Köpfe der Kommunikation

Andreas Prasse

Status: Andreas Prasse ist Geschäftsführer des Außenwerbers WallDecaux in Berlin.

Bio: Andreas Prasse wächst in Garmisch-Partenkirchen auf und studiert Sozialwissenschaften in Göttingen. 2001 bis 2006 ist Prasse Geschäftsführer von Media Frankfurt und wechselt im November 2006 zur VVR Wall GmbH als Hauptgeschäftsführer. Ab 2008 arbeitet Prasse als International Sales Director bei JCDecaux in London. Wenn er durch Berlin schlendert, fällt ihm zu fast jedem Plakat, jeder Säule oder jedem Großbildschirm eine Geschichte ein – eine “Berufskrankheit”, verrät Andreas Prasse in seinem Porträt in der turi2 edition 7.

E-Mail: andreas.prasse@wall.de

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Wie die Wall GmbH die Außenwerbung digitalisiert, erklärt Andreas Prasse in diesem Video-Feature vom Januar 2020.

Andreas Prasse hält programmatische Außenwerbung für “keine Raketenwissenschaft”, sagt er im turi2-Videointerview im Januar 2020:

Andreas Prasse bringt digitale Werbung in die analoge Welt, sagt er im turi2-Videointerview im Januar 2017:

Andreas Prasse bei turi2:

    • Video-Tipp: Wall-Chef Andreas Prasse zieht erste Corona-Bilanz.

      Video-Tipp: Andreas Prasse, Chef der Wall GmbH, zieht im Gespräch mit Volker Schütz Corona-Bilanz für den Außenwerber. Er spricht über Kurzarbeit während des Lockdowns und Umsatzeinbrüche. Mit der Rückkehr der Menschen auf der Straße seien auch die Kampagnen zurückgekehrt, u.a. von Coca Cola, Müller Milch und ProSiebenSat.1. Daran, dass künftig weniger Menschen auf der Straße unterwegs sind, glaubt Prasse nicht. Den Corona-Einbruch beim Umsatz in diesem Jahr noch aufzuholen, hält Prasse ebenfalls für unmöglich.
      youtube.com (21-Min-Video), horizont.net

    • turi2 Termin-Tipp: Prix de Beauté, “SZ”-Nachhaltigkeitsforum, E-Commerce Berlin Expo.


      turi2 Termin-Tipp: “Cosmopolitan” feiert in Wiesbaden die Schönheit und turi2.tv feiert mit, die “Süddeutsche Zeitung” diskutiert in München über Nachhaltigkeit und in Berlin geht es ums Geld verdienen im Netz. Das sind unsere drei Termin-Tipps für diese Woche. Außerdem empfehlen wir Ihnen in diesem Newsletter 20 weitere Events für die Kommunikations-Branche im Februar und März. Alle Termine gibt es – wie immer – auf turi2.de/termine.

      Logo-turi2tv-150 turi2.tv10. Februar: Prix de Beauté
      Veranstalter: Bauer Media Group
      Wiesbaden
      prixdebeaute.de

      12. bis 13. Februar: “SZ”-Nachhaltigkeitsforum
      Veranstalter: “Süddeutsche Zeitung”
      München
      sz-veranstaltungen.de

      13. Februar: E-Commerce Berlin Expo
      Veranstalter: E-commerce Capitals
      Berlin
      ecommerceberlin.com

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      VDZ Digital Tour Israel: 15. – 18. März 2020 | Tel Aviv
      Wenn es um KI, Blockchain, FinTech und Cybersicherheit geht, ist die israelische Start-up-Szene einen genaueren Blick wert. Lernen Sie mit uns das einzigartige digitale Ökosystem selbst kennen!
      Mehr Informationen zur Tour und Anmeldung.

      17. Februar: Die Zwanziger Jahre – Zeit der Extreme
      Veranstalter: Spiegel live
      Hamburg
      spiegel-live.de

      18. bis 19. Februar: German CRM Forum
      Veranstalter: Succus
      München
      germancrmforum.de

      19. Februar: Best Brands
      Veranstalter: Serviceplan, GfK, ProSiebenSat.1, Markenverband, Verlagsgruppe Handelsblatt, Zeitverlag Gerd, RMS
      München
      bestbrands.de

      19. Februar: Adtrader Conference
      Veranstalter: Adzine
      Berlin
      adzine.de

      20. Februar bis 3. März: Berlinale
      Veranstalter: Internationale Filmfestspiele Berlin
      Berlin
      berlinale.de

      24. Februar: Produzentenbrunch 2020
      Veranstalter: media:net berlinbrandenburg
      Berlin
      medianet-bb.de

      24. bis 28. Februar: Social Media Week Hamburg #SMWHH 2020
      Veranstalter: Hi Life Konzerte
      Hamburg
      smwhamburg.com

      25. Februar: How to Podcast (Seminar)
      Veranstalter: news aktuell Academy
      Berlin
      newsaktuell.de

      25. Februar: Fachkongress Digitale Gesellschaft
      Veranstalter: Initiative D21
      Berlin
      initiatived21.de

      29. Februar: #KOMK2020 – Kommunalpolitische Online Marketing Konferenz
      Veranstalter: Friedrich-Ebert-Stiftung
      Oberhausen
      fes.de

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      Philipp Welte fordert von der Politik ein härteres Vorgehen gegen “das hegemoniale Streben gigantischer Plattformen”. Das ganze Interview mit dem Burda-Vorstand lesen Sie im neuen komfortablen E-Paper der “turi2 edition #10”.

      – März 2020 –

      2. März: Workshop Organisationsdesign
      Veranstalter: Handelsblatt Fachmedien
      Berlin
      fachmedien.de

      3. bis 4. März: Online Print Symposium “Transforming the DNA of Print”
      Veranstalter: Bundesverband Druck und Medien
      München
      online-print-symposium.de

      4. März: Forum Kundenmanagement
      Veranstalter: AVS
      Augsburg
      forum-kundenmanagement.de

      4. März: Krisenkommunikationsgipfel 2020 (Kongress)
      Veranstalter: Krisennavigator – Institut für Krisenforschung
      Stuttgart
      krisenkommunikationsgipfel.de

      5. März: ADC – A Night of Honour
      Veranstalter: Art Directors Club
      Frankfurt
      adc.de

      6. bis 7. März: Media Innovation Camp
      Veranstalter: Media Lab Bayern
      München
      media-lab.de

      9. bis 10. März: “PR Report” Tour “Digitalisierung, Content-Management und Newsroom”
      Veranstalter: “PR Report”
      Berlin
      prreport.de

      10. März: Digital Innovation Tour Berlin
      Veranstalter: VDZ Akademie
      Berlin
      vdz-akademie.de

      10. bis 11. März: Internet World Expo
      Veranstalter: Ebner Media Group
      München
      internetworld-expo.de

      10. bis 11. März: CMCX – Content-Marketing Conference & Exposition
      Veranstalter: Contilla
      München
      content-marketing-conference.com

      10. bis 12. März: Jahrestagung des Instituts für Deutsche Sprache – “Deutsch in Europa”
      Veranstalter: Institut für Deutsche Sprache
      Mannheim
      ids-mannheim.de

      turi2.tv vor Ort


      Wie die Wall GmbH die Außenwerbung digitalisiert.
      In Berlin, Hamburg und im brandenburgischen Velten fragt turi2.tv nach der Digitalisierung der Außenwerbung – vom Bau der Riesen-Screens bis zur Programmierung der Werbebotschaften und besucht dafür den Außenwerber Wall GmbH und die Agentur Kolle Rebbe.
      turi2.tv (8-Min-Video)

    • turi2 edition #10: Wie die Wall GmbH die Außenwerbung digitalisiert.


      Digital und draußen: Unseren Innenstädten gehen Lichter auf. Dort wo früher statische Plakatwände für Filme, Mode oder Reisen warben, sind es heute immer öfter große Digital-Screens, die im 10-Sekunden-Takt neue Werbebotschaften aussenden – und die unterscheiden sich je nach Wetter, Tageszeit und vermutetem Publikum. Treiber dieser Technisierung ist der Außenwerber Wall GmbH. Im Video-Feature zum Text in der
      turi2 edition #10 zeigt turi2.tv, wie die Außenwerbung immer digitaler wird: von der Montage der Riesen-Monitore, bis zur Produktion und Programmierung der Werbebotschaften in der Wall-Zentrale in Berlin.

