Debatte: NSU 2.0 offenbart, dass Privatadressen unzureichend geschützt sind.

NSU 2.0: Nach der Festnahme eines Tatverdächtigen erinnert Chefkommentator Torsten Krauel in der "Welt" an die "Unverletzlichkeit der Wohnung" als Teil des Grundgesetzes. Er hinterfragt, weshalb Privatadressen ohne Einbezug der Justiz überhaupt gesucht und weitergeleitet werden dürfen. "Die ganze Hass- und Drohszene" beruhe darauf, dass die Wohnadresse schlechter geschützt werde als andere Privatdaten.
edition.welt.de (Paid)

Debatte: Simone Menne fordert Diversität in Aufsichtsräten ein.

Update fürs Kontrollgremium: Simone Menne, u.a. Aufsichtsrätin bei BMW, Deutsche Post DHL und Henkel, fordert in Aufsichtsräten "mindestens 50 Prozent der Posten mit diversen Menschen zu besetzen." In ihrem "Handelsblatt"-Gastbeitrag schreibt sie, die Gremien müssen "Mehrdeutigkeit zulassen", wozu sie aktuell kaum in der Lage seien. Zudem verlangt sie mehr Offenheit für neue Trends, z.B. durch den "regelmäßigen Abgleich mit Entwicklungen bei Start-ups".
handelsblatt.com

Meinung: Die Oscars offenbaren sinkenden Einfluss des Kinos.

Oscar-Krise: Die Einschaltquoten des Kino-Awards sind im Vorjahresvergleich um 58 % zurückgegangen. Susan Vahabzadeh deutet die Zahlen in der "Süddeutschen Zeitung" auch als Symptom eines "Jahres fast ohne Kino", in dem "nur wenige Normalsterbliche die Filme gesehen haben". Die Filmauswahl sei weniger populistisch als sonst. Sie mutmaßt, dass es Zeit sein könnte, "sich vom Kino als dominanter Unterhaltungsmaschine zu verabschieden".
sueddeutsche.de

Meinung: TikTok fährt eine erfolgreiche Bildungsoffensive.

Mit Lerneffekt: TikTok ist zu Unrecht als Kinderplattform verschrien, schreibt Luca Schallenberger bei "Meedia". In der App gehe es zunehmend um Bildungsthemen. Auf TikTok lerne er u.a. bei den Themen Journalismus und Jura "mehr als auf Twitter in einer Woche". Schallenberger wolle manchmal "keine seitenlangen Essays über ein Thema lesen, um es zu verstehen", sondern Informationen "in kleinen Häppchen bekommen."
meedia.de

Meinung: RTL gibt den Kampf um junge Zuschauerinnen auf.

RTL scheint zu realisieren, dass es vergebene Liebesmühe ist, das lineare Fernsehen zu verjüngen, sagt Medienwissenschaftler Bjørn von Rimscha in der "Süddeutschen Zeitung" im Hinblick auf Sender-Neuzugänge wie Hape Kerkeling und Jan Hofer. Jüngere Zuschauerinnen würden nicht mehr "in großer Zahl nachwachsen" und seien deshalb "inzwischen so unwichtig, dass die Älteren relativ mehr Relevanz haben". Schon 2013 hat RTL seine Kernzielgruppe um zehn Jahre auf bis zu 59-Jährige erweitert.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Meinung: AfD nutzt harmlose Formulierungen zur Tarnung.

Sprachlist: Die AfD versucht, Wählerinnen mit ihrem neuen Wahlkampfslogan "Deutschland. Aber normal." mit einem "unter rechten Populisten beliebtem Sprachmuster" zu überlisten, schreibt Linguistin Clara Herdeanu: Die Partei arbeite mit "aufgesetzter und bewusst eingesetzter Harmlosigkeit" als Tarnung. Neben provokanten Äußerungen seien doppeldeutige und "einlullende Formulierungen" ein bewährtes rhetorisches Mittel der AfD.
migazin.de (Paid)

Meinung: Die Bundesnotbremse entmachtet auch die “Bild”.

