turi2 edition #7: Philipp Prinzing im Unterwegs-Gespräch.


Profi im Anflug: Für Philipp Prinzing geht es mit den Luftfahrttiteln der Motor Presse hoch hinaus. Der Geschäftsführende Redakteur für "Aerokurier" und den "Klassiker der Luftfahrt" fotografiert für die Magazin-Geschichten aus Flugzeugen mit ausgebauter Tür und muss bei Shootings im Zweifelsfall blitzschnell Ersatz für streikende, historische Maschinen finden. Maria Gramsch führt mit ein Unterwegs-Gespräch über riskante Fotografie in der Luft und Erfüllung im Beruf. (Foto: Holger Talinski)

Das Wetter macht am Morgen wenig Hoffnung: Dicke, graue Wolken hängen tief am Himmel. Immer wieder beobachte ich die dunklen Massen; frage Philipp Prinzing noch ein letztes Mal per E-Mail, ob unser Treffen heute stattfinden kann. Tatsächlich – je näher ich dem Flugplatz Bienenfarm bei Berlin komme, desto sommerlicher wird es. Zum Glück, denn bei schlechtem Wetter wird nicht geflogen.

Herr Prinzing, das Wetter ist ja wirklich auf unserer Seite. Am Morgen war ich noch ziemlich skeptisch. Sie sind bei Ihrer Arbeit sicher nicht nur vom Wetter abhängig.
Da spielen wirklich viele Faktoren zusammen. Ich muss ja immer mit zwei Maschinen in die Luft, und gerade bei den historischen Maschinen geht auch mal was kaputt. In Frankreich stand ich mal am Start, wir haben unsere letzten Checks gemacht. Dann hat die Zündung nicht richtig funktioniert. Da bin ich halt wieder nach Hause gefahren. In Europa ist das immer noch okay, weil man nicht so hohe Kosten hat. Wenn sowas zum Beispiel in Kalifornien passiert, muss man gut vernetzt sein, damit man sich schnell was anderes organisieren kann.

Wir schlendern über den Flugplatz, auf dem abseits der Landebahn die historischen Maschinen parken. Der Wind peitscht über die freie Fläche, die einem Stoppelfeld gleicht. Motorenknattern hängt in der Luft, heute ist Anreisetag beim Stearman & Friends Flying. Wir stoppen neben einer weißen Cessna, aus der Philipp Prinzing später in der Luft fotografieren wird. Vorher muss noch die Tür ausgebaut werden.

Das stell‘ ich mir ziemlich gefährlich vor!
Wenn ich bei offener Tür sitze und die erste Kurve kommt, muss ich mich erstmal wieder dran gewöhnen. Aber ich habe meine Angst da relativ gut abgelegt. Man ist die ganze Zeit angeknipst im Kopf. Ich gehe immer wieder durch, was passieren kann: Was mache ich, wenn wir zusammenstoßen – ich kann nichts machen, ich habe keinen Fallschirm, dann bin ich tot, alles gut. Es ist einfach so.

Wie bitte, kein Fallschirm?
Sicherheit geht immer vor und ich riskiere auch nichts. Ich bin mit einem Geschirr festgemacht, aber bei 500 Fuß bringt einem ein Fallschirm nichts. Das sind ja hier alles nur Low-and-Slow-Maschinen. Bei größeren Foto-Maschinen hat man aber immer einen Fallschirm dabei.

Sein Geschirr, mit dem er sich später in der Maschine festmachen wird, hat Prinzing seiner Frau Catharina zuliebe gekauft. Davor konnte es schon mal vorkommen, dass die Flugzeugtür einfach nur durch einen Spanngurt ersetzt wurde. Wenn seine Frau nicht mit auf dem Flugplatz ist, so wie heute, gibt Prinzing ihr vor jedem Flug Bescheid. Und er geht nur in die Luft, wenn sie auf seine Nachricht geantwortet hat.

Welche Risiko-Faktoren gibt es?
Wir fliegen immer Close Formation, deshalb fliege ich auch nur mit Piloten, die das wirklich können. Darauf kommt es ja für meine Bilder an. Ich fotografiere nur mit einem 70/200 oder einem 24/70 Objektiv. Ein größeres kann ich nicht nehmen, sonst komme ich bei ausgebauter Tür in den Fahrtwind und kann keine scharfen Fotos machen. Wenn ich den Flugzeug-Eigner nicht kenne, versuche ich immer, jemanden mit reinzusetzen, mit dem ich schon geflogen bin. Hier in Bienenfarm fliege ich immer mit dem gleichen Fotopiloten – wir haben inzwischen so viele Flüge zusammen gemacht, dass er genau weiß, was ich will. Außerdem gilt bei mir im Flugzeug immer Essential Crew – also nur der Pilot und ich. Selbst wenn wir mehr Platz hätten, ich nehme keinen weiter mit.

Im Hangar neben der Flugbahn treffen wir auf Schrammbo, der eigentlich Jörg heißt. Er ist einer dieser Piloten, "die es können". Schrammbo war Ausbildungsleiter Tornado bei der Luftwaffe und "sieht so aus, wie er sich anhört", scherzt Prinzing. Schrammbo wird später dafür sorgen, dass die fotografierte Maschine in der Luft genau dort bleibt, wo Philipp Prinzing sie haben möchte – sehr nah an der Maschine, in der er mit seinem Fotopiloten sitzt.

Das klingt, als hätten Sie schon mal schlechte Erfahrungen gemacht?
Mir ist schon passiert, dass Leuten schlecht wird. Oder die mich anfassen und auch mal gucken wollen. Ich
habe auch schon den Fehler gemacht, dass ich jemanden mitgenommen habe, der selbst Fotos gemacht hat. Als ich am Abend nach Hause kam, hatte er alle seine Fotos bei Facebook hochgeladen. Und dann sind das am Ende auch noch scheiß Bilder und ich kann meine Geschichte in die Tonne treten. Die Community ist so klein; wenn vorher schon Hunderte Bilder auftauchen, kaufen sich die Leute mein Heft vielleicht nicht mehr.
…weiterlesen in der turi2 edition Unterwegs.

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Philipp Prinzing, Luftfahrtjournalist und -fotograf, ist mit #turi2unterwegs – als Protagonist der turi2 edition #7 zum Thema Unterwegs. Alle Informationen zum Buch gibt es hier.
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