Ist Crossmedia nur Schönsprech für mehr Arbeit für weniger Leute, Andrea Schafarczyk?


Über Gattungsgrenzen hinweg: Crossmedialität ist kein Handwerk, sondern “eine Art zu denken”, schreibt HR-Chefredakteurin Andrea Schafarczyk in der turi2 edition #13. Der Kampf um die Aufmerksamkeit des Publikums klappe in crossmedialen Teams besser, denn das Publikum sei selbst auf allen Kanälen unterwegs. Sie können den Gastbeitrag hier im kostenlosen E-Paper lesen oder das Buch hier gedruckt bestellen.

Noch vor ein paar Jahren dachte ich, dass Crossmedialität etwas Handwerkliches ist: Man reißt Wände ein, setzt Kolleg*innen zusammen. Ein paar Schulungen und gemeinsame Themen. Der Rest läuft automatisch. Ein Irrtum. Heute weiß ich, dass man nebeneinander sitzen und trotzdem alles wie gehabt machen kann: mein Thema, mein Kanal, mein Publikum!

Nur: Mein Publikum hat sich umgeschaut und neue Angebote gefunden. Ich muss um seine Aufmerksamkeit kämpfen. Und das geht besser im crossmedialen Team. Crossmedialität ist vor allem eine Haltung, eine Art zu denken. Dabei ist der persönliche Kontakt entscheidend, es geht darum, Menschen als Menschen zusammenzubringen. Wer sich vertraut, der tauscht auch Recherchen, Informationen und Inhalte aus. Der rückt im journalistischen Alltag zusammen, um gemeinsam zu schauen, was in einem Thema steckt. Der versteht die anderen als Perspektiv-Gewinn.

Ich habe gelernt, dass sich Zusammenarbeit nicht verordnen lässt. Am besten entwickeln die bereichsübergreifenden Teams ihre Arbeitsweisen selbst. Schon deshalbpassen Crossmedialität und autoritärer Führungsstil nicht zusammen. Die Führung ist hier weniger Leader, sondern Coach, und bringt Teams in die Eigenverantwortung. Kontrolle abgeben, radikal offen sein und Vertrauen haben: Das braucht Zeit, Kraft, Toleranz.

Dann passiert das, was Crossmedialität für mich zum Zukunftskonzept macht: Ko-Kreativität, vom Thema ausgehen, mit dem Blick auf das Publikum des jeweiligen Kanals für die Kolleg*innen mitdenken oder gar mitproduzieren. Bestenfalls mit Veröffentlichungsplan, wann was kommt, abgestimmt auf die jeweilige Primetime. Das bringt Themen mehr Aufmerksamkeit und Inhalten längere Lebenszyklen. Ja, Crossmedialität ist ein Zukunftskonzept. Es bietet viel mehr als die Summe seiner einzelnen Teile.

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