Pandemiegesetz: "Endlich bestimmen nicht mehr allein halbgare Informationen und gezielte Durchstechereien von einer Handvoll Machtmenschen an Deutschlands unvernünftigste Boulevardzeitung die öffentliche Diskussion", schreibt Annika Leister in T-Online-Newsletter "Tagesanbruch" zur Bundesnotbremse. Statt dass "Landesfürsten mit sehr regionalen Interessen candycrushspielend das Pandemiegeschehen" kontrollieren, sei es nun am Bundestag. Der Fehler von Angela Merkel sei es, dies nicht bereits früher angeschoben zu haben.
t-online.de

Meinung: Das Kulturradio schafft sich ab.

Klassik-Clinch: Ronald Düker echauffiert sich in der "Zeit" über Änderungen des Klassikprogramms bei WDR 3. Die Orientierung der Musikauswahl an statistisch erhobenen Interessen selbsterklärter Klassikfans mache aus dem "Bildungsauftrag" einen "Nachbildungsauftrag". Der neue Moderationsleitfaden und seine "Stolpersteinsätze" wie "Musik ist Emotion pur", würden suggerieren, dass der WDR neben betreutem Hören auch auf betreutes Moderieren setze.
"Zeit" 17/2021 (Paid)

Meinung: ProSieben-Interview mit Annalena Baerbock bot “erfrischende Ansätze”.

ProSieben: Das Primetime-Interview mit der Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock geht "sicher nicht als Sternstunde des politischen Journalismus in die Geschichts­bücher" ein, bot aber "zumindest erfrischende Ansätze", kommentiert Alexander Krei. "Spiegel"-Autorin Hannah Pilarczyk findet das von Katrin Bauerfeind und Thilo Mischke geführte Gespräch nach anfangs recht "substanzlosen" Fragen und Antworten doch "unerwartet aufschlussreich".
dwdl.de (Krei), spiegel.de (Pilarczyk, Paid), prosieben.de (44-Min-Video, frei nach Anmeldung)

Meinung: Die Informationsoffensive bei RTL könnte auch mit Gruner + Jahr zusammen hängen.

Offensive als Vorbereitung: Der Schwenk zu mehr Informationsformaten bei RTL muss auch in Bezug auf die jüngsten Entwicklungen bei Gruner + Jahr gesetzt werden, sagt der Medienökonom Armin Rott. Er verweist auf die Überlegungen, RTL und Gruner + Jahr zusammenzulegen. Rott sieht die Entwicklung bei RTL daher skeptisch, "auch wenn dabei mehr Informationsangebot rauskommt". Die Frage sei nämlich, ob Bertelsmann nicht "in mittlerer und längerer Frist redaktionelle Kapazitäten eher zurückfährt, als sie aufzubauen".
deutschlandfunk.de, turi2.de (Background)

Meinung: Markus Lanz macht eine gute Figur in seiner Talkshow, schreibt Micky Beisenherz.

Lanz kann's: Die ZDF-Sendung von Markus Lanz hat sich zur "oft interessantesten und eigentlich immer unterhaltsamsten politischen Talkshow im deutschen Fernsehen" entwickelt, schreibt Gagautor und Podcaster Micky Beisenherz in der "Süddeutschen Zeitung". Der Studioflur sei Treibsand: "Der Gast sinkt tiefer, je heftiger er strampelt." Armin Laschet sei durch kritische Nachfragen von Lanz "im Grunde zerstört" worden.
sueddeutsche.de (Paid)

Meinung: Der TV-Start von Bild Live kommt zur richtigen Zeit.

Bild Live kommt zur richtigen Zeit, schreibt David Hein. Der geplante Start des Boulevard-Bewegtbilds im Herbst dürfte dank Corona-Pandemie und Bundestagswahl auf breites Interesse stoßen. Spannend findet Hein die Frage, wie sich "Bild" und "Welt" im TV-Markt voneinander abgrenzen wollen: Er vermutet, die "Bild" dürfte auch auf dem Fernsehschirm "lauter und krawalliger daherkommen".
"Horizont" 15/2021, S. 3 (Paid), turi2.de (Background)

Meinung: Bei Clubhouse blättert der Lack ab.

Clubhouse steht schon wieder vor dem Absturz, glaubt Lars Bube. Bei der "maroden App" blättere aufgrund von Sicherheitsbedenken und starker Konkurrenz der Lack ab, was u.a. abgeflaute Google-Trends belegen. Nutzerinnen seien "vom virtuellen Palaver schnell gelangweilt" – knapp die Hälfte aller deutschen Clubhouse-Userinnen gibt derzeit an, die App nicht mehr zu nutzen.
ict-channel.com

Meinung: Luca profitiert vor allem von geschickter PR.

