Köpfe der Kommunikation

Jens Spahn

Status: Jens Spahn ist CDU-Politiker und Gesundheitsminister der Bundesrepublik Deutschland.

Geboren am 16. Mai 1980 in Ahaus

Bio: Jens Spahn macht nach dem Abitur eine duale Ausbildung zum Bankkaufmann. Von 2003 bis 2017 studiert er Politikwissenschaft an der Fernuniversität Hagen. Seit 2002 sitzt Spahn für die CDU im Bundestag. 2005 wird er Unions-Obmann im Ausschuss für Gesundheit und stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgruppe Gesundheit. Deren Vorsitz übernimmt Spahn von 2009 bis 2015. Zeitgleich ist er auch gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsparteien. 2015 wechselt er als parlamentarischer Staatssekretär ins Finanzministerium. 2018 wird Jens Spahn Gesundheitsminister.

E-Mail: jens.spahn@bundestag.de

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Alle Köpfe im turi2-Index unter turi2.de/koepfe

Jens Spahn bei turi2:

    • Maskenaffäre: Bayrische PR-Agentur von Andrea Tandler hat Mio verdient.


      No mask, no fun: Zwischen 34 und 51 Mio Euro soll eine bayerische PR-Agentur durch einen Masken-Deal verdient haben, recherchieren WDR, NDR und “Süddeutsche Zeitung”. Inhaberin der pandemie-profitierenden Firma ist Andrea Tandler, ihres Zeichens Tochter des langjährigen CSU-Politikers Gerold Tandler. Die PR-Fachfrau vermittelte dem Schweizer Unternehmen Emix einen der größten Masken-Deals der Bundesrepublik im Wert von 670 Mio Euro. Gesundheitsminister Jens Spahn bestätigte das gegenüber dem Haushaltsausschuss des Bundestags. Emix gibt per Mail an, Tandler habe als “Projektmitarbeiterin” gewirkt, die den ganzen Prozess “mit größtem persönlichen Arbeitseinsatz begleitet” habe. Dafür hat sie mit ihrer PR-Firma Little Penguin laut journalistischen Recherchen zwischen 5 und 7,5 % Honorar und Provision bekommen – der Großteil des Geldes “soll auch geflossen sein”.

      Tandler wurde aber nicht allein tätig: Den direkten Draht zu Jens Spahn knüpfte offenbar Monika Hohlmeier, Tochter von Franz-Josef Strauß. Sie soll mit Kontakten geholfen, jedoch nichts an dem Geschäft verdient haben. Die Emix-Masken gingen nach Abschluss des Deals an das Gesundheitsministerium unter Jens Spahn sowie an das bayerische und das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium. Stückpreis pro Maske: 9,90 Euro. (Foto: Picture Alliance / dpa-tmn / Christin Klose)
      tagesschau.de, sueddeutsche.de

    • Die meistgeklickten Newsletter-Links im April 2021.


      Freizeitklicks:
      Jan Böhmermann schlägt die Klatschpresse mit ihren eigenen Waffen und bringt zu seiner Sendung “ZDF Magazin Royale” ein Klatschblatt über die Verlegerinnen heraus. Das Heft ist am Kiosk schnell vergriffen, die Website mit der geschwärzten Online-Ausgabe schafft es mit mehr als 1.000 Klicks an die Spitze der meistgeklickten Links im turi2-Newsletter im April. Direkt dahinter rangiert auf Platz 2 mit über 650 Klicks der Ärger der pikierten Verlage. Zu viel Freizeit hatten womöglich die 53 Schauspielerinnen, die mit der Aktion Alles dicht machen die Corona-Politik der Regierung kritisieren, die Website steht mit rund 600 Klicks auf Platz 3. Weitere oft geklickte Themen im April: Facebook-Chef Mark Zuckerberg, der erfolglos versucht hat, sich mit massenhaft Sonnencreme zu tarnen, Virologin Melanie Brinkmann, die bei Markus Lanz kurzerhand das Rede-Ruder übernimmt, und ein Kolumnist der “New York Times”, der unfreiwillig Abiturientinnen in NRW verzweifeln lässt.