      Wall-Chef Andreas Prasse (Foto) erklärt, dass seine Firma gerade die “besten Adressen”, dort wo besonders viele Menschen unterwegs sind, digitalisiert. Bis Ende des Jahres will die Wall GmbH 1.000 Screens in ganz Deutschland bespielen. Werber Thomas Knüwer, Executive Creative Director von Kolle Rebbe, schwärmt von den neuen technischen Möglichkeiten, Menschen auch draußen ganz gezielt mit Werbebotschaften anzusprechen. Und Wall-Digitalchef Jonas Kofahl zeigt das Wall-Werk in Velten bei Berlin, wo neben großen Screens auch innovative öffentliche Toiletten entstehen.
      turi2.tv (8-Min-Video auf YouTube)

    • turi2 Termin-Tipp: We love Work, StoryDay, Chefredaktionskonferenz.


      turi2 Termin-Tipp: Der Zeit Verlag veranstaltet in Hamburg ab heute die “We love Work”-Wochen rund um die Themen Weiterbildung und Networking, der “Spiegel” lädt zum Storyday 2020 über den Journalismus der Zukunft in die Hansestadt und die dpa versammelt die Chefredakteure ihrer Kunden zur alljährlichen Chefredaktionskonferenz in Berlin. Das sind unsere Termin-Tipps für diese Woche. In diesem Newsletter empfehlen wir Ihnen außerdem 19 weitere Events für Medien-, Marken und Meinungsmacher in den kommenden vier Wochen. Alle Termine gibt es auch auf turi2.de/termine.

      3. bis 21. Februar: “We love Work”-Wochen
      Veranstalter: Zeit Verlag
      Hamburg
      verlag.zeit.de

      7. Februar: StoryDay#20 – neues Digitales Erzählen
      Veranstalter: “Spiegel”, HAW
      Hamburg
      storyday.de

      9. bis 10. Februar: dpa Chefredaktionskonferenz
      Veranstalter: dpa
      Berlin
      chefredaktion@dpa.com

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      VDZ Digital Tour Israel: 15. – 18. März 2020 | Tel Aviv
      Wenn es um KI, Blockchain, FinTech und Cybersicherheit geht, ist die israelische Start-up-Szene einen genaueren Blick wert. Lernen Sie mit uns das einzigartige digitale Ökosystem selbst kennen!
      Mehr Informationen zur Tour und Anmeldung.

      Logo-turi2tv-150 turi2.tv10. Februar: Prix de Beauté
      Veranstalter: Bauer Media Group
      Wiesbaden
      prixdebeaute.de

      10. Februar: Fotografie wahr oder falsch – Bilder im Röntgenblick (Podiumsdiskussion)
      Veranstalter: Bayerischer Journalisten-Verband
      München
      bjv.de

      10. bis 11. Februar: Storytelling Masterclass
      Veranstalter: RTL Journalistenschule
      Köln
      storytellingmasterclass.de

      12. bis 13. Februar: SZ-Nachhaltigkeitsforum
      Veranstalter: SZ Scala
      München
      sz-veranstaltungen.de

      13. Februar: E-Commerce Berlin Expo
      Veranstalter: E-commerce Capitals
      Berlin
      ecommerceberlin.com

      13. Februar: Vor Ort beim 1. FC Nürnberg
      Veranstalter: “manager magazin”, “Harvard Business Manager”
      Nürnberg
      manager-lounge.com

      13. Februar: MedienMittwoch mit Maren Urner – Konstruktiver Journalismus. Schluss mit dem täglichen Weltuntergang
      Veranstalter: MedienMittwoch Stiftung
      Frankfurt am Main
      eventbrite.de

      13. bis 15. Februar: Comedy Tage 2020
      Veranstalter: Next Step Next Crossmedia
      Köln
      gagademie.de

      17. Februar: Die Zwanziger Jahre – Zeit der Extreme
      Veranstalter: Spiegel live
      Hamburg
      spiegel-live.de

      19. Februar: Best Brands
      Veranstalter: Serviceplan, GfK, ProSiebenSat.1, Markenverband, Verlagsgruppe Handelsblatt, Zeitverlag Gerd Bucerius, RMS
      München
      bestbrands.de

      20. Februar bis 3. März: Berlinale
      Veranstalter: Internationale Filmfestspiele Berlin
      Berlin
      berlinale.de

      24. Februar: Produzentenbrunch 2020
      Veranstalter: media:net berlinbrandenburg
      Berlin
      medianet-bb.de

      24. bis 27. Februar: Mobile World Congress
      Veranstalter: GSMA
      Barcelona
      mwcbarcelona.com

      24. bis 28. Februar: Social Media Week Hamburg #SMWHH 2020
      Veranstalter: Hi Life Konzerte
      Hamburg
      smwhamburg.com

      25. Februar: Fachkongress Digitale Gesellschaft
      Veranstalter: Initiative D21
      Berlin
      initiatived21.de

      29. Februar: #KOMK2020 – Kommunalpolitische Online Marketing Konferenz
      Veranstalter: Friedrich-Ebert-Stiftung
      Oberhausen
      fes.de

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      Philipp Welte fordert von der Politik ein härteres Vorgehen gegen “das hegemoniale Streben gigantischer Plattformen”. Das ganze Interview mit dem Burda-Vorstand lesen Sie im neuen komfortablen E-Paper der “turi2 edition #10”.

      – März 2020 –

      4. März: Krisenkommunikationsgipfel 2020
      Veranstalter: Krisennavigator – Institut für Krisenforschung
      Stuttgart
      krisenkommunikationsgipfel.de

      5. März: ADC – A Night of Honour
      Veranstalter: Art Directors Club
      Frankfurt
      adc.de

      6. bis 7. März: Media Innovation Camp
      Veranstalter: Media Lab Bayern
      München
      media-lab.de

      Horizont & turi2.tv vor Ort


      Deutscher Medienkongress im Video.
      Die Video-Koalition von “Horizont” und turi2.tv hat am Rande des Deutschen Medienkongresses in Frankfurt zahlreiche Video-Interviews geführt. Die ersten Videos sind bereits online, u.a. das Interview mit Wall-Chef Andreas Prasse und das Gespräch mit Score-Media-Chef Carsten Dorn. Weitere Interviews folgen in den kommenden Tagen.

    • Andreas Prasse hält programmatische Außenwerbung für “keine Raketenwissenschaft”.


      Daten von draußen:
      Andreas Prasse, Chef des Außenwerbers WallDecaux, will seinen Kunden helfen, ihre Zielgruppen genauer zu erreichen und setzt dafür auf Programmatic Advertising. Dafür soll bis Ende des Jahres die Zahl der digitalen Wall-Werbeflächen auf 1.000 steigen, sagt er im Gespräch mit David Hein. Im Video-Interview von “Horizont” und turi2.tv beim Deutschen Medienkongress erklärt der Außenwerber, dass die Bestrebungen dafür im Plan sind – mit den Schwerpunkten Berlin, Hamburg, Köln und München.

      Bei Programmatischer Außenwerbung befinde sich WallDecaux mitten in der Aufbauphase – den Grundstein dafür habe Ende 2019 die erste große programmatische Kampagne mit Facebook gelegt. Daten für die zielgenauere Ausspielung von Kampagnen liefern zum einen die Standorte digitaler Werbe-Screens, zum anderen die “bewegten Zielgruppen” selbst, die “mit ihrem Smartphone natürlich auch entsprechende Daten hinterlassen”. Das sei “nun mal so, wenn Sie heute bei Apps zustimmen” – damit gebe jeder ein Stück weit auch seine Daten preis.

      Aus dem turi2.tv-Archiv: Andreas Prasse im Unterwegs-Fragebogen zur “turi2 edition #7”.

    • turi2 edition #10: Die Launchparty als Fotostrecke.

      1 Abend, 30 Fotos: Am Dienstagabend (21.1.) haben 120 Freunde und Partner von turi2 den Launch der “turi2 edition #10” gefeiert – mit einem Agendasetting-Talk und einer Launchparty im Museum für Kommunikation in Berlin. Isabel Herzog hat die Partygäste fotografiert, Andreas Grieß die Talkrunde.

