Paid Content ist der Versuch der Verleger, dem Online-Journalismus ein Preisschild anzuheften. lexikon2.de

“Es ist total okay, mit Podcasts Geld zu verdienen.” – Podcast-Pionierin Larissa Vassilian über Schluss-Striche und Flausch aus dem Netz.



Nichts ist für die Ewigkeit: "Ich finde, man sollte mehr aus dem Internet wieder löschen", sagt Journalistin Larissa Vassilian im Jobs-Podcast mit turi2-Redakteur Björn Czieslik. Von 2005 bis 2014 hat sie den Podcast "Schlaflos in München" gemacht und war damit Pionierin in der damals noch recht überschaubaren Podcast-Landschaft in Deutschland. Zu hören sind die Episoden ihres Audio-Tagebuchs heute nirgendwo mehr: "Ich bin jetzt 46. Das sind Dinge, die habe ich ins Mikrofon geredet, da war ich 29. So bin ich nicht mehr." Zwar hat sie alle Podcast-Folgen noch gespeichert, aber seitdem nie wieder angehört. Das Ende habe sie damals lange vor sich hergeschoben – dabei überwog das schlechte Gewissen, keine neue Folge gemacht zu haben, der Freude, einen neuen Podcast zu produzieren. Heute sagt sie: "Ich würde mich freuen, wenn mehr Leute Striche ziehen unter bestimmte Projekte, statt diese ausplätschern zu lassen."

Zum Podcasten ist Larissa Vassilian aus Interesse an der Technik gekommen. Eines Nachts hatte sie alles zum Laufen gebracht und die erste Episode von "Schlaflos in München" hochgeladen. Was eigentlich nur ein Technik-Experiment sein sollte, fand überraschend seine Hörer: überwiegend Männer, weil auch die Podcast-Szene damals größtenteils männlich war. Bei "Schlaflos in München" podcastet Larissa Vassilian unter dem Pseudonym "Annik Rubens" – Annik ist ihr zweiter Vorname, Ruben der Name ihres Vaters. Damit will sie ihre Arbeit als Journalistin von ihrem Podcast-Hobby trennen. Es geht ihr aber auch um Sicherheit: Durch die Erzählungen aus ihrem Alltag im Podcast ließe sich eingrenzen, wo sie wohnt. "Ich hatte Angst, dass mir mal irgendein Idiot auflauert und vor der Tür steht." Im Impressum steht deshalb die Adresse ihrer Eltern, erst nach rund einem Jahr, als auch Medien auf sie aufmerksam werden, tritt sie auch bildlich in Erscheinung. Annik Rubens ist keine Rolle, vielmehr eine Facette von Larissa Vassilian: "Ich habe immer versucht, möglichst persönliche Dinge zu erzählen, aber nichts Privates."

Parallel zu "Schlaflos in München" startet Larissa Vassilian 2007 den Deutschlern-Podcast Slow German, angeregt durch internationale Hörerinnen, die sich eine langsamere Version ihres Podcasts wünschen. In den fünf- bis achtminütigen Episoden spricht sie über Themen aus Deutschland, langsam gesprochen und mit Manuskript zum Mitlesen. "Ich kriege da so viel Flausch und es tut so gut", sagt sie zu ihrem Antrieb, der sich inzwischen auch auszahlt. Podcast und Manuskripte sind kostenlos, für Zusatzmaterial zahlen Deutsch­lernende einen kleinen Betrag. Zusammen mit Einnahmen von YouTube, Patreon und Steady summiert sich das für Larissa Vassilian auf ein "passives Einkommen" auf 800 bis 1.000 Euro im Monat. Damit finanziert sie als Freie ihre Urlaubszeit, in der sie nichts verdient. "Es ist total okay, mit Podcasts Geld zu verdienen", sagt sie in Richtung derer, die die Nase rümpfen, weil ein Podcast ja doch auch Spaß mache.

Zwei Wochen im Monat arbeitet Larissa Vassilian im Web- und Social-Media-Team des kritisch-satirischen BR-Magazins Quer. Die anderen zwei Wochen recherchiert und produziert sie den Wissenschafts-Podcast Exzellent erklärt, in dem sie mit Forschenden z.B. über Quantenphysik, Mikrobiome oder Krebsforschung spricht. "Mich reizt daran, dass ich sehr intelligenten Menschen sehr blöde Fragen stellen darf." Gut vorbereitet und eingelesen geht sie mit "kindlicher Neugier" an die Themen ran und freut sich, wie sehr ihre Gesprächs­partnerinnen für ihr Fachgebiet brennen und der Welt davon mit Leidenschaft erzählen wollen. Eine Euphorie, die Larissa Vassilian in manchen Podcasts vermisst: "Wenn es nur aus dem Gedanken heraus kommt, 'Ich will damit erfolgreich sein, aber eigentlich habe ich keinen Bock drauf und würde lieber Video machen', dann sollte man es lassen."

