Deutsche TV-Sender nehmen Netflix ins Visier.

Streaming: Besser spät als nie nehmen die deutschen TV-Sender die Aufholjagd gegen Netflix auf, schreibt Kurt Sagatz. Aus Angst vor der Kannibalisierung der TV-Aktivitäten zögerten sie mit dem Ausbau ihrer digitalen Plattformen, die mit eigenproduzierten Inhalten punkten wollen. Das RTL-Angebot ist günstiger als Netflix, auch ProSiebenSat.1 wolle zum "Local Hero" werden.
tagesspiegel.de

Video-Tipp: NDR dokumentiert "Spiegel"-Pressegespräch zum Fall Relotius.

Video-Tipp: Das NDR-Medienmagazin "Zapp" dokumentiert in Auszügen das "Spiegel"-Pressegespräch zum Abschlussbericht der Relotius-Affäre. Reportagen seien generell kein auf Betrug angelegtes journalistisches Format, betont Chefredakteur Steffen Klusmann, der am Gesellschaftsressort festhalten wolle. "Es muss halt stimmen", mahnt Klusmann.
youtube.de (16-Min-Video), turi2.de (Klusmann-Interview)

Meinung: YouTuber Rezo zerstört die Idylle der Parteien und Medien.

Politik: Mit mehr als zehn Mio Aufrufen zerstöre das umstrittene Rezo-Video die Idylle klassicher Medien und Parteien, findet Medienkritiker Hans Hoff. Zwar sei fraglich, wie viele der jungen Nutzer das Video mit teils nicht komplett untermauerten Fakten bis zum Ende konsumierten, doch Rezo (Foto) beende die bisher unangefochtene Deutungshoheit etablierter Medien.
dwdl.de, turi2.de (Background)

Rapper Sido wird Juror bei "The Voice of Germany".

ProSiebenSat.1 engagiert Rapper Sido (Foto) als Juror der Castingshow "The Voice", schreibt "Bild am Sonntag". In der neunten Staffel wird zudem Sängerin Alice Merton dabei sein, die 2017 den Song "No Roots" für die Vodafone-Werbung beisteuerte. Sänger Mark Forster bleibt, Sänger Rea Garvey kehrt in die Jury zurück. ProSieben und Sat.1 zeigen die Show ab Herbst.
"Bild am Sonntag", S. 43 (Paid)

Mark Zuckerberg umwirbt alte Widersacher für Facebooks Kryptowährung.

Facebook: Mark Zuckerberg will für die neue digitale Währung "GlobalCoin" mit Cameron und Tyler Winklevoss kooperieren, schreibt "FAS". Die Zwillinge verließen Facebook kurz nach der Gründung im Streit und bauten mit ihrer Abfindung eine der größten Krypto-Tauschbörsen der USA auf. Davon wolle Zuckerberg profitieren.
"FAS", S. 25 (Paid), turi2.de (Background)

Basta: 4.000-Seelendorf veröffentlicht vermeintliche Wahlergebnisse vorab.

Passwort-Wahl: Ein Bürgerrechtler findet auf einer Webseite des rheinland-pfälzischen Landeswahlleiters schon vor der Wahl die vermeintlichen Wahlergebnisse von Rheinbrohl. Doch das 4.000-Seelendorf kann weder hellsehen, noch die Wahl beeinflussen: Das Wahlbüro testete die Auszählung mit Ergebnissen der vorigen Europawahl und versäumte die Wahl eines Passwortes.
sueddeutsche.de

Meinung: YouTuber wie CDU-Kritiker Rezo sind keine Nachbarsjungen, sondern Profis.

Influencer wie der YouTuber und CDU-Kritiker Rezo (Foto) erreichen immer häufiger Reichweiten, von denen mancher Fernsehsender nur träumen könne, schreiben Justus Bender und Constantin van Lijnden. Problematisch werde dies, wenn YouTuber finanzielle Interessen verfolgten, sich in der Öffentlichkeit aber wie unbedarfte "Nachbarsjungen" darstellten. Auch die meisten Videos von Rezo seien kommerzielle Projekte.
faz.net (Paid)

Meinung: Entschlüsselungszwang von WhatsApp macht Deutschland zur "Bananenrepublik".

Messenger wie WhatsApp oder Threema müssen das Chat-Geheimnis auch gegenüber den deutschen Sicherheitsbehörden bewahren, fordert "Spiegel"-Autor Patrick Beuth. Anders als SMS verfügen Messenger über eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die nur Sender und Empfänger entziffern können. Deutschland würde in der Welt zur "Backdoor-Bananenrepublik" verkommen, wenn das Innenministerium im Zuge der vermeintlichen Kriminalitätsbekämpfung einen Entschlüsselungszwang einführe.
spiegel.de

Lese-Tipp: "Wirtschaftswoche" horcht nach elektronischen Autogeräuschen der Zukunft.

