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“Es gibt zum Optimismus keine vernünftige Alternative” – Dirk Steffens über Krisen und Kompetenzen.

1. Dezember 2022

 
Glaubt an das Gute: Moderator und Umweltaktivist Dirk Steffens hat 2022 nicht nur Fliegen gelernt, sondern wurde auch das neue Gesicht der grünen “Geo”. Trotz aller Krisen hat er sich seinen Glauben an das Gute nicht nehmen lassen. Im Interview mit turi2-Chefredakteur Markus Trantow stellt er die These auf, dass die Arschloch-Quote weltweit höchstens bei 10 % liegt – und Optimismus eigentlich Pflicht ist. Denn Weltuntergang ist für ihn nicht akzeptabel. Darum fordert er auch, dass das Thema Umweltschutz auf der Prioritätenliste jetzt wieder ganz nach oben rückt.
 

 
Dirk Steffens, was glaubst du: Kann die Welt Krise?
 
Nicht besser oder schlechter als immer schon in der Weltgeschichte. Was sich verändert hat, ist nicht unsere Probleme-Lösen-Kompetenz, sondern unsere Probleme-Machen-Kompetenz. Der technologische Fortschritt hat uns ein zerstörerisches Potenzial verliehen, mit dem wir offenbar überfordert sind: Wir haben Atombomben statt Steinschleudern und Kohlekraftwerke statt Lagerfeuer, unsere kognitiven Fähigkeiten haben sich in den vergangenen 100.000 Jahren aber nicht signifikant weiterentwickelt. Also benehmen wir uns wie Neandertaler mit einem Laserschwert in der Hand: gemeingefährlich.

Was hast du 2022 neu gelernt?

Dass Putin noch verrückter, Klimakonferenzen noch sinnloser, die Fifa noch verdorbener und die Bahn noch unzuverlässiger ist, als ich ohnehin schon dachte. Enttäuschend! Außerdem habe ich es zum ersten Mal geschafft, mit meinem Wing Foil Board zu fliegen. Herrlich!

Während Corona war irgendwie mehr Zuversicht, findest du nicht?

Während Corona war zumindest die Art von Zuversicht, die uns suggerierte: Noch schlimmer kann es eigentlich nicht mehr werden. Das war blöderweise ein Irrtum. Aber Zuversicht ist trotzdem nicht nur eine Option, sondern eine Pflicht, denn wenn man mal ganz ernsthaft über die Zukunft der Menschheit nachdenkt, kommt man zwangsläufig zu dem Schluss: Es gibt zum Optimismus keine vernünftige Alternative. Es sei denn, man hält den Weltuntergang für eine akzeptable Möglichkeit. Tue ich nicht, also bin und bleibe ich optimistisch.

Der Krieg in der Ukraine ist eine menschliche Tragödie und menschengemachte Katastrophe. Er ist aber auch eine riesige Umweltsünde. Was gibt dir trotzdem Hoffnung?

Ich hoffe, weil jede Krise, jeder Krieg, jede Diktatur irgendwann zu Ende geht. Wir Menschen leben, global betrachtet, heute länger, gesünder, friedlicher und, zumindest in demokratischen Staaten, auch freier als jemals zuvor in der Geschichte. Wer daraus keine Hoffnung schöpfen kann, dem ist nicht zu helfen. So fürchterlich uns die aktuellen Krisen auch vorkommen mögen: Homo sapiens wird daran nicht zugrunde gehen.

Viele Deutsche wie du haben Geflüchtete aus der Ukraine aufgenommen. Zeigt sich in schweren Zeiten, dass der Mensch im Grunde gut ist?

Die meisten sind gut, davon bin ich felsenfest überzeugt. Mein Kamera-Buddy Oliver und ich reisen seit einem Vierteljahrhundert zusammen um die Welt und haben die völlig unwissenschaftliche These aufgestellt: Unabhängig von Hautfarbe, Religion, Kultur oder Wohlstand liegt die Arschloch-Quote weltweit bei höchstens 10 %. 8 Millionen Arschlöcher sind zwar verdammt viele, aber im Vergleich zu 7,992 Milliarden anständigen Menschen dann doch wieder wenige. Die meisten sind gut, ja, daran glaube ich.

Ist es richtig, dass Atomkraftwerke am Netz bleiben?

Kurzfristig kann man das machen, um die aktuelle Energiekrise zu entschärfen, langfristig ist das aber keine Option: Atomstrom ist viel zu teuer, das können wir uns auf Dauer nicht leisten. Außerdem bremst der Ausbau von Kernenergie den Ausbau der Erneuerbaren, sie ist also doppelt ineffizient. Und ich habe bis heute in Deutschland keinen einzigen vernünftigen Vorschlag gehört, wo wir mit dem stark strahlenden Atommüll hin sollen. Mein Vorschlag: Alle, die fordern, dauerhaft Atommeiler zu betreiben, sollten einen Anteil von dem strahlenden Schrott erhalten und ihn dann bei sich Zuhause aufbewahren. Die Diskussion um Atomstrom wäre vermutlich sehr schnell vorbei. Aber ernsthaft: Die Politiker und Politikerinnen, die Atomstrom wollen, sollen dann auch bitteschön Endlager in ihren Wahlkreisen, in ihren Bundesländern, vorschlagen. Sie müssen Verantwortung für das übernehmen, was sie uns Deutschen aufbürden wollen. Machen sie aber natürlich nicht. Daran erkennt man, wie unehrlich die Diskussion geführt wird.