      Fotos unserer Launchgäste von Isabel Herzog:

      Public Relation: Opel-Sprecher Harald Hamprecht mit Post-Sprecherin Monika Schaller


      Public Relation, Teil 2: Kristina Horn vom Papierhersteller Sappi mit Patrick Piecha, ehemals Onlineprinters, künftig Zalando

      Va Bene: “Alpin”-Chefredakteur Bene Benedikt, ein Mann der Berge

      Andreas Fischer-Appelt (l.) und Pascal Volz

      Zeitungsgruppe mit Frau: BDZV-PR-Referentin Anja Pasquay mit Alexander von Schmettow, Joachim Donnerstag und Jochen Dieckow (von rechts)

      Mann von “Welt” Ansgar Graw (l.) mit Alexander Antonoff, Nestlé

      Anja Paulus von der Alfred Herrhausen Gesellschaft

      Vermarkter-Gipfel: Carsten Dorn, Fred Hogrefe und Matthias Frantzen (von rechts)

      Media-Pionier Michael Bröcker (l.) und ARD-Aktuell-Mann Helge Fuhst

      Verlagsallianz: Anne Meyer-Minnemann, Diversity-Beauftrage von Gruner + Jahr, mit Burda-Sprecher Philipp Wolff

      Noch ne Verlagsallianz: Springer-Sprecher Christian Senft (l.) und Burda-Mann Sebastian Doedens

      Fußball-Stammtisch: Rolf Dittrich (l.), Ex-Flyeralarm, und Damir Pasalic, Imago


      Philipp Nadler, Verlagsleiter Vermarktung beim “Tagesspiegel”, mit Post-Pressesprecherin Tina Birke

      Journalist Dirk Steinmetz (l.) steht neben Stefan Krüger, Cocodibu

      Rhein-Main-Ge-Sprecher: Hermann-Josef Knipper, R+V (l.) und Harald Hamprecht (Opel)

      Berliner Runde von links: Basak Tezcan, Facebook, Morten Wenzek, Marc Biskup, beide Springer, und Christian Schmidt, Apco Worldwide

      Fotografen-Humor: Holger Talinski (l.) und Marcel Schwickerath bekommen von Johannes Arlt Ohren aufgesetzt

      Rainer Finke, sid (l.), Anna Hansen, Schröder + Schömbs, Christian Bachem, Markendienst

      Florian Haller, Serviceplan

      Philipp Welte, Burda (l.), und Hermann Gruber, Buchkunst.de

      BILD im Bild: Ulrike Zeitlinger-Haake und Christian Nienhaus

      Andreas Prasse, Wall-Decaux (l.) und Markus Mayr

      Sandra Lades, Nürnberg Institut für Markenentscheidungen e.V.

      Christian Bachem, Boris Glatthaar und Anna Hansen (von links)

      Fotos von der Talkrunde von Andreas Grieß:


      Talken mit Turi: Gwendolyn Rautenberg, Marieke Reimann, Monika Schaller, Florian Haller, Philipp Welte (von links)

    • turi2 edition #10: 20 Trends für 2020 von Allianzen bis X-Reality.

      Was wichtig wird: Für die turi2 edition #10 haben wir uns umgehört, was wichtig wird – im Journalismus, in der Werbung und der Kommunikation. Zu den 20 Trends, die wir gefunden haben, zählen Allianzen unter Medienunternehmen, Podvertising als neuem Licht am Werbehimmel, Verticals im Journalismus und Datenschutz.

      Übersicht:
      1. Allianzen
      2. Abo ohne Falle
      3. Podcasts
      4. Podvertising
      5. Prodcasts
      6. Paid Content
      7. Print on Stage
      8. Familiy Business
      9. Verticals
      10. QR-Codes
      11. KI-Vertising
      12. Digital Outdoor
      13. Mediatech Inc.
      14. True Crime
      15. Multi-Journalismus
      16. Lagerfeuerchen
      17. Digital Health
      18. X-Reality
      19. Live-Kommunikation
      20. Datenschutz

      1. Allianzen
      In Zeiten des Wandels sind immer mehr Medienunternehmen bereit, gemeinsame Sache zu machen – sogar mit der Konkurrenz.

      Manchmal kann eine SMS das Zeichen eines Kulturwandels sein. Tanit Koch, Chefredakteurin des zentralen RTL-Newsrooms in Köln, ruft den Kollegen beim “stern” in Hamburg schon mal per Kurznachricht etwas zu, wenn es schnell gehen muss, Recherchen abzustimmen sind oder es um gegenseitige Unterstützung geht. Wie es aussieht, wenn die Grenzen zwischen Mediengattungen verschwimmen, lässt sich am deutlichsten am Bertelsmann-Konzern ablesen – auf allen Ebenen, nicht nur bei den Journalisten. Content Alliance, Ad Alliance und Audio Alliance heißen die Schlagworte, unter denen die Konzerntöchter gemeinsam Inhalte entwickeln, sich vermarkten oder Podcasts produzieren, wo früher alle ihr eigenes Süppchen gekocht haben.

      “Die Struktur der deutschen Medien ist eher kleinteilig und mittelständisch geprägt”, analysiert Klaus Böhm, Medien-Experte beim Beratungsunternehmen Deloitte. Kooperationen wie die unter dem Dach von Bertelsmann hält er für “überlebenswichtig”. Wenn die Mediennutzung immer weiter zerfasert, ist es sinnvoll, starke Marken über Gattungsgrenzen hinweg aufzubauen. Das gilt auch für die Vermarktung von Werbezeiten und Anzeigenfläche.

      Inzwischen sei das bei den Marktteilnehmern auch angekommen. Selbst über Konzerngrenzen hinweg, etwa bei Media Impact, dem Vermarkter von Springer und Funke, funktioniert das erstaunlich reibungslos. Klar ist aber auch: Hinter einem Joint Venture steht immer ein fein austariertes Machtgefüge. “Bevor eine Kooperation funktioniert, müssen alte Feindbilder abgebaut werden”, erklärt Böhm. Selbst eine Allianz von ProSiebenSat.1 und RTL hält der Deloitte-Experte nicht für ausgeschlossen. Für Außenstehende kaum vorstellbar, angesichts der von den Privatsenderketten offen zur Schau gestellten Abneigung.

      “Ich bin überzeugt, dass unsere Bewegtbildwelt in zehn Jahren eine ganz andere sein wird”, glaubt Böhm, der selbst lange als Fernseh-Manager gearbeitet hat. Er rechnet mit Markteintritten, die heute noch gar nicht absehbar sind und warnt: “Ein Marktgleichgewicht ist nicht in Sicht.” Markus Trantow Link

      2. Abo ohne Falle
      Netflix und Amazon machen es vor: Das Abo ohne Falle funktioniert – die Verlage ziehen nach und melden Erfolge.

      Der Karton ist ein wenig sperrig, dafür muss der DHL-Bote nicht wirklich schwer daran tragen. Was der Lieferant nicht weiß: Im Inneren befinden sich 48 Rollen Klopapier, bestellt im Spar-Abo bei Amazon. In zwei Monaten klingelt der Paketbote wieder, so lange reicht das Papier in einem Zwei-Personen-Haushalt statistisch: Etwas mehr als elf Rollen pro Kopf und Monat gehen in Deutschland den Abfluss runter. Rasierklingen, Dosentomaten oder eben Klopapier – es gibt fast keinen Artikel des täglichen Bedarfs, der sich nicht auch abonnieren lässt. Aber das ist ein vergleichsweise neues Phänomen. Abonnements gibt es schon seit dem 18. Jahrhundert. Heute hat jeder von uns gleich mehrere: Handy-Verträge, Streaming-Flatrates – und auch das Zeitungs- und Zeitschriften-Abo ist längst nicht weg.

      Für Verlage war eine hohe Abo-Quote in analoger Zeit ein Ruhekissen: “Wer einmal Abonnent wurde, blieb meist mehrere Jahre dabei”, sagt Nils von der Kall, Verlagsleiter Marketing und Vertrieb bei der “Zeit”. Auch, weil ein Abo bis zu zwei Jahre laufen darf. Wer die Kündigungsfrist verpasste, musste noch ein Jahr dranhängen. Teure Prämien sollten den Lesern die Knebelverträge schmackhaft machen.

      “Medien-Flatrates wie Netflix, Prime oder Spotify waren Game-Changer”, sagt von der Kall. Oder mit anderen Worten: Sie haben das Abo-Prinzip vom Kopf auf die Füße gestellt. Kostenloser Probemonat, monatlich kündbar mit nur einem Klick, keine teuren Prämien. “Die Kunden erwarten von Verlagen dieselbe Fairness, Transparenz und Flexibilität, die sie von den Medien-Flatrates kennen.” Und die meisten liefern: “Spiegel”, “Zeit” und “stern” haben ihre Digital- und Print-Abos flexibilisiert, auch bei einigen Zeitungen gilt inzwischen – zumindest online – die Devise: schnell rein, einfach wieder raus.

      Es gibt sie zwar noch, die Abos, bei denen man Kündigungs-Fristen und Ausstiegs-Klauseln nur im Kleingedruckten findet – wenn überhaupt. Aber diese Dinosaurier sterben langsam aus. Und “Zeit”-Vertriebler Nils von der Kall hat nichts dagegen: “Die Abo-Falle war schon immer ein ‘Taschenspielertrick’, der mehr Schaden als Nutzen bringt”, sagt er und weiß, dass sich Verlage heute an den Bedürfnissen der Nutzer ausrichten müssen und nicht umgekehrt. Sein Job ist es, nicht nur Neukunden zu gewinnen, sondern auch die selbstbewussten Leser bei der Stange zu halten.

      Bei der “Zeit” klappt das, so von der Kall, mit Newslettern, exklusiven Podcasts und Veranstaltungen für “Zeit”-Leser. Nicht selten gewinnt er abtrünnige Leser inzwichen auch per Mailing wieder zurück. Die Wochenzeitung will nicht nur ein Lese-Erlebnis sein, sondern “ein Raum der Begegnung für Menschen, die am politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Diskurs teilhaben wollen”. Markus Trantow Link

      3. Podcasts
      Mehr als zehn Millionen Deutsche hören regelmäßig Podcasts und holen das konzentrierte Zuhören aus der Nische.