Ihre Erfahrungen mit Podcast sowie Learnings und Praxis-Tipps hat Larissa Vassilian im Buch Podcasting! Von erfahrenen Podcastern lernen aufgeschrieben. Im Jobs-Podcast erzählt sie außerdem, was sie an der Arbeit als freie Journalistin schätzt, warum sie sich mehr kürzere Podcasts wünscht und weshalb sie sich heute manchmal vorkommt, wie die "Podcast-Oma". Das Gespräch erscheint im Rahmen der turi2 Podcast-Wochen. Weitere Interviews, Podcasts, Profi-Tipps und Hör-Empfehlungen gibt es täglich bis zum 9. Oktober. Am 12. Oktober erscheint außerdem die gedruckte turi2 edition #19 Audio – jetzt schon das kostenlose E-Paper vorbestellen.
turi2.tv (57-Min-Podcast bei YouTube), turi2.podigee.io (57-Min-Audio), spotify.com, podcast.apple.com, deezer.com, audionow.de

Sind Hörerinnen bereit, für Podcasts zu bezahlen, Laura Terberl?


Zahlen, bitte: Die “Süddeutsche Zeitung” fährt bei ihrer Podcast-Strategie dreigleisig. Das Audio- und Video-Team um Ressort­leiterin Laura Terberl produziert werbe­finanzierte Reichweiten-Podcast, Auftrags­produktionen für Plattformen wie Spotify und Audio-Serien, die hinter der eigenen Paywall landen. “Menschen sind bereit, für gute Inhalte zu bezahlen”, sagt Terberl im Interview. Ein reines Podcast-Abo hält sie aber momentan nicht für sinnvoll, weil es das Abo-Angebot zu sehr fragmentieren würde. Gesellschaftlich relevante, aber schwierige Stoffe wie NSU-Terror oder Kindes­missbrauch eigneten sich für die Werbe­vermarktung nur bedingt: “Gerade deshalb sind wir froh, solche wichtigen Themen im Rahmen von SZ-Plus erzählen zu können”, sagt sie. Das Interview erscheint innerhalb der turi2 Podcast-Wochen. Weiterlesen >>>

Sky und Dazn vermarkten Bundesliga-Angebote gemeinsam.

Fußball-Bündel: Die Pay-TV-Anbieter Sky und Dazn vermarkten ihre Fußball-Pakete aus einer Hand. Für 39 Euro im Monat bekommen Fans Zugang zu allen Bundesliga-Samstags­spielen sowie allen Zweit­liga-Partien bei Sky und den Freitags- und Sonntags­spielen sowie der Champions League bei Dazn. Beim Jahres-Abo liegt die Ersparnis nach eigenen Angaben bei 156 Euro im Vergleich zu den Standard­preisen.
presseportal.de

Was nichts kostet, ist auch nichts: Carsten Knop über Bezahl­schranken für sinn­stiftenden Journalismus.


Geldwerte Werte: Mit der zunehmenden Bereit­schaft der Leserinnen, für Qualitäts­­journalismus Geld zu zahlen, holt sich der Journalismus die Hoheit über seine Vertriebs­kanäle von Plattformen wie Facebook & Co zurück, schreibt Carsten Knop. Der “FAZ”-Herausgeber beobachtet, “dass es ein Wert auch für die Orientierung im eigenen Leben sein kann”, wenn Medien die Vielfalt der Informationen ordnen, Inhalte sortieren und über “Bedeutung und Publikations­­würdigkeit” entscheiden. turi2 veröffentlicht seinen Beitrag in Kooperation mit Republic, dem gemeinsamen Vermarkter der “FAZ” und der “Süddeutschen Zeitung”. Weiterlesen >>>

Der Siegeszug der Morgen-Newsletter – Teil 20: The Pioneer Briefing.


17. Januar 2022: Steingart gibt seinen Newslettern und Podcasts Bezahl-Beiboote.

Gabor Steingart erweitert seine Newsletter- und Podcast-Flotte um einige Brutto­register­tonnen und kündigt an, in diesem Jahr 8 Mio Euro zusätzlich in sein Unternehmen zu investieren. Der Medien-Kapitän lässt den Bau eines weiteren Redaktions­schiffs ("Pioneer Two") prüfen und will in diesem Jahr 25 neue Mitarbeiterinnen an Bord holen. Zum 1. März tauft er seinen Newsletter "Gabor Steingarts Morning Briefing" in ThePioneer Briefing um. Das Briefing gibt es seitdem als kostenlose "Economy-Edition" und als Bezahl­variante "ThePioneer Business Class".

Die Chronik der Morgen-Newsletter erscheint im Rahmen der Newsletter-Wochen zum 15. Geburtstag des turi2-Morgen-Newsletters.

