Köpfe der Kommunikation

Bascha Mika


Status: Bascha Mika war Chefredakteurin von “taz” und “Frankfurter Rundschau” und gilt als eine der wichtigsten feministischen Publizistinnen in Deutschland.

Geboren am 17. Januar 1954 in Komprachcice, Polen

Bio: Bascha Mika kommt im Alter von fünf Jahren mit ihrer Familie als Spätaussiedlerin nach Aachen. Sie macht zunächst eine Banklehre, anschließend das Abitur und studiert Philosophie, Germanistik und Ethnologie. 1988 beginnt sie in der Nachrichten-Redaktion der “taz”, 1999 wird sie deren alleinige Chefredakteurin. Sie führt das Blatt elf Jahre lang, konzentriert sich danach auf eine Honorar-Professur an der Universität der Künste Berlin. 2014 holt Chefredakteur Arnd Festerling sie als Co-Chefin zur “Frankfurter Rundschau”.

E-Mail: b.mika@fr.de

Profile:
Wikipedia

Das Geburtstagskind der Branche im Januar 2020:
Wir graturilieren: Bascha Mika wird 66.

Das Geburtstagskind der Branche im Januar 2018:
Wir graturilieren: Bascha Mika wird 64.

Das Prinzip der Öffnung: Bascha Mika im Porträt von Silke Burmester zu turi2 edition1 im Dezember 2015:

Print-Journalistin aus Überzeugung: Bascha Mika im Video-Fragebogen von turi2.tv im August 2008:

Alle Köpfe im turi2-Index unter turi2.de/koepfe

Bascha Mika bei turi2:

    • Zitat: Tanjev Schultz sieht die “Bild” auch abseits der aktuellen Vorwürfe als “problematisch”.

      “Man braucht die aktuellen Vorgänge nicht, um die Bild-Zeitung als problematisch einzustufen. Triumphgeheul verbietet sich.”

      Journalismus-Professor Tanjev Schultz sagt im Interview mit Bascha Mika, dass die Vorwürfe gegen “Bild”-Chef Julian Reichelt die Möglichkeit bieten, über einen “einen besseren, sauberen Boulevard-Journalismus” nachzudenken. Springer-Chef Mathias Döpfner habe Reichelt und “dessen Radau-Kurs” scheinbar immer mitgetragen und sei als CEO “mitverantwortlich”.
      fr.de, turi2.de (Background)

    • Willkommen im Club: Bernd Adam.

      Willkommen im Club der turi2.de/koepfe: Bernd Adam setzt sich als Geschäftsführer des Vereins Deutsche Fachpresse für die Interessen von Apotheken- bis Zahnarzt-Medien ein. Adam ist neu im turi2-Club der wichtigsten Meinungs­macher*innen in Deutschland. Schon länger dabei im Köpfe-Index sind u.a. Stefan Ottlitz, Liz Mohn und Bascha Mika.
      turi2.de/koepfe (Profil Adam)

    • Renner: Funke-Geschäftsführer suchen Zeugen für Fehlverhalten ihrer Verlegerin Julia Becker.


      Funkestörung: Ein Gesellschafterstreit bringt der Funke Mediengruppe (u.a. “Berliner Morgenpost”, “WAZ”) negative Schlagzeilen im Konkurrenzblatt “Berliner Zeitung”. Dort berichtet Kai-Hinrich Renner über einen “massiven Zwist im Gesellschafterkreis” und eine “große Spitzelaktion” gegen die Verlegerin und Aufsichtsratsvorsitzende Julia Becker. Die drei Geschäftsführer der Funke Mediengruppe, Christoph Rüth, Andreas Schoo und Michael Wüller fordern von Führungs­kräften Auskunft über etwaige Treffen mit Mitgliedern des Gesell­schafter­ausschusses – gemeint ist Julia Becker.

      Der Vorwurf: Becker sei mehrfach operativ tätig geworden, ohne sich vorab mit ihren Mitgesellschaftern abgestimmt zu haben. So werde ihr vorgeworfen, ein inzwischen gestopptes Zeitschriftenprojekt mit Bascha Mika, Ex-Chefredakteurin von “taz” und “Frankfurter Rundschau”, “ohne Wissen der übrigen Anteilseigner” auf den Weg gebracht zu haben. Zudem fühlten sich die Gesellschafter unzureichend über eine ebenfalls gescheiterte Vermarktungskoop mit Burda informiert und misstrauten dem engen Draht von Becker zu Burda-Vorstand Philipp Welte.

      Hinter der Aktion stecken vermutlich die Minderheitsgesellschafter Klaus und Renate Schubries und/oder Stephan Holthoff-Pförtner. Julia Becker spricht zwar für 2/3 der Anteile, aber mit je 1/6 der Anteile legen sich Renate Schubries, eine von zwei Schwestern von Julia Beckers Mutter Petra Grotkamp, und Stephan Holthoff-Pförtner gelegentlich quer. Holthoff-Pförtner ist NRW-Minister für Bund und Europa, war mal VDZ-Präsident und ist ein Adoptivsohn der anderen Grotkamp-Schwester Gisela Holthoff. Die drei Kinder von Petra Grotkamp – Julia Becker, Nora Marx und Niklas Jakob Wilcke – halten ihre 66,6 % am Verlag zu gleichen Teilen, Becker spricht für diesen Teil der Familie und der Gesellschafter und hat von ihrer Mutter den Aufsichtsratsvorsitz bei Funke übernommen. Offensichtlich ein Posten mit hohem Konfliktpotential.
      (Foto: Axel Heimken / dpa / Picture Alliance)
      berliner-zeitung.de (frei nach Anmeldung)

      Mitarbeit: Peter Turi

      Update 13.11., 11.20 Uhr: Konzern-Sprecherin Jasmin Fischer widerspricht der Darstellung, dass es im Auskunftsersuchen der Gesellschafter zu Kontakten zwischen dem Gesellschafter-Ausschuss und Funke-Mitarbeiter*innen darum geht, Julia Becker Fehler anzulasten. Der Gesellschafterausschuss bestehe neben der Verlegerin aus vielen weiteren Personen. Zudem betont die Sprecherin, dass die Kontakt-Verfolgung von den Gesellschaftern ausgeht, nicht von den Geschäftsführern Christoph Rüth, Andreas Schoo und Michael Wüller. Sie seien verpflichtet, dem Ersuchen nachzukommen.