Lese-Tipp: Um Unfälle zu vermeiden, müssen Hersteller E-Autos künftig mit künstlichen Geräuschen ausstatten. Die "Wirtschaftswoche" stellt akustische Konzepte mit Hörproben vor. Da E-Autos permanent Töne abgeben, werde es an Kreuzungen lauter. Bei größerer Entfernung seien E-Autos dagegen leiser, da hohe Töne nicht so weit fliegen wie tief dröhnende Verbrenner.
wiwo.de (Paid)

Meinung: DSGVO sorgt für weltweites Umdenken beim Datenschutz.

DSGVO hat eine weltweite Debatte über den Umgang mit persönlichen Nutzerdaten ausgelöst, bilanziert Tech-Journalistin Katie Collins ein Jahr nach Einführung der Verordnung. Die EU-Regeln könnten zum weltweiten Vorbild werden. Mächtige Konzerne wie Facebook und Google könnten künftig besser kontrolliert werden, was vor allem Jugendliche schütze.
cnet.com

Verbände wollen Provider zu lokalem Roaming verpflichten.

5G: Eine Allianz aus Wirtschafts- und Kommunalverbänden will Mobilfunkbetreiber politisch zum lokalen Roaming verpflichten. Dabei würden Kunden bei schlechtem Empfang automatisch mit einem Netz eines Mitbewerbers verbunden werden. Nur mit flächendeckender Mobilfunkversorgung könnten "gleichwertige Lebensverhältnisse sichergestellt werden".
heise.de, faz.net, turi2.de (Background)

Meinung: Umgang mit Gesichtserkennung spaltet USA und China.

Datenschutz: Während China die Überwachung perfektioniert, stellt sich San Francisco, unweit des Silicon Valleys, mit dem Verbot eines Datenabgleichs bei der Gesichtserkennung gegen einen Kontrollstaat, beobachtet Raffael Schuppisser. In China sorge die Kommunistische Partei mit Kameras für ein Überwachungssystem, das jeden Bürger bewerte: Schlechte Handlungen, etwa bei Rot über die Straße gehen, könne negative Auswirkungen auf die Vergabe von Wohnungen oder eines Auslandsvisum haben.
aargauerzeitung.ch, turi2.de (Background)

"Mehr Rechte für die Dokumentation" – Relotius-Aufklärerin Brigitte Fehrle im Interview.


Konsequenzen aus dem Skandal: Brigitte Fehrle hat gemeinsam mit Stefan Weigel und Clemens Hoeges fünf Monate lang den Betrugsfall Relotius aufgeklärt - im Interview mit turi2.tv zieht sie Bilanz. Erschrocken war sie darüber, wie lange der Whistleblower Juan Moreno kämpfen musste, bevor Relotius' Vorgesetzte auf die Fälschungs-Vorwürfe reagierten. Positiv überraschte die freie Journalistin und frühere Chefredakteurin der "Berliner Zeitung" der Aufklärungswille der Redaktion.

Als Konsequenz aus dem Skandal fordert Fehrle, die als einzige Nicht-"Spiegel"-Mitarbeiterin an der Aufarbeitung des Betrugs arbeitete, eine andere Fehler-Kultur beim Nachrichtenmagazin. Ihr seien Redakteure begegnet, die Fehler nicht benannten, um es sich mit Kollegen nicht zu verderben. Auch der Dokumentation als Kontrolleure der Redaktion müsse eine neue Rolle zukommen: Die Dokumentare sollten mehr Rechte erhalten.
turi2.tv (4-Min-Interview auf YouTube)

Herausgeber der "Kronen Zeitung" fordert von Funke Antworten zu Straches Zensurplänen.

Kronen Zeitung fordert von Funke Antworten zu Straches Aussagen über mögliche redaktionelle Beeinflussung durch Investoren, schreibt "Spiegel". Die Eigentümerfamilie um Herausgeber und Chefredakteur Christoph Dichand wolle wissen, ob Funke als Mitgesellschafter von den Plänen des FPÖ-Chefs wusste. Der österreichische Investor René Benko übernahm später tatsächlich Anteile der "Kronen Zeitung" von Funke.
"Spiegel" 22/2019, S. 80 (Paid), turi2.de (Ibiza-Affäre), turi2.de (Benko-Anteile)

Wiener Anwalt veröffentlicht Bekennerschreiben zu inszeniertem Ibiza-Video.