      “Viele Menschen sind bildschirmmüde und entdecken wieder die Faszination des Hörens”, beobachtet Stephan Schmitter. Das Radio-Urgestein ist seit 2018 einer der einflussreichsten Radiomanager Deutschlands. Als CEO von RTL Radio Deutschland wacht er über die 17 Sender und Senderbeteiligungen des Konzerns. Und die Statistik gibt ihm zum Teil Recht: Ganze neun Stunden pro Tag nutzt jeder Deutsche Video und Audio, die klassische Radionutzung stagniert aber bei drei Stunden und zwölf Minuten.

      Gleichzeitig steigt die Zahl der Podcast-Hörer: Die Bitkom kommt auf 26 Prozent der Menschen in Deutschland, andere Studien gehen von einer absoluten Zahl von mehr als zehn Millionen regelmäßigen Hörern aus – Tendenz steigend. Viele wittern einen neuen Boom des Hörens, auch Bertelsmann. Die Audio Alliance, mit der die Sendergruppe ihre Audio-Kräfte bündelt, ist das erste Ergebnis. Hier stellen alle Sender ihre Studios und Produzenten gruppenweit zur Verfügung – auch für Podcasts. “Grundsätzlich sind Radio und Podcast zwei verschiedene Schuhe, die aber zusammen ein sehr schönes Paar abgeben”, sagt Schmitter. Radio müsse zeitgleich viele unterschiedliche Menschen und Altersgruppen ansprechen, deswegen ist es kurzweilig und bunt. Bei Podcasts könne sich dagegen jeder die Produktion heraus- suchen, die zu seinem Interesse passt. Daher sind hier auch lange Hörstücke erlaubt.

      Und auch bei den Nutzungszeiten machen sich Radio und Podcast kaum Kon- kurrenz, glaubt Schmitter: Radio habe am Morgen seine Primetime, der Podcast am Nachmittag und Abend. Bei der Produktion von Podcasts sind wieder klassische Radio-Fähigkeiten gefragt, sagt der Manager mit Blick auf Technik, Recherche und Storytelling: “Einen Podcast aufnehmen kann jeder, aber der Blick auf die 200 meistgehörten Formate in Deutschland zeigt deutlich: Da steckt eine ganze Menge klassisches Audio-Know-how drin.” Markus Trantow Link

      4. Podvertising
      “Hören ist das neue Sehen”, verkündet die Audiobranche, seit Podcasts boomen – inzwischen sind Abruf-Sendungen ein beliebtes Werbeumfeld.

      “Werbung funktioniert im Podcast dramatisch besser, wenn die Gastgeber sie selber sprechen”, sagt Werber Michael Trautmann, der mit dem Podcast “On The Way to New Work” 20.000 Hörer pro Woche erreicht. Bis zu 50 Prozent der Hörer schauen sich das beworbene Produkt an, wenn er die Rolle des Testimonials übernimmt. Vermarkten lässt sich “OTWTNW” von den OMR Podstars. Das Hamburger Label von Philipp Westermeyer steht hinter 40 Produktionen, darun- ter Shows wie Fiete Gastro mit Tim Mälzer und Alleine ist schwer von Jonas und Mats Hummels. Der Gastgeber als Werbesprecher ist hier der Normalfall.

      Auch traditionelle Vermarkter wie AS&S haben Podcasts als wertvolles Werbeumfeld entdeckt. “Der Podcast-Markt entwickelt sich von einem Push- zu einem Pull-Markt”, sagt Christoph Arras, beim ARD-Vermarkter zuständig für digitale Audiovermarktung. Arras will die unterschiedlichen Formate nicht gegeneinander ausspielen. Er bietet Spots wie im Radio an, vom Gastgeber gesprochene Werbung und Texte von einem externen Sprecher, dazu gibt es Sponsoring. Arras rät im Podcast zu nativ eingebundener Werbung, um die Möglichkeiten des Mediums auszuschöpfen.

      “Im Radio erfüllen Spots eine wichtige Funktion”, sagt er und verweist auf deren appellativen Charakter – native Podcast-Werbung nutze meist eine andere Ansprache. Dass Podcasts das Radio ablösen könnten, kann sich der Vermarkter nicht vorstellen. Zum einen sei der Trend dazu nicht groß genug, zum anderen unterscheiden sich die Nutzungssituationen: Immer, wenn mehr als ein Hörer zuhört, läuft eher das Radio. Arras hofft auf mehr Vielfalt: Gesprächs-, News- und Crime-Podcasts gibt es wie Sand am Meer, die Felder Fiction und Bildung sind – abgesehen von ein paar Projekten – noch unbestellt. Markus Trantow Link

      5. Prodcasts
      Immer mehr Firmen entdecken Podcasts als PR-Instrument und geben Kunden und Mitarbeitern was auf die Ohren.

      “Man braucht keine Rundfunklizenz, Sendeanlagen und UKW-Frequenzen mehr, um mittels Audio Hunderttausende oder Millionen zu erreichen“, freut sich Felicia Mutterer. Die frühere Radio-Journalistin produziert bei der
      Agentur Achtung Broadcast Podcasts im Auftrag von Firmen. Gefragt sind Podcasts fürs Intranet, aber auch Produktionen zur Mitarbeiterwerbung und Kundenbindung.

      Seit 2018 ist die Hamburger dpa-Tochter News Aktuell im Podcast-Geschäft. Die PR-Abteilung des Pressemitteilungs-Versenders produziert alle zwei Wochen einen Gesprächspodcast in eigener Sache. Für das Team um Janina von Jhering ist der News Aktuell Podcast ein “weiterer fester Kanal in unserer Kommunikationsstrategie”. In der Regel kommen Kommunikatoren anderer Firmen zu Wort. “Wir möchten Einblicke in die Arbeit unterschiedlichster PR-Experten geben”, sagt von Jhering, Vize-Chefin der Unternehmenskommunikation.

      Die Hörer bleiben dran, wenn sie das Thema interessiert und sie den Moderatoren gerne zuhören, sagt von Jhering. Felicia Mutterer wird noch grundsätzlicher: “Es muss Bemerkenswertes, Fesselndes, Überraschendes, Nutzenstiftendes zu hören sein, damit es begeistert.” Wenn das alles zusammenkomme, sei auch in Unternehmens- podcasts “sagenhaft viel möglich”. Markus Trantow Link

      6. Paid Content
      Für Journalismus im Netz zahlen? Immer mehr Menschen machen das – nicht nur bei “Spiegel”, “stern” und Co, auch im Lokalen.

      Zahlen, bitte: Digitale Abo-Gelder sollen Regionalzeitungen helfen, die nicht immer pralle Ernte aus der Reichweitenvermarktung zu ergänzen – und wegbrechende Erlöse aus gedruckten Abos ausgleichen. Keine leichte Aufgabe. Carsten Fiedler, Chefredakteur beim “Kölner Stadt-Anzeiger”, setzt auf exklusive und investigative Stücke sowie zugkräftige Themenfelder wie den lokalen Fußballclub, der seit langem nur dem Namen nach der 1. FC ist. Auch Gastronomie, Lokalgeschichte, Stadtentwicklung und Handel lohnen sich laut Fiedler. News gibt es weiterhin gratis, die Hintergründe und Nachklapps wandern aber hinter die Paywall.

      Der Lohn bisher: 10.000 Premium-Nutzer bei ksta.de, davon 2.000 reine Digitalabos. Damit ist das Ziel noch nicht erreicht – die Zahlungsbereitschaft sei zwar gestiegen, aber von Werten wie in skandinavischen Ländern noch weit entfernt, sagt Fiedler. Dort hatten die Verlage früher angefangen, und ihre Zahlen scheinen ihm Auftrag zu sein. Und Hoffnung: Das Verständnis für ein Preisschild an journalistischer Qualität werde “auch in Deutschland weiter wachsen”. Dirk Stascheit Link

      7. Print on Stage
      Im Netz mag der Journalismus noch nach einem Geschäftsmodell suchen – auf der Bühne verdient er Geld.

      Madonna hat schon 2007 die Zeichen der Zeit erkannt: Als erste Musikerin kehrt sie damals ihrer Plattenfirma Warner Music den Rücken und lässt sich vom Konzertveranstalter Live Nation unter Vertrag nehmen – für zehn Jahre und stolze 120 Millionen Dollar, wie kolportiert wird. In analoger Zeit waren Live-Konzerte die Promotion für die aktuelle Platte eines Künstlers. Heute sind die Musik-Events eine der wichtigsten Einnahmequellen der Musikindustrie, weil Streamingdienste das physische Besitzen von Musik zur Ausnahme von der Regel machen.