      Platz 1:

      Regenbogen-Schelte: Jan Böhmermann knöpft sich im “ZDF Magazin Royale” das Geschäft der Klatschzeitschriften und deren Verlage vor. Kern des Geschäftsmodells sei es, “ein Fitzelchen Wahrheit zur größtmöglichen Skandalschlagzeile aufblasen, sodass es gerade eben noch juristisch erlaubt ist”. Besonders Burda, Bauer, Funke und Klambt bekommen ihr Fett weg. Der Moderator dreht den Spieß um und legt mit dem Freizeit Magazin Royale ein Klatschblatt über die Verlegerinnen an den Kiosk.
      weiterlesen auf turi2.de

      1.090 Klicks auf die Website vom “Freizeit Magazin Royale”

      Platz 2:

      Bauer wirft Jan Böhmermann und dem ZDF Rechtsbruch vor. Das ZDF hätte mit dem Freizeit Magazin Royale die “Grenzen des Rundfunkauftrags verlassen”, indem es “mit Rundfunkgebühren eine neue Print-Zeitschrift publiziert”. Das ZDF argumentiert, der Medien­staats­vertrag erlaube “programmbegleitende Druckwerke”. Auch Burda ist von Böhmermann pikiert – äußert sich aber nur im Intranet zur Causa.
      dwdl.de, uebermedien.de (Burda), turi2.de (Background)

      668 Klicks für den Beitrag auf uebermedien.de

      Platz 3:

      Noch ganz dicht? 53 deutsche Schauspielerinnen sprechen sich in der Aktion Alles dicht machen gegen die Corona-Politik der Bundesregierung aus. Unter ihnen sind Jan Josef Liefers, Wotan Wilke Möhring, Ulrich Tukur und Meret Becker. In kurzen Videoclips bedanken sie sich ironisch-überschwänglich für die Regierungs-Maßnahmen.
      weiterlesen auf turi2.de

      617 Klicks auf die Website allesdichtmachen.de

      Platz 4:

      Sonnencreme-König: Facebook-Chef Mark Zuckerberg wurde im Sommer 2020 beim Surfen auf Hawaii mit massenhaft Sonnencreme im Gesicht von Paparazzi abgeschossen. Das Foto ging viral. Nun hat er erklärt, die Sonnencreme war eigentlich als Tarnung gedacht. Lustige Filter funktionieren in der Realität aber einfach nicht.
      businessinsider.com

      607 Klicks für den Beitrag bei businessinsider.com

      Platz 5:

      Redefuchs: Virologin Melanie Brinkmann will bei Markus Lanz von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer wissen, warum die Politik nicht entschiedener auf Covid-Mutanten reagiert, wird von den Herren aber ständig unterbrochen. Brinkmann hat Besseres zu tun, erinnert Kretschmer an seinen Job und watscht die Lanz-Dauerschleife ab: “Ich rede jetzt.”
      spiegel.de

      573 Klicks für den Beitrag bei spiegel.de

      Platz 6:

      Gegenangriff: Benjamin Fredrich, Chef des Magazins “Katapult”, bezichtigt “Übermedien”-Redaktionsleiter Jürn Kruse der Lüge. Seine Interviewführung sei “an Manipulation kaum zu überbieten”. Fredrich veröffentlicht zur Untermauerung den Mitschnitt des Interviews. Das sei zwar “nicht legal, aber legitim”.
      katapult-magazin.de, uebermedien.de (Kruse-Text)

      530 Klicks für Fredrichs Beitrag auf katapult-magazin.de.

      Platz 7:

      Abicalypse Now: Nachrichten deutscher Schülerinnen überfluten das Postfach des nichtsahnenden “New York Times”-Journalisten Farhad Manjoo. Grund ist eine für die zornigen Zöglinge zu komplizierte Kolumne des eloquenten Autors, die im Englisch-Abi in NRW analysiert werden sollte. Dank nörgelnder Nachrichten dürfte Manjoo direkt Stoff für seinen nächsten Text haben.
      spiegel.de

