi2-Morgen-Newsletters.

US-Show “Dancing with the Stars” tanzt von ABC zu Disney+.

Abtanz: Dancing with the Stars, das US-Pendant zu "Let's dance", läuft ab Herbst nicht mehr beim Disney-Sender ABC sondern live beim Streaming­dienst Disney+. Der über­raschende Wechsel unter­mauert Disneys Ambitionen, das Portfolio von Disney+ breiter aufzu­stellen, um mehr bezahlte Abos abzu­schließen.
dwdl.de, edition.cnn.com, eu.usatoday.com

Debatte: Christian Seifert hat es mit Sport-Streaming nicht leicht, aber gute Chance auf Erfolg.

Sportliche Aufgabe: Ex-DFL-Chef Christian Seifert begibt sich mit seinem geplanten Sport-Streaming­dienst in einen Markt, der "sehr fragmentiert ist", doch wenn es einem gelingen kann, dann Seifert, hört das "Handelsblatt" aus Branchenkreisen. Im Sport werde ihm "jede Tür geöffnet". OMR-Autor Florian Rinke hält das Timing der Ankündigung für "gut geplant", weil in den kommenden Monaten in vielen Sport­arten die Gespräche über neue Rechte-Pakete beginnen.
handelsblatt.com (Paid), omr.com (Rinke), turi2.de (Background)

“New York Times” zahlt sieben­stelligen Betrag für Online-Hype-Spiel Wordle.


Haste Worte: Die "New York Times" übernimmt für einen "niedrigen sieben­stelligen Betrag" das Online-Wortspiel Wordle von Programmierer Josh Wardle. Ursprünglich hatte er das Spiel nur für seine Partnerin entwickelt, erst seit Oktober 2021 ist es online und hat in den vergangenen Monaten einen kometen­haften Aufstieg hingelegt: Waren es am 1. November 2021 noch 90 Spielerinnen am Tag und zu Jahresbeginn 300.000 täglich, sind es aktuell jeden Tagen "Millionen". Das Prinzip ist so simpel, wie faszinierend: Die Spielerinnen müssen mit maximal sechs Versuchen ein Wort mit fünf Buchstaben raten. Nach jedem Versuch sehen sie, ob die Buchstaben im Wort vorkommen und an der richtigen Stelle stehen. Laut "New York Times" soll das Spiel auch nach der Übernahme kostenlos bleiben.

Für die "NYT" ist die Übernahme von Wordle eine strategische Investition: Rätsel und Spiele sind neben den journalistischen Inhalten Teil des Paid-Content-Angebots der Zeitung. Von den zuletzt mehr als 8,4 Mio bezahlten Abos gehen 1 Mio auf das Konto des reinen Spiele-Abos, das Zugang zu allein mehr als 10.000 Kreuzwort-Rätseln bietet. Nach eigenen Angaben wurden die Spiele 2021 mehr als 500 Mio Mal gespielt. Weitere 1 Mio Nutzerinnen bezahlen für das Koch- und Rezepte-Angebot der "New York Times".
nytco.com, theverge.com, techcrunch.com

Hör-Tipp: Melanie Amann sieht keine Schwäche beim “Spiegel” sondern stärkere Konkurrenz.

Hör-Tipp: Nicht der "Spiegel" ist in seinen Recherchen schwächer geworden, sondern die Konkurrenz stärker, sagt Melanie Amann, Leiterin des "Spiegel"-Hauptstadt­büros, im Radioeins-Medien­magazin. Viele Investigativ-Journalistinnen, die heute etwa für die "Süddeutsche" mit Recherchen glänzen, seien ehemalige "Spiegel"-Leute. Eine Konkurrenz zwischen Online und Print sieht sie nicht, oft seien es die großen Geschichten aus dem gedruckten Magazin, die Digital-Abos generierten.
wwwagner.tv (16-Min-Interview in 104-Min-Audio)

Business Insider startet Paid-Podcast für 3,99 Euro im Monat.

Business Insider versucht den Spagat zwischen Paid Content und Reichweite: Den Podcast Macht und Millionen gibt es künftig für zahlende Kundschaft eine Woche früher bei Spotify und Apple. Zusätzlich gibt es Zugang zur 1. Staffel, die komplett hinter die Paywall wandert. Das Podcast-Abo kostet 3,99 Euro pro Monat.
macht-und-millionen.podigee.io