Mein größter Misserfolg – und was ich daraus gelernt habe (4): Stephanie Huber.


Ein Bus voll neuer Kraft: Stephanie Huber kann die Firma ihres verstorbenen Mannes nicht weiterführen und verkauft sie schweren Herzens. Aus dem Schicksalsschlag entwickelt sie die Kraft für etwas Neues: Sie wird Konflikt-Managerin. Stephanie Huber ist die erste turi2-Leserin, die Ihre Geschichte vom lehrreichen Scheitern aufgeschrieben hat. Weitere Stories bitte an post@turi2.de. (Foto: Foto Thanner)

Stephanie Huber, Geschäftsführerin der konSENSation GmbH, erzählt ihre Misserfolgs-Geschichte:

Das Erbe: ein Unternehmen, ein Umrüster für behindertengerechte Fahrzeuge. Nach dem plötzlichen Tod meine Mannes, dem Vater unserer Kinder, hätte ich mir nicht vorstellen können, seine Firma zu verkaufen. Doch ich habe meine Grenzen erkannt. Ich kann die Firma nicht führen, dann bliebe in der schweren Situation zu wenig Zeit für die Kinder.

Jeder Weg beginnt bekanntlich mit dem ersten Schritt. Mein erster Schritt war, mir ein Ziel zu setzen. Es musste verrückt sein und dennoch bedeutend. Ich entschied mich dafür, mir meinen Jugendtraum zu erfüllen und den Busführerschein zu machen. Ohne den Schicksalsschlag hätte ich diesen Traum niemals verwirklicht.

Heute fahre ich nebenberuflich Omnibus, habe den Betrieb meines verstorbenen Mannes und das Haus verkauft. Das waren keine einfachen Entscheidungen und Wege, aber ich habe in der Zeit nach dem Schicksalsschlag eine immense Kraft entwickelt. Misserfolge, Fehler und Umwege sind mir ebenso wie Sackgassen begegnet. Doch zum Glück hatte ich keine Zeit, darüber nachzudenken und habe einfach intuitiv gehandelt. Wahnsinn, denke ich heute oft.

Wenn ich in dieser schweren Zeit etwas gelernt habe, dann Konflikte zu klären. Genau das habe ich zu meinem Beruf gemacht und eine Ausbildung zur Mediatorin durchlaufen. Heute kläre ich Konflikte in Unternehmen und arbeite präventiv im Konfliktmanagement. Aus meiner Erfahrung entwickle ich nun eine Methode, wie Menschen ihre Konflikte selbst lösen können.

Meine Erkenntnis: Misserfolge sind gar nicht das Problem, sondern Wegweiser. Wichtig ist, den Glauben an sich selbst nie zu verlieren und der eigenen Intuition zu folgen.

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