      Auch immer mehr Verlage suchen einen Teil ihrer Zukunft auf der großen Bühne: Der “Tagesspiegel”, das “Handelsblatt” und die “Zeit” sind Namens- und Gastgeber von Networking-Events und Kongressen für Leser und Entscheider aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Der “Spiegel” hat die Veranstaltungsreihe “Spiegel Live” etabliert, in der Forscher und Politiker sich vor Publikum den Fragen von Journalisten stellen. Und dass Fachzeitschriften zu ihren Spezialgebieten Kongresse veranstalten, gehört längst zum Standardprogramm.

      Vom ernsten Fach sickert das Geschäftsmodell Event nun auch ins eher leichte: Burda etwa hat – neben anderen Events – einen Schönheits-Wanderzirkus namens “Bunte Beauty Days” erfunden und zieht damit neuerdings munter durchs Land. Bei dem Event in München im vergangenen Oktober hat der Verlag 10.000 Besucherinnen in zwei Tagen gezählt. Jede von ihnen hat zwischen 15 Euro für das Basis-Ticket und knapp 90 Euro fürs VIP-Ticket mit Goodie-Bag sowie Zutritt zur VIP-Lounge berappt. Die teuren Tickets verkauften sich besonders schnell. “Für uns sind Veranstaltungen kein Nebenbei-Geschäft mehr, sondern eine wichtige Erlösquelle, mit der wir Umsätze aus medienfernen Geschäftsbereichen generieren”, sagt Manuela Kampp-Wirtz.

      Für die Geschäftsführerin von BurdaStyle ist das Veranstaltungsgeschäft nah an dem der Zeitschrift: Die Besucherinnen zahlen für den “Bunte”-Journalismus auf der Bühne Eintritt, was dem Kauf einer Zeitschrift entspreche. Im Umfeld des Events gibt es Messestände von Marken, denen die “Bunte” gegen Standgebühr Kontakt zu Konsumentinnen vermittelt – das Äquivalent zum Anzeigengeschäft. Und das scheint zu funktionieren: “Rund 68 Prozent der Besucherinnen tätigten Einkäufe für durchschnittlich 87 Euro”, sagt Kampp-Wirtz.
      Dass Burda längst nicht der einzige Verlag ist, der einen Teil seiner Zukunft in Live-Events sucht, weiß auch die Verlagsmanagerin. Sie glaubt, dass sich solche Veranstaltungen durchsetzen, die “den Konsumenten in den Mittelpunkt rücken und sich auf dessen Bedürfnisse und Vorlieben einstellen”. Markus Trantow Link

      8. Familiy Business
      “Emotion”, “Impulse” und neuerdings “Playboy” – mutige Verlagsmanager und Journalisten kaufen Großverlagen Marken ab.

      Die 2020er Jahre werden das Jahrzehnt mutiger Einzel-Verleger. Mögen bei Großverlagen Auflagen und Anzeigenumsätze schrumpfen und einzelne Titel unrentabel werden, bei kleinen Familien- und Einzelverlegern haben
      totgesagte Magazine eine realistische Überlebenschance – manchmal erleben sie sogar eine neue Blüte. Jüngstes Beispiel ist das Magazin mit dem Bunny: Seit
      Ende 2019 erscheint der “Playboy” nach 17 Jahren nicht mehr beim Großverlag Burda, sondern bei Kouneli Media.

      Die Neugründung von Florian Boitin, bisher Chefredakteur des Häschen-Hefts, und Myriam Karsch, Verlagsleiterin, übernimmt die deutsche Lizenz des US-Magazins. “Uns beiden war von Anfang an klar, dass dies nicht nur ein großes Abenteuer ist, sondern viel mehr noch eine Riesenchance”, sagt Boitin auf die Frage, was ihn und seine Mitstreiterin bewogen hat, selbst ins Risiko zu gehen. Vorerst bleibt beim Bunny-Blatt vieles beim Alten: Vermarktung, Vertrieb und Druck besorgt Burda auch weiterhin. Die Redaktion aber ist umgezogen und stellt sich neu auf.

      So ähnlich fing es auch beim Frauenmagazin “Emotion” an: 2009 kaufte Verlagsleiterin Katarzyna Mol-Wolf das Magazin Gruner + Jahr ab – im ersten Management-Buyout der Verlagsgeschichte. Drei Jahre zuvor hatte sie das Heft mitgegründet, nun drohten die Hamburger, den Stecker zu ziehen, weil das Objekt hinter den Erwartungen blieb. Heute überlebt das Magazin nicht nur mit knapp 55.000 Auflage, sondern ist auch Namensgeber eines Awards und steht als starke Marke für das Empowerment von Frauen. Und es ist die Keimzelle eines ganzen Verlags: Inspiring Network gibt inzwischen fünf Zeitschriften heraus, hat einen Corporate-Publishing-Arm und diverse Vermarktungsmandate. Die 50 Mitarbeiterinnen sorgen für fast 10 Millionen Euro Jahresumsatz.

      Seit 2013 ist auch das Unternehmer-Magazin “Impulse” ein eigenes Unternehmen: Nikolaus Förster, damals Chefredakteur, kaufte Gruner + Jahr das Heft mit der 40-jährigen Geschichte ab – und ging Wege, die für einen Großverlag auch heute noch nur schwer vorstellbar sind: Er beendete das Abo-Marketing mit teuren Prämien, nahm das Heft vom Kiosk, strich Lesezirkel, Bordexemplare und vergünstigte Abos – alles, was die Auflage weich macht. Stattdessen verspricht Förster seinen Werbekunden nun “100 Prozent Zielgruppe, 0 Streuverluste”. Mit dieser Strategie verkauft er noch knapp 10.000 Hefte zum stolzen Preis von fast 25 Euro pro Stück. “Wenn Kunden das Magazin für 25 Euro kaufen und es zugleich im Flugzeug kostenlos bekommen, passt das nicht mehr zusammen”, erklärt er seine Strategie.

      So unterschiedlich Ausrichtungen und Wege der Einzel- und Familienverleger auch sein mögen, sie verbindet unternehmerischer Mut. Die neuen “Playboy”-Chefs Florian Boitin und Myriam Karsch haben sich vor ihrem eigenen Schritt in die Selbstständigkeit die Management-Buyouts von “Emotion” und “Impulse” nicht nur angeschaut, sondern auch Gespräche geführt. Womöglich sind sie bald selbst Vorbilder für andere, die den Sprung wagen. Auf die Frage nach der Möglichkeit des Scheiterns antwortet Boitin mit einem Zitat des US-Moderators Karamo Brown: “Scheitern ist nicht das Gegenteil von Erfolg, sondern Teil dessen.” Markus Trantow Link

      9. Verticals
      Um das Geschäftsmodell Tageszeitung zu retten, lässt Sebastian Turner die “Tagesspiegel”-Redakteure journalistische Tiefbohrungen machen.

      “Der Proof of Concept ist erbracht”, jubelt Sebastian Turner Ende 2019 in “Horizont” über die Vertical-Strategie des “Tagesspiegels”. Diese journalistischen Tiefbohrungen machen die Hauptstadtzeitung zusätzlich zu einem politischen Fachdienst mit den Schwerpunkten Verkehr, Energie, Digitalisierung und Gesundheit. Ein Konzept, mit dem Politico in Washington groß geworden ist.

      Als Adressaten für den wochentäglichen “Tagesspiegel Background” und das wöchentliche Politikmonitoring, die es zu jedem Schwerpunkt gibt, hat Turner die Akteure aus Politik, Wissenschaft, Gesundheits-, Digital- und Kulturwirtschaft aus- gemacht. Die Zielgruppen sind zwar spitz, ballen sich aber im Machtzentrum an der Spree. Eine einfache Lizenz für das tägliche Briefing kostet 179 Euro pro Monat, das wöchentliche Monitoring flattert für stolze 370 Euro ins Haus. Wer mehrere Briefings oder Lizenzen bezieht, bekommt Rabatte.

      Zwanzig neu angeworbene Redakteure schreiben die Briefings; Turner legt Wert darauf, dass die Texte und Material-Sammlungen in der “Tagesspiegel”-Redaktion entstehen: “Diese Spezialisten der Verticals verbessern wiederum die redaktionelle Qualität der Zeitung”, sagt der Mit-Gesellschafter und Herausgeber. Texte der Fachredakteure erscheinen auch jeden Tag in der gedruckten Zeitung.

      Der Großteil der acht Verticals sei profitabel, ihr Anteil am Umsatz des Tagesspiegel-Verlags ist mit weniger als 25 Prozent überschaubar, die Tendenz aber steigend, freut sich Turner über die zusätzlichen Deckungsbeiträge aus Abos, Anzeigen und Veranstaltungen. Denn Events, auf denen sich Politiker, Wissenschaftler und Lobbyisten treffen und austauschen können, sind zentraler Baustein der Vertical-Strategie. Mehr als 100 Kongresse, Fachtagungen und Netzwerktreffen richtet der “Tagesspiegel” jedes Jahr aus. Auf dem Podium sitzt dann oft die Politik-Elite, im Publikum die Lobbyisten und Einflüsterer. Markus Trantow Link

      10. QR-Codes
      Wer tippt schon gern URLs ab? Die lange Zeit verkannten QR-Codes erleben in der mobilen Gesellschaft ihren späten Durchbruch.