Ibiza-Gate sei "ein zivilgesellschaftlich motiviertes Projekt", teilt der Wiener Anwalt Ramin Mirfakhrai in einem Bekennerschreiben mit. Das Video nutze bewusst "investigativ-journalistische Wege". Am Freitag stellte FPÖ-Chef Strache Strafanzeige gegen drei mutmaßliche Drahtzieher.
kurier.at, bild.de, turi2.de (Strache-Anzeige), turi2.de (Ibiza-Affäre)

YouTuber verteidigen Rezos CDU-Kritik in gemeinsamer Videobotschaft.

Politik: Mehr als 70 YouTuber stellen sich in einem "offenen Brief" per Videobotschaft hinter den YouTuber Rezo (Foto). Dieser hatte zuvor die CDU öffentlichkeitswirksam attackiert. Die Influencer rufen zum Wählen auf, aufgrund deren Umweltpolitik müssten CDU/CSU, SPD und AfD boykottiert werden. Die Bundesregierung sei für die "Zerstörung der Welt" verantwortlich.
sueddeutsche.de, bild.de, youtube.com (Videobotschaft), turi2.de (Background)

Strache kündigt Anzeigen in Ibiza-Affäre an.

Ibiza-Gate: Österreichs Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache erstattet bei der Staatsanwaltschaft Wien Anzeige gegen drei mutmaßliche Drahtzieher des Videos, kündigt der FPÖ-Chef in einem Facebook-Video an. Die drei Personen seien "mögliche Mittäter" bei der Erstellung der Aufnahmen. Namen nennt Strache nicht.
facebook.com (Strache-Statement), n-tv.de, oe24.at, turi2.de (Background)

Polen klagt gegen EU-Urheberrecht.

Uploadfilter: Polen zieht gegen die umstrittene EU-Richtlinie zum Urheberrecht vor Gericht, meldet die polnische Agentur PAP. Die Regierung habe vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg Klage eingereicht. Die Urheberrechtsrichtlinie sei eine "unverhältnismäßige Maßnahme", die Zensur fördere und die Meinungsfreiheit gefährde.
golem.de, pap.pl (polnische Agenturmeldung), turi2.de (Background)

Zitat: Die Generation Z konsumiert den doppelten Content in halber Zeit, sagt Charles Bahr.

"Insgesamt kommen wir etwa auf die gleiche Bildschirmzeit, die die Menschen früher vor dem TV verbracht haben. In dieser Zeit konsumieren wir aber viel viel mehr Content!"

Charles Bahr, 17, Gründer der Agentur Tubeconnect, sagt im Wuv.de-Interview, Social Media sei das Fernsehen der Generation Z und nicht nur Kommunikations-, sondern auch Unterhaltungsmedium.
wuv.de

"Zu langsam in die Gänge gekommen" – Steffen Klusmann über die Konsequenzen aus dem Relotius-Skandal.


Strukturwandel der Gesellschaft: "Spiegel"-Chefredakteur Steffen Klusmann kündigt erste Konsequenzen aus dem Relotius-Skandal an. Das Gesellschafts-Ressort, unter dessen Dach Relotius fälschen konnte, werde umgebaut. Details nennt Klusmann im Video-Interview mit turi2.tv am Rande eines Pressegesprächs in Hamburg noch nicht. Erst wolle er mit den Kollegen sprechen. Eine Schließung des Ressorts – wie von der Prüfkommission vorgeschlagen – schließt er aus. "Aus diesem Ressort kommen auch verdammt gute Geschichten", so Klusmann.

Druck, dass die Redaktion Journalistenpreise liefert, wie der Abschlussbericht zum Relotius-Skandal es beschreibt, soll es unter Chefredakteur Klusmann nicht geben. Die Geschichten müssten relevant und imagebildend sein, "wenn dann mal ein Journalistenpreis dabei abfällt, ist es gut, aber gezielt auf Journalistenpreise zuzuschreiben, das fand ich schon immer totalen Schwachsinn."
turi2.tv (5-Min-Video auf YouTube)

Meinung: Rezos CDU-Video ist ernsthaft und erreicht junge Menschen.

Politik: YouTuber Rezo offenbart mit seinem Video zur CDU "ratzfatz die Hasenfüßigkeit und Hybris und Hinterzimmerkungelei" der Medien und Parteien, meint Hajo Schumacher. Es sei ein ernsthaftes, langes Video, das junge Menschen erreiche und zum Nachdenken bringe und läute die Zeit ein, in der Parteien, die neuen Kanäle endlich ernst nehmen sollten.
morgenpost.de

Innenministerium will Messengerdienste zum Mitschneiden zwingen.