Luca: Die Kontaktnachverfolgungs-App ist vor allem aufgrund geschickter PR erfolgreich, schreibt Benedikt Fuest. So sei es vor allem darum gegangen, schnell Reichweite aufzubauen. Dabei haben Smudo und Co. die App als kostenlos für Nutzerinnen und Veranstalterinnen beworben, um mit den so gewonnenen Nutzerinnen im Nachgang Lizenzen mit den Bundesländern abzuschließen – und auf diese Weise ohne öffentliche Ausschreibungen rund 20 Mio von den Bundesländern eingesammelt.
welt.de, turi2.de (Background)

Meinung: Linda Zervakis kann mehr als Nachrichten sprechen, schreibt Lars Haider.

Schlummernde Talente: Die Kündigung von Linda Zervakis bei der "Tagesschau" war "keine Entscheidung gegen die Nachrichtensendung, sondern für all das, was noch in ihr steckt und was raus muss", schreibt Lars Haider im "Hamburger Abendblatt". Zervakis brauche etwas "jenseits trockener Nachrichten, in dem sie sich ausleben und ausprobieren kann". Offenbar steht die Moderatorin deswegen vor einem Wechsel zu ProSieben.
abendblatt.de (Paid), turi2.de (Background)

Meinung: Apple News wird doch zum Erfolg.

Apple News mutiert allen Abgesängen zum Start zum Trotz zum Milliardengeschäft, schreibt Nils Jacobsen. Die US-Investmentbank Cowen prognostiziere dem Bezahlangebot Apple News+ in den nächsten zwei Jahren rund 19 Mio zahlende Abonnentinnen. Ihr Tech-Analyst Krish Sankar erwartet 2023 Umsätze von rund 2,2 Mrd Dollar. Auch in der kostenlosen News-App von Apple sieht Cowen erhebliches Potenzial. Das neue Ad-Targeting im aktuellen iOS 14.5 könne dazu beitragen, dass die Werbeerlöse bei Apple News in den nächsten drei Jahren um 36 % Wachsen.
meedia.de

Meinung: Unter Thomas Bellut ist das ZDF zum “Zentrum des Fortschritts” geworden.

ZDF hat sich unter Intendant Thomas Bellut (Foto) zum "Zentrum des Fortschritts" entwickelt, analysiert Alexander Krei. Mit fast 15 % Marktanteil liegt das Zweite "meilenweit vor der Konkurrenz". Jan Böhmermann, Markus Lanz und das "heute-journal" locken beim einst als "Senioren-Fernsehen" verschrienen Sender zunehmend junges Publikum vor den Bildschirm oder die Mediathek. Bei der Verpflichtung von Sabine Heinrich und Mai Thi Nguyen-Kim war das ZDF "wohl nicht nur flinker und mutiger als die öffentlich-rechtliche Konkurrenz, sondern auch attraktiver".
dwdl.de

Meinung: Cancel Culture gefährdet die Meinungsfreiheit.

Cancel-Culture-Kritik: "Es ist ein massiver Unterschied, ob man im Umgang miteinander falsche Meinungen bekämpft – oder gleich die 'Falschmeinenden' selbst", schreibt Imre Grimm (Foto) im Redaktionsnetzwerk Deutschland. Moralische Unfehlbarkeit dürfe nicht Grundvoraussetzung für öffentliche Äußerungen werden, sonst sei "die Freiheit am Ende". Er will "Mitglieder dominanter Gruppen" nicht aus Debatten um "dominierte Gruppen" ausschließen – Identität dürfe nicht mehr zählen als Argumente.
rnd.de

Meinung: ProSieben-Pflegereportage ist wichtig, aber nicht repräsentativ.

Pflege-Doku: Die ProSieben-Reportage, mit der Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf auf den Pflegemissstand in Deutschland aufmerksam machen, zeigt "keine hundertprozentig repräsentative Schicht", sagt Pfleger Alexander Jorde, der selbst Teil der Sendung war. Es habe keinen Notfall oder desorientierte Patientinnen gegeben, der Personalschlüssel war "gut im Vergleich zu vielen anderen Kliniken". Insgesamt habe die Sendung den Pflege-Alltag und die "riesige Verantwortung" aber gut dargestellt. Über die Medien auf die Interessen aufmerksam zu machen, sei elementar, denn "wir können nur bestimmte Bereiche bestreiken".
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Meinung: “Zapp”-Spezial zu “Lovemobil” überzeugt nicht.