Der Siegeszug der Morgen-Newsletter – Teil 18: FAZ Frühdenker.


1. April 2021: "FAZ Frühdenker" positioniert sich als Teaser fürs Bezahlen.

Die "FAZ" überarbeitet ihren "Newsletter für Deutschland" und benennt ihn um in FAZ Frühdenker. Neue Abonnentinnen erhalten ihn nur noch drei Monate lang kostenlos, danach werden sie aufgefordert, ein Abo abzuschließen. Die "FAZ" will so "das Paradigma durchbrechen, dass Nachrichten-Newsletter grundsätzlich kostenlos sind".

Das dürfte ein Trend werden im Rahmen der Paid-Strategien: Jahrelang wollten die Verlage mit ihren Newslettern hauptsächlich Appetit auf Bezahl­produkte wie die Zeitung oder ein Digital-Abo zu machen, jetzt sehen sie ihre Newsletter selbst als Produkt und versehen sie mit einem Preisschild.

Die Chronik der Morgen-Newsletter erscheint im Rahmen der Newsletter-Wochen zum 15. Geburtstag des turi2-Morgen-Newsletters.

Sebastian Esser: “Die Community ist das Produkt.”

https://www.turi2.de/wissen/newsletter/sebastian-esser-die-community-ist-das-produkt/
Mitgliederwerbung: Sebastian Esser ist Mitgründer des Magazins Krautreporter und der Online-Bezahl­plattform Steady. Anfang des Jahres hat er sich dort aus dem operativen Geschäft zurückgezogen, um sich einem eigenen Projekt zu widmen: Mit seinem Newsletter Blaupause will er Journalistinnen und Creators dabei helfen, Medien aufzubauen, die sich über Mitgliedschaften finanzieren. Während Blaupause selbst kostenlos ist, bietet Esser zahlenden Mitgliedern exklusive Video-Konferenzen an. “Jedes Mal treffen sich sehr verschiedene Mitglieder mit unterschiedlichen Kompetenzen, die aber alle am Aufbau eines Inhalte-Geschäfts arbeiten. Ich bin bei diesen Treffen nicht derjenige, der ihnen etwas erzählten könnte, sondern strukturiere nur”, berichtet er im Interview. “Die Community ist wirklich das Produkt.” Sein Rat: Wer einen Newsletter starten will, sollte das möglichst schnell tun – am besten noch in dieser Woche. Das Interview mit Esser erscheint im Rahmen der Newsletter-Wochen zum 15. Geburtstag des turi2-Morgen-Newsletters. Weiterlesen >>>

Der Siegeszug der Morgen-Newsletter – Teil 4: Welt Lage.


31. August 2009: Axel Springer startet die "Welt Lage" als Paid Modell

Die erste nationale Tageszeitung in Deutschland entdeckt den Morgen-Newsletter – und scheitert schnell mit einem Paid Modell. Springers "Welt" startet Ende August 2009 die "Welt Lage", einen "Überblick über die Nachrichten- und Debattenlage". Auch die "Welt Lage" setzt, wie turi2 und "Playbook", auf Aggregation, also den kuratierten Überblick am Morgen.

Die "Welt Lage" fasst Berichte und Kommentare von Medien aus dem In- und Ausland zusammen. Von Dezember 2009 an verlangt Springer 2,90 Euro pro Monat für diesen Service, doch der kuratierte Newsletter mit Preisschild ist ein Ladenhüter. Schon zum Jahresende 2009 wird die "Welt Lage" eingestellt.
turi2.de (gesamte Chronik)

Die Chronik der Morgen-Newsletter erscheint im Rahmen der Newsletter-Wochen zum 15. Geburtstag des turi2-Morgen-Newsletters.

Debatte: Christian Seifert hat es mit Sport-Streaming nicht leicht, aber gute Chance auf Erfolg.

Sportliche Aufgabe: Ex-DFL-Chef Christian Seifert begibt sich mit seinem geplanten Sport-Streaming­dienst in einen Markt, der "sehr fragmentiert ist", doch wenn es einem gelingen kann, dann Seifert, hört das "Handelsblatt" aus Branchenkreisen. Im Sport werde ihm "jede Tür geöffnet". OMR-Autor Florian Rinke hält das Timing der Ankündigung für "gut geplant", weil in den kommenden Monaten in vielen Sport­arten die Gespräche über neue Rechte-Pakete beginnen.
handelsblatt.com (Paid), omr.com (Rinke), turi2.de (Background)

“New York Times” zahlt sieben­stelligen Betrag für Online-Hype-Spiel Wordle.