      492 Klicks für den Beitrag auf spiegel.de

      Platz 8:

      Video-Tipp: Rezo zerstört die deutsche Corona-Politik und damit quasi ein zweites Mal die CDU. In seinem mit Schimpfwörtern gespickten Video kommt er zu dem Fazit: Wer seine Arbeit nicht verweigere und nicht korrupt sei, sei bereits “ein überdurchschnittlich guter Unions-Politiker”.
      youtube.com (13-Min-Video)

      479 Klicks für Rezos Video bei YouTube

      Platz 9:

      Werbefail: Die Kölner Agentur Planus Media wirbt in Berlin auf acht Plakaten mit einer vermeintlichen Anzeige im Namen von Jens Spahn – das Berliner LKA unterbindet die Kampagne. Die Plakate zeigten eine Villa, die der des Gesundheitsministers ähneln soll. Tatsächlich handelt es sich um die Residenz des US-Botschafters.
      bild.de

      476 Klicks für den Beitrag bei bild.de

      Platz 10:

      Metoo: Schauspielerin Senta Berger sagt in der “Zeit”, dass sie nach einem Vergewaltigungs­versuch durch O. W. Fischer weitergedreht habe, eigentlich aber hätte sagen müssen: “Ich kann morgen nicht mit Ihnen drehen.” Zu aktuellen Debatten sagt Berger: “Meiner Ansicht nach wird zu viel über die Sprache und Gendersternchen diskutiert und zu wenig über die realen Verhältnisse”.
      “Zeit” 15/2021, S. 47 (Paid), spiegel.de

      459 Klicks für den Wikipedia-Eintrag von O.W. Fischer

      Die meistgeklickten Links der turi2-Newsletter im März 2021

    • Netzpolitik.org: Schauspieler Volker Bruch stellt Mitgliedsantrag bei Querdenken-Partei.

      Doch quergedacht? Schauspieler Volker Bruch, einer der Initiatorinnen der umstrittenen #allesdichtmachen-Aktion von rund 50 Schauspielerinnen, hat einen Mitgliedsantrag bei der Corona-Protestpartei Die Basis gestellt. Daniel Laufer schreibt bei Netzpolitik.org, das Portal habe entsprechende Dokumente eingesehen. Die Initiatorinnen von #allesdichtmachen haben die Nähe zur Querdenken-Bewegung bisher abgestritten.
      netzpolitik.org, spiegel.de, turi2.de (Background)

    • “Spiegel”: Jens Spahn will Sport-Sponsoring der Krankenkassen einschränken.

      Ungesunde Zusammenarbeit: Das Gesundheits­ministerium von Jens Spahn will härter gegen illegales Sport-Sponsoring der gesetzlichen Krankenkassen vorgehen, berichtet der Spiegel. Die Kassen würden sich nicht an das Gesetz halten, das sei Frühjahr 2020 reine Marken- und Imagewerbung ohne “sachbezogene Informationen” untersagt. “Die Finanzierung des organisierten Sports ist keine gesetzliche Aufgabe der Krankenkassen”, zitiert der “Spiegel” das Gesundheitsministerium. Im Sommer soll das Gesetz mit einer Verordnung konkretisiert werden. 2019 haben die Kassen 222 Mio Euro für Werbung ausgegeben, ein Großteil soll in den Sport geflossen sein.
      “Spiegel” 18/2021, S. 122 (Paid)

    • Jan Josef Liefers verteidigt, Jens Spahn kritisiert #allesdichtmachen in der “Zeit”.