Innenministerium will Sicherheitsbehörden laut "Spiegel" den Zugang zu verschlüsselten Chats und Telefonaten ermöglichen und Messengerdienste dafür gesetzlich verpflichten, auf richterliche Anordnung Kommunikation mitzuschneiden und unverschlüsselt zu verschicken. Widerspenstige Anbieter sollen gesperrt werden können. Bisher gibt es in Deutschland nur die Quellen-Telekommunikationsüberwachung.
"Spiegel" 22/2019, S. 30 (Vorabmeldung)

Video-Tipp: Aleksander Ruzicka im Erfolgs-Fragebogen.


Video-Tipp: Aleksander Ruzicka hat schon von seine Mutter gelernt: "Wenn Du Dich auf eine Bühne stellst, wundere Dich nicht, wenn Tomaten geflogen kommen." Als Kind wollte er eigentlich Designer werden. Dass er später als "Media-Sonnenkönig" die ganz großen Räder in der Werbewelt drehen und darüber im Knast landen würde, war damals noch nicht abzusehen. Ruzicka hadert auch heute noch mit dem deutschen Rechtssystem und hat gelernt, dass "andere Länder auch schöne Töchter" haben.
turi2.tv (1-Min-Video auf YouTube)

Aktuell bei turi2.tv: Aleksander Ruzicka über seine Zeit im Knast.

"Spiegel" veröffentlicht Abschlussbericht der Relotius-Aufklärungskommission.


Allgemeine Relotiutätstheorie: Der "Spiegel" hat sich von Claas Relotius einwickeln lassen, schreiben Geschäftsführer Thomas Hass und Chefredakteur Steffen Klusmann im Artikel zum Relotius-Abschlussbericht, und "in einem Ausmaß Fehler gemacht, das gemessen an den Maßstäben dieses Hauses unwürdig ist."

Die Aufklärungskommission hat nicht mit Relotius selbst gesprochen. Laut Bericht habe Relotius zur Vertuschung gezielt "Kollegen umgarnt, Dokumentare abgelenkt, den Abdruck von Leserbriefen verhindert, Übersetzungen und Making-Ofs abgelehnt". Als Zweifel an Relotius' Arbeit aufkamen, sei man denen zu langsam nachgegangen. Die Kommission beschreibt außerdem das Verhältnis zu den Vorgesetzten und zu den Kollegen des Ressorts, viele hätten Relotius "geradezu verehrt". Seine Beliebtheit habe "offenbar in Dokumentation und Redaktion zu mangelnder kritischer Distanz gegenüber seinen Texten" geführt.

Laut Bericht habe es mehrere kleine und drei "deutliche" Warnungen gegeben, von denen theoretisch jede hätte Relotius auffliegen lassen können. Auf die erste Warnung eines Lesers habe Matthias Geyer, damals Leiter des Gesellschaftsressorts, nicht reagiert. Ob und bei wem und wann die zweite ankam, sei nicht zu klären. Die dritte kam von Juan Moreno. Zwei Wochen später veröffentlichte der "Spiegel" dennoch eine Klima-Titelgeschichte, die gefälschte Passagen von Relotius enthielt. Geyer und Ullrich Fichtner hätten die damals amtierenden Chefredakteure Dirk Kurbjuweit und Susanne Beyer auch nicht über den Verdacht gegen Relotius informiert. Besonders schwer wiegt laut Kommission, dass Geyer keine eigenen Nachforschungen angestellt habe.

Der Bericht enthält eine detaillierte "Chronik der Aufdeckung", die zeigt, dass Fichtner und Geyer Moreno lange nicht glaubten. Fichtner sagte der Kommission, Moreno habe "diffuse Drohungen" ausgesprochen, Moreno widerspricht dem. Das Kommissionsteam kommt zu dem Schluss, dass die Stilform sowie die Fehlerkultur die Fälschungen ermöglicht haben. Problematisch sei auch die "besondere Konstruktion des Gesellschaftsressorts innerhalb des 'Spiegel'" – es schotte sich ab, kooperiere nicht mit anderen Ressorts und ignoriere deren Kritik.

Der zuständige Dokumentar hat den "Spiegel" inzwischen "auf eigenen Wunsch" verlassen, Relotius' Vorgesetzte Ullrich Fichtner und Matthias Geyer wurden wegen des Falls nicht Co-Chefredakteur und Blattmacher. Der Verlag kündigt eine unabhängige Ombudsstelle ein, drei Teams arbeiteten "an einem neuen journalistischen Regelwerk".
spiegel.de, spiegel.de (Abschlussbericht, 17 Seiten)