      Offizielles Statement zum Gesellschafter-Streit:
      “Im Rahmen eines Auskunftsersuchens nach § 51a GmbHG wurden unsere drei Geschäftsführer Christoph Rüth, Andreas Schoo und Michael Wüller gebeten, Auskünfte über etwaige Termine zwischen Mitarbeitern der FUNKE Mediengruppe und Mitgliedern des Gesellschafterausschusses der FUNKE Mediengruppe seit 1. Januar 2018 einzuholen.

      Diesem Ersuchen sind die drei Geschäftsführer nachgekommen.”

    • Zitat: Scheidende “FR”-Chefredakteurin Bascha Mika warnt vor Profilierungssucht.

      “In einer Branche, in der ein gerüttelt Maß an Eitelkeit dazugehört, wenn man gut sein will, muss man auch immer darauf achten, dass es nicht in Profilierungssucht und Konkurrenzgehabe kippt.”

      Bascha Mika hat heute ihren letzten Arbeitstag als Chefredakteurin der “Frankfurter Rundschau”. Mit ihrem früheren Co-Chefredakteur Arnd Festerling war sie oft anderer Meinung, richtig gestritten haben beide aber nie, sagt Mika im “FAZ”-Abschiedsinterview.
      “FAZ”, S. 13 (Paid), turi2.de (Background)

      Weitere Zitate aus dem Interview:

      … über Kurzatmigkeit in Politik und Medien:

      “Als Journalistin, die vor allem in der politischen Berichterstattung zu Hause ist, beobachte ich auf beiden Seiten, bei Medienvertretern wie Politikern, einen zunehmenden Zwang zur Inszenierung, der niemandem guttut. Am allerwenigsten dem Leser.”

      … über den Aktualitätsdruck:

      “Wir dürfen vermeintlich kalte Themen nicht gleich wieder aus dem Blick verlieren. Wir treiben ständig neue Säue durchs Dorf. Manchmal ist diese Jagd ja auch nötig. Aber wir sollten eben nicht vergessen, dass die Säue, nur weil sie das Dorf verlassen haben, noch nicht aus der Welt sind. Wir müssen weiter beobachten, was sie treiben.”

      … über journalistischen Ethos:

      “Ich verstehe uns als Heldinnen und Helden der Aufklärung. Wir sind der Wahrheit, der Demokratie und den Menschenrechten verpflichtet. Es geht um Haltung, aber auch darum, sie transparent zu machen. Jeder von uns hat eine Haltung. Damit wäre dann allerdings auch die Illusion von Objektivität als solche entlarvt.”

      … über journalistische Trends:

      “Ich bin eine Gegnerin der zunehmenden Ich-Geschichten, in denen sich der Kosmos nur um den Autor dreht. In solchen Texten geht subjektives Empfinden vor Abwägen objektiver Kriterien.”

    • Bascha Mika verlässt die “Frankfurter Rundschau” “altersbedingt”.


      Virtueller Abschied: Bascha Mika, 66, seit sechs Jahren Chefredakteurin der “Frankfurter Rundschau”, verlässt das Ippen-Blatt “altersbedingt”, berichtet Ulrike Simon bei Horizont.net. Mika hat ihrem Team den Abschied am Dienstag in einer Video-Schaltkonferenz mitgeteilt – Corona-bedingt. Sie war 2014 in schweren Zeiten zu der Zeitung gekommen, die von der Frankfurter Societät gerade vor der Insolvenz gerettet worden war. Mika hat das Layout der Zeitung umgebaut und viele beachtete Serien ins Blatt gehoben und das Wochenend-Magazin “FR7” gestartet. Geführt hat sie die “FR” immer in Doppelspitze, erst mit Arnd Festerling, seit einem Jahr gemeinsam mit Thomas Kaspar, der nun alleiniger Chefredakteur wird.

      Mikas Position wird direkt nicht nachbesetzt. An Kaspars Seite wirken künftig zwei Vize-Chefs: Michael Bayer, bisher Mitglied der Chefredaktion, und Karin Dalka, Leiterin des Politikressorts, steigen auf. Bascha Mika soll dem Blatt als Autorin erhalten bleiben.
      horizont.net

      Aus dem Archiv von turi2.tv: Bascha Mika im Porträt von Silke Burmester. (12/2015)

    • Wir graturilieren: Bascha Mika wird heute 66.

      Bascha Mika, Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau
      Wir graturilieren:
      Bascha Mika, Chefredakteurin der “Frankfurter Rundschau”, feiert ihren 66. Geburtstag “schön heiß und fettig”. Die Journalistin verbringt den Ehrentag “mal nicht mit großer Party, sondern bei Erholung im Schlamm und Ölbad”. Die “großartige Zusammenarbeit” mit den Klima-Aktivisten von “Fridays for Future”, denen die “Frankfurter Rundschau” die Redaktion für einen Tag überlassen hatte, war für Mika das Highlight des zurückliegenden Jahres. Die Ex-“taz”-Chefin wollte mit der Aktion den Klimaschutz fördern und eine junge Zielgruppe erreichen. Es sei ein “Win-Win” gewesen, da die Aktivisten im Gegenzug “die weniger junge Zielgruppe” der Zeitung erreicht habe.

      Gratulation zum Geburtstag sind auf allen Wegen willkommen, beispielsweise per E-Mail. Als besonderes Geschenk sind “coole Videobotschaften” besonders gern gesehen – nicht nur am Geburtstag.

    • turi2 edition #10: 20 Fragen an 2020 – beantwortet von 20 Chefredakteur*innen.

      Blick in die Glaskugel: Wir haben 20 wichtige Zukunftsfragen an 20 Chefredakteur*innen gestellt. Lesen Sie hier die zukunftsweisenden Antworten – u.a. Peter Winter über weiblichen Journalismus, Jörg Quoos über politische Debatten, Beat Balzli über Digitalisierung und Mittelstand und Madeleine Jakits über Foodtrends.