      Einen QR-Code hat er 2006 zum ersten Mal bewusst wahrgenommen, sagt Peter Hogenkamp, einst zu Hochzeiten des Web 2.0 Vorarbeiter im Blogwerk und nun Chef des Aggregations-Dienstleisters Scope. Der druckbare Link, den die Kamera eines Telefons wahrnimmt und öffnet, wurde zwar schon 1994 erfunden, setzte sich aber erst mit den Smartphones durch. Unter Werbern und Digitalos galt der putzige 2D-Barcode aus Japan schon als verblühte Spielerei, bevor Mainstream- Marken und, noch wichtiger, Konsumenten den Nutzwert entdeckten, ähnlich wie bei WhatsApp und Kapselkaffeemaschinen. Heute sind Smartphones verbreitet und ihre Kamera-Apps verstehen QR-Codes ohne weiteres. Die schmücken nun folgerichtig den öffentlichen Raum: Sitzrückseiten im Zug und Schweizer Autobahn-Klos führen damit auf Bewertungsseiten, Zeitschriften und Werbeplakate auf ergänzende Inhalte. Für Peter Hogenkamp spielen sie dann ihre Vorzüge aus, wenn sie eine komplizierte URL ersetzen – niemand brauche einen QR-Code für eine kurze Adresse wie Bahn.de. Die Codes sind nur so clever wie der Prozess, dessen Teil sie sind. Dirk Stascheit Link

      11. KI-Vertising
      Mithilfe Künstlicher Intelligenz soll die Werbeausspielung smarter werden.

      Im “Perfekten Dinner” von Vox brutzelt Schweinefleisch in der Pfanne. Der Kandidat erklärt seine Arbeitsschritte – und wie auf Kommando erscheint ein sogenanntes L-Banner auf dem Bildschirm, mit Werbung für die Fleisch-Alternativen der Rügenwalder Mühle. Wer in der RTL-Mediathek TVNow fernsieht, bekommt neuerdings Werbung zu sehen, die zum Inhalt des Programms passt. Contextual Video Tagging heißt der Prozess und ist eines der Next Big Things in der Video-Werbung.

      Senior Conceptioner Robert Beckert entwickelt neue Werbemöglichkeiten: “‘Das perfekte Dinner’ wurde mittels künstlicher Intelligenz gescannt und analysiert. Hierbei wurden sowohl der gesprochene Text als auch die Emotionen analysiert”, erklärt er. Zum Hauptgang passt das Banner mit der Fleischalternative von Rügenwalder, zum Nachtisch serviert Beckert den Zuschauern eine Nespresso-Werbung.

      Bisher funktioniert KI-vertising nur bei aufgezeichnetem Programm. Eine Live-Analyse wäre prinzipiell möglich, würde aber riesigen technischen Aufwand bedeuten – für Beckert die “Ausbaustufe”. Damit die KI nichts falsch versteht und die Werbung womöglich unpassend platziert, guckt nach der Analyse immer noch ein Mensch auf die Auswahl. “Damit garantieren wir Brand Safety”, sagt Beckert. KI in der Werbung, davon ist er überzeugt, wird in den 2020er Jahren ein Massenphänomen als unterstützende Kraft “für klar definierte Aufgaben”. Markus Trantow Link

      12. Digital Outdoor
      Das gute alte Plakat bekommt digitale Konkurrenz, die unsere Metro- polen in ganz neue Lichter taucht.

      Unsere Innenstädte leuchten: Die Zahl der Riesen-Monitore, auf denen 24 Stunden am Tag eine Werbesalve nach der anderen abgefeuert wird, explodiert. Allein der Außenwerber Wall will bis Ende 2020 im ganzen Land 1.000 Screens betreiben, drei Mal mehr als Anfang 2019. Was hat Wall-Geschäftsführer Andreas Prasse gegen das gute alte Papier-Plakat? “Gar nichts”, sagt er, “wir erweitern unser Portfolio und gehen damit auf die Wünsche unserer Kunden ein.” Trotz Digitalisierung werde die Mehrzahl der Standorte analog bleiben. Lediglich die besten Adressen bekommen Digital-Screens.

      Prasse schwärmt von der neuen Flexibilität. Das erste Mal hat Wall das schon zur Fußball-WM 2014 ausprobiert: Zehn Minuten nach dem Sieg der Deutschen Mannschaft in Brasilien hat Mercedes auf allen Wall-Screens ganz aktuell zum WM-Titel gratuliert. “Es gab natürlich eine Variante A und eine Variante B”, sagt Prasse. Damals musste in der Zentrale in Berlin noch ein Mitarbeiter per Knopfdruck für die Ausspielung sorgen. Heute ist es ein Algorithmus, der auf Basis von Smart Data dafür sorgt, dass die Werbung auf dem Ku’damm in Berlin und in der Mönckebergstraße in Hamburg zum Wetter, zur Tageszeit und zur potentiellen Kundschaft passt. Wenn wochentags Berufspendler zur Arbeit eilen, laufen andere Spots als am Samstag, wenn Familien einkaufen.

      Aber das Targeting hat Grenzen. Vorstellungen, dass die großen Screens einzelne Nutzer bald direkt ansprechen könnten, verbannt Prasse in das Reich der Science Fiction: “Außenwerbung wird ein ‚One to Many‘-Medium bleiben.” Markus Trantow Link

      Video-Feature: Wie die Wall AG die Außenwerbung digitalisiert
      turi2.de/edition/wall

      13. Mediatech Inc.
      Medienunternehmen dürfen die Tech-Kompetenz nicht den US-Riesen überlassen.

      Medienfirmen stehen mitten in der digitalen Transformation. Das ist eine Pflichtaufgabe, um bestehende Geschäfte effizienter zu machen und dadurch wettbewerbsfähig zu bleiben – kann aber auch eine Chance sein, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, sagt Rolf Hellermann, Chef des Bertelsmann-Dienstleisters Arvato. Nicht alle Leistungen müsse es im eigenen Haus geben, aber “ein bestimmtes Anwendungswissen” schon. Neben dem Einstellen von “Top-Talenten” sei dafür vor allem auch nötig, die Mitarbeiter weiterzubilden.

      Bertelsmann hat intern die derzeit relevantesten Veränderungsthemen untersucht und nennt Datenanalyse, Selbstlern-Algorithmen und Clouddienste als Kernthemen. Ein konzernweites Beratergremium soll den Austausch intensivieren und, wo nötig, für Abstimmung sorgen.
      Bertelsmanns Verhältnis zu den großen Tech-Konzernen ist ambivalent: Retail-Riese Amazon ist “wesentlicher Absatzkanal” für Bertelsmanns Verlage, die Tech- Plattformen sind wichtige Service-Kunden für Arvato, einige sind Konkurrenten im Werbemarkt. Die IT-Tochter Arvato Systems zeigt Firmenkunden das Potenzial von Künstlicher Intelligenz und betreut auf Wunsch ihre Anwendungen in den Clouds von Amazon und Microsoft. Dirk Stascheit Link

      14. True Crime
      “Aktenzeichen XY” ist ein TV-Hit, “stern Crime” ein Magazin-Bestseller – warum gruseln wir uns so gerne?

      Der wichtigste Punkt zuerst: Genieren muss sich für diese Vorliebe niemand. Kaum hatte Gutenberg den Druck erfunden, zirkulierten Flugblätter mit anschaulichen Horrorbildchen von Verbrechen. Dass der Mensch sich derart für reale Scheußlichkeiten interessiert, hat laut Forschern einen nützlichen Grund. Wer sich mit Verbrechen beschäftigt, die er schlicht nicht nachvollziehen kann, versichert sich selbst, normal zu sein. Und nichts schätzt der Mensch mehr als seine eigene, normale Welt. Die Faszination True Crime basiert auf dem Spiel der Gesellschaft mit Zugehörigkeit und Abgrenzung.

      Die Darstellung der Täter hat sich seit Gutenberg geändert, am stärksten in den letzten siebzig Jahren. Früher wurden Verbrecher dämonisiert und mit fast mythologischen Fähigkeiten ausgestattet: Daher stammen “Vampir von Düsseldorf” oder “Werwolf von Hannover” für die Serienmörder Peter Kürten und Fritz Haarmann. Heute hat sich das Gruselbild des unauffälligen Nachbarn durchgesetzt. Das Motto: Es könnte jeder sein.

