Der Club der Meinungsmacherinnen.

Olaf Scholz bei turi2:

  • ARD und ZDF planen ebenfalls ein Triell zur Wahl.

    Qual der TV-Sender-Wahl: ARD und ZDF wollen zur Bundestagswahl ebenfalls einen Drei-Kampf mit allen drei Kanzlerkandidatinnen im Vorfeld der Bundestagswahl ausstrahlen. Damit gehen die Öffentlichen-Rechtlichen in Konkurrenz zu RTL, die ebenfalls ein Triell planen. Der Sendetermin für RTL steht noch nicht fest, ARD und dem ZDF wollen die Sendung am 12. September um 20.15 Uhr ausstrahlen.

    Bei den Öffentlich-Rechtlichen sollen Annalena Baerbock, Armin Laschet und Olaf Scholz 90 Minuten lang diskutieren und “ihre Positionen zu den wesentlichen Themen des Bundestagswahlkampfs darstellen”, schreibt DWDL. Maybrit Illner und ARD-Chefredakteur Oliver Köhr moderieren die Sendung. Über den genauen Ablauf wollen ARD und ZDF noch informieren. Mit der Ankündigung schwinde laut DWDL die Chance der Öffentlich-Rechtlichen Sender auf ein gemeinsames Format mit den Privaten. Zuvor waren die TV-Duelle gleichzeitig bei ARD, ZDF, RTL und einem Sender der ProSiebenSat.1-Gruppe gelaufen.
    dwdl.de, turi2.de (Background)

  • Linda Zervakis interviewt auch Armin Laschet für ProSieben.

    ProSieben: Ex-“Tagesschau”-Sprecherin Linda Zervakis interviewt auch CDU-Chef Armin Laschet in der Sondersendung “Pro Sieben Spezial Live. Der Kanzlerkandidat im Interview”. Laschet stellt sich den Fragen von Zervakis und ihrem Kollegen Louis Klamroth am 17. Mai ab 20.15 Uhr. Zervakis feiert am Mittwoch ihr Debüt bei ProSieben, ihr erster Gast ist Olaf Scholz.
    rnd.de

  • Olaf Scholz als SPD-Kanzlerkandidat bestätigt.

    Bundestagswahl 2021: Olaf Scholz ist vom SPD-Parteitag mit 96,2 % als Kanzlerkandidat bestätigt worden. In den Themen “Mobilität, Klima, Digitalisierung und Gesundheit” sieht er “vier Zukunftsmissionen” für Deutschland. Bis 2045 soll die Wirtschaft klimaneutral sein, verspricht Scholz. Außerdem wolle er schon “in seinem ersten Jahr als Bundeskanzler” einen Mindestlohn von zwölf Euro durchsetzen.

    Ex-“Welt”-Chefredakteur Thomas Schmid kommentiert, dass Scholz zwar wahrscheinlich “Kanzler kann”, trotz aller “Parteitagsharmonie” stünde seine “rückwärtsgewandte Partei” aber nicht hinter ihm. “Tagesspiegel”-Herausgeber Stephan-Andreas Casdorff meint, dass die Revolution mit Scholz ausfällt: Das Programm sei “nicht aufregend, anregend, elektrisierend”, sondern “mechanisch”.
    rnd.de, welt.de, tagesspiegel.de

  • DJV erwartet von Kanzlerkandidatinnen, Grundrechte zum zentralen Thema zu machen.

    Brief-Diplomatie: DJV-Chef Frank Überall (Foto) fordert in einem Brief an Armin Laschet, Olaf Scholz und Annalena Baerbock, “die Situation der Grundrechte zum zentralen Thema Ihrer Kanzlerschaft” zu machen. “Zentral” bedeute, stichelt Überall, “deutlich mehr, als bei Staats­besuchen von Repräsentanten auto­kratischer Regime die notwendige Achtung der Presse­freiheit als protokollarische Fußnote abzuhandeln”. Innenpolitisch sollte von den Bewerberinnen das Signal ausgehen, dass die deutsche Demokratie nicht zögere, “ihre Feinde mit allen rechts­staatlichen Mitteln zu verfolgen”.
    djv.de

  • “Bild” schießt gegen Baerbock.