      Streitgespräch: Schauspieler
      Jan Josef Liefers und Gesundheitsminister Jens Spahn diskutieren in der “Zeit” über die umstrittene Kampagne “Alles dicht machen”. Liefers sagt, er wolle “die Form dieser Kampagne gar nicht so verbissen verteidigen” und ihm sei klar, dass man sie “vollkommen daneben finden kann”. Liefers meint aber: “Eins lässt sich auch nicht von der Hand weisen: Irgendeinen neuralgischen Punkt haben wir berührt.” Der Schauspieler kritisiert, dass “Angehörigen verschiedener Meinungsblasen” nicht im Diskus stünden, sondern “ums Rechthaben, auch ums Zerstören des anderen Standpunkts” bemüht seien. Er sagt: “In der DDR wäre ich für so ein Video wahrscheinlich in den Knast gekommen. Aber auch das, was wir hier erleben, ist nicht schön.” Gesundheitsminister Spahn kritisiert die Clips als “teilweise geschmacklos und häufig zu undifferenziert”. Besonders geärgert habe ihn die auch in Liefers Video geäußerte These “wir hätten in unserem Land gleichgeschaltete Medien, die nur die Regierung beklatschen.”

      Dazu sagt Liefers, er wisse, dass viele Journalisten um Neutralität bemüht sind. Die mediale Berichterstattung habe ihn dennoch beinah den Schlaf geraubt: “Fast krank geworden bin ich nicht von diesem tückischen Virus – sondern vom medialen Dauerfeuer deswegen”, sagt Liefers und erzählt, er habe kurz vor Weihnachten beschlossen, keine Nachrichten zum Thema mehr zu konsumieren. Liefers kritisiert zudem, dass in seinen Augen bestimmte Wissenschaftler gehört würden und andere nicht. Beide wünschen sich mehr Dialog. Spahn sagt aber auch mit gewisser Ernüchterung: “Ich bin oft erstaunt, weil viele Menschen sich gar keine Antwort wünschen, sondern einfach das Bedürfnis haben, ihre Botschaft loszuwerden.”
      “Zeit” 18/2021, S. 12 (Paid), presseportal.de (Vorabmeldung), turi2.de (Background)

    • Jens Spahn muss Berichterstattung über seine Villa dulden.

      Braucht dickes Fell: Gesundheitsminister Jens Spahn muss sich “eine kritische Berichterstattung über seine Vermögens- und Einkommensverhältnisse gefallen lassen”, urteilt das Oberlandesgericht Hamburg. Als profilierter Politiker gelten für Spahn laut Gericht andere Maßstäbe als für Privatpersonen. Spahn hatte sich gegen Berichte des “Tagesspiegels” über seinen Kauf einer 4-Mio-Euro-Villa gewehrt. Das OLG widerlegt damit ein früheres Gerichtsurteil, das die Berichterstattung als unrechtmäßig eingestuft hatte. Spahn muss nun auch die Prozesskosten tragen.
      faz.net, bild.de, turi2.de (Background)

    • Markus Söder will Corona-Impfungen für alle freigeben.

      Freigiebig: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder will sämtliche Impfstoffe für Bürgerinnen ab 16 Jahren freigeben. Die Priorisierung müsse schneller aufgelöst werden, sagt er der “BamS”. Die Freigabe soll bereits im Mai nach den bereits vereinbarten Impfterminen erfolgen. Gesundheitsminister Jens Spahn hatte zuletzt erklärt, dass die Priorisierung frühestens im Juni aufgehoben werden kann.
      bild.de

    • “Bild”: LKA Berlin stoppt Plakat-Kampagne von Planus Media mit Fake-Spahn-Villa.

      Werbefail: Die Kölner Agentur Planus Media wirbt in Berlin auf acht Plakaten mit einer gefakten Anzeige im Namen von Jens Spahn: “Zu wenig Platz im Homeoffice? Ich helfe gern!” steht auf dem Motiv, das eine Villa zeigt, die der des Gesundheitsministers ähneln soll. Tatsächlich handelt es sich um die Residenz des amerikanischen Botschafters – rechte Verschwörungstheoretikerinnen behaupten, Spahn habe die Villa von Ex-US-Botschafter Richard Grenell gekauft. Das Berliner LKA hat die Kampagne beendet. Sie sollte laut Planus Media zeigen, dass “Außenwerbung auch in Pandemiezeiten ein wirkungsvolles Medium ist”. Die PR-Agentur Cocodibu hat sie entwickelt. Geschäftsführer Stefan Krüger sagt, die Abbildung der Villa habe “symbolischen Charakter”.
      bild.de

    • VDZ und BDZV werten staatliches Gesundheitsportal als “presse­rechtlich fatalen Tabubruch”.