      Mit Texten von:
      Petra Winter, Bascha Mika, Jörg Jakob, Ulf Poschardt, Claudia Röttger, Jörg Quoos, Moritz Hürtgen, Angela Meier-Jakobsen, Philipp Köster, Thomas Vašek, Gaby Höger, Bene Benedikt, Hansjörg Falz, Nikolaus Gelpke, Madeleine Jakits, Beat Balzli, Robert Pölzer, Jochen Wegner, Boris Glatthaar, Sven Gösmann

      Petra Winter, wie weiblich wird der Journalismus?
      Gerade erlebe ich, wie enorm schnell sich Frauen in unserer Branche nach oben und nach vorn bewegen, wie Kolleginnen Spitzenpositionen besetzen und einen super Job machen: extrem schnell und mit einer hohen Leidenschaft! Nicht selten sind wir rein weibliche Runden; diskutieren, fragen und entscheiden gezielt, ohne Dünkel und mit dem Bewusstsein vollsten Vertrauens in uns und unsere Fähigkeiten. Es gibt wenig bis gar kein Gelaber in diesen Runden. Wir haben einfach keine Zeit dafür. Schließlich ist es uns wichtig, neben dem Job auch zu Zuhause mit der Familie beim Abendessen zu sitzen oder anderen privaten Dingen nachzugehen. Diese Haltung und Effizienz finde ich wunderbar! Die Produkte und Dienstleistungen, die wir als Medienhaus gestalten und anbieten, sind für einen sehr weiblichen Markt gemacht. Frauen sind die Konsumentinnen unserer Angebote. Sie lesen und kommunizieren einfach gern. Ich bin davon überzeugt, dass wir (Frauen) häufig besser wissen, was gut ankommt und was nicht. Dabei möchte ich nicht allen Männern die Fähigkeit zur Empathie absprechen. Ihr könnt Euch ganz bestimmt auch ganz gut in andere hineinversetzen, zeigt es uns gern häufiger.
      Petra Winter, Chefredakteurin “Madame”, Link

      Bascha Mika, Chefredakteurin der Frankfurter RundschauBascha Mika, wird es 2020 einen Aufstand der alten weißen Frauen geben?
      1. Alte weiße Männer sind berüchtigt. Alte weiße Frauen? Unsichtbar. Das könnte ein hübscher kleiner Aufstand durchaus ändern.
      2. Alte weiße Männer fühlen sich überlegen, pochen auf ihre Vormachtstellung und halten diese für gottgegeben. So viel geistige Beschränktheit müssen alte weiße Frauen erst einmal hinkriegen.
      3. Alte weiße Männer haben die Macht, das Geld und die Aufmerksamkeit. Auftrag für alte weiße Frauen: Nehmt ihnen die Privilegien und verteilt sie gerecht.
      4. Alte weiße Männer krähen oben auf dem Misthaufen, zu dem sie die Welt gemacht haben. Alte weiße Frauen könnten auf die Idee kommen, dass Hähne eine fette Suppe abgeben.
      5. Alte weiße Männer sind ein ewiger Treppenwitz der Geschichte. Alte weiße Frauen könnten endlich mal loslachen.
      6. Denn zweifellos ist es in jedem Alter von Vorteil, wenn das Hirn nicht von Testosteron vernebelt wird.
      Bascha Mika, Chefredakteurin “Frankfurter Rundschau” Link

      Jörg Jakob, wird der FC Bayern München am Ende der Saison endlich mal nicht Meister?
      Die Frage ist tückisch. Denn das “endlich” verlangt nach einer Aussage, aus der sich Sympathie oder Antipathie ableiten lassen. Doch darum geht es nicht, sondern einzig um Leistung. Werden die Bayern nach 34 Spieltagen zum achten Mal in Folge Meister, ist das verdient. Die Bundesliga würde damit gewiss keinen Schaden nehmen. Allein schon das angriffslustigere Auftreten von Borussia Dortmund und RB Leipzig zu Saisonbeginn haben dafür gesorgt, dass von Langeweile nicht mehr die Rede war. Denn darum geht es: Den Rekordmeister mal wieder mutig herauszufordern, auch wenn man Gefahr läuft, sich eine blutige Nase zu holen. Diese Haltung, die Abkehr vom Versteckspiel, haben wir im “Kicker” zu Saisonbeginn gelobt. Jetzt heißt es: nicht einknicken. Auch wenn dieser Text unter dem Eindruck des 12. Spieltages entsteht, an dem der FCB zum dritten Mal hintereinander souverän gewonnen hat: Weil neben den beiden genannten Klubs auch Borussia Mönchengladbach noch mitmischt, wird Bayern mal nicht Meister. Viele Jägerchen wären damit des Hasen Tod.
      Jörg Jakob, Chefredakteur “Kicker” Link

      Ulf Poschardt, wo findet der politische Diskurs der 2020er Jahre statt, wenn nicht bei Social Media?
      Der politische Diskurs findet in den Apps und auf den Homepages liberaler, meinungsstarker, pluralistischer Medien statt. Nach dem Vertrauensverlust in Facebook ist Twitter 2019 zu einer Giftmolkerei verkommen. Mangelnde Regeln und eine bis ins Kindergärtliche getriebene Radikalisierung linker und rechter Ränder haben Twitter erledigt. Umso vergnüglicher werden andere Orte der Kommunikation. Instagram gehört mit seiner aufreizenden Oberflächlichkeit dazu. Auch, weil politische Konzepte Massen gefallen sollen. Die Grünen machen das gerade vor. Der unselige deutsche Hang, tolerant nur für die Mitsprecher der eigenen Ansichten zu sein, hat sich hierzulande auf Twitter ein beeindruckendes Mahnmal gesetzt. Die Humorlosigkeit der Linken, die Biederkeit der Rechten und das Schweigen der Mitte sorgen für einen tristen Hass-Eintopf. Aber jeder Markt ist gerecht. Auch der des politischen Diskurses: Wir von der “Welt” nehmen gerne alle Twitter-Flüchtlinge auf.
      Ulf Poschardt, Chefredakteur “Welt” Link

      Claudia Röttger, wird das Alter cool?
      Manchmal sagt meine Tochter Carla: “Mama, du bist echt cool!” Ich gebe zu: Für mich klingt das nach einem der schönsten Komplimente, die meine Elfjährige mir machen kann. Schließlich trennen uns vier Jahrzehnte. Die allermeisten Mütter in meinem Mittelalter fühlen sich geschmeichelt, wenn sie mit dieser Vokabel bedacht werden. Nicht im Sinne von tough und unnahbar, sondern im Sinne von beachtlich. Etwa, weil jemand bedingungslos seinem Herzen folgt, sich etwas traut, andere überrascht. Warum sollte damit an einem hoch zweistelligen Geburtstag Schluss sein? Immer mehr Menschen starten gelassener und gesünder als Generationen vor ihnen in ihre zweite Lebenshälfte. Und sie haben neue, positivere Bilder vom Alter im Kopf. Das birgt unfassbar viele Chancen für ziemlich coole Geschichten.
      Claudia Röttger, Chefredakteurin “Senioren Ratgeber” Link