      Dass True Crime aktuell besonders boomt, liegt an einem simplen Konzept: Endlich ist jemand auf die Idee gekommen, sich sende- und drucktechnisch nur auf menschliche Abgründe zu konzentrieren. Waren wahre Verbrechen früher Teil des Zeitungs- und Zeitschriftenjournalismus, gibt es heute monothematische Magazine, die ausschließlich “das Böse” ausloten. Im Fernsehen ermitteln die “Medical Detectives”, für Audioaffine gibt es Podcasts wie “Zeit Verbrechen”.

      Praktischer Nebeneffekt: Mord, Totschlag und neue journalistische Ausspielwege erschließen Sendern und Verlagen neue Zielgruppen. Bei einer Live-Aufzeichnung des “Zeit Verbrechen”-Podcasts hört eher selten der arrivierte “Zeit”-Abonnent zu. Tatjana Kerschbaumer Link

      15. Multi-Journalismus
      In Zeiten vielfältiger Kanäle eröffnen sich für Journalisten ganz neue Dimensionen.

      Journalisten können heute vieldimensionaler mit Themen arbeiten als früher, sagt Charlotte Maihoff, Moderatorin bei “RTL Aktuell”. Damit meint sie: Wenn ihr bei einer Recherche Aspekte auffallen, die interessant sind, aber nicht in ihr natürliches Habitat der Nachrichten passen, merkt sie sich den Stoff für andere Formate oder auch Plattformen vor. Aus einer Reise nach Sibirien wurden so Stücke für “RTL Aktuell”, das “Nachtjournal”, den “n-tv-Auslandsreport” und das Frühstücksfernsehen “Guten Morgen Deutschland”, aber auch Instagram-Inhalte und ein Stück mit Kältetipps aus Sibirien für die gerade passend klirrende Kälte in Deutschland sowie noch Texte und Videos bei RTL.de.

      Zum Sparen eignen sich solche Einsätze aber nicht, findet Charlotte Maihoff: Vielschichtiges Arbeiten brauche eine Menge Manpower. Daher passten Ansätze wie die Content Alliance von RTL-Konzernmutter Bertelsmann in die Zeit. Die Medien und Zielgruppen im Konzern bieten viele Bühnen, um Themen aus mehreren Blickwinkeln und in verschiedenen Darstellungsformen zu erzählen. Bei dem Sibirien-Trip hätte sie rückblickend gern noch einen Fotografen dabeigehabt – um Fotostrecken für “Geo” mitzubringen. Dirk Stascheit Link

      16. Lagerfeuerchen
      Während die großen TV-Sender verlieren, fühlen sich die kleinen im Aufwind – und machen mit nischiger Werbung Kasse.

      Die Lagerfeuer des Massenmediums Fernsehen loderten einst hell. Zuverlässig versammelte sich eine ganze Nation gegen 20.15 Uhr vor erst einem, dann zwei, dann drei Kanälen. Inzwischen brennen da allein im linearen, überregionalen Free-TV mehr als 80 Feuerchen – und gleichzeitig noch unzählige weitere zeitlich und räumlich unbegrenzt, empfangbar über smarte Geräte mit Internetan- schluss. So gut wie jeder Nutzer-Wunsch kann in Erfüllung gehen, ob einem nun der Sinn nach Gottesdienst, Musikvideo, Bollywood-Romanze oder blutigem True-Crime-Format steht.

      Alberto Horta, Distributionschef bei Discovery Deutschland, freut sich über die gesammelte Wärme, die dabei immer noch entsteht: “In seiner heute diversifizierten Vielfalt ist TV als Gattung weiterhin ein Massenmedium und wird es noch lange bleiben”, sagt er. Im linearen Free-TV spricht Discovery auf drei von vier Sendern spezifische, aber doch recht große Zielgruppen an: mit Dmax die Männer, mit TLC die Frauen, mit Eurosport die Sportfans aller Geschlechter. Beim neusten Sender ist die Zielgruppe schon schmaler: Home and Garden TV (HGTV) richtet sich – wie der Name schon sagt – an die Heimwerk- und Garten-Fans im Fernsehpublikum. Im Digitalen werden die Angebote von Discovery dann noch mal spitzer: Bei Joyn, der gemeinsamen Plattform mit ProSiebenSat1, gibt es nicht nur Abrufinhalte speziell für Gartenfreunde, sondern auch für die des Kochens und des Motorsports. In Zukunft will Alberto Horta diese sogenannten „Verticals“ weiter ausbauen – offensichtlich lohnen sie sich für die Gesamtbilanz. “Wir sind kein Nischenanbieter, sondern breit aufgestellt”, sagt er, “wirtschaftlich funktioniert das sehr gut.”

      Einen Großteil der Werbezeit füllen die Sender nicht mit klassischen Spots, sondern mit Teleshopping. Für die Werbekunden scheint sich das zu lohnen: Eine spitze Zielgruppe, die für Küchengräte, Bauchweg-Gürtel und besonders gemütliche Kopfkissen bereit ist, zum Telefon zu greifen und sich nebenbei am persönlichen Lagerfeuer geborgen fühlt. Anne-Nikolin Hagemann Link

      17. Digital Health
      Die Arzt-Patienten-Beziehung wird digitalisiert – und könnte für gesunde Geschäfte bei cleveren Verlagen sorgen.

      Telemedizin und E-Rezept sorgen dafür, dass auch der Arzt mit der Zeit gehen kann. Aber was bedeutet das für die Gesundheitsversorgung? Im Idealfall gibt es mehr Chancen als Risiken, findet Kay Labinsky. Der Geschäftsführer von BurdaLife ist unter anderem verantwortlich für die neue Apotheken-Kundenzeitschrift “My Life”. Er will, dass seine Redaktionen “gründlich recherchieren, fundiert berichten und im Falle von Missständen auch aufklären”. Je relevanter ein inhaltliches Verlagsangebot für die Patienten ist, desto besser ist das auch für den Verlag, findet er. Burda wird auch selbst aktiv: Auf dem Portal jameda.de können Patienten online Arzttermine ausmachen, mit dem “Zukunftspakt Apotheke” will der Verlag zusammen mit der Apotheken-Einkaufsgemeinschaft Noweda das Apotheken-Sterben bremsen: Über den gemeinsamen Online-Shop Ihre-Apotheken.de können Kunden bei der Vor-Ort-Apotheke bestellen, das Medikament selbst abholen oder es sich liefern lassen.

      Der Wort & Bild Verlag – Herausgeber der “Apotheken Umschau” – geht einen ähnlichen Weg: Die Verlagstochter Curacado hilft den örtlichen Apotheken beim Online- Geschäft. Auch hier können sich Kunden bestellte Medikamente abholen oder liefern lassen. Zudem baut der Verlag mit Partnern die Plattform Pro AvO für alle stationären Apotheken auf und begleitet die Digitalisierung der Gesundheitsbranche redaktionell: Der “Digital Ratgeber Gesundheit” will Patienten, Apotheker und Heilberufler durch die neuen Möglichkeiten navigieren – gedruckt und mit digitalen Verlängerungen, erklärt Geschäftsführer Andreas Arntzen. Er glaubt, dass die Patienten so mehr Wissen erlangen und sich fundierter mit dem Arzt austauschen können. Das Ziel sei “health literacy”, der Aufbau der Kompetenz für die eigene Gesundheit. Markus Trantow Link

      18. X-Reality
      Die Grenzen zwischen realer und virtueller Welt verschwimmen – irgendwann vielleicht auch in unserem Hirn.

      “Wenn Augmented und Virtual Reality sich durchsetzen sollen, muss es Inhalte geben, die ihren Einsatz als dramaturgisches Element rechtfertigen“, sagt Klaus Böhm, Medien-Experte beim Beratungsunternehmen Deloitte. Dass die Technologie inzwischen massentauglich ist, zeigen nicht nur Handy-Games und Snapchat-Filter. In Wirtschaft und Wissenschaft sind VR und AR längst angekommen.

      So werden etwa Chirurgen mit VR-Unterstützung auf komplizierte Operationen vorbereitet. Im Umgang mit Patienten macht Googles totgesagte Glass 2 eine gute Figur: Statt die Krankenakte des Patienten auf dem Computer aufzurufen, kann sich der Arzt Untersuchungsergebnisse auf seiner Brille einblenden lassen, Fotos und Notizen machen. In der Industrie haben Ingenieure die Google-Brillen bei der Wartung auf der Nase und komplexe Konstruktionspläne immer vor Augen.

      Klaus Böhm glaubt, dass die Technik im Freizeitbereich dann ihren großen Durchbruch hat, wenn die nötigen Geräte leichter und tragbarer werden – oder ganz verschwinden. Er kann sich sogar vorstellen, dass es möglich sein wird, VR- und AR-Brillen durch Implantate zu ersetzen und Inhalte direkt auf unsere Iris zu projizieren. “Solche Entwicklungen kommen aber nicht in einer großen Welle, sondern ganz langsam Schritt für Schritt”, beruhigt Böhm. Markus Trantow Link

      19. Live-Kommunikation
      In der Bibel brauchte David noch Gottes Hilfe, um den Riesen Goliath zu bezwingen. Heutige Davids setzen auf kreative Krisen-Kommunikation.