Haste Worte: Die "New York Times" übernimmt für einen "niedrigen sieben­stelligen Betrag" das Online-Wortspiel Wordle von Programmierer Josh Wardle. Ursprünglich hatte er das Spiel nur für seine Partnerin entwickelt, erst seit Oktober 2021 ist es online und hat in den vergangenen Monaten einen kometen­haften Aufstieg hingelegt: Waren es am 1. November 2021 noch 90 Spielerinnen am Tag und zu Jahresbeginn 300.000 täglich, sind es aktuell jeden Tagen "Millionen". Das Prinzip ist so simpel, wie faszinierend: Die Spielerinnen müssen mit maximal sechs Versuchen ein Wort mit fünf Buchstaben raten. Nach jedem Versuch sehen sie, ob die Buchstaben im Wort vorkommen und an der richtigen Stelle stehen. Laut "New York Times" soll das Spiel auch nach der Übernahme kostenlos bleiben.

Für die "NYT" ist die Übernahme von Wordle eine strategische Investition: Rätsel und Spiele sind neben den journalistischen Inhalten Teil des Paid-Content-Angebots der Zeitung. Von den zuletzt mehr als 8,4 Mio bezahlten Abos gehen 1 Mio auf das Konto des reinen Spiele-Abos, das Zugang zu allein mehr als 10.000 Kreuzwort-Rätseln bietet. Nach eigenen Angaben wurden die Spiele 2021 mehr als 500 Mio Mal gespielt. Weitere 1 Mio Nutzerinnen bezahlen für das Koch- und Rezepte-Angebot der "New York Times".
nytco.com, theverge.com, techcrunch.com

Hör-Tipp: Melanie Amann sieht keine Schwäche beim “Spiegel” sondern stärkere Konkurrenz.

Hör-Tipp: Nicht der "Spiegel" ist in seinen Recherchen schwächer geworden, sondern die Konkurrenz stärker, sagt Melanie Amann, Leiterin des "Spiegel"-Hauptstadt­büros, im Radioeins-Medien­magazin. Viele Investigativ-Journalistinnen, die heute etwa für die "Süddeutsche" mit Recherchen glänzen, seien ehemalige "Spiegel"-Leute. Eine Konkurrenz zwischen Online und Print sieht sie nicht, oft seien es die großen Geschichten aus dem gedruckten Magazin, die Digital-Abos generierten.
wwwagner.tv (16-Min-Interview in 104-Min-Audio)

Business Insider startet Paid-Podcast für 3,99 Euro im Monat.

Business Insider versucht den Spagat zwischen Paid Content und Reichweite: Den Podcast Macht und Millionen gibt es künftig für zahlende Kundschaft eine Woche früher bei Spotify und Apple. Zusätzlich gibt es Zugang zur 1. Staffel, die komplett hinter die Paywall wandert. Das Podcast-Abo kostet 3,99 Euro pro Monat.
macht-und-millionen.podigee.io

Cordula Schmitz verantwortet digitales Abo-Geschäft beim “Hamburger Abendblatt”.

Hamburger Abendblatt macht Cordula Schmitz zur Vize-Chefredakteurin mit Verantwortung für das digitale Abo-Geschäft. Sie kommt von G+J, wo sie zuletzt in gleicher Funktion bei stern.de tätig war. Beim "Abendblatt" arbeitet Schmitz mit Frank Mares zusammen, zuletzt Leiter des Online-Ressorts, der ebenfalls in die Chef­redaktion aufrückt. Ruth Betz, Geschäftsleiterin Digital News bei Funke in Hamburg, verlässt den Verlag und arbeitet künftig als Coach.
funkemedien.de

Porno-Verbot bei OnlyFans bedroht Exisztenz­grundlage von Content Creatorn.

OnlyFans entzieht Sex-Arbeiterinnen mit dem angekündigten Porno-Verbot die Lebens­grundlage, schreibt Matthias Kreienbrink. Die Plattform sei bisher ein "sicherer Raum" gewesen, wo Content Creator unkompliziert Geld verdienen konnten, "von Zuhause, unter ihren eigenen Bedingungen" und ohne Stigmatisierung. Andere Bezahl-Plattformen, die sexuelle Inhalte aufnehmen könnten, stehen bereit, fraglich sei, ob zahlender Follower mitziehen.
spiegel.de (Paid), turi2.de (Background), issuu.com (turi2 edition #14 über OnlyFans)

Hör-Tipp: “Was mit Medien” analysiert den Digital News Report 2021.

Hör-Tipp: Bei "Was mit Medien" analysieren Anne-Kathrin Gerstlauer (Foto) und Simon Hurtz zusammen mit Daniel Fiene und Sebastian Pähler die Ergebnisse des Digital News Reports 2021. Demnach tun sich klassische Medien weiterhin schwer, den Nachrichtenkonsum der Generation Z einzuschätzen und zu Geld zu machen. Unklar ist, was von den Reichweiten-Zuwächsen während der Pandemie dauerhaft übrig bleibt.
wasmitmedien.de (60-Min-Audio ab 5:25)

Business Insider Deutschland bekommt eine Paywall.