      Jörg Quoos, erleben wir ein neues Weimar – mit politischer Radikalisierung und Polarisierung der Ränder?
      Vom politischen Weimar sind wir zum Glück noch weit entfernt. Die Demokratie ist stark und von echter Wirtschaftskrise keine Spur. Aber man kann dennoch feststellen: Es ist etwas ins Rutschen gekommen. Die öffentliche Auseinandersetzung ist deutlich härter und unversöhnlicher geworden. Es braucht da als Antwort keine weitere Zuspitzung. Es braucht aber sehr wohl mehr Bereitschaft, auf Argumente inhaltlich zu reagieren und Fehler ohne Beschönigung zu benennen. Wenn wir an den politischen Rändern Debatten erleben, die sich faktenfrei nur innerhalb ihrer Blasen abspielen, dann ist das schlecht für die Demokratie. Medien, die kontroverse Debatten moderieren und mit Recherchen Fakten liefern, sind daher wichtiger denn je. Das unterscheidet klassische Medienmarken von den Social-Media-Giganten. Die sind nur die Plattform. Ihnen ist egal, ob in ihrem Schaufenster klick-relevanter Müll oder wertvolle Denkanstöße stehen.
      Der Rückgang im Print hat mit dieser gesellschaftlichen Entwicklung im Übrigen wenig zu tun. Es gibt genügend starke Marken, die guten Journalismus auch digital ausspielen. Nicht Auflagenverluste bei den Tageszeitungen haben die Wirkungsmacht von Medien bei Lesern und Usern in den vergangenen Jahren beschädigt. Schädlich waren die Zunah- me von politischen Erziehungsversuchen durch Journalisten, das Faken von Klischee-Welten à la Relotius und das Wegsehen bei unbequemen Themen.
      Jörg Quoos, Chefredakteur Funke-Zentralredaktion Link

      Moritz Hürtgen, wie lustig werden die 2020er Jahre?
      Schwer zu sagen! Manchmal hilft aber ein Blick in die Vergangenheit. Vor knapp einhundert Jahren ging es nämlich sehr lustig zu: Überall ulkige Kriegsversehrte, die mit dem Zirkus durchs Land zogen, eine NSDAP, die man noch heiter belächelte und ihr Personal jede Woche in öffentlich-rechtliche Talkshows einlud, und schließlich die Rolling Stones, die den Rock’n’Roll erfanden und die “Roaring Twenties” prägten. Ich sehe heute ganz ähnliche Entwicklungen und also ein großes Fun-Potential. Vielleicht lässt sich Björn Höcke 2023 ins Gefängnis sperren, um ein Buch zu schreiben, wer weiß! Wie lustig die neuen 20er Jahre werden, hängt für mich als Satiriker aber vor allem von der K-Frage ab. Wer folgt auf Angela Merkel? Fest steht: Es wird nicht AKK, es wird wieder ein Mann. Nur welcher? Mit Kanzler Robert Habeck sähe ich “Titanic” in der Pflicht, auf einen pubertären Bums-Humor, ja auf Ficki-Ficki-Gags und schlüpfrige Habeck-Starposter zu setzen. Im Falle Friedrich (Merz) könnten wir die Uhr gut 30 Jahre zurückdrehen und kostengünstig Politsatire aus den 80ern recyceln. Der facettenreiche, unberechenbare Markus Söder würde uns als Redaktion hingegen sehr fordern und tierisch Arbeit machen. Ich hoffe, er bleibt in seinem bekloppten Bayern. Der Langweiler Armin Laschet wäre für den Satirestandort Deutschland eine echte Katastrophe, wir würden unseren Fokus notgedrungen auf sein verkommenes Instagram-Söhnchen richten müssen. Fazit: Wir werden auch in den 20ern einen Weg finden; egal, was kommt. Und die meisten werden das – zum Glück! – auch weiterhin nicht lustig finden.
      Moritz Hürtgen, Chefredakteur “Titanic” Link

      Angela Meier-Jakobsen, killt Social Media den guten alten Klatsch im Real Life?
      Auf keinen Fall! Viel mehr kann Social Media den Klatsch sogar noch befeuern – denken Sie doch nur mal daran, wann Sie das letzte Mal jemandem erzählt haben, was Ihr Be-kannter XY gerade wieder bei Instagram gepostet hat. Social Media ist mittlerweile sogar eine zuverlässige Geburtsstätte für gute Klatsch-Geschichten! Wenn man sich nur mal genauer anschaut, wer wem folgt, wer wem nicht und wer wem neu- erdings nicht mehr – das verrät schon einiges über die Stars. Natürlich nutzen Stars ihre Social-Media-Kanäle mittlerweile als Multiplikatoren für die eigenen Botschaften. Heute rufen nur noch wenige Promis in einer Zeitschriften-Redaktion an und verraten einem, dass sie sich gerade verlobt haben. Stattdessen geben sie das lieber über ihre eigenen Kanäle bekannt. Ist für sie ja auch praktisch: So können sie selbst Zeitpunkt, Text und Foto bestimmen – und hoffen, damit in der Öffentlichkeit ein bestimmtes Bild einer Geschichte zu zeichnen. Und genau da kommen wir wieder ins Spiel! Unsere Aufgabe ist es, sich diese Botschaften der Promis anzugucken und zu analysieren. Wir kennen die Promis, wissen über ihre Vorgeschichten Bescheid und entdecken Zusammenhänge, die vielleicht nicht sofort ersichtlich sind. Daraus entstehen oft die besten Klatsch-Geschichten! Übrigens: Wir sind mit unseren Marken natürlich auch auf allen Social-Media- Kanälen vertreten und versorgen damit unsere diversen Zielgruppen.
      Angela Meier-Jakobsen, Chefredakteurin “InTouch”, “Closer”, “Joy”, “Shape” Link