    Abteilung Attacke: Bild” nimmt Annalena Baerbock ins Visier. Lydia Rosenfelder und Michael Sauerbier schießen in ihrem Porträt scharfe Spitzen gegen die Grünen-Kanzlerkandidatin – verpackt in blumige Bilder. Die frühere Trampolin-Springerin sei “bereit für einen Sprung”. Dass sie “für die Macht große Kompromisse” mache, wollen sie im Landesverband Brandenburg gehört haben. Passenderweise holen die Autorinnen einen Korruptionsskandal aus ihrer Zeit als Landeschefin heraus, den sie “unbeschadet” überstanden hat, und weisen darauf hin, dass Baerbock ihre Doktor-Arbeit nicht beendet hat.

    Natürlich entdeckt “Bild” bei der Kandidatin auch “optisch eine Metamorphose” und weist auf “Lederjacke und hohe Absätze, knallrote Kleider” hin – und darauf, dass Baerbocks Ehemann sich nun um die beiden Kinder im Grundschulalter kümmern müsse. Insgesamt eine klare Kampfansage. Das aktuelle Stimmungsbild von Forsa spricht eine andere Sprache: Die Grünen legen um 5 % auf 28 % zu, die CDU verliert nach der Laschet-Ankündigung 7 % und fällt auf 21 %.
    bild.de (Paid), faz.net (Forsa)

    Mitarbeit: Markus Trantow

  • Bild des Tages: Olaf Scholz wird gegen Corona geimpft.


    Man in Black: Olaf Scholz sitzt ganz in Schwarz gekleidet auf einem Stuhl, während eine Medizinerin eine Spritze in seinen linken Oberarm drückt. Der Vizekanzler ist heute vom Fachpersonal der Bundeswehr mit AstraZeneca geimpft worden. Auch Kanzlerin Angela Merkel hat sich mit AstraZeneca impfen lassen. Statt eines Fotos der Impfung selbst twittert Regierungssprecher Steffen Seibert ein Bild, das Merkels Impfformular sowie ihren Impfpass zeigt. (Foto: Florian Gärtner / Photothek / Imago Images)
    twitter.com (Scholz), twitter.com (Merkel)

  • Unternehmen sollen Coronatests selbst bezahlen.

    Corona-Testpflicht: Unternehmen sollen keine Ausgleichszahlungen für die verpflichtenden Coronatests erhalten, sagt Finanzminister Olaf Scholz. Der SPD-Politiker spricht von einer nationalen Kraftanstrengung: “Da müssen alle mitmachen”. Die Bundesregierung plant, dass Firmen künftig allen Mitarbeiterinnen, die nicht im Home-Office arbeiten, mindestens einmal pro Woche einen Corona-Schnelltest anbieten müssen.
    spiegel.de, turi2.de (Background)

  • Regelverstöße und Angriffe auf Journalistinnen bei Querdenken-Demo in Stuttgart.


    Querdenken: Bei Demonstrationen gegen die Corona-Politik sind in Stuttgart erneut Pressevertreterinnen angegriffen worden. Ein Video zeigt z.B., wie ein Demonstrant einen Dortmunder Journalisten attackiert. Auch ARD- und SWR-Teams sind bedrängt und behindert worden, “Tagesschau24” hat etwa eine Live-Schalte wegen Steinwürfen abbrechen müssen. Die Protestierenden haben zudem die Hygiene-Auflagen flächendeckend missachtet. Die Polizei hat im Vorfeld mit 2.500 Teilnehmerinnen gerechnet, schätzt die Zahl der Protestierenden nun auf das Vierfache.