Lovemobil: Der NDR drückt sich im "Zapp"-Spezial zur gefälschten Lovemobil-Doku um die eigene Verantwortung, schreibt Susan Vahabzadeh in der "Süddeutschen Zeitung". Fragen nach Verpflichtungen und Verantwortung seien allerdings noch immer offen, weil der Sender kein "Licht in die eigene Vorgehensweise" gebracht habe. NDR-Doku-Chefin Anja Reschke habe bei der "Zapp"-Aufarbeitung "nicht mehr zu bieten als das genervte Eingeständnis, man hätte vielleicht genauer hinschauen müssen". Es sei laut Vahabzadeh eine Sache für einen Sender, einen Fehler öffentlich zu machen, und eine andere, dafür auch einen Teil der Verantwortung zu übernehmen.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Meinung: Deepfakes sind eine Gefahr für die Demokratie.

Deepfakes, also technisch manipulierte Bilder und Videos, brauchen einen gesetzlichen Rahmen, schreibt Kathrin Werner. Die Technik sei mittlerweile so gut, dass reine Medienkompetenz als Antwort darauf nicht ausreiche. Gefälschte pornografische Inhalte würden oft eingesetzt, um die Opfer einzuschüchtern. Dadurch gefährden sie letztlich die Meinungsfreiheit und Demokratie.
sueddeutsche.de

Meinung: Peer Schader stellt Spartenkanäle von ARD und ZDF in Frage.

ARD und ZDF demonstrieren wenig Publikumsnähe, wenn sie europäische Serien wie Pure oder Beforeigners teils nachts auf ihren Spartenkanälen versenden, schreibt Peer Schader bei DWDL. Die Sender würden darauf abzielen, die Zuschauerinnen zur Mediathek zu lenken, "um Netflix, Prime und Disney+ zumindest ein bisschen Contra zu geben". Es stelle sich die Frage, wofür man One und ZDFneo braucht, wenn diese zu prominenten Sendezeiten "vorrangig als Zweitverwertungsstation der Inhalte aus dem Hauptprogramm" dienen.
dwdl.de

Meinung: Julian Reichelt muss sein ruppiges Verhalten zügeln.

Bild: Chefredakteur Julian Reichelt muss nach dem Compliance-Verfahren "sein ruppiges Verhalten und den Hang zum Niederargumentieren anderer zügeln", schreibt Ulrike Simon. Vor allem die Berufung von Alexandra Würzbach als gleichberechtigte Chefredakteurin und Sprecherin der "Bild"-Geschäftsführung soll Reichelts Macht "eindämmen". Der "Spiegel" urteilt, Reichelt gehe "beschädigt" aus den Ermittlungen hervor – mit einer "Aufpasserin an seiner Seite".
horizont.net (Paid), spiegel.de (Paid)

Meinung: Trumps angekündigtem Netzwerk fehlen “grundsätzliche Erfolgs-Elemente”.

Trumps Twitter-Klon wird die Social-Media-Landschaft kaum verändern, meint Santiago Campillo-Lundbeck. Die Zielgruppe von Donald Trump sei zu alt für Digital-Plattformen, ein großer Teil seiner Reichweite habe auf seiner Präsidentschaft beruht und zahlungskräftige Werbungtreibende hätten kein Interesse an Umfeldern mit Hate Speech und Desinformation. Campillo-Lundbeck vermutet deshalb hinter dem Projekt wohl "am Ende nur einen Newsletter für Trump-Fans, der bestenfalls Propaganda-Zwecke erfüllt".
horizont.net (Paid)

Meinung: Berichterstattung über Julian Reichelt ist “bisher geradezu sanftmütig”.

Causa Reichelt: Die Berichterstattung über die vermeintlichen Fehltritte von Julian Reichelt sind "verglichen mit boulevardesken Maßstäben" bisher "geradezu sanftmütig", urteilt Markus Wiegand. Der "Kress Pro"-Chefredakteur fragt sich, wie "Bild" über den eigenen Chefredakteur berichten würde, genügend "süffige Details aus dem Innenleben der Boulevardzeitung gäbe es "reihenweise". Dass Reichelt "seit Jahren insgesamt ein problematisches Führungsverhalten" zeige, werde wohl auch deshalb bisher wenig diskutiert, weil "Bild" ihre "Mitarbeiter ungewöhnlich gut entlohnt".
"Kress Pro" 2/2021, S. 56-57 (Paid), kress.de (Editorial zum Thema)

Meinung: Deutsche Schadenfreude zur Corona-Politik nervt.