Zahlen, bitte: Business Insider Deutschland, News-Portal für Wirtschaft und Digitales von Springer, bittet Nutzerinnen für bestimmte Inhalte künftig zur Kasse. "Aufwändig recherchierte Hintergrundartikel und exklusive Interviews" gibt es ab heute nur noch für Abonnentinnen. Der Zugang kostet 9,99 Euro pro Monat, inkludiert sind zudem die Bezahl-Inhalte von Gründerszene, die seit mehr als einem Jahr unter dem BI-Dach arbeitet. Perspektivisch sollen deutsche Abonnentinnen mit dem Abo auch auf Inhalte der internationalen Ausgaben von Business Insider zugreifen können. Die Mutter-Seite in den USA ist bereits länger kostenpflichtig.

"Wir haben in den vergangenen Jahren erheblich in Qualität investiert. Seit 2019 hat sich die Größe unseres Redaktionsteams verdoppelt und unsere journalistische Vielfalt deutlich gesteigert", sagen die BI-Chefs Romanus Otte und Jakob Wais. Jetzt sei es an der Zeit, das Geschäftsmodell der gestiegenen Relevanz des Angebots anzupassen.
businessinsider.de

Video-Tipp: Künstlerinnen kämpfen für faire Bezahlung beim Musik-Streaming.

Video-Tipp: Streaming-Plattformen wie Spotify dominieren das Musik-Geschäft, bringen Künstlerinnen aber kaum Geld ein, teils manipulierte Klick­zahlen verschärfen die Situation. Die ZDF-Doku Kampf um Klicks – Wer kassiert beim Musik-Streaming? geht der Frage nach, wie die Einnahmen anders verteilt werden könnten – und versucht, einem unbekannten Song in die Charts zu verhelfen.
zdf.de (29-Min-Video), presseportal.de

Zahl des Tages: “New York Times” wächst mit Spielen und Kochrezepten auf knapp 8 Mio Abos.

Zahl des Tages: Insgesamt knapp 8 Mio Abos zählt die "New York Times" im 2. Quartal. 7,1 Mio davon sind reine Digital-Abos. Innerhalb von drei Monaten sind 142.000 neue Abonnentinnen hinzugekommen. 45 % davon haben kein News-Abo, sondern das Kochrezepte-, Spiele- oder Audio-Abo der "NYT" abgeschlossen.
niemanlab.org, nytimes.com

Lese-Tipp: Subify fischt bei Influencerinnen, die YouTube für Werbung sperrt.

Lese-Tipp: Die Plattform Subify entwickelt sich unter dem Radar zu einem weiteren Player, mit dem Social-Media-Stars ihre Inhalte zu Geld machen können, schreibt Roland Eisenbrand. Nutzerinnen zahlen einen monatlichen Betrag und bekommen dafür exklusive Inhalte ihrer Stars. Die Plattform richte sich offenbar gezielt an Creator, die aufgrund ihres umstrittenen Contents von YouTube für Werbung gesperrt sind oder waren.
omr.com

ProSiebenSat.1 zieht Audio-App Fyeo im Herbst den Stecker.

Stumm geschaltet: ProSiebenSat.1 stellt seine Audio-App Fyeo im Herbst nach gut einem Jahr wieder ein. Der Name soll aber als Content-Marke erhalten bleiben. Stattdessen spielt Seven.One Audio Podcast und Eigenproduktionen über Plattformen wie Apple Podcasts aus – dort gibt es auch weiter einen Fyeo-Kanal für die kostenpflichtigen Serien. Im Laufe des Jahres sollen neue Formate aus den Bereichen Doku und Fiction erscheinen. Bei den kostenfreien Formaten rückt die Vermarktung in der Vordergrund, u.a. mit eigenen Ad-Servern für native Werbung. Das App-Geschäftsmodell sei "wirtschaftlich dauerhaft nicht attraktiv genug", sagt Katharina Frömsdorf, Chefin der der Seven.One Ad Factory.
turi2 – eigene Infos, dwdl.de, horizont.net (Paid)

Bundesregierung hält staatliche Anreize für kooperative Medienplattform für nötig.

Digitaler Kiosk: Eine kooperative, verlags­über­greifende Medien­plattform braucht staatliche Anreize, liest Marvin Schade aus dem Medien- und Kommunikations­bericht der Bundesregierung. Für Medien­anbieter gebe es wirtschaftlich keinen Grund für eine Kooperation, weshalb eine entsprechende Plattform nicht ohne "ein passend gestaffeltes Preis­subventionierungs­system auskäme". Extra Geld soll es dafür aber nicht geben: Stattdessen schlägt der Bericht eine Umverteilung bisheriger Mittel vor – und denkt dabei an den Rundfunk­beitrag.
medieninsider.com (Zusammenfassung, Paid), bundesregierung.de (Bericht, 40-Seiten-PDF)

Twitter startet Bezahl-Funktionen mit ersten Test-Nutzerinnen.