Die hohen Energiepreise tun vielen Menschen sehr weh. Aber sind sie angesichts der Ökokrise nicht da, wo sie sein müssten?
 
Ja. Aber sie sind zu schnell da hingekommen, wo sie hin müssen. In einer Demokratie braucht gesellschaftlicher Wandel erstmal eine gesellschaftliche Mehrheit und die lässt sich nicht von einem Tag auf den anderen erzwingen. Die aktuellen Energiepreise wären nur akzeptabel, wenn wir unser Land technologisch schon aufgerüstet hätten, wenn Autos, Heizungen und Streaming-Portale weniger verbrauchen würden. Erschwingliche Energie ist lebenswichtig für unser Land, wer disruptiv in ein bisher funktionierendes System eingreift, ob nun über plötzliche Preisanstiege, Verbote oder andere Eingriffe, riskiert eben auch gesellschaftliche Disruptionen: Also Rezession, politischen Widerstand und wütende Bürger. Und das hilft niemandem. Schon gar nicht dem Klima.

Was sagst du als Kommunikationsprofi: Ist es okay, wenn gut verdienende Politiker den Waschlappen statt Dusche empfehlen?

Ja. Ich verdiene auch gut und habe trotzdem noch ein Gewissen. Was zählt, ist nicht der Kontostand eines Menschen, sondern seine Integrität. Sozialneid zu schüren ist oft die Methode derjenigen, die sich nicht auf sachliche Diskussionen einlassen wollen, sondern versuchen, Andersdenkende zu desavouieren. Auf so eine Art von Auseinandersetzung dürfen wir uns nicht einlassen.

Ist es ok, wenn viele Menschen den Klimawandel derzeit als weniger wichtiges Problem ansehen?

Nö. Aber es ist verständlich. Unser Problemtank hat nur ein begrenztes Fassungsvermögen. Da passen nicht endlos viele Katastrophen rein. Ukraine-Krieg und drohende Rezession sind ja wirklich gewaltige Probleme, die einen kurzfristig vollständig in Anspruch nehmen können. Aber natürlich dürfen wir die großen Zukunftsfragen nicht allzu lange vernachlässigen. Nach dem Schock muss der Verstand wieder die Oberhand gewinnen und wir müssen uns klarmachen: Energiekrise und Inflation sind Folgen unseres kurzfristigen Denkens in der Vergangenheit. Hätten wir, was die Wissenschaft damals schon forderte, vor zehn, zwanzig Jahren konsequent den Ausbau der nationalen erneuerbaren Energien vorangetrieben, säßen wir heute entspannt im Warmen. Und wenn wir Klimakrise und Artensterben nicht stoppen, wird es immer mehr Einzelkatastrophen geben: Dürren, Fluten, Waldbrände, Pandemien, Energie- und Nahrungskrisen – die lässt ja nicht ein zorniger Gott auf uns herniederfahren, die haben wir uns durch Naturzerstörung oft selbst eingebrockt. Also muss der Umweltschutz auf der Prioritäten-Liste jetzt wieder ganz nach oben.

Was bedeutet das für deine Arbeit als Moderator und Umweltaktivist?

Weitermachen. Immer weiter. 

Du bist auch das neue Gesicht des grünen “Geo” und sorgst mit Instagram-Reels für “Geo”-Reichweite. Wie verändert sich deine Arbeit dadurch?

Ich kann schneller und direkter auf Themen reagieren, als das mit Dokumentarfilmen möglich ist, die Monate oder sogar Jahre brauchen, bis sie fertig sind. In einer Zeit, in der Klimakonferenzen, Biodiversitätsgipfel und Naturkatastrophen in hoher Frequenz auf uns einprasseln, ist das ein großer Vorteil.

Wo siehst du die Aufgabe von Medienmenschen heute: Nur über globale Probleme berichten – oder sollten sie selbst auch Teil der Lösung sein?

Berichten – seriös, sachlich und unideologisch – ist ein Teil der Lösung. Es ist sicher richtig und wichtig, dem eigenen Gewissen zu folgen und dann kann man auch als Medienmensch mal auf einer Demo mitlaufen, sich in einer NGO engagieren und aktiv am gesellschaftlichen Diskurs teilnehmen. Aber ich habe nicht vor, mich demnächst auf irgendeiner Straße festzukleben. Das ist nicht mehrheitsfähig. Und deshalb auch nicht zielführend.

Dirk Steffens ist Journalist, Naturfilmer und Moderator. 2022 wechselt er nach mehr als zehn Jahren beim ZDF zu RTL und bekommt eigene Formate bei “Geo”. Steffens engagiert sich für den Umweltschutz, ist WWF-Botschafter und gründet 2017 mit seiner Frau die Biodiversity Foundation. Diese will über das globale Artensterben informieren.

Foto: Tobias Schult

Dieses Interview ist Teil der Agenda-Wochen von turi2: Bis zum 18.12. blicken wir jeden Tag auf die Themen, die die Kommunikationsbranche zum Jahreswechsel bewegen.

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