Rant auf den Rant: "Über Corona und die deutsche Corona-Politik wird nicht mehr diskutiert und debattiert, es wird geschimpft und gewettert, geklagt, gezetert", schreibt Elisabeth Raether. Sie wundert sich, denn außer den USA, Großbritannien und Israel, wo schnell geimpft wird, stünden die westlichen Länder "so mies wie Deutschland da, beziehungsweise schlechter". Beunruhigend sei nicht die Emotionalität der Debatte, sondern dass Deutsche offenbar die Wahrheit nicht vertrügen: "dass Teile des politischen Führungspersonals zwar versagt haben, die Misere jedoch trotzdem nicht verschulden."
zeit.de

Meinung: Unterhaltungsshows sind in der Corona-Krise Stimmungsmacher.

Ein Hoch auf Tänzerinnen und Maskierte: Die "Unterhaltungsleuchttürme" Let’s Dance (Foto) und The Masked Singer bieten in der Corona-Krise die Möglichkeit, "Rührung, Euphorie und positives Nervenkitzeln zu spüren", schreibt Fabian Dombrowski in der "Süddeutschen Zeitung". TV-Zuschauerinnen würden damit Mood-Management betreiben: "Erwünschte Gefühle können durch Unterhaltungsangebote auf schnell verfügbarem Wege stimuliert werden".
sueddeutsche.de (Paid)

Meinung: Geschwätzigkeit und Unverbindlichkeit machen den Reiz von Clubhouse aus.

Clubhouse bedient eine "neue Sehnsucht nach Geschwätzigkeit", schreibt der Schweizer Medien-Wissenschaftler Vinzenz Wyss im Blog seiner Hoch­schule. Die bisherige Einzig­artigkeit liege im Ad-hoc-Charakter, der Mündlichkeit und der damit "suggerierten Unverbindlichkeit". Für Medien biete Clubhouse eine "noch nie da gewesene Chance zur Meta­kommunikation" mit ihrem Publikum.
blog.zhaw.ch via persoenlich.com

Meinung: Karl Lauterbach spaltet die Bevölkerung.

Aufklärer und Angstmacher: Der SPD-Politiker und omnipräsente Talkshow-King Karl Lauterbach spaltet die Bevölkerung, schreibt Britta Spiekermann. Lauterbach liege mit vielen Corona-Prognosen richtig, male aber auch "unbeirrbar schwarz, obwohl sich die Menschen nach Helligkeit sehnen". Ein Rätsel ist Spiekermann auch Lauterbachs Nachtruhe: Zu später Stunde liest er für gewöhnlich "noch ein paar Studien."
zdf.de

Meinung: Die ZDF-Dokumentation mit Hendrik Streeck dient der “Selbstinszenierung”.

Streeck-Show: Bei der ZDF-Dokumentation "Corona – Pandemie ohne Ende?" mit Hendrik Streeck ging es nicht um "Wissenschaft im Format einer Abendsendung", sondern um die "Selbstinszenierung einer pandemischen Berühmtheit", kritisiert Christian Schwägerl. Jede kritische Auseinandersetzung mit den Fehlern oder falschen Einschätzungen des Virologen habe gefehlt. Stattdessen gab es nur allgemeine Aussagen, "die jeder schon kennt, der die vergangenen zwölf Monate bei Bewusstsein war". Die gute Nachricht sei so immerhin gewesen, dass Streeck die Sendung nicht genutzt hat "um wieder Werbung für vorschnelle Öffnungen zu machen" oder "Long Covid zu ignorieren", schreibt Schwägerl.
uebermedien.de, zdf.de (43-Min-Video)

Zitat: NDR-Intendant Joachim Knuth will Meinungsvielfallt stärker abbilden.

"Ich bin Journalist geworden, um Leute schlauer zu machen – und nicht durch Polarisierung erregter."

