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Wir graturilieren: Helmut Markwort wird 80.

7. Dezember 2016

Lieber Helmut Markwort,

eigentlich waren Sie schon immer da: 1984 haben Sie uns Journalisten-Schülern der 23. Münchner Lehrredaktion beigebracht, was es braucht, um Innovationen wie “Die Aktuelle” zu starten. 1992 haben Sie mir Ihr Projekt “Zugmieze” erklärt, aus dem später der “Focus” wurde, und mich mit Ihrem Angebot, als Medienredakteur zum “Focus” zu kommen, kurz schwanken lassen.

1996 haben Sie auf Telefon-Zuruf bei meinem Baby “täglichkress” die erste Banneranzeige der Medienfachpresse geschaltet – oben rechts im Kopf der Seite, 2.000 DM pro Monat. Sie lief noch, als ich schon weg war bei kress und der Euro die D-Mark ersetzt hatte. Später waren Sie auch bei turi2 als einer der ersten Anzeigenkunden dabei. Darüber, dass ich persönlich immer eher “Spiegel”- als “Focus”-Fan war, haben Sie stets großzügig hinweggeschaut.

Es ist also schade, dass Sie heute eher mit einiger Distanz aufs Branchengeschehen schauen und ich nicht mal weiß, ob Sie diese Graturilation direkt erreicht. Ihr reichhaltiges Leben in der Kürze, die heutzutage geboten ist, zu würdigen, ist schwierig. Ich veröffentliche hier nochmal den Text, mit dem ich Sie für die turi2 edition3 unter das gute Dutzend großer Verleger- und Gründerfiguren der Nachkriegszeit eingeordnet habe – turitypisch nicht ohne kritische Aspekte. Aber damit haben Sie ja immer umgehen können.

Ich wünsche viel Spaß auf der Geburtstagsparty im Postpalast mit Patricia, Hubert, Maria und 400 weiteren Gästen.

Alles Gute, herzlich:
Peter Turi

Auszug aus der turi2 edition3:

Helmut Markwort (*8.12. 1936) legte sein Berufsleben lang den Fokus auf das Gründen von Zeitschriften und Firmen. Zum richtigen Verleger wurde er nie.

Einen schweren Fehler hat Helmut Markwort in seinem Leben gemacht: Er hat es versäumt, sich Firmenanteile am “Focus” zu sichern. Der Erfolg von Markworts Fakten-Magazin am Anzeigenmarkt der Neunzigerjahre machte nur seinen Verleger Hubert Burda richtig reich. Ob Markwort der Mut fehlte, eine Beteiligung von Burda einzufordern, ob ihm das Risiko zu groß war oder ob Hubert Burda ablehnte – wir wissen es nicht.

Jedenfalls blieb der Mann, der schon beim Gong Verlag “Die Aktuelle” und “Ein Herz für Tiere” erfand und der sich an so vielen Radiofirmen beteiligte, im Kerngeschäft des Verlegens immer ein angestellter Blattmacher. Kein Verleger. Als Trost mag gelten, dass Hubert Burda ihn beförderte – zum “Ersten Journalisten” und Vorstandsmitglied bei Burda. Und ihn öffentlich lobte: “Das ist der Mann, der mich reich gemacht hat.”

Markworts “Focus” war stärker ein wirtschaftlicher als ein publizistischer Erfolg. Markwort war ein begnadeter Verkäufer einer schlichten Idee: Ein Magazin zu machen für den Leser, dem der “Spiegel” zu hoch ist, und für den Anzeigenkunden, dem der “Spiegel” zu links scheint. In den anzeigenseligen Neunzigern wurde der “Focus” damit zum Anzeigen-Abräumer. Als die Anzeigenquelle fast versiegte, wurde das Leichtgewichtige am “Focus” deutlich.

An der letzten großen Aufgabe ist Helmut Markwort gescheitert: sein Blatt in die liebevollen Hände eines geeigneten Nachfolgers zu geben. Die Richtungskämpfe und Personalwechsel nach seinem Ausscheiden haben Markworts Lebenswerk beschädigt.

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