      Philipp Köster, können die deutschen Fußballfans 2020 endlich wieder jubeln?
      Das kommt ganz auf die Ansprüche der Anhänger an. Wenn sie schon damit zufrieden sind, dass es die Nationalelf bei der Europameisterschaft im Juni mit Ach und Krach bis in die Finalrunde nach London schafft, dann ja. Ansonsten könnte das ein eher ödes Fußballjahr werden. Weil die Bayern natürlich wieder Meister werden. Weil spätestens ab März auch kein deutsches Team mehr in der Champions League da- bei sein wird. Und weil es leider derzeit ein paar Nationalmannschaften gibt, die deutlich besser sind als Jogi Löws Truppe und diese den EM-Titel unter sich ausmachen werden. Überhaupt wird die Europameisterschaft 2020 eine große Wundertüte. Erstmals sind nämlich 24 Mannschaften dabei, darunter ein paar Teams, die bei solchen Turnieren nichts zu suchen haben. Wer also spannende Spiele erwartet, sollte erst ab dem Halbfinale einsteigen. Außerdem gibt es diesmal kein Gastgeberland, stattdessen wird überall in Europa gekickt. Das ist sehr schade, weil das Schönste an solchen Turnieren ja sonst immer ist, dass sangesfreudige Fanhorden aus Nordirland oder Portugal auf euphorische Einheimische treffen. Dieser fußballkulturelle Clash fällt diesmal leider aus. Kann natürlich sein, dass sich das ganze Gemecker verflüchtigt, wenn erstmal der Ball rollt. Vielleicht überrascht uns ja sogar das deutsche Team, vielleicht entpuppt sich Matthias Ginter nach all den Jahren plötzlich als umsichtiger Abwehrchef, vielleicht verletzt sich Marco Reus diesmal nicht pünktlich zum Turnierbeginn und ganz vielleicht kann Löw tatsächlich als Europameister abtreten. Und das wäre doch wirklich ein Anlass zum Jubeln.
      Philipp Köster, Chefredakteur “11 Freunde” Link

      Thomas Vašek, welche philosophischen Fragen würden Sie gern von Künstlicher Intelligenz erörtert sehen – und welche lieber von Richard David Precht?
      Computerprogramme können schon Texte übersetzen, Krankheiten diagnostizieren oder Autos lenken. KI, so glauben viele, wird bald Tätigkeiten übernehmen, die bisher uns Menschen vorbehalten waren. Werden schlaue Algorithmen eines Tages auch philosophieren können? Ist der nächste Platon womöglich ein Quantencomputer? Das kommt ganz darauf an, was man unter Philosophie versteht. Reduziert man sie auf rationale Reflexion, auf ein methodisches Nachdenken über das Denken, dann sehe ich nicht, warum lernfähige Computerprogramme dazu nicht in der Lage sein sollten. Versteht man unter Philosophie aber eine genuin menschliche Tätigkeit, ein offenes Fragen nach dem Sinn, dann sieht die Sache anders aus. Zwar können Computer am Ende nur rechnen. Sie verstehen nicht, was Informationen bedeuten. Das heißt aber keineswegs, dass sie nicht denken können. Sie denken nur nicht so, wie Menschen denken. Eine Maschine könnte vielleicht ein perfektes Argument konstruieren. Aber es wäre kein menschliches Argument mehr. Was den Programmen auch fehlt, ist die menschliche Erfahrung. Die Philosophie lebt von unserer Endlichkeit, unserem fundamentalen Nichtwissen. Heute machen die besten Schachprogramme Züge, deren Sinn menschliche Spieler nicht mehr nachvollziehen können. Es wäre theoretisch möglich, dass eine Superintelligenz eines Tages eine Art Hyper-Philosophie entwickelt, die wir nicht mehr verstehen können. Das wäre dann aber keine menschliche Philosophie mehr. Eine solche Intelligenz wäre auch kein Philosoph mehr. Sie wäre eine Art Gott.
      Thomas Vasek, Chefredakteur “Hohe Luft” Link

      Gaby Höger, bereitet die schwäbische Haus- frau ihre Maultaschen künftig vegan zu?
      Sicher gibt es heute schon schwäbische Hausfrauen, die eine fleischlose Variante des Heimat-Klassikers lieber mögen. Den einen schmeckt‘s einfach besser, anderen geht es um ethische Gründe wie das Tierwohl. Aber: Viele Familien, gerade im ländlichen Raum, pflegen die traditionellen Rezepte ihrer Großmütter und geben sie an ihre Kinder weiter. So bleibt kulinarisches Kulturgut erhalten – und das finde ich gut. Wenn man sich wie ich ab und zu ein Stück Fleisch aus artgerechter Tierhaltung gönnt, muss man kein schlechtes Gewissen haben – und sollte sich auch keines einreden lassen. Gerade, wenn Kinder mit am Esstisch sitzen, haben Fleisch und Fisch ihre Berechtigung, denn deren Vitalstoffe sind wichtig für die körperliche und geistige Entwicklung. Das soll nicht heißen, dass vegetarische Ernährung zwangsläufig zu Mangelerscheinungen führt. Aber sie setzt Wissen voraus, etwa welche Pflanzen reich an Eiweiß sind, wie man seinen Bedarf an Eisen deckt und vieles mehr. Ich möchte niemandem vorschreiben, wie er sich zu ernähren hat. Aber ich wünsche mir, dass immer mehr Menschen sich bewusst mit Ernährung auseinandersetzen. Und egal, welchem Trend sie folgen, eines sollte nicht zu kurz kommen: der Genuss. Denn gutes Essen verbindet Menschen, schafft eine erholsame Auszeit aus dem meist digitallastigen Alltag und bietet Zeit für Gespräche in der Familie. Das bestätigen uns auch immer wieder unsere Leser. Ihnen gefällt die Mischung in “Meine Familie & ich”. Da ist die moderne vegetarische Küche genauso genussreich vertreten wie ein klassischer Sauerbraten für die Sonntagseinladung. Das Leben hat eben viele Aspekte und genauso abwechslungsreich sollte auch unser Speiseplan sein.
      Gaby Höger, Chefredakteurin “Meine Familie & ich” Link