Twitter testet in den USA mit ersten Promis seine neuen Bezahl-Funktionen. Super Follows verspricht regel­mäßige Einnahmen von besonders engen Fans, die Funktion Ticketed Spaces ermöglicht kosten­pflichtige Audio-Talks zum Preis zwischen 1 und 999 Dollar. Von Einnahmen bis zu 50.000 Dollar will Twitter 3 % abbekommen, bei höheren Erlösen steigt die Provision auf 20 %.
spiegel.de, variety.com, media.twitter.com


“Horizont”: “Spiegel” schließt Corona-Jahr mit Umsatzminus und Gewinnplus ab.


Von Corona genesen: Der "Spiegel" bringt im Pandemie-Jahr 2020 das Kunststück fertig, bei sinkenden Umsätzen und einbrechenden Werbe­märkten unterm Strich den Gewinn des Verlags deutlich zu steigern. Grund dafür sind harte Einschnitte auf der Kosten­seite. Wie Roland Pimpl bei "Horizont" berichtet, ist der Umsatz der Spiegel-Gruppe um knapp 11 Mio Euro bzw. 4,1 % auf rund 256 Mio Euro gesunken. Das Vermarktungs­geschäft bricht gar um knapp ein Fünftel, rund 18 Mio Euro, auf nur noch 81 Mio Euro ein. Großer "Bilanzretter" sind die Vertriebs­erlöse, die um 10 Mio Euro auf 130 Mio Euro steigen und mit 51 % erstmals mehr als die Hälfte der Gesamterlöse ausmachen. Allein das Digital-Abo Spiegel+ erlöst 11 Mio Euro mehr als 2019, davon gehen 3,5 Mio Euro aufs Konto der Mehrwertsteuer­senkung für digitale Presse­produkte.

Auf der Kostenseite hat die Spiegel-Gruppe ihre Ausgaben mit einem Corona-Sparprogramm um mehr als 11 Mio Euro gesenkt, u.a. durch den Wegfall unrentabler Auflagen­bestandteile, Projektstopps, weniger Marketing und geringere Reisekosten. Harte Einschnitte gab es beim Personal, wo der Verlag freiwerdende Stellen nicht neubesetzt hat. In den kommenden Jahren will die Spiegel-Gruppe ihre Ausgaben dauerhaft um weitere 10 Mio senken, mittelfristig wohl auch durch Stellenstreichungen.
horizont.net (Paid), turi2.de (Background)

Mitarbeit: Björn Czieslik

“11Freunde” machen ihr Bezahl-Angebot zum Club.

11Freunde, Fußballmagazin von Gruner + Jahr, stellen ihr Bezahl-Angebot um und eröffnen den digitalen 11Freunde-Club. Chefredakteur Philipp Köster will einen Ort schaffen, den die Leserinnen "gerne besuchen". Mitglieder erhalten Zugang zum Archiv, aktuelle Reportagen und Interviews sowie Podcasts und Events. Abonnentinnen des gedruckten Magazins haben freien Eintritt, die rein digitale Mitgliedschaft kostet 4,99 Euro im Monat.
11freunde.de, aboshop.11freunde.de

Facebook unterstützt 18 Medienhäuser bei der Entwicklung digitaler Bezahlmodelle.


Blaue Freundschaftsanfrage: Facebook sichert sich mit einer Neuauflage seines Accelerator-Programms die Sympathie lokaler Medien. Das Programm unterstützt Verlage mit Workshops und Beratung bei der Entwicklung digitaler Bezahl­modelle. Für die Umsetzung individueller Projekte und Prototypen stellt Facebook den Verlagen jeweils 50.000 Euro zur Verfügung. Mit dabei sind 18 Medien­häuser aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, u.a. der "Tagesspiegel", die "Hamburger Morgenpost", Krautreporter und VRM sowie die "Passauer Neue Presse".

Die erste Runde fand 2019 statt, 2020 musste das Programm coronabedingt pausieren. Die zweite Runde läuft nun nun virtuell. Auf dem Stundenplan steht ein dreimonatiges Workshop- und Coaching-Programm für die teilnehmenden Medienhäuser, dazu gehört auch ein länderübergreifender Austausch mit Medien aus den Benelux-Staaten und Skandinavien.
about.fb.com, meedia.de

Clubhouse startet eine Bezahl-Funktion.


