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Was macht eigentlich Bulo?

15. Februar 2015

 

Bulo ist Deutschlands bekanntester Branchen-Karikaturist. Und außerdem, darauf legt er Wert, der “bestaussehende, beliebteste – und bescheidenste”.

 

Daheim vorm Rechner mit einem Becher Schokoladeneis.

 

Was machst Du gerade?
Na, Schokoladeneis essen. Weil das aber total langweilig klingt und völlig ohne Eigen-PR auskommt, sag ich jetzt mal: Ich plane gerade den Leipziger Messeauftritt für das neue Buch von
Thomas Koch, Sebastian Bartoschek und mir. Rule 34 – wahnsinnig heißer Scheiß für alle, die im Netz erfolgreich sein wollen.

 

Schick’s her. Ich werde es wie alles, was aus Deiner Ecke kommt, ignorieren oder verreißen. Und wie geht’s sonst so?
Ach Gott, was soll man denn darauf antworten? Vielleicht sowas wie: Wir werden alle nicht jünger, mein linker Ellbogen juckt, die Decke müsste mal neu gestrichen werden und ich zeichne gerade zwei vögelnde Pinguine.
 

Vögelnde Pinguine? Was macht ein Branchenkarikaturist denn damit?
Das gleiche wie mit Julia Jäkel, Hubert Burda oder Kai Diekmann: Er versucht, sie möglichst unterhaltend auf Papier zu bringen. In diesem Fall für ein (noch) streng geheimes, weiteres Buchprojekt, das mich hoffentlich endgültig stinkreich und weltberühmt machen wird.
 

Bist Du doch schon. Du bist Deutschlands bestbezahlter und bekanntester Branchenkarikaturist.
Außerdem der bestaussehende, kreativste, vielseitigste und beliebteste. Und nicht zu vergessen: der bescheidenste!

 

Alles richtig. Aber nicht schwer, wenn man der einzige ist. Warum eigentlich?
Das frag ich mich auch. Ich würde mich übrigens eher als Männchen-Macher bezeichnen, weil ich viel zu viel Respekt vor denen habe, die Nasen und Hände so zeichnen können, wie sie wirklich aussehen.

 

Peter, wie wird man Branchenkarikaturist?
Man gründet ein People-Magazin, kritzelt jede zweite Seite mit irgendwelchen Figuren voll und erzeugt so den Eindruck, man könne zeichnen. Und irgendwann glauben das dann alle.
 

An welcher Uni studiert man Branchenkarikaturismus?
Na, da haste Dir jetzt aber einen abgebrochen, um einen Begriff zu finden, der das Wort “Turi” enthält, was? Nein, das kann man natürlich nicht studieren. Da braucht es einen Blick für Menschen und ihre Eigenheiten. Und die Fähigkeit, diese dann auf den Punkt zu bringen.

 
Und wo hast Du zeichnen gelernt?
Nicht studiert und nicht gelernt. Einfach immer den Stift in die Hand genommen und keine Angst davor gehabt, Fehler zu machen.

 
Was muss ein Branchenkarikaturist mitbringen?
Sagen wir mal so: Die Branchenkenntnis, die ich mir in den vergangenen 15 Jahren als Medienjournalist erarbeitet habe, hilft natürlich enorm. Vor allem aber ist die Fähigkeit entscheidend, auch über sich selbst lachen zu können. Wenn du das nicht kannst, tun es die anderen. Und dann tut’s erst richtig weh.
 

Das Buloniversum

das Buloniversum

Was viele gar nicht wissen: Du hast als schreibender Branchenjournalist bei “W&V” angefangen. Wie wurde aus Peter Böhling dann Bulo?
Schon viel früher! “Bulo” ist seit rund 25 Jahren mein Künstlername. Ich hab damals eine alte Kinderzeichnung von mir entdeckt, die ich mit etwa drei Jahren gekrakelt habe. Offenbar muss ich dazu sowas wie “Bulo” gestammelt haben, denn meine Mutter hat das Ganze archiviert – versehen mit der Notiz “Bulo”. Ich fand, diese vier Buchstaben machen Spaß im Auge und im Ohr, und seitdem nenne ich mich so.
 

Stimmt, das klingt fast so gut wie mein Künstlername “Turi”. Als was siehst Du Dich: Journalist? Karikaturist? Verleger?
Ja, ja, ja. Mir war schon immer völlig wurscht, in welcher kreativen Schublade ich stecke. Klar muss nur sein: Machste die auf, kommt ‘ne Idee raus. Egal, ob eine bildliche, textliche oder konzeptionelle.

