artcount
  • News
  • Sport
  • themenwochen
  • Köpfe
  • Jobs
  • Termine
  • edition
  • podcast
  • werben bei turi2
  • suchen auf turi2
  • FAQ
  • werben bei turi2
  • Team
  • Newsletter
  • themenwochen
  • Köpfe
  • Firmen
  • Termine
  • Edition
  • podcast
  • turi2.tv
  • turi2 folgen
  • Partner
  • RSS-Feed
  • Datenschutz
  • Impressum

turi2 edition #12, 50 Vorbilder: Diana Kinnert schreibt über Peter Hintze.

6. Oktober 2020

Ein Pfarrer im politischen Hinterzimmer: Bewundert für seinen politischen Scharfsinn, geschmäht als Intrigant im Hinterzimmer – der 2016 verstorbene, einstige CDU-Generalsekretär und Bundestags-Vizepräsident Peter Hintze polarisiert. Und beeindruckt Politikerin Diana Kinnert als Typus, den sie heute in der Politik vermisst, erklärt sie in der turi2 edition #12.

Verunglimpft, geschmäht, verletzt: Kohls Messdiener, der schwarze Pfaffe. Handlanger der Obersten, Intrigant im Hinterzimmer. Arrogant und altklug: Peter Hintze. So hörte man, so las man. Wir hatten nichts gemein außer Wahlkreis und Partei. Dachte ich.

Hintzes hohe Ämter machten Besuche vor Ort selten. An einem Samstag, Wahlkampf, Marktplatz, trat er hinzu. Schnell war er umstellt, ein geschlossener Kreis. Doch Hintze trat heraus. Zeigte auf mich, Broschüren in der Hand, abseits. “Machen wie Frau Kinnert”, verbesserte er die Altgedienten. Dem Bürger nicht den Rücken zuwenden, sondern das Gesicht. Lange war ich unsichtbar. Hintzes Sehen habe ich nie vergessen.

Denke ich an ihn, werde ich nicht sentimental. Sondern neugierig, aufmüpfig, angespornt. So war ich, als wir arbeiteten. Ich dachte doppelt so schnell wie gewöhnlich, sprach auch so. “Weiter, weiter, weiter”, höre ich seine Stimme. Hintze hat die Ungeduld in mir geweckt, das Träumerische, Spitzfindige, Listige, Lustige. Im Vizepräsidentenbüro politische Pläne zu schmieden, fühlte sich an wie Detektivarbeit. Minister schlichen ein und aus. So mancher Politiker fragte derart Dämliches, dass ich es für einen Witz hielt. Ich erwartete forsche Gegenrede. Aber Hintze verdrehte nicht mal die Augen. Das hat mich irritiert. Er hat Nichtsnutzen Karrieren eröffnet, habe ich gedacht.

Lesen Sie alle Geschichten der turi2 edition #12 – direkt hier im Browser als E-Paper oder bestellen Sie das Buch.

Die hehre Politik: ein Betrieb aufgescheuchter Hühner. Menschen mit all ihren Unzulänglichkeiten. Die ob der Einsamkeit der Macht aus dem Alltag fallen, ihr gesellschaftliches Antlitz polieren, während das Zuhause auseinanderbricht. Die politische Karriere veranlasst, sich selbst zu vernachlässigen, manchmal bis zur Entstellung. Manche konnten sich selbst nicht mehr leiden. Hintze konnte alle leiden. Hintze, der Königsmacher, politisches Geschick sondergleichen. Aber nicht darum haben Minister und Präsidenten ihn aufgesucht. Hintze war am meisten Mensch. Bei ihm erlaubten sie sich, ebenfalls Menschen zu sein.

Mancher hat seine Loyalität mit blindem Gehorsam verwechselt, seine Freude an der Politik mit Unernst. Wenn er über Mehrheiten spekulierte, Prozentanteile errechnete, warf man ihm vor, nicht an den Menschen zu denken. Ein Pfarrer, der in Hinterzimmern taktiert, ein Christ, der das Ritual in Zweifel zieht. Befremdlich. Aber ich habe das bewundert: Eine Regel als Zeugnis ihrer Zeit zu verstehen, Platz für neue Traditionen zu schaffen. Ins Nachkommende zu vertrauen. Er hat nur schwer ertragen, wenn der Mensch die eigene Unmündigkeit wählte. Und es doch akzeptiert. Ernster kann man es mit Menschen nicht meinen.

Wer heute Führungslosigkeit beklagt, bedauert auch Hintzes Fehlen. Wer den Parteithron besteigt, hätte zu seinen Lebzeiten seine Gunst entschieden. Ich kenne keinen politischen Beobachter, der Hintzes Einfluss geringer schätzt. Ihn selbst freute das jungenhaft. Und doch war es ihm nicht wichtig. Ihm war nicht an der Inszenierung der eigenen Person, der Macht und Moral gelegen. Selten heute, da die Ausstellung eigener Ergriffenheit normal ist. Hintze hat gelästert, gefrotzelt, reingelegt. Aber nie abgelenkt von der politischen Aufgabe durch Befehle von oben, die die eigene Stimme zu einer wichtigeren erklären als die der Mitbürger.

Zu meinen Anfängen hielt ich meine Themen für mehr als meine subjektive Bedürfniswelt. Politik aber ist nicht die eine Deutungshoheit über das Richtige, Gute, Schöne. Wäre es so, hätte Hintze im Theologicum, ich im philosophischen Seminar bleiben können. Doch wir diskutierten in der Bundestagskantine. Er war immer Mensch und Politiker. Aber vermengte beide Rollen nie, beschädigte so weder das eine noch das andere. Ich bin Christ genug, um ihn wohlauf zu wissen. Er hätte das Wirrwarr der Welt gerne entworren. Als alter, weißer Mann war Peter Hintze von Grund auf modern.

