"Spiegel" verkündet "Agenda 2018".

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Der "Spiegel" will bis Ende 2016 satte 15 Mio Euro sparen und trotzdem in Neues investieren. Auf der "Agenda 2018" stehen u.a. ein Bezahlbereich für Spiegel Online und eine digitale Tageszeitung. Dafür verzichten die Gesellschafter auf Teile ihrer üppigen Gewinnausschüttungen. Auch andere Denkverbote fallen.

Umbauen, bevor es zu spät ist: Der "Spiegel" reagiert auf seine seit Jahren schrumpfenden Umsätze und Gewinne und spart in den nächsten zwei Jahren insgesamt 15 Mio Euro. Dafür will der Verlag Abteilungen zusammenlegen und Stellen abbauen, selbst betriebsbedingte Kündigungen in Verwaltung und Redaktionen will Geschäftsführer Thomas Hass nicht ausschließen. Alles werde überprüft, teilt er gemeinsam mit Chefredakteur Klaus Brinkbäumer während eines Pressegesprächs zur hausinternen "Agenda 2018" mit.

Gleichzeitig will der Verlag das Kunststück vollbringen, in neue Ideen und Geschäftsfelder zu investieren. Auch die Beteiligung an Startups, die am Rande der Geschäftsfelder des Spiegel-Verlags stehen, sind möglich. Damit das Kamel durchs Nadelöhr spaziert, verkündet Thomas Hass quasi das Ende der bisherigen Praxis, die Gewinne des Hauses komplett an die Gesellschafter auszuschütten. Von dem Geld, das der Verlag noch verdient, werde mehr investiert, die Dividende für Mitarbeiter KG, Gruner + Jahr und Augstein-Erben dürfte also deutlich kleiner ausfallen als die 25 Mio Euro, die noch 2015 verteilt wurden.

Fließen sollen die Investitionen in einen Bezahlbereich auf Spiegel Online, der noch in diesem Jahr kommen soll - hier finden investigative Stücke künftig ihren Platz. Außerdem erzählt Chefredakteur Klaus Brinkbäumer von einer digitalen Tages- oder Abendzeitung als abgeschlossenes Bezahlprodukt - auch dieses Projekt soll noch 2015 starten.

Brinkbäumer schreckt auch vor der Entbündelung der Print-Ausgabe nicht zurück. Anders als noch unter seinem Vorvorgänger Georg Mascolo will er einzelne Artikel des "Spiegel" verkaufen - etwa beim Artikel-Kiosk Blendle.

Die Umsätze und Gewinne des "Spiegel" schrumpfen bereits seit 2007, die kommenden vier bis fünf Jahre muss der Verlag zum Umsteuern nutzen, um nicht in die roten Zahlen zu rutschen. Die drohende Verluste sind es vermutlich auch, die die ausschüttungsverwöhnten Gesellschafter mit ins Boot geholt haben.

Auch sonst scheint es Brinkbäumer und Hass derzeit besser zu gelingen, das vielstimmige Haus an der Ericusspitze hinter sich zu vereinen, als ihren Vorgängern Wolfgang Büchner und Ove Saffe. Zumindest, bis die "Agenda 2018" die ersten harten Einschnitte zeitigt.
turi2 vor Ort in Hamburg, spiegelgruppe.de, horizont.net, wuv.de, meedia.deKommentieren ...