      Bene Benedikt, gehen unsere Berge vor die Hunde?
      Unsere Berge??? Nein, es sind nicht unsere Berge! Sie gehören uns nicht, sie sind kein Konsumgut. Wir haben kein “Recht auf Berge”, so sehr wir sie lieben! Diese Liebe für die Natur, für die Berge, fürs Draußen-Sein wird sicher weit in die 2020er-Jahre hinein anhalten. Allerdings braucht es noch mehr Rücksicht, vulgo Achtsamkeit, im Blick auf die Nachhaltigkeit unseres Tuns. Wir achten schon darauf, woher die “Bauteile” unserer Alltags-Outdoorjacken stammen. Wir werden unsere Mobilität verändern, unseren Weg zu den Bergen. Aber wie? Zug statt Auto? Wasserstoff statt Erdöl? Wir werden sehen. Die Touristiker sind vorn dran: Highlight der Jahrespressekonferenz einer alpinen Region waren zwei Einheimische, die von ihrer Alm und ihrer Hütte schwärmten, vom ruhigen Leben wie einst. Klare Botschaft: Der individuelle Tages- oder Wochenendausflügler ist ein Auslaufmodell. Der biwakierende Selbstverwirklicher erst recht, denn der tut das auf Kosten der Natur, besonders in Schutzgebieten. Und reden wir gar nicht von den elektrischen Radlern, die die Wanderwege fluten und auf Berghütten um Strom betteln. All diese Kurzzeit-Phänomene werden wir Bergler überleben. Wobei das mit dem Überleben nicht so einfach ist: Die Gefahr ist größer, von einem überfüllten Gipfel geschubst zu werden, als in eine Schlammlawine zu kommen. Noch. Denn der Klimawandel ist real, die Gletscher schmelzen schneller als Kartografen zeichnen können – und ohne Permafrost werden hohe Gipfel haltlos. Doch die existenzielle Gefahr ist nicht der Berg, sondern der Mensch. Der sollte nicht nur aktiv sein, sondern auch mal loslassen können: beim Lesen, Blättern, Wischen, Staunen.
      Bene Benedikt, Chefredakteur “Alpin” Link

      Hansjörg Falz, reisen wir wegen Greta künftig nach Borkum statt Koh Phi Phi?
      Kein Borkum-Bashing, bitte! Die kleine ostfriesische Insel im Wattenmeer ist um Lichtjahre attraktiver als “The Beach” auf Koh Phi Phi, der am Overtourism langsam zu Grunde geht, weil sich täglich mehr als 7.000 Menschen dort auf die Füße treten. Borkum steht hoffentlich als Synonym für unentdeckten, ehrlichen und individuellen Tourismus. Dahin kommen wir mit Bahn, Boot oder Bus – das sollte selbst Greta gutheißen. Ich prognostiziere: Die Fernreise mit dem Flieger wird ein Auslaufmodell werden, wenn die Anbieter nicht bald Antworten auf die wachsenden Fragen wachsamer Reisender finden. Ich weiß von einem Reiseveranstalter, dass nur ein Prozent der Gäste bereit ist, freiwillig eine Abgabe für die Kompensation der CO2-Emission ihrer Flugreise zu leisten. Also muss man sie zwingen. Auch wir Reisemagazin-Macher müssen uns dem Thema Nachhaltigkeit stärker stellen als bisher. Momentan registriere ich bei Mitbewerbern, dass Leser*innen beispielsweise für ein Öko-Hotel in Singapur begeistert werden sollen. Das ist natürlich Unfug, wenn die Anreise nicht gerade zu Fuß oder mit der Segelyacht stattfindet. Wir von “Merian” freuen uns grundsätzlich über den Megatrend, dass wir Deutschen unsere Heimat neu entdecken wollen. Egal, ob Borkum, Bonn oder Brandenburg. Die Hälfte unserer Hefte thematisiert deutsche Regionen oder Städte, drei der vier jungen “Merian Scouts” sind City-Porträts über deutsche Metropolen: Hamburg, Frankfurt und Leipzig. Weitere werden folgen. Das macht uns im Sinne der Nachhaltigkeit wohl zum “grünsten” aller Reisemagazine.
      Hansjörg Falz, Chefredakteur “Merian” Link

      Nikolaus Gelpke, gibt es auch Vorteile, wenn der Meeresspiegel steigt?
      Nein, hier gibt es absolut keine Gewinner. Offensichtlich und für jeden wahrnehmbar bedroht der Meeresspiegelanstieg unseren Lebensraum an der Küste. Und fügen wir doch dieser einen Problematik noch eine weitere hinzu: Plastikmüll. Auch hier gibt es kein Vertun. Die Gefahr ist groß und real, niemand würde sie leugnen. Jeder assoziiert mit Müll etwas Negatives und weiß: Müll gehört nicht in die Natur. Medial ist Müll mit einfachen Mitteln darzustellen und den Menschen ohne komplizierte wissenschaftliche Verfahren nahezubringen. Ohne die – unstrittig sehr ernstzunehmenden und realen – Bedrohungen durch den Meeresspiegelanstieg und die Plastikvermüllung in irgendeiner Form schmälern zu wollen, wird jedoch meisthin übersehen, dass die Ozeane viel extremer und nachhaltiger unter zwei anderen Folgen des Klimawandels leiden: unter der Versauerung und der Erwärmung. Wenn ich aber, um diese Probleme darzulegen, zunächst den Karbonat- oder Säurehaushalt der Meere erlären muss, können dies die wenigsten nachvollziehen, da die Zusammenhänge abstrakt und weder fassbar noch sofort sichtbar sind. Im Zeitalter des Anthropozäns und des zunehmenden populären Denkens rücken folglich die buchstäblich begreifbaren Bedrohungen in den medialen, politischen und gesellschaftlichen Fokus, während die noch größeren Katastrophen in den Hintergrund geraten. So verhindern wir, das Wichtige, also das Richtige zu tun. Politik, Medien und Aktivisten gefallen sich mit einfachen Botschaften in ihrer Rolle als Meeresretter und blockieren so auch in diesem Fall den Blick auf das komplexere Entscheidende. Offensichtlich eine zeitgenössische Dynamik.
      Nikolaus Gelpke, Chefredakteur “Mare” Link