Ich werf die Fuffies durch den Club: Clubhouse erlaubt seinen Kreativen ab sofort, Geld auf der Plattform einzunehmen. Künftig können alle Nutzerinnen anderen Usern Geld senden. Dafür müssen sie nur das Profil der Person aufrufen und den neuen Button "Send Money" anklicken. Nutzerinnen müssen für Zahlungen eine Kreditkarte hinterlegen. Geld senden können laut Clubhouse bereits alle, die Funktion, Geld empfangen zu können, werde in Wellen ausgerollt. Zum Start ist eine nicht näher definierte, kleine Testgruppe bereits freigeschaltet.

Als Dienstleister wickelt Stripe die Zahlungen ab und verlangt von der Empfängerin eine kleine Gebühr. Clubhouse gibt an, kein Geld abzuziehen. Die Audio-App schreibt in einem Blogpost, die neue Funktion sei die erste von vielen Features, die Produzentinnen erlauben werde, direkt auf Clubhouse bezahlt zu werden.
joinclubhouse.com, techcrunch.com

Clubhouse-Konkurrent Fireside will Audio-Chats zu Geld machen.

Fireside sagt Clubhouse den Kampf an: Die Audio-Chat-App, hinter der US-Unternehmer Mark Cuban steht, soll noch 2021 starten und will "Podcast-Plattform der nächsten Generation" sein. Die Live-Gespräche lassen sich mit der App aufzeichnen, Moderator*innen sollen die Möglichkeit bekommen, mit ihren Gesprächsrunden Geld zu verdienen.
theverge.com via wuv.de

Liegt die Zukunft im Pay- oder im Free-TV, Susanne Aigner-Drews?


Friedliche Nebeneinander: Discovery-Chefin Susanne Aigner-Drews freut sich über die wachsende Vielfalt im Fernsehen. In der turi2 edition #13 will sie sich nicht zwischen Pay- und Free-TV entscheiden – dass die Zahlungsbereitschaft zuletzt gestiegen, freut sie aber. Sie können den Gastbeitrag hier im kostenlosen E-Paper lesen oder das Buch hier gedruckt bestellen. Weiterlesen …

Sportdeutschland.TV überträgt Handball-WM 2021.

Sportdeutschland.TV von ProSiebenSat.1 zeigt die Handball-WM 2021 der Männer im Januar in Ägypten gegen Bezahlung. Das Turnier-Ticket für 10 Euro bietet Zugang zu allen 108 Partien, live und auf Abruf. Einzel-Spiele kosten 3,50 Euro, Aufzeichnungen 1,99 Euro, nach 48 Stunden sind sie frei abrufbar. Die Spiele der deutschen Handball-Nationalmannschaft zeigen auch ARD und ZDF.
dwdl.de

Bertelsmann beteiligt sich am britischen Abo-Dienstleister Zephr.

Bertelsmann steigt über seine Tochter Bertelsmann Digital Media Investments beim britischen Startup Zephr ein. Der Investment-Arm führt eine Finanzierungsrunde über insgesamt 8 Mio Dollar an. Zephr bietet Medienunternehmen Tools zur Analyse von Digitalabos an und zählt u.a. die "New York Times", Conde Nast und News Corp. zu seinen Kunden.
new-business.de

The Correspondent macht dicht.

The Correspondent, englischer Ableger des niederländischen Krautreporter-Vorbildes De Correspondent, stellt seinen Betrieb zum Jahresende ein. Als Grund nennt die Plattform einen deutlichen Anstieg der Abo-Kündigungen in den vergangenen drei Monaten und damit Finanzierungsprobleme. Das niederländische Original soll weiter existieren.
sueddeutsche.de

Aus dem Archiv von turi2.tv: Rob Wijnberg fährt mit De Correspondent auf Expansions-Kurs. (10/2015)

Video-Tipp: Zahlungsbereitschaft ist ein Indiz für Qualitätsjournalismus, sagt Cornelius Frey.

Video-Tipp: Die wachsende Zahlungsbereitschaft für Journalismus ist ein Messgrad für Qualität, sagt Cornelius Frey, Bruder von Pia Frey und Co-Gründer von Opinary, im Interview mit unseren Video-Koop-Partner "Horizont". Als Positiv-Beispiele nennt Frey die "FAZ" und "Katapult". Vom reinen Umfrage-Tool hat sich Opinary zu einem Abgleich der eigenen Sichtweise mit anderen entwickel. Es richte sich zunehmend auch an Unternehmen, die ein Stimmungsbild einholen wollen.
horizont.net, youtube.com (15-Min-Video)

Bei Übermedien darf nur noch kommentieren, wer bezahlt.

