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turi2 edition #18: Verlieren Frauen ihre Fuckability, wenn sie zu viel übers Geld reden, Katrin Wilkens?

12. Juli 2022

Bescheiden begehrt: Frauen stehen oft nicht für den Wert ihrer Arbeit ein, beobachtet Katrin Wilkens. Aber prahlen dürfen Frauen mit ihrem dicken Geldbeutel auch nicht – oder doch? Das beantwortet die Karriereberaterin in ihrem Gastbeitrag für die turi2 edition #18.

Von Katrin Wilkens

Verlieren Frauen ihre Fuckability, wenn sie zu viel übers Geld reden? Ja. Beziehungsweise: Sie glauben, dass sie sie verlieren könnten – und deshalb werden sie unsicherer, unattraktiver und so weiter und so fort. Glaubst du nicht? Schick eine finanziell erfolgreiche Frau auf eine Party und lass sie FDP-like über ihre Erfolge reden. Die steht allein da, wie mit Mundgeruch und Herpes.

Frauen glauben, dass sie gut mit Geld umgehen können, aber nicht, dass sie gut Geld verdienen sollten. Für Männer ist Geld Wertschätzung, für Frauen Entwertung. Das kriege ich in meiner Berufsberatung für junge Mütter nach der Babypause seit zehn Jahren mit. 2.000 Mal schon habe ich gehört: “Wenn ich Geld verlange, mache ich die Arbeit doch nicht mehr aus Leidenschaft.” Ein Mann würde kontern: “Ich würde keine Arbeit machen, wenn ich dafür kein Geld bekäme, sonst wäre es doch ein Ehrenamt.”

Wir leben nun mal nicht in einer Arbeits-Kultur, die Sympathie und Bescheidenheit belohnt, erst recht nicht, wenn es um so etwas Ekliges wie Rente oder Altersvorsorge geht. Deswegen muss die Politik dort eingreifen, wo Natur und Kultur aus Scham scheitern: Das Entgeldtransparenzgesetz ist ein erster Schritt, die Gehaltsdecke ein wenig zu lupfen. Foto-freie Bewerbungen ein nächster.

Vor allem aber liegt es an uns, diese Tabulosigkeit an unsere Kinder weiterzugeben. Wenn ich meine drei Kinder zum Tischdecken rufe, springt mein Mädchen nach den Tellern, meine Jungs fragen: “Und was habe ich davon?” Für sie ist es viel normaler, einen Gegenwert für Hilfe, Arbeit, Zeit einzufordern. Es liegt an mir, dass meine Tochter gleich viel Taschengeld bekommt wie ihre Brüder – im Durchschnitt bekommen Mädchen 10 Prozent weniger. Es liegt an mir, ihr Argumente für Arbeitswert und den Brüdern einen Sinn fürs Gemeinwohl mitzugeben.

Und es liegt an mir, das Thema Geld nicht automatisch mit Männern gleichzusetzen. Bei der nächsten Gartenparty stelle ich mich mal neben eine fremde Frau und frage: “Und was verdienst du so?” Sollte sie mir nüchtern antworten, sind wir in der Emanzipationsbewegung einen großen Schritt weiter.

Katrin Wilkens
ist Karriereberaterin bei i.do, Autorin und freie Journalistin, u.a. für “Spiegel”

(Foto: PR)

Dieser Beitrag ist Teil der turi2 edition #18 Kapital – alle Geschichten hier im E-Paper:

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