      Madeleine Jakits, wie fein schmecken Insekten?
      Insekten esse ich (noch) nicht, weil ich Appetit darauf habe – allenfalls verschluckt man mal versehentlich
      eine arme Fruchtfliege, die im Saftglas ertrunken ist. Ich habe vor etwa 30 Jahren in Thailand aus Neugier frittierte Heuschrecken probiert und die waren gut! Wie Pommes frites mit Crunch und Beinchen. Das kann man essen, soll auch vom Nährwert her empfehlenswert sein. Und vielleicht müssen wir es irgendwann sogar. Das Thema Nachhaltigkeit ist ja längst gelebt – jedenfalls in vielen Restaurants der oberen Liga. Jeden Monat steht an vielen Stellen im “Feinschmecker”: brutal lokal, nose to tail, eigene Gemüsegärten ohne Glyphosatorgien, weniger Fleischkonsum, dafür gute Qualität von Metzgern des Vertrauens etc. Aus Galizien im äußersten Nordwesten Spaniens kommen zum Beispiel seit Jahren köstliche (und wunderschöne), zarte, farbenfrohe Algen, es gibt sogar schon Züchter. Die versenden die Ware auch an Top-Restaurants in Deutschland. Und das Zeug ist gesund und erfrischend. Algen sind außerdem ein hervorragender Dünger, gerade die derben Riesen unter den Algen, die man häckselt und dann auf dem Acker ausbringt. Die Teller sind längst grüner geworden – vor allem bei Leuten, die sich Gedanken über ihr Essen machen. Man muss nicht Vegetarier sein, um zu wissen, wie bereichernd gerade Gemüse und Kräuter für viel guten Geschmack sind. Früher haben die Menschen selbst gefangene Schnecken, Frösche und Singvögel gegessen – meist, weil sie arm waren und sich Fleisch vom Metzger nicht leisten konnten. Insekten sind sicher eine Option, es ekelt halt viele allein bei der Vorstellung, diese Dinge zu essen. Ich weiß ja nicht, wie es um die verschiedenen Heuschreckensorten bestellt ist – aber stellen Sie sich vor, man könnte große Plagen einfach mit der Fritteuse bekämpfen. Das wäre doch auch nachhaltig.
      Madeleine Jakits, Herausgeberin “Feinschmecker” Link

      Beat Balzli, killt die Digitalisierung die deutschen Exportweltmeister aus dem Mittelstand?
      Klare Antwort: Auf keinen Fall – was aber nicht bedeutet, dass jeder Exportweltmeister von heute morgen auch noch einer ist. Die deutschen Mittelständler sind zwar oft in der Hand von Patriarchen, aber dennoch ein ziemlich diverses Völkchen. Da gibt es welche, die seit Jahrzehnten das gleiche Produkt mit üppigen Margen verkaufen und bisher keine Konkurrenz hatten. Das hat sie auch auf dem Feld der Digitalisierung träge gemacht. Sie hängen zudem oft an wenigen Kunden – nicht selten aus der Autoindustrie – und werden es schwer haben, wenn sich die Welt so ändert, wie es derzeit aussieht. Aber für die Mehrheit der großen Hidden Champions ist die Digitalisierung nur die nächste Revolution, mit der sie klarkom- men müssen. Für sie ist Veränderung längst zu einem Teil der DNA geworden.
      Beat Balzli, Chefredakteur “Wirtschaftswoche” Link

      Robert Pölzer, wird Grün der neue High-Society-Schick?
      Es existiert – unabhängig von Parteipräferenzen – ein großer gesellschaftlicher Konsens, dass wir
      Menschen den Planeten, auf dem wir leben, für die nachfolgenden Generationen erhalten müssen. Der Vorbildfunktion der trendbildenden Gesellschaftskreise – Künstler, Designer, Wirtschaftslenker und Prominente – kommt eine besondere Bedeutung zu. Hier werden Strömungen erkannt, geprägt und vorangetrieben. Nachhaltigkeit gehört hier nicht nur zum guten Ton, sie kann sogar ein Ausschlusskriterium sein. Wer Nachhaltigkeit nicht vorlebt, büßt schnell sozialen Status ein. Dabei erlaubt Nachhaltigkeit durchaus ein hohes Maß an Luxus und Eleganz. Man denke nur an die Trauung von Herzogin Meghan und Prinz Harry, die nachhaltiges Partygeschirr genauso anboten, wie sie mit einem E-Jaguar als Hochzeitswagen in die Flitterwochen fuhren. Hollywood-Stars wie Leonardo DiCaprio oder Arnold Schwarzenegger schmücken sich mit Greta Thunberg an ihrer Seite. Wenngleich sie weiterhin mit dem Privatjet fliegen. Das Symbolhafte zählt vor dem Sinnhaften. Auch der New Faces Award Style von “Bunte” in Berlin stand ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit. Es wurden nicht nur nachhaltige Designerinnen ausgezeichnet, Preisträgerin Luise Befort trug einen 100 Prozent nachhaltigen Hosenanzug. Anders als sonst bei solchen Abenden üblich, wollte sie nicht mehrfach das Outfit wechseln. Auch wenn noch immer der Chauffeur mit dem dicken SUV vor der Location wartet, um den VIP zum Flughafen zu fahren – das Versprechen, schon bald mit dem Tesla zu kommen, ist Teil des neuen Katechismus der Society. Und wenn es so gelingt, den eigenen CO2-Ausstoß um 10 Prozent zu verringern, ist das ein guter Anfang.
      Robert Pölzer, Chefredakteur “Bunte” Link

      Jochen Wegner, wer hört sich einen fast neun Stunden langen Podcast an?
      Mittlerweile sind es wohl Milli- onen Menschen. “Alles gesagt?” war als kurz laufendes Experiment gedacht. Wir lieben lange Gespräche und bedauern den Platzmangel klassischer Medien. Wir fragten uns, was wohl passieren würde, wenn wir ein Interview führten, das nur endet, wenn der Gast “Stopp” sagt. Die Freude kann man uns sicher anhören – wir laden nur Menschen ein, mit denen wir Stunden an einem Esstisch verbringen wollen. Wir haben großes Glück mit unseren Gästen, sowohl Herbert Grönemeyer als auch Rezo haben uns ihr bisher längstes Interview gegeben. Mit Grönemeyer sangen wir “Männer”. Katarina Barley stritt mit uns über die Qualität von Moselwein. Und dazwischen reden wir über Feminismus und Diversität, die Krise der Volksparteien und die des Klimas. Viele Hörer schreiben uns, dass sie uns in Häppchen beim Pendeln hören, andere putzen ihre Wohnung und beschweren sich, dass die ungepflegt wirkt, wenn wir zu lange keine Folge veröffentlichen. Offensichtlich hat unser Podcast Zugang zu einer Sphäre, in der es stark verdichtete Interviews schwer haben: jenen Zen-artigen Zustand, in den wir bei Alltagsritualen verfallen, und der irgendwo zwischen Lean Back und Lean Forward liegt.
      Jochen Wegner, Chefredakteur Zeit Online Link