      Ungesundes Engagement: Die Verleger-Verbände VDZ und BDZV legen im Streit um das staatliche Gesundheitsportal gesund.bund.de nach. Es sei “ein presserechtlich fataler Tabubruch”, dass ein Bundesministerium ein eigenes Fachmedium mit vollwertiger redaktioneller Berichterstattung über Gesundheitsfragen betreibe. Das Portal von Gesundheitsminister Jens Spahn sei “mit der Staatsfreiheit der Medien nicht vereinbar” und stelle “einen politisch verwerflichen Eingriff in den freien Pressemarkt dar”, wettern die Lobby-Verbände anlässlich der Anhörung zum Gesetzentwurf des “Digitale-Versorgung-und-Pflege-Modernisierungs-Gesetzes”.

      VDZ und BDZV fordern, das Portal auf Informationen über das “gesundheits­politische Regierungs­handeln” sowie “anlass­bezogene Gesundheits­informationen” zu beschränken, statt “umfassende presse­mäßige Information über beliebige Gesundheits­fragen” zu liefern. Strittig war zuletzt auch die Kooperation mit Google, die dem Portal eine bevorzugte Anzeige in der Suchergebnissen garantiert hat. Burdas Netdoktor hatte dagegen geklagt, das Landgericht München hat die Kooperation untersagt. Google hat seinen Einspruch gegen das Urteil inzwischen zurückgezogen.
      bdzv.de, horizont.net (Paid)

    • turi2 edition #14: Wie Gerhard Schröder zum Podcaster und Linked-in-Influencer wurde.


      Digitale Premieren: Von 1998 bis 2005 war Gerhard Schröder Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, 15 Jahre nach der politischen startet Schröder eine Karriere als Podcaster und Linked-in-Influencer. Mit Unterstützung seines früheren Regierungssprechers Belá Anda steigt er zur Top-Voice bei Linked-in mit 55.000 Followerinnen auf, seinen Podcast “Die Agenda” zählt 250.000 Followerinnen. Die turi2 edition #14 erzählt die Erfolgsgeschichte.

      Als Gerhard Schröder noch Kanzler ist, reichen ihm zum Regieren drei Medien: “Bild”, “BamS”, Glotze – so ein berühmter Spruch von Schröder aus seiner Regierungszeit 1998 bis 2005. Im Jahr 2021 setzt Schröder, beraten von seinem ehemaligen Regierungssprecher Belá Anda, auf drei andere Medien, um gehört zu werden: Linked-in, Schröders eigener Podcast “Die Agenda” und nun auch YouTube. Der “einzige lebende Bundeskanzler”, wie ihn Anda ehrfürchtig nennt, hat sich digital neu erfunden.

      Die Idee zu Schröders Podcast “Die Agenda” entsteht fast zufällig: Zu Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 gibt Schröder der “Hannoverschen Allgemeinen Zeitung” per Facetime ein Interview, Berater Anda sitzt daneben und ist hinterher enttäuscht, wie wenig von dem lebhaften Gespräch gedruckt wird. Zu Hause erzählt er die Geschichte seiner Ehefrau Ina Tenz, Ex-Programmchefin von Antenne Bayern. Und die rät spontan: “Dann macht doch einen Podcast!”

