turi2 edition #7: Michael Tallai im Porträt.


Tallai on Tour: Michael Tallai, Geschäftsführer der Mediengruppe Thüringen, hat die weite Reise von der Welt der Journalisten in die Welt der Verkäufer gewagt. Seine Umtriebigkeit lohnt sich für den Verlag – mit seinem Dienstwagen ist Tallai in und um Erfurt ständig unterwegs, schüttelt Hände, redet, besucht, zeigt Gesicht. Thüringen ist für Funke dank seiner Vermarktungs-Ideen wieder "so etwas wie eine gemähte Wiese", schreibt Tatjana Kerschbaumer in der turi2 edition 7. (Foto: Markus Burke)

Der Hase hoppelt gemächlich vor dem Eingang des Erfurter Flughafens vorbei, nur ein paar Meter von Michael Tallai entfernt. Es ist nicht viel los an diesem sonnigen Montag, nur ein paar Flüge gehen nach Thessaloniki oder Antalya. Meister Lampe läuft keine Gefahr, unter einen Rollkoffer zu kommen. "Sehen Sie", sagt Tallai und muss dann doch grinsen, als der Hase stoppt und ihn nasezuckend mustert: "Das haben Sie nur in Thüringen."

Tallai, 51, dunkler Anzug, "den ich ja leider immer tragen muss", ist nicht etwa gerade gelandet oder hat vor, nach Griechenland oder in die Türkei zu fliegen – Gott bewahre. Er mag es sowieso eher kühl und erinnert sich mit Schrecken an einen vergangenen Thailand-Urlaub, zu dem ihn seine Familie genötigt hatte: "Das war die Härte. Ich bin eigentlich nur von Klimaanlage zu Klimaanlage gerobbt." Nein, Tallai, Geschäftsführer der Mediengruppe Thüringen, zeigt sein Reich. Einen Teil seines Reiches zumindest, einen Teil seiner Geschäftsbeziehungen, könnte man sagen. Hier, am Flughafen Erfurt- Weimar. Logische Frage: Was hat der Chef der "Thüringischen Allgemeinen", der "Thüringischen Landeszeitung" und der "Ostthüringer Zeitung" mit einem Flughafen am Hut, wenn er nicht gerade für die Business-Class eincheckt? Erst einmal nichts – aber Tallai sieht das ganz anders.

Erfurt-Weimar mit seinen vorbei hoppelnden Hasen ist, um es dezent zu sagen, nicht gerade der Hotspot der deutschen Reise- und Luftfahrtindustrie. Entsprechend leer blieben lange Zeit viele Werbeflächen, sie wurden nicht gebucht oder erst gar nicht vermarktet. Seit 2017 sieht das anders aus: Die Mediengruppe Thüringen hat einen exklusiven Vertrag mit dem Flughafen geschlossen und managt jetzt die Außenwerbung. Tallai bleibt zwar bescheiden, einen deutschlandweiten Großangriff auf Ströer und WallDecaux plant er nicht. Aber er hat durchaus Spaß daran, sich am Flughafen auszutoben: "Der Betreiber hat gesagt, wir können sogar den Tower grün streichen, wenn jemand damit werben will." Der Tower ist nach wie vor mausgrau, es gab noch keine Interessenten.

Bis zur möglichen Tower-Bemalung war es ein harter Weg. Als Tallai 2014 zur Mediengruppe Thüringen kommt – damals noch als Verlagsleiter der "Thüringer Allgemeinen" – dümpelt Funkes ostdeutsche Außenstelle vor sich hin. Anzeigenkunden wollen nicht mehr so richtig, Abos gehen zurück, aber vor allem: Langjährige, traditionell gewachsene Kooperationen sind eingeschlafen. In der Medienwelt sagt man nichts Schlechtes über seine Vorgänger, das weiß auch Michael Tallai. Aber er glaubt trotzdem, dass die ehemalige Geschäftsführerin zumindest "etwas zurückhaltend" war. Sie war nicht der Typ für Vereinstreffen oder den Karnevalsumzug, der in Erfurt quasi per ungeschriebenem Gesetz superwichtig ist. Und dessen Tickets man verkau- fen kann. Es fehlte an Kontakten. Wer einmal in einer ländlichen Region gelebt hat, weiß, dass das so gut wie der Todesstoß ist – egal, ob privat oder geschäftlich.

Funke reagiert. Tallais Vorgängerin geht 2015, offiziell "wegen unterschiedlicher Auffassungen über die strategische Auswirkung des Geschäfts". Eine doch deutliche Ansage. Aus dem Ruhestand wird Klaus Lange reaktiviert, ein Funke-Veteran mit 20 Jahren Mediengruppe-Magdeburg-Kompetenz, der in Erfurt den Laden auf links krem- peln soll. Tallai sitzt erstmal auf seinem Verlagsleiter-Sessel und schwitzt. Nur ein Jahr, nachdem er in Frankfurt am Main seinen alten Job bei Dow Jones an den Nagel gehängt hat, um nicht mehr ständig pendeln zu müssen – "mein Rekord im Auto waren acht Stunden für 200 Kilometer. Danach bin ich nur noch Zug gefahren" – steht schon wieder alles auf der Kippe.

Könnte gut sein, dass Langes Aufräumaktion auch ihn erwischt. Dann, Überraschung: Lange will ihn mitnichten rauswerfen. Er macht Tallai zu seinem Nachfolger. Und der tut als Geschäftsführer das, womit er als Verlagsleiter schon langsam angefangen hatte: Er ist unterwegs.
…weiterlesen in der turi2 edition Unterwegs.

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Michael Tallai, Geschäftsführer der Mediengruppe Thüringen, ist mit #turi2unterwegs – als Protagonist der turi2 edition #7 zum Thema Unterwegs. Alle Informationen zum Buch gibt es hier.
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