    Der Deutsche Journalisten-Verband berichtet, dass ein Journalist verletzt worden sein soll. DJV-Chef Frank Überall zeigt sich “wütend”, ob der “offensichtlichen Untätigkeit der Polizeibeamten, die nichts für den Schutz unserer Kolleginnen und Kollegen unternehmen.” Er fordert von der Landesregierung für die Zukunft ein “überzeugendes Schutzkonzept”. ARD-Aktuell-Chefredakteur Marcus Bornheim sagt, es sei “ein Armutszeugnis, wenn solche Veranstaltungen genutzt werden, um die Pressefreiheit zu attackieren” und verlangt eine Aufklärung der Vorfälle. Auch Olaf Scholz spricht auf Twitter von einem “feigen Angriff auf die Pressefreiheit”, der mit “Demonstrationsfreiheit nichts zu tun” habe. Partei- und Regierungskollege Heiko Maas äußert sich ähnlich und will, dass die Attacken “verfolgt und geahndet werden”.
    welt.de, faz.net, spiegel.de, tagesschau.de, br.de, swr.de, twitter.com (Dortmunder Journalist), twitter.com (Tagesschau24)

  • Basta: Armin Laschet will MPKs nur noch in Präsenz.

    Geheimhaltungsstufe lasch: CDU-Chef und NRW-Landesfürst Armin Laschet will weniger Durch­stecherei vertraulicher Infos und keine Online-Dates mehr zwischen Minister­präsidentinnen und Kanzleramt. Er fordert daher ein reales Treffen für die nächste MPK. Paul Ronzheimer sieht seine SMS-Echtzeit-Quellen versiegen und übt schon schlumpfiges Grinsen, um sich als Olaf Scholz getarnt ins Kanzleramt einzuschleichen.
    spiegel.de

  • Hör-Tipp: Raphael Brinkert sieht Parteien als Marken.

    Hör-Tipp: “Parteien sind auch Marken und brauchen auch Markenführung”, sagt Raphael Brinkert im Podcast vom “bekennenden Olaf-Scholz-Fan” Lars Haider. Brinkert glaubt, dass politische Kräfte von einer längerfristigen Zusammenarbeit mit Agenturen profitieren können. Er verantwortet den SPD-Werbe-Etat, hat aber nichts damit zu tun, dass Olaf Scholz keine Krawatte mehr trägt: “Ich bin nicht der Typ-Berater, ich bin die Werbeagentur.”
    abendblatt.de

  • Lese-Tipp: Debattenkultur in der Politik leidet unter Whistleblowern.

    Lese-Tipp: Im politischen Raum kommt die Vertraulichkeit der Debatte zusehends abhanden, beobachtet Anja Maier in der “Zeit”. In allen Parteien gebe es mittlerweile Whistleblower unter den Abgeordneten. So sei u.a. der Schlumpf-Satz von Markus Söder über Olaf Scholz (Foto) zur “Bild” durchgesickert. Wo Außenstehende interne Gespräche live durchgestochen bekommen, leidet “der freie Austausch, die Möglichkeit des Streits”.
    zeit.de

  • Zahl des Tages: Bund plant für 2021 und 2022 rund 150 Mrd Euro zusätzliche Schulden.

    Zahl des Tages: Um schwindelerregende 150 Mrd Euro wächst 2021 und 2022 der Schuldenberg des Bundes, berichtet der “Spiegel”. Schuld daran sind die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie. In diesem Jahr kommen weitere 70 Mrd Euro zu den bereits beschlossenen 180 Mrd Euro dazu, 2022 soll die Neuverschuldung bei bis zu 80 Mrd Euro liegen.
    spiegel.de

  • Meinung: Erich Sixt sollte nicht aufhören.

    Öde Werbung: Erich Sixt (Foto) sollte auch nach seinem Ausscheiden als Geschäftsführer ein Auge auf die Werbung des Autovermieters werfen, schreibt Horizont-Autor Mehrdad Amirkhizi. Zuletzt sei es “ohne groß nachzudenken” nur noch darum gegangen, “auf Teufel komm raus irgendein aktuelles Ereignis aufzugreifen”. Ein Negativ-Beispiel sei das Werbemotiv mit Finanzminister Olaf Scholz, der Bezug zu Marke und Produkt seien “ziemlich weit hergeholt”.
    horizont.net (Paid), facebook.com (Scholz-Motiv), turi2.de (Background)

  • Lockdown wird mit Lockerungen und hitzigen Diskussionen verlängert.