      Gesagt, getan. Schröder ist nicht begeistert, aber offen für die Idee. Erscheint mit Anzug und Krawatte zum ersten Audiogespräch mit Belá und Ina. Die Rollenverteilung zwischen Koch und Kellner ist dabei genauso klar wie einst zwischen Schröder und seinem Vize Joschka Fischer. Belá stellt die Fragen, Gerhard antwortet – und Ina sorgt für professionelle Aufbereitung und Vermarktung. Am 26. Mai 2020 geht die erste Folge online, Titel: Die Corona-Krise. 21 Folgen und zehn Monate später folgen 250.000 Menschen Schröders akustischer “Agenda”. Dort erzählt Schröder manches private Anekdötchen, bietet Interessierten aber tiefe Einblicke in die Zeitgeschichte und seine Gedankenwelt.

      Auf Linked-in ist Schröder schon ein paar Tage vorher gestartet. Dort präsentiert er sich als “Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland 1998-2005” und mit seinem aktuellen Beruf als “selbständiger Rechtsanwalt” aus Hannover, Niedersachsen. Und posiert stolz vor der Europaflagge und dem Siegel “Top Voices” unter den Linked-in-Influencerinnen.

      Die Plattform Linked-in wählt Berater Anda Anfang 2020 für Schröder bewusst aus. Als Alt-Kanzler soll Schröder sich nicht in Tagesdebatten verlieren, Twitter scheidet deshalb aus. Instagram bleibt Schröders Ehefrau Soyeon Schröder-Kim vorbehalten. International soll der Kanal sein, zu Schröders Business-Aktivitäten als Berater und Aufsichtsrat passen. Tony Blair und Justin Trudeau sind Vorbilder. Von den wichtigen deutschen Politikern ist Anfang 2020 nur Christian Lindner schon auf Linked-in. Den überholt Schröder schnell und locker, liegt mit 55.000 Followerinnen jetzt deutlich vor Lindner mit 30.000. Eine Weile ist Schröder sogar Deutschlands meistgefolgter Politiker auf Linked-in, dann überholt ihn Gesundheitsminister Jens Spahn mit über 70.000 Followerinnen.

      Schröder selbst telefoniert am liebsten, erzählt seinem Intimus Anda, was der posten soll. Oder spricht mit seinem Berliner Büroleiter Albrecht Funk. Von Dummheiten im Netz muss Schröder nicht abgehalten werden – hat er Ideen, bespricht er die mit seinen Beratern.

      Für unterhaltsame Moment sorgt vor allem Schröders aktuelle Ehefrau Soyeon. Auf ihrem Instagram-Account postet sie Videos vom Altkanzler in Kurzarmjacke am Herd oder mit einem Loblied auf die Hagebutte. Im Netz sorgen die Videos für großes Hallo.

      Auch der jüngste Viralhit auf Linked-in kommt von Soyeon: Sie filmt ihren Gatten, wie der eigenhändig eine zerbrochene Porzellanvase zusammenklebt. Den notwendigen Link zur Politik baut Schröder, indem er an seine Lehre als Porzellanfachhändler erinnert: “Da habe ich gelernt, Kaputtes wieder zusammen zu kleben.” Immerhin, der kleine Klebe-Clip bringt es bei Instagram in kurzer Zeit auf über 200.000 Klicks und bei Linked-in auf rund tausend Likes und über 250 Kommentare. Für solche Preziosen gibt es jetzt auf YouTube einen eigenen Altkanzler-Kanal: Gerhard Schröder, Die Agenda.

      5 Tipps für Linked-in von Gerhard Schröder und Belá Anda
      1. Den Fokus auf drei starke erste Zeilen legen, um den Leser einzufangen
      2. Die Community einbinden und regelmäßig mitbestimmen lassen
      3. Mut zeigen und deutlich machen, warum man sich wozu entschieden hat
      4. Den Wirtschaftsbezug wahren, denn Linked-in richtet sich an eine Business-Community. Kein Insta light!
      5. Links unter den Artikel in die Kommentare setzen. Linked-in bestraft Links in Beiträgen, die aus der App herausführen

      Der Clubhouse-Podcast mit Belá Anda und Ina Tenz über Social Media und Podcasts in der politischen Kommunikation im turi2.de/clubraum

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