Alle Geschichten aus der turi2 edition #12 lesen: turi2.de/edition12

    • EU vs. Musk: Warum die Politik X besser heute als morgen verlassen sollte.

      X-Besitzer Elon Musk ist Anführer eines rhetorischen Feldzugs gegen die Europäische Union, beobachtet “KNA-Mediendienst”-Redakteurin Jana Ballweber in unserer Kolumne “Kurz und KNAckig”. Sie wundert sich, dass die EU der Plattform des Multimilliardärs dennoch weiter die T...
      weiterlesen
    • Kooperation trotz Konkurrenz – über den Rechercheverbund von NDR, WDR und “Süddeutscher Zeitung”.

      NDR und WDR arbeiten seit 2014 mit der “Süddeutschen Zeitung” in einem Rechercheverbund zusammen. Zu den gemeinsamen Enthüllungen gehörten Exklusivgeschichten zu Terrorbekämpfung, Wirtschaftskriminalität und illegalen Parteispenden. Luka Simon hat die Recherchekooperation für eine Ma...
      weiterlesen
    • “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel” – TV-Klassiker feiert 50 Jahre.

      Maul- und Klauenseuche am Drehort, klirrende Kälte: Es waren einige Probleme zu überwinden, bis einer der zauberhaftesten Märchenfilme im Kasten war, schreibt Alexander Brüggemann in unsere Reihe NewsKNAcker, die wir in Kooperation mit der KNA veröffentlichen. Ohne den tschechisch-deutschen Klas...
      weiterlesen
    • “Wir sind keine Bittsteller” – Wie die Vorstände Matthias Ditzen-Blanke und Stefan Hilscher den BDZV jetzt aufstellen.

      Wer Mitte September den Kongress der Zeitungsverleger und Digital-Publisher in Berlin besucht hat, konnte Aufbruchstimmung und Geschlossenheit erleben. Selbst der Dauerstreit mit dem ÖRR um Presseähnlichkeit scheint vor der Mammut-Aufgabe der Plattformregulierung in den Hintergrund zu rücken. Ge...
      weiterlesen
    • Kurz & KNAckig: Warum ein langjähriger Springer-Manager im Verwaltungsrat “beim ZDF niemanden mehr groß in Wallung bringen” dürfte.

      Wird Christian Nienhaus, lange hochrangiger Springer-Manager, bald Mitglied im Verwaltungsrat des ZDF? Wenn man einer Meldung von “Medieninsider” glauben mag, ist das nicht ganz unwahrscheinlich. Entsprechend groß ist die Aufregung, u.a. beim DJV, der vor einer Auflösung der Trennung...
      weiterlesen
    • 50 Jahre Abrafaxe: Ein Besuch beim Kult-Comic aus der DDR.

      Seit Jahrzehnten reisen die Abrafaxe durch Raum und Zeit – von der DDR-Zeit bis heute. Zum Jubiläum erscheint die 600. Ausgabe des “Mosaik”. Matthias Jöran Berntsen hat für unsere Reihe NewsKNAcker, die wir in Kooperation mit dem KNA-Mediendienst veröffentlichen, die Schaffenswerksta...
      weiterlesen
    • Doppelte Zweitverwertung: Sportdokumentationen bei Sendern und Streaming-Portalen.

      Streaming-Portale und Sender setzen zunehmend auf Sportdokumentationen, auffallend sind die vielen seriellen Formate. Medienwissenschaftler Dietrich Leder schreibt in seiner Analyse für epd Medien, viele dieser Dokumentationen seien nicht im eigentlichen Sinne dokumentarisch, vielmehr werde meis...
      weiterlesen
    • Kurz und KNAckig: Warum wir nicht alle im selben digitalen Omnibus sitzen.

      Mit ihrem “Digitalen Omnibus” will die EU nicht weniger als Digitalregulierung grundlegend überarbeiten und vereinfachen. Ziel ist es, verschiedene bestehende Regelungen u.a. zu Datenschutz, Datennutzung und KI in einem einheitlichen Rahmen zusammenzuführen. Doch leider gelingt das n...
      weiterlesen
    • Geschichten schreiben, die die KI nicht kann: “NOZ”-Chefredakteur Burkhard Ewert über digitale Erfolge, politische Vorwürfe und historische Vergleiche.

      Die “Neue Osnabrücker Zeitung” und die Blätter der Medienholding Nord schaffen es inzwischen, ihre Redaktionen durch die Einnahmen aus digitalen Abo-Modellen zu finanzieren, freut sich Chefredakteur Burkhard Ewert im turi2 Podcast. Für ihn ist das ein “wichtiger Meilenstein...
      weiterlesen
    • Gedenken auf Tiktok: Wenn alte Erinnerung junge Menschen erreicht.

      Weniger Pathos und klarere Worte – das fordert Susanne Siegert. Ihre Aufklärungsarbeit über die NS-Zeit auf Social Media ist preisgekrönt. Mit Siegerts Account @keine.erinnerungskultur auf TikTok und Instagram hat sich Paula Konersmann für unsere Reihe NewsKNAcker, die wir in Kooperation mit dem...
      weiterlesen

    Artikel-Navigation

    ← turi2 am Abend: Neue Pressegesellschaft, Madsack, Burda. turi2 am Morgen: WDR, dpa, ARD. →

Werktags um 7 und 17 Uhr die wichtigsten News aus Medien, Marketing und PR als Newsletter. Jetzt abonnieren!

Loading...

Suchen auf turi2.de

Banner turi2 Themenwoche
Impressum, Datenschutz, Mediadaten, FAQ, RSS-Feed, Termine
Dieses Blog läuft mit WordPress