    Gift-Gipfel: Markus Söder teilt bei der Bund-Länder-Konferenz gegen Olaf Scholz aus, berichtet Paul Ronzheimer bei Bild Live noch während die Beratungen laufen. Sätze wie “da brauchen Sie nicht so schlumpfig herumgrinsen” oder “Sie sind nicht der König von Deutschland oder Weltenherrscher” soll Söder seinem Kollegen an den Kopf geworfen haben. Die Aussagen sind “zu schön um wahr zu sein, zumindest für diejenigen, die darüber schreiben”, kommentiert Ronzheimer, der die Zitate on Air vom Handy abliest. In der anschließenden Pressekonferenz bemerkt Söder, Scholz habe ein “sehr pointiertes Auftreten” gehabt, aber die beiden hätten schon miteinander gesprochen und sich vertragen.

    Die Runde hat den Lockdown zwar bis 28. März verlängert, aber stufenweise Aufweichungen angekündigt, die an stabile Inzidenzwerte unter 50 bzw. 100 geknüpft sind. Der zweite Lockerungsschritt (nach den jüngsten Friseur- und Schulöffnungen) erlaubt Buchhandlungen, Blumengeschäften und Gartenmärkten ab 8. März Kundschaft zu empfangen. Auch einige körpernahe Dienstleistungen, etwa Fahrschulen, dürfen den Betrieb aufnehmen. In einem nächsten Schritt könnte dann der Einzelhandel sowie Museen, Galerien und Zoos öffnen und bis zu zehn Menschen an der frischen Luft kontaktfrei Sport treiben. Eine vierte Lockerung würde dann Öffnungen von Kulturstätten und Gastronomie umfassen, eine fünfte schließlich auch größere Freizeitveranstaltungen. Ein Notbrems-Mechanismus soll dann greifen, wenn die Inzidenz drei Tage lang über 100 liegt. In diesem Fall werden Lockerungen zurückgenommen.

    Der “Spiegel” urteilt, dass die Politik nun “mit der Logik der bisherigen Pandemiebekämpfung” breche. Bisher sei “steigende Zahlen, schärfere Regeln” das Credo gewesen. Mit Blick auf die Schnelltest-Strategie schreibt Thomas Vitzthum in der “Welt”, das Pandemie-Management erweise sich “auf eine absehbare Veränderung als ziemlich unvorbereitet”. “Bild”-Chef Julian Reichelt poltert, der Tag sei ein “Verwirrspiel mit einem Hauch von sozialistischer Mangelverwaltungsrhetorik unserer Bundesregierung” gewesen.
    bild.de (Söder-Aussagen), spiegel.de (Öffnungsschritte), spiegel.de (Paid), welt.de, bild.de (4-Min-Video, Reichelt)

  • Basta: “Rheinische Post” verkennt ihre eigene Schlagzeile.

    Warum auf die Zwölf, wenns auch auf die Zehn geht: Die “Rheinische Post” bekommt im Interview mit Finanzminister Olaf Scholz eine Exklusivnews zu Steuererhöhungen für Besserverdiener*innen. Handelsblatt und Bild erkennen den “Paukenschlag” (“Bild”) sofort und covern. Die “Rheinische Post” titelt lieber so profan wie möglich: “Wir können im Sommer wieder im Biergarten sitzen.”
    turi2 – eigene Beobachtung, rp-online.de (Interview, Paid)

  • Christoph Krupp wird Sonderbeauftragter für Corona-Impfstoffe.

    Impf-Boss: Die Bundesregierung beruft in Christoph Krupp einen Sonderbeauftragten für die Corona-Impfstoffproduktion. Er soll v.a. Ansprechpartner für die Hersteller sein und sichere Lieferketten gewährleisten. Krupp ist ein Vertrauter von Finanzminister Olaf Scholz und eigentlich Vorstandssprecher der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Diesen Job lässt er vorübergehend ruhen. Sein Sonderauftrag ist auf einige Monate angelegt.
    spiegel.de

  • Zitat: Olaf Scholz will bis 2030 allen Haushalten Gigabit-Internet ermöglichen.

    “Ich will eine Gigabitgesellschaft, und das ist nicht nur ein Schlagwort.”

    Finanzminister Olaf Scholz sagt im RND-Interview, die Politik müsse bei der Digitalisierung “härter, klarer und fordernder” handeln als bisher. Bis 2030 solle bei jedem Haushalt in Deutschland ein Internetanschluss mit einer Geschwindigkeit von mindestens einem Gigabit pro Sekunde anliegen.
    rnd.de

  • turi2 edition #13: Thilo Mischke über Sex und seriösen Journalismus.