      Boris Glatthaar, wann stirbt das Arschgeweih?
      Nun mal langsam: Noch leben die Jugendlichen der 90er Jahre. Durch sie wird uns das Steißbeintribal erhalten bleiben. Neu gestochen wird es kaum noch, der Spott hat dem “Arschgeweih” den Garaus gemacht. Zu Unrecht: Kaum ein anderes Tattoo passt sich so perfekt an den Körper an. Leider wurde die Tätowierung aber oft unglaublich stümperhaft in die Haut gebracht. Dennoch: Mit den Massenverzierungen über dem Hintern schaffte das sichtbare Tattoo den Sprung in die Popkultur. Womöglich erklärt der Trend zur Individualisierung, dass sich immer mehr Menschen an unverdeckbaren Körperstellen stechen lassen. Heute geht man Unterarme, Hände und sogar das Gesicht zunehmend zuerst an. Der Trend reicht von Designs auf den Fingern bis zu Blackworks auf der Wange. Vieles sieht erstmal schön aus, wird es aber nicht bleiben, denn Tätowierungen verändern sich. Insofern könnten auch diese Tattoos bald verspottet werden – analog zum Arschgeweih als “Fressenstempel”.
      Boris Glatthaar, Chefredakteur “TätowierMagazin” Link

      Sven Gösmann, was sind die wichtigsten Termine für 2020 im dpa-Kalender?
      Zwei sportliche Großereignisse (Fußball-EM und Olympia), die Dauerbaustellen GroKo und Brexit sowie die wahrscheinliche Wiederwahl von Donald Trump – unser Kalender ist schon mal gut mit vorhersehbaren Ereignissen gefüllt. Dazu wird unser Ringen um die Wahrheit in der digitalen Welt kommen. Unser Auftrag lautet auch 2020: Fakten checken! Und dpa als Company? Wir zeigen auf der Chefredakteurskonferenz im Februar in Berlin neue Ideen für Datenprodukte, einen Audiohub, Podcasts und unser neu- es Video-Angebot. Im April gibt es einen Knaller, auf den ich mich als Fußball-Fan freue: Im deutschen EM-Hauptquartier auf dem Adidas-Campus in Herzogen- aurach veranstalten wir eine Konferenz speziell für unsere Sportkunden. Vielleicht weiß ich dann auch schon, ob sich mein persönlicher Wunsch für 2020 erfüllen könnte: dass die Bayern noch die Champions League gewinnen können.
      Sven Gösmann, Chefredakteur dpa Link

    • “Fridays for Future” gestaltet Ausgabe der “Frankfurter Rundschau”.

      Frankfurt for Future: Die Aktivisten von “Fridays for Future” gestalten am 20. September, dem 3. Internationalen Klimastreiktag, eine Ausgabe der “Frankfurter Rundschau”. Chefredakteurin Bascha Mika wolle mit der Aktion neue Zielgruppen erreichen und andere Blickwinkel in die Klima-Berichterstattung bringen.
      per E-Mail

    • Zitat: Bascha Mika reagiert auf einen tätlichen Angriff gegen ihren Kollegen Danijel Majic.

      Bascha Mika, Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau“Wenn, was sich abzeichnet, die Nationalisten und Rechtsextremen stärker werden, können wir uns ausrechnen, was daraus folgt. Nicht nur für den kritischen Journalismus.”

      Bascha Mika, Chefredakteurin der “Frankfurter Rundschau”, reagiert in einem Kommentar auf den tätlichen Angriff gegen “FR”-Reporter Danijel Majic in Österreich am Wochenende. Die Redaktion wisse zwar, wie schnell Hetze in Gewalt umschlagen kann – es sei jedoch “besonders erschreckend, wenn es tatsächlich passiert”.
      fr.de, fr.de (Background)

    • Mein größter Misserfolg – und was ich daraus gelernt habe (5): Kai Diekmann.


      Kai Diekmann (links) blickt 2003 zusammen mit Ex-RTL-Chefredakteur Hans Mahr in eine Ausgabe der “taz”, beobachtet von der damaligen “taz”-Chefredakteurin Bascha Mika. (Foto: Marcel Mettelsiefen / dpa)

      Den Misserfolg genossen: Ex-“Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann stellt fest, dass Recht haben und Recht bekommen zwei sehr unterschiedliche Dinge sind und schlägt die “taz” lieber mit ihren eigenen Mitteln. Er und viele andere Medien- Marken- und Meinungsmacher schreiben bei turi2 über ihre größten Misserfolge und was sie daraus gelernt haben. Erzählen auch Sie uns Ihre Geschichte: post@turi2.de.

      Kai Diekmann, Chef von Storymachine und Ex-“Bild”-Chefredakteur, erzählt seine Misserfolgs-Geschichte:

      Wer 16 Jahre eine so anspruchsvolle und herausfordernde Marke wie “Bild” leitet, sammelt zwangsläufig so viele Misserfolge, dass es schwierig fällt, sich an den größten zu erinnern.

      Mein wohl bekanntester (und fröhlichster) Misserfolg dürfte der Prozess gegen die “taz” gewesen sein – juristisch weitgehend gewonnen, im öffentlichen Diskurs ebenso weitgehend verloren.

      Was ich gelernt habe: Recht haben und Recht bekommen sind 1.) zwei sehr unterschiedliche Dinge und 2.) macht es nicht immer wirklich Sinn, Recht juristisch durchsetzen zu wollen.

      Einfacher ausgedrückt: Die “taz” mit Anwälten ärgern zu wollen, war doof – die “taz” mit ihren eigenen Mitteln zu schlagen, als “taz”-Genosse, das hat jahrelang eine Menge Spaß gemacht!

      Im Übrigen gilt: Erfolg ist, wenn die Zahl deiner Misserfolge am Ende geringer ist als die der Erfolge!

      Mehr Geschichten von schmerzhaften Lernschritten unter turi2.de/misserfolg und ab 9. Mai in der turi2 edition #8 Erfolg.