NDR-Intendant Joachim Knuth sagt im Streitgespräch mit Sachsen-Anhalts Medienminister Rainer Robra in der "Zeit", dass das Thema Meinungsvielfalt die Arbeit der Öffentlich-Rechtlichen in den kommenden Jahren "maßgeblich bestimmen" wird.
"Zeit" 12/2021 (Vorabmeldung), welt.de (Zusammenfassung)

Meinung: ARD, ZDF und Deutschlandradio sollen den Vorschlag der Vereinigung nicht abschmettern.

All in one? Peter Voß, Ex-Intendant des SWR, appelliert per "FAZ"-Beitrag an ARD, ZDF und Deutschlandradio, den Vorstoß der Mittelstandsunion nach nur einem öffentlich-rechtlichen Sender nicht sofort abzuschmettern. Die Anstalten seien "gut beraten", das Positionspapier auf "akzeptable oder zumindest diskutable Ansätze" abzuklopfen. Trotzdem sieht Voß eine Programm-Zusammenlegung kontraproduktiv: Sie zerstöre den bewährten Austausch zwischen Hauptprogramm und dritten Fernsehsendern.
"FAZ", S. 13 (Paid), turi2.de (Background)

Meinung: Audi lässt mit dem Stopp des Verbrennungs-Motors eine “romantisch-heroische Welt” untergehen.

Manche mögen's heiß: "Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt sieht Audis Entscheidung kritisch, keine Verbrennungsmotoren mehr zu produzieren. Damit aufzuhören, sei zwar "ökologisch korrekt", aber in etwa so, "als hätte Beethoven nach der 7. Symphonie gestoppt." Stattdessen setze Audi nun auf "öde Elektromotoren und kotzschwere Batterietransporter" – für Poschardt der Untergang einer "romantisch-heroischen Welt."
welt.de (Paid), turi2.de (Background)

Meinung: Eric Gujer nennt Identitätspolitik “Gift”.

Gender-Gujer: “Identitätspolitik ist ein ätzendes Gift”, kommentiert NZZ-Chefredakteur Eric Gujer (Foto). Der dadurch entstehende Riss in der Gesellschaft ziehe sich durch den linken wie den rechten Mainstream. Was für die einen "Schlachten um die korrekte Bezeichnung der Geschlechtszugehörigkeit" sind, seien für andere Migrations-Konflikte. Am Ende, so Gujer, würden vom "Klassenkampf" lediglich radikale Kräfte wie die AfD profitieren, um einzelne Gruppen auszugrenzen.
nzz.ch, faz.net (Paid), turi2.de (Background)

Meinung: Netflix muss sich gegen alte Studios ins Zeug legen.

Netflix LogoUnter Druck: Netflix muss "so schnell wie möglich 100 Jahre Filmgeschichte" aufholen oder sich neu erfinden, beobachtet Nicolas Freund. Große Studios wie Disney oder Paramount drängen mit eigenen Angeboten auf den Markt und entziehen den Konkurrenten ihre Inhalte. Ihr Backkatalog koste sie "wenig bis nichts" und sei beim Publikum bekannt und beliebt. Für Neuproduktionen entstehe in diesem Marktumfeld ein starker Quotendruck.
sueddeutsche.de (Paid)

Meinung: Frauen fehlt der Rückhalt in der “Bild”-Redaktion.

Springer: Frauen fehlt der Rückhalt von oben in der "Bild"-Redaktion, kommentiert Christa Catharina Müller (Foto). Es liege an Springer-Chef Mathias Döpfner, für eine grundlegende Veränderung zu sorgen. Es reiche nicht, wenn er versuche, "Julian Reichelt zu halten oder ein Abzieh-Alphamännchen an seine Stelle zu setzen". Nur Döpfner könne dafür sorgen, dass bei "Bild" kein vergiftetes Klima mehr herrsche: Er habe die heutigen Verhältnisse "mit zu verantworten".
meedia.de, turi2.de (Background)

Meinung: Dolce & Gabbana kann im Kampf gegen Instagram-Kritikerinnen “nur verlieren”.