    Schlechte Prognose: Früher hat
    Thilo Mischke Sex-Kolumnen geschrieben, heute ist er der politischste Reporter im deutschen Privatfernsehen. Im Interview mit Tatjana Kerschbaumer für die turi2 edition #13 erklärt er, dass er das Privatfernsehen mutiger findet als ARD und ZDF. Für die Menschheit hat er wenig Hoffnungen: “Wir werden an unserer eigenen Dummheit vergehen.” Sie können den Text im kostenlosen E-Paper lesen oder gedruckt bestellen.

    Herr Mischke, haben Sie den Spaß am Sex verloren?
    Ja, ich habe tatsächlich den Spaß am Sex verloren. Also den Spaß daran, darüber zu berichten, zu schreiben, ein Autor zu sein, der sich mit diesen
    Themen beschäftigt. Sexualität an sich ist natürlich nie auserzählt, aber so, wie ich sie sehe und wie ich mich dazu äußern will, schon.

    Das ist aber ein radikaler Wandel: Vor zehn Jahren sind Sie bundesweit bekannt geworden mit dem Buch “In 80 Frauen um die Welt“. Außerdem hatten Sie lange Zeit Sex-Kolumnen bei “Prinz“ und “Jolie“ und forschten “unter fremden Decken“ nach dem besten Geschlechtsverkehr des Globus. Heute sehen wir Sie stattdessen in politischen Infotainment-Formaten wie “Rechts. Deutsch.
    Radikal.“.

    Diese Dinge haben mir damals einfach sehr viel Spaß gemacht. Ich habe gerne darüber geschrieben, ich war Mitte 20. Aber so mit Anfang 30, zu der Zeit als “Unter fremden Decken“ im Fernsehen kam, hatte ich schon das Interesse daran verloren. Heute werde ich ab und zu noch zu Talkrunden eingeladen – oder wenn es ein neues Dokuformat gibt. Arte hatte mal angefragt, ob ich nicht Bock hätte, was zu Pornografie zu sagen. So etwas lehne ich dann tatsächlich ab, das passt nicht mehr zu mir. Persönlich habe ich das Gefühl, es ist nicht mehr Teil meiner Identität.

    Leben wir in einer Zeit, in der das Politische wichtiger ist als das Private? Oder zumindest: Ihnen wichtiger?
    Wir leben in einer Zeit, inder Privates und Politisches mittlerweile Hand in Hand gehen. Personen des öffentlichen Lebens, die sich auf Instagram, TikTok oder Twitter äußern, müssen das mittlerweile politisch tun. Wenn wir uns recht erinnern, gab es vor zwei Jahren eine Debatte, die sagte: Leute, ihr müsst eure Reichwei te nutzen, um politisch zu sein. Es war nämlich ganz lange nicht en vogue, in den sozialen Medien eine Haltung zu haben. Da ging’s eher darum: Was hab’ ich zu Mittag gegessen, was ziehe ich an, womit schminke ich mich, wohin fahre ich in den Urlaub? Das hat sich aber geändert. Und so wie ich früher über Sex berichtet habe und jetzt aus Kriegsgebieten be richte, hat natürlich auch ein Influencer das Recht darauf, seine Haltung so im Internet darzustellen.

    Politische und kritische Formate lassen sich ja auch bei den Öffentlich-Rechtlichen machen. Abgesehen von einem zweijährigen Talkshow-Ausflug zu ZDFneo kennen Zuschauer*innen Sie eher aus dem Privatfernsehen. Wollen die Öffentlich-Rechtlichen Sie nicht oder wollen Sie nicht zu denen?
    In meiner gesamten Karriere als Journalist gab es nur eine einzige Sache, die ich wollte. Ich wollte mal zum “stern“. Ich wollte wirklich gerne für dieses Reportagemagazin arbeiten, was ich dann auch drei Jahre gemacht habe. Aber es gab in meiner Karriere keinen Punkt, an dem ich gesagt habe: Ich möchte zu den Öffentlich-Rechtlichen. Es ist eher so: Ich bin beim Fernsehen, weil meine Auslandsreportagen im Print nicht mehr bezahlt wurden. Und ich wollte immer ins Ausland, das war das Ding. Ansonsten will ich einfach meine Filme machen.

