Abgang von Gabor Steingart beim Handelsblatt ist intern bestätigt.

Der Himmel über Düsseldorf verdüstert sich: Junior-Verleger Gabor Steingart verlässt die Handelsblatt Media Group. Senior-Verleger Dieter von Holtzbrinck hat jetzt ein Problem: Das neue "Handelsblatt" hatte sich Steingart auf den Leib geschneidert - was und wer wird bleiben von Gabors Konstrukt? Foto: Michael Englert für turi2.de/edition2

Handelsblatt künftig ohne Steingart: Der Abgang von Gabor Steingart, 56, beim Handelsblatt ist intern bestätigt. Die Redakteure sind für 15 Uhr zu einem Townhall-Meeting eingeladen. Damit bewahrheitet sich die News von Spiegel Online, die von einem Zerwürfnis mit Verleger Dieter von Holtzbrinck, 76, berichtet hatte. Die Meldung kommt dennoch überraschend – hatte Steingart doch in den letzten neun Jahren dem "Handelsblatt" erst als Chefredakteur, dann als Herausgeber und 3-Prozent-Verleger selbstbewusst seinen Stempel aufgedrückt.

Als ausgeschlossen darf dabei gelten, dass allein der Ärger Dieter von Holtzbrincks über einen scharfen Kommentar von Steingart gegen SPD-Minus-Mann Martin Schulz die plötzliche Trennung bewirkt hat. DvH gilt als liberal und besonnen. Die Ursachen dürften tiefer liegen, womöglich in der Persönlichkeit von Steingart. Der ist unfassbar schnell im Denken, Sprechen, Schreiben und Handeln, dazu bis zum Anschlag selbstbewusst. Womöglich hat er die Rolle als Junior-Verleger anders, also weiter und freier definiert, als es dem Senior-Verleger recht war.

Auf jeden Fall steht Dieter von Holtzbrinck beim "Handelsblatt" jetzt vor einem Scherbenhaufen – Steingart hatte den Verlag entschlossen entstaubt, die publizistische Linie, das Unternehmenskonzept und das Führungspersonal ganz auf sich und sein Konzept Live-Journalsmus ausgerichtet. Es ist jetzt die große Frage, was und wer bleibt von der Ära Steingart.
turi2 - eigene Quellen, turi2.de (Background)

Background-Infos von turi2 zu Gabor Steingart:

Gabor Steingart spricht im September 2016 im 7-Seiten-Interview mit der turi2.de/edition4 über Innovation und darüber, wie er das "Handelsblatt" umgebaut hat. Der Artikel ist vollständig und kostenlos lesbar im E-Paper auf turi2.de/epaper/4, dazu unten bei Gehe zu Seite 44 eingeben.


Gabor Steingart führt turi2.tv durch die neue Firmenzentrale in Düsseldorf-Pempelfort



Gabor Steingart im 40-Minuten-Gespräch mit Peter Turi für turi2.tv zum Thema "Innovation".

6 Kommentare

6 Gedanken zu „Abgang von Gabor Steingart beim Handelsblatt ist intern bestätigt.

  1. Hans Meuther

    Klartext reden oder gar schreiben, ist in Deutschlands Medien nicht mehr so gefragt. Die "Gutmenschen" haben das Wort übernommen. Als Leser und Bürger fühle ich mich von den Medien heute verarscht und manipuliert. Natürlich stecken andere Kreise dahinter, die für den erforderlichen Druck sorgen können. Drum lese ich inzwischen nur noch diverse ausländische Zeitungen, die sich nicht von deutschen Machthabern manipulieren lassen müssen.
    Gabor Steingart ist noch nicht so angepasst, wie sich das verschiedene Kreise wünschen mögen, die dabei auch noch von Qualitätsjournalismus reden. Für mich ist das ausschließlich eine Frage der Inhalte und nicht der Formulierungen. Die unverblümte Wahrheit, gespickt mit ein wenig scharfem Humor, war für mich ein besonderes Vergnügen am frühen Morgen. Herr von Holtzbrinck ist nicht gut beraten, einen Journalisten dieses Kalibers vor die Tür zu setzen. Vielleicht hat seine Weitsicht gelitten. Derartige Fehler können in dem Alter durchaus leicht passieren.

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  2. Ralf Mösges

    Eine echte Führungskraft zu sein heißt, in einem Team der Besten der "Dirigent" zu sein, dessen Ziel es stets sein sollte, das Beste für ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Das unter den Besten auch unbequeme, schwierige und extrovertierte Charaktere gibt, liegt in der Natur der Sache; am Umgang mit diesen muss sich die oberste Fuhrungskraft einer Organisation messen lassen.

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  3. Manfred Jansen

    Auch wenn der Beitrag von Steingart m.E. kein Beispiel für Qualitätsjournalismus ist, hat er in der Sache recht und was Schulz uns in den letzten Wochen zumutet an chaotischer Führungslosigkeit ist ohne Beispiel und nur ärgerlich.
    Herr von Holtzbrinck sollte bedenken: intelligente und denksouveräne Journalistin gibt es nicht mehr viele in Deutschland. Dabei muss man manchmal auch individuelle Selbstherrlichkeit in Kauf nehmen.

    Ich kann nur hoffen, Steinhardt bleicht an wichtiger Stelle dem Journalismus erhalten.

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  4. Thomas Pompl

    Nicht konform sein mit dem Einheitsmedienbrei und Klartext reden, das führt in der BRD von heute dazu, entlassen zu werden. Dies ist das Ende der Meinungsfreiheit in diesem Land und die Wiederauferstehung der DDR im Geiste.

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  5. Konstantin Neven DuMont

    In der Sache hatte Steingart natürlich recht. Trotzdem bin ich auch der Meinung, dass seine Wortwahl mit Qualitätsjournalismus nichts zu tun hat.

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  6. Bernd Hebbert

    Das ist eine gute Entscheidung.
    Die seit Monaten immer stärkere
    Selbstherrlichkeit, Unfehlbarkeit
    und Arroganz ging einem bis zur
    Unerträglichkeit auf die Nerven.
    Etwas mehr Demut, Sebstrevlektion und Selbstkritik
    un weniger Rechthaberei würde
    Ihnen gut tun, Herr Steingart.

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