Springer bringt Politico nach Brüssel.

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Mathias Döpfner greift nach der digitalen Zukunft.

B2B für Brüssel: Springers Großwesir Mathias Döpfner will mit tiefschürfenden Fach-Infos für Brüsseler Politik-Profis und ihre parasitär verbundenen Lobbyisten gutes Geld verdienen. Und damit den Beweis antreten, dass das “Prinzip Zeitung” auch in der digitalen Welt funktioniert, und kein Verlag sein Geld mit dem Vertrieb von Hundefutter verdienen muss.

 

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Sheherazade Semsar-de Boisseson hat sich von Springers Auslandschef Ralph Büchi kaufen lassen.

Dazu kaufen Springer und sein Partner Capitol News Company LLC die Brüsseler Wochenzeitung “European Voice” samt Seminargeschäft und Verlegerin Sheherazade Semsar-de Boisseson. “EV” wird zu Politico.eu und soll ab Frühjahr mit 30 Redakteuren die US-Success-Story wiederholen. In Washington startete Politico 2007 mit 35 Journalisten und einem turi2-artigen E-Mail-Newsletter am frühen Morgen. Heute sind es 15 verschiedene Letter, die Digitalverleger Robert L. Allbritton stolz auf seinem iPhone vorführt.

 

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Politico-Verleger Robert L. Allbritton vor den Säulen der Macht.

200 Redakteure, davon allein 8 für Gesundheits-politik, befüllen die Newsletter, eine Website, eine Paid-Content-Site, eine App, mehrere teuer verkaufte Spezialdienste, ein Monatsmagazin und eine Tageszeitung im Tabloidformat, die in Sitzungswochen in Washington erscheint. Das Erfolgsrezept von Politico lautet Dominanz: durch die größte Redaktion, die besten Redakteure und die am konsequentesten durchdeklinierte Vermarktung.

 

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Matthew Kaminski will Gas geben.

Europa-Chefredakteur Matthew Kaminski (ehemals “Wall Street Journal”) verspricht auf einer Pressekonferenz in Berlin, auch in Europa “fresh, sharp & fast” zu berichten. Springer-Consigliere Christoph Keese will gar den Politik-Tatort Brüssel genauso hollywoodtauglich machen wie Washington (leichtes Hüsteln des Publikums an dieser Stelle).

 

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Christoph Keese hört auf John F. Harris, den Chefredakteur von Politico. (Alle Fotos: Peter Turi)

Bleibt vor allem die Frage, ob und wann Springer auch die Berliner Politik ins Visier nimmt mit einer Art Politico.de. Sebastian
Turner und sein “Tagesspiegel” haben den Erfolg von Politico ja genaustens studiert. Und mit dem Politteil Agenda, dem Newsletter Morgenlage und teuer verkauften Spezialdiensten ihr kreatives Plagiat bereits im Markt. Die Springer-Leute lässt das kalt: Am Ende bleibe eine Zeitung aufs breite Publikum ausgerichtet und der richtige Kawumm nur von Springer und Politico zu leisten.
turi2 vor Ort, politico.com, wikipedia.org, twitter.com/politico, politicopro.com, turi2.de (Background)

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