Aussichtslos: Das Mode-Label Dolce & Gabbana lässt sich auf einen Rechtsstreit mit den Modebranche-Kritikerinnen von Diet Prada ein, den es "aus PR-Perspektive nur verlieren kann", schreibt Silvia Ihring im "Welt"-Ableger "Iconist". Mit der Klage riskiere man, "die bereits geleistete, mühsame Arbeit für eine Versöhnung mit dem asiatischen Publikum wieder zunichtezumachen". Zudem stelle es "die Aufrichtigkeit einer Entschuldigung infrage", wenn man "im Hintergrund gegen ebenjene gerichtlich vorgeht, die zu dieser Entschuldigung aufgerufen haben". Diet Prada hatte Dolce & Gabbana 2018 für einen stereotypisierenden China-Werbeclip sowie für rassistische Äußerungen von Stefano Gabbana kritisiert – und zu einem Boykott aufgerufen.
welt.de

Meinung: Privatsender wollen mit seriösen Formaten besser auffindbar werden.

Neue Seriosität: Privatsender wie RTL und ProSiebenSat.1 wollen mit Nachrichten- und Informationssendungen besser auffindbar im digitalen Angebotsdschungel werden, schreiben Aurelie von Blazekovic und Claudia Tieschky. Hintergrund ist der seit November aktuelle Medienstaatsvertrag, der Sendern mit "Public Value" verspricht, besser gerankt und präsentiert zu werden. Aktuelle Anhörungen unter Leitung der Medienanstalt Berlin-Brandenburg sollen konkret definieren, welche Angebote Sender "öffentlich wertvoll" machen.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background Medienstaatsvertrag)

Meinung: Journalistisches Interesse an China schwindet.

Unmotiviert: Die "Neugierde über das bevölkerungs­reichste Land der Welt scheint begrenzt", beklagt "taz"-China-Korrespondent Fabian Kretschmer. Es gebe immer weniger Journalist*innen, die "aus der bequemen 'Berliner Bubble' nach Peking" ziehen wollen. Früher sei der Titel "China-Korrespondent" ein "journalistischer Ritterschlag" gewesen. Kretschmer beschreibt auch, wie die Regierung in Peking die Pandemie "nutzt, um die internationale Presse auszudünnen".
taz.de, turi2.de (Background)

Meinung: Deep Nostalgia ist “faszinierend” und “unheimlich” zugleich.

Digitale Zombies: Die Foto-App Deep Nostalgia erweckt "Gespenster der Vergangenheit, mit 'magischen' Mitteln zu reichlich untotem 'Leben'", schreibt Arno Frank im "Spiegel". Die Anwendung animiert alte Familienfotos, was "faszinierend" und "ein wenig unheimlich" sei. Es handele sich aber um eine "Fälschung". Die Urgroßmutter würde nie "auf so kokette Weise aus dem Jenseits herüberflirten, als wär's ein Video für die Partnervermittlung 'Ü120'".
spiegel.de

Meinung: Erich Sixt sollte nicht aufhören.

Öde Werbung: Erich Sixt (Foto) sollte auch nach seinem Ausscheiden als Geschäftsführer ein Auge auf die Werbung des Autovermieters werfen, schreibt Horizont-Autor Mehrdad Amirkhizi. Zuletzt sei es "ohne groß nachzudenken" nur noch darum gegangen, "auf Teufel komm raus irgendein aktuelles Ereignis aufzugreifen". Ein Negativ-Beispiel sei das Werbemotiv mit Finanzminister Olaf Scholz, der Bezug zu Marke und Produkt seien "ziemlich weit hergeholt".
horizont.net (Paid), facebook.com (Scholz-Motiv), turi2.de (Background)

Meinung: Matthias Opdenhövel ist ein “Chamäleon der Freundlichkeit”.

Tierische Würdigung: Der scheidende "Sportschau"-Moderator Matthias Opdenhövel sei "meist beinahe unsichtbar gewesen" und als "ein Chamäleon der Freundlichkeit" wahrgenommen worden, schreibt Volker Weidermann. Opdenhövel habe die Kunst beherrscht, eine Bühne "für die wahren Helden auf dem Platz" zu bereiten.
spiegel.de, turi2.de (Background)

Meinung: Faktenfinder müssen sich selbst hinterfragen.

Meinung: Faktenfinder sollten sich immer fragen, "ob der eigene Bericht der Analyse eines kritischen Faktenfinders standhalten würde", schreibt Jörg Friedrich in der "Welt". Er vermutet, dass die Leserschaft von Faktenchecker-Portalen eher aus Menschen besteht, die Fake News ohnehin nicht erreichen. Es sei möglich, dass "Falschmeldungen und Irreführungen" dort erkannt werden, wo lediglich der Wahrnehmung des Faktenfinders widersprochen werde.
welt.de (Paid)

Meinung: Fangruppen werden einflussreicher und radikaler.