    Was leistet Privatfernsehen in Ihrem Bereich, was die Öffentlich-Rechtlichen nicht können? Oder nicht wollen?
    Die Privaten haben keine Angst und nicht 70 Redakteure auf einer Position, für die du eigentlich nur zwei Redakteure brauchst. Es fehlt zumindest bei Pro SiebenSat.1 dieser riesige Apparat an Journalisten, die alle eine Meinung zu einer Sache haben und mitbestimmen wollen. Das ist ja auch verständlich: Niemand von uns möchte 40 Jahre für eine Anstalt arbeiten und dann wegen den “Jungen“ zum alten Eisen gehören und in die sogenannte “Entwicklungsredaktion“ gesteckt werden, wo man auf seinen Tod warten darf. Bei den Privaten gibt’s nicht dieses Beweisen, Belegen, dass man ein echter Journalist ist. Wie oft hatte ich in meinem Leben das Problem: Weil ich fürs Fernsehen arbeite und schreibe, muss ich mich auf beiden Seiten rechtfertigen. Bei den einen bin ich kein richtiger Fernsehmacher, bei den anderen kein richtiger Journalist. Das gibt es bei den Privaten einfach nicht, bei den Öffentlich-Rechtlichen schon.

    Haben Sie da ein konkretes Beispiel?
    Bei ProSieben sagt dir kein alter Journalisten-Silberrücken: “Also, als ich 1974 im Kongo war, haben wir das so und so gemacht.“ Die sagen: Dann macht mal. Wie sieht das denn aus, wenn ihr eine richtig intensive Auslandsrecherche macht? Bei unserem Rechtsextremismus-Film saßen die abnehmenden Redakteure da und waren begeistert. Und Daniel Rosemann, der Senderchef von ProSieben, meinte: “Keine Werbung, das zeigen wir genau so um 20:15 Uhr.“ Alleine, dass du so eine Abnahme hast – das würde doch bei den Öffentlich-Rechtlichen nie passieren. Deren Sendeplan steht bis 2090, die können da nichts ändern, das geht nicht. Mut, eine gewisse Ahnungslosigkeit und Neugierde sind die großen Vorteile des Privatfernsehens.

    Laufen die Privaten den Öffentlich-Rechtlichen den Rang ab, wenn es um politische Formate für junge Leute geht?
    Ich glaube, sie laufen ihnen den Rang bei einer ganz spezifischen Zielgruppe ab, nämlich bei den 30- bis 50-Jährigen. Die gehen nicht zu YouTube, die kucken noch fern, sind aber noch zu jung für ARD und ZDF.

    Was müssen politische und gesellschaftlich relevante TV-Formate der Zukunft bieten, um Zuschauer*innen zu gewinnen? 2021 und darüber hinaus?
    Der politische Journalismus muss es 2021 schaffen, eine emotionale Stimmung in eine journalistische Frage zu übersetzen – besonders vor dem Hintergrund der anstehenden Bundestagswahl. Oder anders herum: Olaf Scholz stellt Handlungsanweisungen für die Wirtschaftsentwicklung der nächsten 50 Jahre vor. Wir verpacken es als Journalisten so, dass man das emphatisch nachvollziehen kann. Warum werden bestimmte Entscheidungen getroffen, wie betreffen sie mich und warum betreffen sie mich?


    Im Krisengebiet: Thilo Mischke sagt, er sei vor allem beim Fernsehen, weil seine Auslandsreportagen “im Print nicht mehr bezahlt wurden”.

    Sie haben gerade die Wahl angesprochen und sind ja auch SPD-Mitglied. Schon mal daran gedacht, zu kandidieren?
    Das Interesse an Politik und Tagespolitik ist groß, aber ich liebe auch das zu sehr, was ich aktuell mache. Der Gedanke ist manchmal da, aber ich habe einfach keine Zeit. Und: Wenn ich mich entscheide, in die Politik zu gehen – wie oft muss ich mich bitte für das Buch “In 80 Frauen um die Welt“ rechtfertigen? Es ist vollkommen richtig, dass ich mich dafür rechtfertigen muss. Aber das wird dann wahrscheinlich immer wieder aus der Kiste geholt.

