Blattkritik: Sinja Schütte, Chefredakteurin "Flow", über das "Zeit Magazin Mann".

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Sinja Schütte, Chefredakteurin des Achtsamkeits-Magazins Flow, blättert im Auftrag von turi2 durch den Erstling des Zeit Magazins Mann. Sie findet zwar viel Substanz, ihre Hoffnung auf ein neuartiges Männermagazin verliert sich aber im "Klischee-Hokuspokus".

"Du kannst, wenn Du willst, einfach in den Tag hineinleben und nur über Autos, Frauen und Uhren quatschen," sagt Marcell Jansen, Aussteigerfußballer im neuen "Zeit Magazin Mann". Aber das will er ja gar nicht mehr. Und das will wohl auch das neue Männermagazin von der "Zeit" nicht. Auf 180 Seiten möchte Chefredakteur Christoph Amend zeigen, was Männer heute lieben, was sie antreibt und was sie denken. Allen voran Christoph Walz. Der wird zwar schon 60 – ist aber ein Vordenker und funktioniert ganz gut als neues Männer-Vorbild. Auf 20 Seiten portraitiert Amend selbst den zweifachen Oscarpreisträger. Beobachtet dessen kleine Ticks und lässt ihn über Freundschaft, Selbstzweifel, Schwarzbrot-Jobs und die ganz großen Triumphe reden. Kein Geringerer als Peter Lindbergh macht die Schwarz-Weiß-Fotos des Schauspielers dazu. Sehr cool sieht das aus. Viel Platz für ein großes Portrait – das ist Leseluxus.

Überhaupt geht es im Heft viel um Luxus: Porsche 911, Uhren, Unterhemden (von Brioni). Und um typische Männerthemen: Fußball (ein Portrait über den Ex-Fußball-Profi Marcell Jansen wie gesagt), Sex (das ehemalige Blumenkind Gisela Getty blickt zurück), und guter Wein (ein alter Baron spricht über seine Leidenschaft für Reben). Und Zeit-Chefredakteur Giovanni die Lorenzo redet mit dem Mönch und Philosoph Elmar Salmann über die Männer an sich. Soweit so gut – ist ja ein Männermagazin – aber eben auch sehr erwartbar und wenig überraschend.

Wer das "Zeit Magazin Mann" mit der Hoffnung kauft, ein neuartiges Männer-Magazin zu lesen, kann zwar Gehaltvolles finden. Wenn zum Beispiel der 98-jährige Baron über das Wegsterben seiner Freunde spricht und feststellt: "Ich bin einsam. Das Leben ist so barbarisch lang." Dann hallt das nach. Aber Themen für die Männer, die ich kenne, die sich heute positionieren müssen zwischen Familie, Job, Smartphone, Sabbatical und Erschöpfung, gehen unter in der Auto-Uhren-Mode-Anzeigen-Hochglanzwelt.

Mal ehrlich, liebe "Zeit"-Männer, das wäre doch ein spannendes Experiment: Den Klischee-Hokuspokus weglassen und einfach den Männern ins Gesicht schauen – so wie Christoph Walz auf dem Titel. Vielleicht lesen dann auch wieder mehr Männer Männermagazine.

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Die Blattkritik erscheint sonntags bei turi2.de und folgt dem Prinzip des Reigens.

Beim letzten Mal hat Sascha Chaimowicz, verantwortlicher Redakteur des "Zeit Magazins Mann", über "Laura" geschrieben.

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