 

Peter, dieses Interview läuft mir zu glatt. Ich muss Dich provozieren: Bist Du eine Nutte?
Und mit so einer Mädchenfrage willst du das erreichen? Wenn du gefragt hättest, ob ich CSU-Mitglied bin, oder verliebt in diese gruselig grinsende Opel-Marketingtante oder heimlich für den “Spiegel” schreibe…

 
Nochmal: Bist Du eine Nutte?
Für 200 Euro kriegst du eine Antwort.
 

Danke. Die Antwort liegt ja auf der Hand: Du verschaffst Deinen Kunden Befriedigung gegen Geld. Du kitzelst ihre Eier Eitelkeit, indem du sie karikierst.
Nach dieser Definition ist natürlich jeder Dienstleister käuflich. Aber weil ich ja von den einen (also Medien) Geld bekomme, um die anderen (also Menschen) illustrativ aufs Korn zu nehmen, bin ich eher sowas wie ein Auftragskiller. So, und jetzt sag nochmal “Nutte”, du Möchtegern-Freier!

 
Freier? Ich will doch nur reden – und das krieg ich sogar von Dir umsonst.
Scheiße, wieder nix verdient.
 

Sind Artikel in “Clap” käuflich?
Nein.

 
Aber Ihr bewerbt sogar in “Clap” Eure Käuflichkeit Corporate-Media-Abteilung.
Das ist richtig. Daniel Häuser und ich entwickeln seit ein paar Jahren auch Magazine, Bücher und Konzepte für große Medienunternehmen. Natürlich immer mit der “Clap”-typischen Sicht auf die Dinge und Menschen.

 
Da liegt es nahe zu vermuten, dass Ihr “Clap” strategisch einsetzt, um Aufträge zu akquirieren und Auftraggeber zu belohnen.
Du weißt doch selbst, wie klein diese sich überhöhende Medienbranche ist. Natürlich kommt es vor, dass jemand bei uns im Blatt stattfindet, der über Etats entscheidet. Im Gegensatz zu manch anderen versuchen wir wenigstens, den Mensch von seiner Macht zu trennen.

 
Und was notiere ich jetzt als Antwort auf meine Frage, ob Ihr “Clap” strategisch einsetzt, um Aufträge zu akquirieren und um Auftraggeber zu belohnen?
Ebenfalls ein “NEIN” – und bitte in Großbuchstaben.

 

Andere Frage: Peter, ist ein traurigeres Leben denkbar, als jeden Abend eine Medienparty zu feiern?
Absolut! Ich finde, wir alle können sehr dankbar sein, dass wir uns eine Mediennacht nach der anderen um die Ohren schlagen können, wenn wir wollen. Dass man nicht immer wollen muss, ist aber das wahre Privileg. Und dass ich schon lange viel lieber mit einem guten Freund ein gutes Glas Whiskey bei einem guten Gespräch genieße, ist auch klar.

 
Hör auf, Ihr würdet doch zur Eröffnung eines E-Mail-Postfachs kommen.
Nee, weiß Gott nicht. Früher mal, ja. Als es sich noch hip angefühlt hat, den frierenden Hostessen vorm Eingang ein “Ich steh auf der Gästeliste” entgegenzuhauchen. Wie gesagt: Ich ziehe einen Abend mit Kartoffelpuffern und einer ehrlichen Portion Schokoladeneis jedem dämlichen Fingerfood-Event vor.

 
Aber ist das nicht Euer Erfolgsrezept, auf Medienpartys Geschichten aufzureißen und Anzeigenkunden klarzumachen?
Klar, ganz ohne Partys geht’s nicht. Und in der Tat: An der Bar machst du oft die besten Geschichten und Geschäfte klar.

 

Echt? Ich noch nicht eine. Was ist denn Euer Erfolgsrezept bei “Clap”?
Ganz einfach: Wir machen ein Magazin, das zwar keine Sau braucht, das aber sehr viele, sehr spannende Entscheider wollen. Und gewollt zu werden, war schon immer wertvoller, als gebraucht zu werden. Weil das ein ganz bewusster und aktiver Vorgang ist. Damit werden Leser zu Fans und Anzeigenkunden zu Bekennern.

 

Das klingt gut. Was kann turi2 daraus lernen?
Hoffentlich nix. Im Ernst: Interviewt mal richtig wichtige Typen und nicht irgendwelche “Branchenkarikaturisten”.
 
Was darf Satire?
Es heißt ja, alles. Vermutlich ist das auch so. Spannend wird’s im Leben aber erst dann, wenn man nicht alles macht, was man darf. Leider haben das noch zu wenige begriffen.

 
Hast Du jemals Mohammed karikiert?
Nee, aber Jesus. Quasi dasselbe.

 

Was ist für Dich tabu?
Sich mit Schwächeren anzulegen.

 
So, und jetzt zeig bitte mal die vögelnden Pinguine.

Wie gesagt: leider noch geheim! Aber ich hab dir schnell mal ein paar extatische Hamster gezeichnet.
 

Leider keine vögelnden Pinguine

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