Was hat die Wirtschaft von der Frauenquote, Mareice Kaiser?


Frauenquote: Mareice Kaiser, Chefredakteurin der “Edition F”, kritisiert das Wirtschaftssystem in ihrem Beitrag für die turi2 edition #13. “Häufig auf dem Rücken von Frauen” seien die Profiteure “vor allem weiße Männer in Führungspositionen”. Sie können das Buch hier als kostenloses E-Paper lesen oder gedruckt bestellen.

Diese Frage zu beantworten ist leicht. Teams aus verschiedenen Geschlechtern sind erfolgreicher. Studien zeigen: Firmen, in denen Frauen führende Positionen besetzen, erwirtschaften mehr Gewinn. Ohne gesetzliche Quote, das hat die Vergangenheit gezeigt, klappt Geschlechtergerechtigkeit in Führungspositionen nicht. Wer die besten Personen für Jobs will, braucht die Frauenquote. Sie reicht aber noch lange nicht. Statt zu fragen, warum die Frauenquote für die Wirtschaft wichtig ist, ist die viel relevantere Frage: Was hat die Gesellschaft, was haben wir Menschen von der Wirtschaft?

Sie zu beantworten ist wesentlich komplexer – und wichtiger. Denn aktuell hat nur ein Teil der Gesellschaft etwas von unserem Wirtschaftssystem. Einen anderen Teil macht es psychisch und/oder körperlich kaputt. Die Profiteure unserer Wirtschaft sind vor allem weiße Männer in Führungspositionen. Häufig auf dem Rücken von Frauen, die mit ihrer (oft unsichtbaren, schlecht- oder unbezahlten) Care-Arbeit die Basis von Wirtschaft und Wohlstand schaffen. Um das zu ändern, braucht es mehr als eine gesetzliche Frauenquote für Vorstände.

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Es braucht eine Revolution des Wirtschaftssystems. Es kann und darf nicht mehr darum gehen, wer den höchsten Gewinn in kürzester Zeit macht. Es muss darum gehen, dass alle Menschen ein gutes Leben führen können. Unabhängig von Merkmalen wie Geschlecht, Herkunft, Behinderung, sexueller Orientierung oder Alter.

Es braucht eine Vielfaltsquote über das Geschlecht hinaus, schon ab der Kita. Es braucht gesetzliche Vorgaben für die soziale und ökologische Wirkung von Produkten und Unternehmen. Für die Bemessung des Erfolgs einer Firma müssen diese Parameter mindestens so wichtig sein wie Umsatz und Gewinn. Wir sollten nicht fragen, was wir für die Wirtschaft tun können, sondern was die Wirtschaft für Menschen tun kann – und sollte.

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