    Einerseits sind Sie mittlerweile das “Investigativ-Gesicht“ von ProSieben, das Missstände thematisiert und aufdeckt. Andererseits sind Sie ein Testimonial der Deutschen Bahn, in deren Kundenmagazin Sie eine regelmäßige Kolumne haben und für die Sie podcasten. Eine Undercover-Recherche bei der Deutschen Bahn dürfen wir von Ihnen also eher nicht erwarten?
    Doch! Da möchte ich ein Beispiel geben: Seit ich für “DB Mobil“ schreibe, will ich eine Geschichte über die Zusammenarbeit der Reichsbahn mit dem Deutschen Reich machen – und deren Aufarbeitung. Kritik an der Deutschen Bahn ist mir absolut erlaubt, insbesondere als Kolumnist. Wenn ich etwas über die Deutsche Bahn machen will, mache ich was über die Deutsche Bahn. Wenn ich Testimonial für Rohdiamanten aus Afrika wäre – dann wär’s schwieriger.

    Sie meinten gerade, Sie würden diese Geschichte gerne machen. Sie haben sie aber noch nicht gemacht. Warum?
    Der Chefredakteur sagt jedes Jahr richtigerweise zu mir: “Schlag’s vor.“ Und ich schlage jedes Jahr etwas vor, aber ich gebe zu, dass es mir schwerfällt, einen Ansatz zu finden, der auf eine gute Art funktioniert. Es ist also eher mein Problem, nicht das der Deutschen Bahn. Aber ich denke jedes Jahr darüber nach, wie man diese Geschichte erzählen könnte, ohne dem Leser in der Bahn mit erhobenem Zeigefinger zu begegnen.

    Es passt für Sie also zusammen, seriösen Journalismus aus Krisengebieten zu machen und gleichzeitig bei einem Großkonzern in Diensten zu stehen, bei dem Sie eher die PR bedienen?
    Das macht mir überhaupt nichts aus. Es ist tatsächlich die journalistische Wirklichkeit von vielen, auch vielen meiner Kollegen. Man kann in diesem Beruf mittlerweile nur überleben, wenn man auch für Kundenmagazine arbeitet, weil das die einzigen sind, die vernünftige Honorare zahlen. Ich bin Hobby-Etymologe, also Insektensammler, und habe für das “Lufthansa-Magazin“ mal eine 12-Seiten-Geschichte über die Schönheit des Insektensammelns im Thailändischen Urwald geschrieben. Wo soll man so etwas sonst unterbringen? Und ich musste nicht einmal schreiben: Lufthansa, top!

    Lesen Sie alle Geschichten der turi2 edition #13 – direkt hier im Browser als E-Paper oder bestellen Sie das Buch.

    Stichworte Krise und Krisengebiete: In der Welt bröselt es an allen Ecken und Enden, nicht nur durch Corona. Was werden die Probleme sein, mit denen wir uns in den kommenden Jahren politisch und journalistisch beschäftigen müssen?
    Es sind die gleichen Probleme, die wir in den letzten drei Jahren erfolgreich ignorieren: Der Klimawandel wird noch schlimmer werden, es wird neue Flüchtlingsströme geben, die Wirtschaft wird sich verschieben. Wir leben in einer Welt der Widersprüche, die immer größer werden. Außerdem glaube ich, dass die Konflikte in Zentralasien stärker werden, von Kasachstan über Turkmenistan, Armenien, Georgien bis Aserbaidschan. Man kann es ja jetzt schon mit Aserbaidschan und Armenien beobachten. Irgendwas liegt da im Argen.