Mehr Macht, mehr Verantwortung: Fans sind häufig nicht mehr "Enthusiasten", sondern "Fanatiker", beobachtet Michael Moorstedt in der "Süddeutschen Zeitung". Früher hätten Fans vor allem Hysterie empfunden, heute erleben sie Selbstermächtigung. Werde der Gegenstand ihrer Anhängerschaft kritisiert, gelte dies als "Angriff gegen das Selbst und den eigenen Lebensentwurf". Die Reaktion der im Internet organisierten Fans sei dann häufig extrem, wie unlängst im Fall des BR-Moderators Matthias Matuschik.
sueddeutsche.de (Paid), turi2.de (Background)

Meinung: Die “Bild”empört sich in Anti-Regierungs-Kampagne über Polizeikräfte.

Kollateralschäden: Die "Bild" steht nicht mehr bedingungslos hinter der Polizei, beobachtet Boris Rosenkranz. Er betrachtet zwei Fälle, in denen das Springer-Blatt sehr einseitig über Polizei-Einsätze berichtet. Dadurch dienen sie als Beispiele für angeblich überzogenes Regierungshandeln in der Corona-Pandemie. Rosenkranz bilanziert: "Auf dem Anti-Regierungskurs, den das Blatt unter Chefredakteur Julian Reichelt fährt, müssen nun offensichtlich auch die dran glauben, die aus 'Bild'-Sicht den Regierenden allzu treu zu Diensten sind."
uebermedien.de

Meinung: CDU-Wirtschaftsflügel stellt AfD-ähnliche Rundfunk-Forderungen.

Substraktionsgedanken: Der Wirtschaftsflügel der CDU fordert eine Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, bei der ZDF und ARD aufgelöst und zu einem Sender fusioniert werden – wohl aus Angst vor einer Wählerwanderung zur AfD, analysieren Ralf Neukirch und Anton Rainer. Denn das ZDF gelte "in rechten Unionskreisen als politisch ebenso verdächtig wie die ARD". Der liberale Flügel der Union reagiert alarmiert.
spiegel.de

Meinung: Auch deutsche Redaktionen können Identitätskrisen erleben wie die “NYT”.

Ideologie-Krisen wie bei der "New York Times" werden sich so oder ähnlich auch in deutschen Redaktionen abspielen, glaubt Christian Meier: "Dem muss sich der Journalismus stellen – und daraus die richtigen Schlüsse ziehen." Die US-Zeitung hat eine interne Untersuchung in Auftrag gegeben, um ihre Identität zu ergründen. Das Ergebnis: Für People of Colour sei es noch immer ein schwieriger Arbeitsplatz, das Team insgesamt nicht ausreichend vielfältig.
welt.de (Paid), turi2.de (Background)

Meinung: Social-Media-Dienste moderieren ihre Inhalte mit Willkür.

Lösch-Fauxpas: Soziale Netzwerke sind "mit der Flut an Inhalten überfordert", schreibt Simon Hurtz in der "Süddeutschen" anlässlich eines gelöschten "Monitor"-Beitrags. Instagram hat das Video über den Anschlag von Hanau fälschlicherweise gelöscht und sich später entschuldigt. Wenn die Löschwillkür Accounts trifft, die nicht in der Öffentlichkeit stehen, sind Betroffene meist hilflos, so Hurtz. Gesetzlich seien zwar Strafen für Versäumnisse, nicht aber für "Overblocking" vorgesehen.
sueddeutsche.de

Meinung: Werbungtreibende sind spät dran mit Brand Safety.

Werbefail: Die Anzeigenschaltung von VW auf Breitbart war kein Einzelfall, belegen die Media-Experten Thomas Koch und Michael Maurantonio auf Twitter mit Screenshots – weitere Werbungtreibende wie Condor, Jaguar und die Postbank tauchen auf der rechtspopulistischen Seite und weiteren Portalen aus dem rechten Spektrum auf. Ingo Rentz wundert sich darüber, weil "weil das Problem der Brand Safety bei Programmatic Advertising schon eit Jahren bekannt ist".
horizont.net, turi2.de (Background)