Übermedien stellt die Kommentar-Funktion hinter die Paywall: Ab sofort dürften Beiträge nur noch zahlende Unterstütz*innen kommentieren, mitlesen können weiterhin alle. Stefan Niggemeier argumentiert, die Kommentare seien in ihrer derzeitigen Form "oft ein unwirtlicher Ort" und wirkten zuweilen "wie eine Kampfarena", die Beschränkung soll zu "besseren Diskussionen" führen. Aus dem gleichen Grund erlaubt seit Anfang November auch die "Welt" das Kommentieren nur noch zahlenden Abonnent*innen.
mailchi.mp, turi2.de (Background "Welt")

Die Onlineplattform OnlyFans wird zum kostenpflichtigen Erotik-Instagram.

OnlyFans ist der neue Star in der Social-Media-Welt, berichtet Dennis Kogel. Das Netzwerk erinnert zunächst an Facebook oder Instagram. Unterschied: Die Nutzer*innen können Geld dafür verlangen, dass andere ihnen folgen können oder Nachrichten schicken. Meist nehmen sie dafür 10 bis 30 Dollar. Rund 4.000 Menschen bieten in Deutschland derzeit Inhalte über OnlyFans an, weltweit sind 30 Mio Accounts registriert, die meisten suchen nach Erotik-Inhalten. Einige Nutzer*innen generieren im Monat fünfstellige Einnahmen, auch Influencer anderer Netzwerke fühlen sich hier zum Teil sicher genug, mehr Haut zu zeigen.
deutschlandfunkkultur.de (inkl. 13-Min-Video)

Krautreporter suchen weitere 1.300 Abonnent*innen.

Krautreporter bezeichnen sich selbst als in der Krise, sind aber gar nicht so weit von stabilen Zahlen entfernt, sagt Genossenschaftsvorstand Leon Fryszer im Interview mit Medieninsider Marvin Schade. Aktuell habe das Portal etwa 13.700 Mitglieder, rund 1.300 weitere fehlen, um tragfähig zu sein. Klappt das 2020 noch nicht, werde das den Krautreportern noch nicht "das Genick brechen". Auch bisher habe das Angebot durch Vorschüsse und Förderungen noch Geld aufgetrieben. Das sei jedoch "nicht der richtige Weg in eine nachhaltige Zukunft."
medieninsider.com

“Spiegel” nimmt mit Pur-Abo ca. 500.000 Euro pro Jahr ein.

Zahlen, bitte: Der "Spiegel" zieht Bilanz über sein Pur-Abo, mit dem er Nutzer*innen auffordert, sich bewusst für Werbung oder für die Zahlung von 4,99 Euro pro Monat zu entscheiden. Derzeit lesen 17.200 der 20 Mio Unique User die Website oder App werbefrei. Die Einnahmen summieren sich, aufs Jahr gerechnet, auf gut eine halbe Mio Euro. Trotz der vergleichsweise geringen Zahl sieht der "Spiegel" das Abo als solide zusätzliche Einnahme-Quelle.
devspiegel.medium.com

Frauenmagazin “Emotion” startet Club-Modell “Emotion for me”.

Inspiring Network baut "Emotion" zum Club aus: Emotion for me will Frauen bei ihrer persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung unterstützen. Für 9,99 Euro im Monat gibt es Coachings, Workshops und Live-Talks, dazu personalisierte Inhalte und Rabatt-Aktionen. Für knapp zwei Euro mehr kommt auch das Print-Heft ins Haus. Mit dem Club-Modell will Gründerin Katarzyna Mol-Wolf "Emotion" auf "eine weitere Säule" und damit "zukunftssicher aufstellen".
meedia.de, emotion.de (Club-Angebot)

Aus dem Archiv von turi2.tv: "Diese Branche entwickelt und verändert sich wahnsinning schnell" - Katarzyna Mol-Wolf im Erfolgs-Fragebogen (07/2019).

“Welt” versteckt Kommentarfunktion hinter der Paywall.


Geschlossene Gesellschaft: Die "Welt" zieht einen Zaun um die Kommentar­funktion auf Welt.de und in ihrer App. Kommentieren dürfen ab heute nur noch zahlende Abonnent*innen von Welt plus. Die Redaktion begründet die Beschränkung mit der Zunahme an Kommentaren, die Hass, Rassismus oder Gewalt­verherrlichung verbreiten. Bei durchschnittlich 650.000 Kommentaren im Monat seien es "in den weit überwiegenden Fällen Nicht-Abonnenten" gewesen, die die "Grenzen unserer Nutzungsregeln getestet und übertreten haben".

Das Blatt habe sich die Entscheidung "nicht leicht gemacht", erhofft sich nun aber "ein Mehr an intelligenter, anregender Debatte". Zugleich will die Redaktion ihre Präsenz im Kommentarbereich erhöhen. Bisher sei rund ein Viertel der Kommentare von den 130.000 Digital-Abonnent*innen gekommen, die oft "die interessantesten Fragen und Argumente" brächten. Die "Welt"-Redaktion beschreibt ihre Plus-Community als ein "gutes Stimmungsbarometer für die politische Großwetterlage".
welt.de