    Haben Sie den Eindruck, dass Sie mit Ihrer Arbeit etwas verändern können? Bei “Rechts. Deutsch. Radikal.“ hat das ja teilweise geklappt, Stichwort AfD und Christian Lüth. Aber ist Ihnen das genug?
    Als ich in der 10. Klasse gefragt wurde “Was willst du mal werden?“, habe ich gesagt: Ich will Journalist werden, weil ich etwas verändern möchte. Das sagt sich so schön, aber: Dass Lüth entlassen wurde, hat das etwas verändert? Für Christian Lüth, ja. Was ich viel wichtiger finde, ist: Ich will die Konsumenten meiner journalistischen Produkte verändern. Denen möchte ich gerne eine andere Perspektive anbieten. Aber das Ziel ist, es nur anzubieten. Diejenigen sollen selbst entscheiden, ob sie sich verändern wollen.

    Bräuchte es mehr Thilo Mischkes in den Medien?
    Es gibt ja Kollegen, die so ähnlich arbeiten. Und es gibt auf jeden Fall mehr als einen Mischke im deutschen Fernsehen. Das ist auch gut so, wir haben‘s ja nicht erfunden.

    Kommen Sie manchmal von einer Recherche nach Hause und wünschen sich zehn Jahre zurück, als es noch um Sex ging?
    Nee. Wenn ich aus Orten des Unglücks zurückkomme, stelle ich fest: Ich bin ein grundsätzlich glücklicher Mensch.

    Nach 2020 kann uns ohnehin nichts mehr schocken. Mit Blick auf 2021: Oder doch?
    Ich kann nicht in die Zukunft kucken, aber es geht auf jeden Fall noch schlimmer. Durch meine letzte Ukraine-Reise wurde mir wieder sehr bewusst, dass wir zwei Flugstunden von Berlin einen Krieg haben, der kein Schwein interessiert. Und wenn der zwei Stunden von uns entfernt ist, kann es auch mal sein, dass ein Krieg eine Stunde von uns entfernt ist. Das sollten wir nicht vergessen. Ich habe ein bisschen den Glauben an die Menschheit verloren durch das, was ich alles gesehen und erlebt habe. Wir werden glaube ich an unserer eigenen Dummheit vergehen. Weil wir
    nur uns selbst sehen.

    Alle Geschichten aus der turi2 edition #13 lesen: turi2.de/edition13

  • Bundesregierung hat 2020 bis Oktober mindestens 344,3 Mio Euro für Berater*innen ausgegeben.


    Beraten und verkauft: Mindestens 344,3 Mio Euro hat die Bundes­regierung allein in den ersten drei Quartalen 2020 an Beratungs­firmen überwiesen, schreibt die “Welt am Sonntag”. Spitzenreiter ist demnach das Innen­ministerium um Horst Seehofer mit 128,3 Mio Euro. Das Finanz­ministerium von Olaf Scholz nimmt 72,4 Mio Euro für Berater*innen in die Hand. Sparsamer ist das Gesundheits­ministerium von Jens Spahn, das in der Corona-Pandemie Beratung für insgesamt rund 30 Mio Euro einkauft – etwas weniger als das Verkehrs­ministerium mit 34,7 Mio Euro.

    Der Einsatz von externen Berater*innen steht in der Kritik. Der Bundesrechnungshof kritisiert die hohen Kosten und dass Berater*innen auch beim Verfassen von Gesetzen zum Einsatz kommen und so Interessenkonflikte eine Rolle spielen können. Die “Welt am Sonntag” führt zudem aus, dass die Ausschreibung der Aufträge oft nicht fair verlaufe, sondern von vorne herein auf einen Partner ausgelegt ist. Agenturen würden sich zudem Folgeaufträge sichern und es gäbe keine ausreichende Überprüfung, ob der Einsatz externer Kräfte erfolgreich war.
    “Welt am Sonntag” (Paid), welt.de

  • Klick-Tipp: Focus Online blickt zum 25-Jährigen in die Zukunft.

    Klick-Tipp: Focus Online wird 25 Jahre alt. Zum Jubiläum teilen 25 Autor*innen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft ihre Ideen für die kommenden 25 Jahre und eine bessere Zukunft, u.a. Olaf Scholz, Markus Söder und Christian Lindner sowie Klimaaktivistin Luisa Neubauer. Verleger Hubert Burda und Gründer Helmut Markwort erinnern sich an die Anfänge der News-Seite, die damals dreimal täglich einen Wetterbericht bot.
    focus.de, focus.de (6-Min-Video)