      Im Sommer 2018 stellt sich der Handelskonzern Lidl eine Limonade ins Regal, die sich äußerlich von den sonst bunt bedruckten 1,5 Liter PET-Flaschen unterscheidet: Glasflasche, weiß bedruckt, kleine Füllmenge. Der Name schlicht und vermeintlich ehrlich: “Limo”. In der Flasche aber blubbert das übliche geschmacksverstärkte Zuckerwasser. Die optische Ähnlichkeit zur Hamburger Independent-Brause Lemonaid ist frappierend: gleiche Flasche, ähnliche Aufmachung. Allerdings verwendet Lemonaid nur fairgehandelte Bio-Ingredienzien.

      Wie das Brause-Startup es geschafft hat, die Billig-Kopie aus dem Discounter-Regal zu verjagen, ist eine kleine Heldengeschichte: Sie beginnt mit einem Brief an den damaligen Lidl-Chef, der zum offenen Brief wird, als der nicht reagiert, und setzt sich in einer Social-Media-Kampagne mit dem Hashtag #Lidlklontdich fort. Vergleichsfotos mit Bio-Original und Billig-Fälschung gehen viral, Lidl knickt ein.

      Von der Idee mit dem Brief bis zur Umsetzung der Kampagne hat es gerade mal 48 Stunden gedauert, erklärt Marius Darschin, Geschäftsführer der Content-Kampagnen- Agentur Honey, bei der die kreativen Köpfe hinter der PR-Aktion arbeiten. “Das zeitaufwändigste war die Abstimmung über das richtige Wording, die passende Tonalität in unserem Brief an Jesper Hojer”, sagt Darschin. “Live-Kommunikation” nennt er das.

      Darschins These: In Zeiten einer sich stark ändernden Mediennutzung erzeugt klassische Werbung, deren Motive Monate vor dem Start geplant und fotografiert sind, nicht mehr die nötige Aufmerksamkeit. Seine “Live-Kommunikation” will den Spieß umdrehen und reagiert auf Ereignisse in Politik, Medien, Sport oder Musik. Damit das funktioniert, müssen sich auch die Unternehmen ändern: “Haltungsthemen, die klar kommuniziert werden, brauchen eine schnelle und eindeutige Entscheidung ganz oben im Management.” Wenn solche Kampagnen die üblichen Abstimmungsrunden durchlaufen, ist das Momentum schnell vorbei. Markus Trantow Link

      20. Datenschutz
      Bei Datensicherheit geht Google in die Höhle des Löwen: nach Deutschland, wo die Nutzer sensibel und die Regeln streng sind.

      Google besitzt in München jetzt einen Palast, den “Postpalast”. Früher war der Komplex in Bahnhofsnähe das Paketzustellzentrum, zuletzt Ort für Kongresse – oder auch mal die Meisterfeier des FC Bayern. Bald sollen hier auf 41.000 Quadratmetern Arbeitsplätze für Google-Mitarbeiter aus aller Welt entstehen, die an Datensicherheit und Anwendungen wie dem Webbrowser Chrome arbeiten. Im neuen Jahrzehnt wird die Isar-Metropole mehr denn je Googles Zentrum für Datenschutz. Schon heute arbeiten viele der 1.000 Mitarbeiter in der nur wenige hundert Meter entfernten Erika-Mann-Straße an diesen Themen.

      Im Mai 2019 hat Google hier sein Safety Engineering Center, kurz GSEC, eröffnet. “Wir bauen in München Produkte und Services für Google im Bereich Datenschutz. Und zwar für Nutzer weltweit”, sagt Wieland Holfelder, Entwicklungschef in München. Auf das Konto seines Kollegen Stephan Micklitz, weltweit verantwortlich für Sicherheit und Datenschutz, geht die Entwicklung des “Google Konto” als zentrale Anlaufstelle für den Datenschutz. Er ist sich sicher, dass ein Tool, das auf dem in Sachen Datenschutz besonders kritischen deutschen Markt funktioniert, auch gut für den Rest der Welt ist. Markus Trantow Link

    • Dorota Karc wird Head of Programmatic bei WallDecaux.

      WallDecaux holt Dorota Karc als Head of Programmatic, sie verantwortet deutschlandweit den Verkauf digitaler Werbeträger. Karc kommt von der Digitalagentur Spacedealer, dort leitet sie bisher das Programmatic Advertising.
      per Mail, turi2.de (Porträt über WallDecaux-Chef Andreas Prasse in der turi2 edition #7)

      Aus dem turi2.tv-Archiv (01/2017): Andreas Prasse bringt digitale Werbung in die analoge Welt.

    • Zitat: Andreas Prasse von Wall Decaux besucht Kunden auch ohne Krawatte.

      “Früher war es undenkbar, nicht in Anzug und Krawatte beim Kunden anzutreten. Das ist definitiv vorbei.”

      Andreas Prasse, Chef des Außenwerbers Wall Decaux, profitiert bei der Vermarktung von Urbanisierung und Fragmentierung des Medienkonsums, sagt er im Interview mit Horizont Online.
      horizont.net (Paid)

      Aus dem turi2.tv-Archiv: Andreas Prasse ist mit #turi2unterwegs – als Protagonist der turi2 edition #7 zum Thema Unterwegs.

    • turi2 edition #7: Andreas Prasse im Porträt.



      Lichter der Großstadt:
      Andreas Prasse und WallDecaux bepflastern weltweit Flughäfen, Bahnhöfe und Innenstädte mit Werbung. Mit Peter Turi läuft Prasse, beim Außenwerber verantwortlich für Marketing und Vertrieb, für die turi2 edition 7 durch Berlin. Dabei ärgert er sich über “Wild-Werbung”, erzählt von der Zukunft – City Lights digital – und verrät sein Karriereziel, das mit Anteilen am Werbekuchen zu tun hat. (Fotos: Holger Talinski)

      Andreas Prasse stammt aus Mittenwald im Werdenfelser Land und hat Augen, die das Blau des Eibsees und das Grau des Zugspitzmassivs spiegeln. Wer ihm in diese graublauen Augen schaut, der nimmt ihm gerne ab, dass er auf Gipfelwanderungen eines so gar nicht vermisst: Außenwerbung. “Der Bergwanderer ist sicher keine Zielgruppe, die wir bedienen müssen”, sagt der Geschäftsführer von Deutschlands wichtigstem Außenwerber WallDecaux. “Obwohl …”, Prasse legt die Stirn in Falten. “Unsere Schweizer Kollegen von APG/SGA Mountain vermarkten City Lights und digitale Screens auf Bergstationen.” Weil da so viele Leute rumlaufen, dass es sich lohnt? “Da treffen Marken auf eine sehr interessante Zielgruppe”, antwortet der Marketingmann.

      Aber eigentlich braucht der sportliche Anfangsfünfziger bei seinen Hobbies – den Wanderungen, dem Ski- und Radfahren, dem Schwimmen und Windsurfen – keine werbliche Ansprache. Denn beim Sport schaltet er ab. Ganz anders, wenn er durch Berlin läuft. Da fällt ihm zu fast jedem Plakat, jeder Säule und jedem Großbildschirm eine Geschichte ein – “Berufskrankheit.” Los geht‘s schon in der Friedrichstraße 118, Ecke Torstraße. Gegenüber dem Firmensitz von WallDecaux verkündet ein Bauplakat mit haushohem Selbstbewusstsein: “Ich bin ein Ästhet, der das Schöne liebt. Hans Wall”. Firmengründer Hans Wall bebaut hier mit privatem Geld das Eckgrundstück. Sicher nicht nur aus ästhetischen Gründen.

      Wir laufen nach Süden in Richtung Bahnhof Friedrichstraße. Ärgern kann sich Prasse über wilde Plakatierungen. Wenn Straßenlaternen wie schwanger wirken, weil sie mit einem Ring von Plakaten beklebt sind. Irgendwann wird das Ganze so schwer, dass es bei Regen zu Boden rutscht und zu einer ekligen Pampe mutiert. Das stört sein ästhetisches Empfinden – und seine Geschäfte: “Wild-Werbung nimmt deutlich zu.” Und verschafft der Außenwerbung ein schlechtes Image. In jedem Fall folgt Prasse dem Firmengründer Hans Wall in der Überzeugung: Wir sind die Guten, wir machen die Stadt schöner.
      …weiterlesen in der turi2 edition Unterwegs.

      Lesen Sie die #7 jetzt gratis – direkt hier im Browser als E-Paper (S. 80). Oder bestellen Sie das Buch hier für 20 Euro.


      Andreas Prasse, Geschäftsführer des Außenwerbers Wall, ist mit #turi2unterwegs – als Protagonist der turi2 edition #7 zum Thema Unterwegs. Alle Informationen zum Buch gibt es hier.
      turi2.tv (77-Sek-Video bei YouTube)