"Spiegel"-Chef Brinkbäumer freut sich über mehr Tempo.

Von Münster zum Tatort Ericusspitze - Klaus Brinkbäumer steht beim "Spiegel" vor seinem schwersten Fall (Foto: Michael Rehders/Spiegel)

Klaus Brinkbäumer, "Spiegel"-Chefredakteur in spe (Foto: Michael Rehders/Spiegel)

Feuerprobe: Der neue künftige "Spiegel"-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer ist gleich zur ersten Ausgabe des "Spiegel", die wieder samstags erscheint, mächtig unter Druck geraten. Die Morde von Paris haben eine wohl vorbereitete, eher zeitlose Titelgeschichte zur Makulatur werden lassen. Schon am Donnerstag um 20 Uhr musste die letzte Korrektur beendet sein, dem Team blieben nur rund 30 Stunden Zeit für seine Titelgeschichte. Die stützt sich auf Elemente wie Analyse, Essay und Reportage, ein großes "Spiegel"-Team vor Ort und Infos aus exklusiven Quellen, so Brinkbäumer zu turi2. Über die Umstellung von Montag auf Samstag ist Brinkbäumer glücklich: "Wir sind frischer und schneller, der tote Winkel in der Berichterstattung ist erheblich geschrumpft." Viele Geschichten seien früher übers Wochenende veraltet.

 

Dass Brinkbäumer, anders als bisher, überhaupt mit turi2 spricht, ist dem Umstand geschuldet, dass sehr bald weißer Rauch in Sachen Chefredakteur aufsteigen wird. Nur noch formale Schritte sind nötig, bis Brinkbäumer alleiniger Chefredakteur des gedruckten "Spiegel" ist und Florian Harms – davon vollständig getrennt – Chefredakteur von Spiegel Online. In Sachen Geschäftsführer sieht es so aus, dass Vertriebsleiter Thomas Hass gute Chancen eingeräumt werden, Ove Saffe zu beerben. Haupt-Argument pro Hass: Er kennt die Marktstrukturen, die handelnden Personen und ist als Geschäftsführer der Mitarbeiter-KG ohnehin ein Architekt der Brinkbäumer/Harms-Lösung. Der internen Lösung an der Verlagsspitze muss jetzt nur noch Gruner + Jahr zustimmen. Das ist aber durchaus keine Selbstverständlichkeit.

 

Auch die Werbung setzt voll auf Aktualität: Ein 20-Sek-TV-Spot zeigt den weltweiten Protest gegen die Morde von Paris mit der – hochaktuellen – Ansage: "Keine Angst vor der Wahrheit." Die Printwerbung ziert derselbe Claim, dazu gibt es unter anderem das Bild, wie der junge Rudolf Augstein während der "Spiegel"-Affäre von zwei Polizisten abgeführt wird.
turi2 – eigener Bericht, horizont.net (Werbespot, Printwerbung)