Meinung: MTV wird 40 Jahre alt – und ist inzwischen bedeutungslos.

MTV, einst Kultsender und Karriere-Sprungbrett für Weltstars wie Michael Jackson und Madonna, ist 40 Jahren nach seiner Gründung der Bedeutungslosigkeit nahe, urteilt RND-Redakteur Matthias Schwarzer. Nervige Klingelton-Werbung, mehr Reality-Formate und weniger Musik haben die Fans vergrault, hinzu kam der Aufstieg von YouTube zur Quelle für Musikvideos. Auch den Sprung ins Netz habe MTV Deutschland nie richtig geschafft.
rnd.de

Annalena Baerbock will Gesetzestexte in geschlechter­gerechter Sprache formulieren.

Gesetzesgenderung: Grünen-Kanzler­kandidatin Annalena Baerbock will sich im Falle eines Wahl­erfolgs für geschlechter­gerechte Sprache in Gesetzes­texten einsetzen. Im "Tagesspiegel" sagt sie: "Ich will Politik für alle Menschen machen und das bedeutet, auch alle mit anzusprechen – und nicht nur mitzumeinen."
plus.tagesspiegel.de (Paid) via bild.de, welt.de

Meinung: Digitalisierung bedeutet nicht automatisch mehr Teilhabe für Menschen mit Behinderung.

Barrieren im Kopf: Für Menschen mit Behinderung bringen die Pandemie und der Wechsel zu mehr digitalem Austausch nicht automatisch mehr Teilhabe, schreibt Judyta Smykowski in der "taz". Auch das Internet müsse barrierefrei gestaltet werden. Gerade im Journalismus brauche es mehr Angebote in Leichter Sprache und Gebärdensprache. Außerdem müssten Redaktionen mehr Jour­na­lis­tin­nen mit Behinderung einstellen.
taz.de

Zitat: n-tv-Chefredakteurin sorgt sich um die Vielfalt der Meinungen.

"Wenn Menschen nur noch Nachrichten lesen, die, geprägt von einem bestimmten Algorithmus, ihr Mindset bestätigen, hat das nichts mehr mit Pluralität zu tun und ist im Zweifel äußerst gefährlich, wie die zahlreichen Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten zeigen."

Sonja Schwetje, Chefredakteurin von n-tv, sagt im DWDL.de-Interview, dass sie "keine Freundin des Polarisierens" ist. Die Aufgabe des Nachrichten­senders sieht sie darin, die Vielfalt der Meinungen abzubilden.
dwdl.de

Thomas Lückerath wirft WDR “unterlassene Hilfeleistung” zu Unwetter in NRW vor.

Wasserschaden: Der WDR war in der Unwetter-Nacht zum Donnerstag für NRW "beinahe ein Totalausfall" in TV und Radio, kritisiert DWDL-Chefredakteur Thomas Lückerath. Während im Land Talsperren überlaufen und Orte evakuiert werden, berichtet der WDR lediglich online mit einem "einsamen Text-Ticker". Lückerath spricht von "unterlassener Hilfeleistung". Private Radiosender und "selbst 'Bild'" hätten bessere Arbeit gemacht. Erst ab 1.30 Uhr habe es ein paar magere "Sondersendungen" im Radio gegeben.
dwdl.de

Präsident der Bundesärztekammer will mehr Werbung fürs Impfen.

PR für die Spritze: Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, hält die Impf-Kampagne in Deutschland noch für ausbaufähig. "Ich vermisse den TV-Spot zum Impfen vor der 'Tagesschau'", sagt er der "Rheinischen Post". Jeder Erwachsene stehe in der Verantwortung durch eine Impfung die Ausbreitung des Corona-Virus zu stoppen. Eine Impfpflicht halte er aber für falsch.
evangelisch.de, rp-online.de (Paid)

Meinung: Achtsamkeit verdeckt steinharten Untergrund unter watte­weicher Konsens­sprache.

Achtsame Sprache muss oft dafür herhalten, "andere diskreditieren und verpetzen zu dürfen", ärgert sich Hilmar Klute. "Das kann ich verstehen" sei das neue "Fuck you", in Konferenzen bedeute "Wir nehmen das mal mit" oft "Scheißidee". Klute findet es kein Vergehen, "sondern hin und wieder sogar wünschenswert, andere im Streit mit Worten zu verletzen". Der tägliche Ruf nach Achtsamkeit sei das Symptom einer Gesellschaft, "die unter ihrer watte­weichen Konsens­sprache einen steinharten Untergrund hat".
sueddeutsche.de (Paid)

Debatte: Corona hat das Sponsoring in der Bundesliga stark verändert.

Neue Aufstellung: Die erste Bundesliga-Saison fast komplett ohne Fans habe das Sponsoring verändert, so Tim Theobald. Spieltageerlöse in den Stadien mussten durch digitale Alternativlösungen wie Branded-Content-Posts auf Social Media ersetzt werden. Zudem sei das Thema der gesellschaftlichen Verantwortung u.a. im Bereich der Nachhaltigkeit im vergangenen Jahr wichtiger geworden.
horizont.net (Paid)

Debatte: Für manche Firmen ist Pride nur eine Marketing-Strategie.

Pinkwashing: Im Pride Month Juni schmücken sich viele Unternehmen mit Regenbogenfarben. LGBTIQ*-Verbände vermuten bei manchen Firmen statt ehrlichem Engagement jedoch eher eine Marketing-Strategie, um neue Zielgruppen zu erreichen, schreibt Julia Rupprich. Influencer Riccardo Simonetti wünscht sich, dass Marken "nicht nur einmal im Jahr mit LGBTQIA* Creatorn arbeiten". Julian Wenzel vom BR-Podcast Willkommen im Club sagt dennoch: "Auch wenn nur auf Instagram das Profilbild ausgetauscht wird: Am Ende schafft es trotzdem mehr Sichtbarkeit."
br.de, br.de (48-Min-Audio)

Insta-Account soll BND transparenter machen, schreibt Sandra Middendorf.

Liebesgrüße aus Berlin: Der neue Instagram-Account des BND ist Teil einer größeren Transparenz-Offensive, mit der die Behörde u.a. Mitarbeiterinnen finden will, schreibt Sandra Middendorf im "PR-Magazin". Zu der Offensive gehören auch ein Besucherzentrum sowie der YouTube-Kanal. Als Grund für die Einblicke nennt die Autorin die Verstrickungen des Nachrichten­dienstes die NSA-Affäre im Jahr 2013. Danach habe sich der BND um Öffnung bemüht, wird BND-Sprecher Martin Heinemann zitiert.
"PR Magazin" 6/2021, S. 20 - 21 (Paid), prmagazin.de (Teaser)

Umstrittener Seifen-Hersteller Lush gibt bei naturnaher Kosmetik den Ton vor.

Nackiger Trend: Mit seiner oft unverpackten, naturnahen Kosmetik hat der Hersteller Lush die gesamte Kosmetikbranche beeinflusst, schreiben Catrin Bialek und Carsten Volkery. Dass die britische Firma immer wieder wegen vager Nachhaltigkeitsziele und mangelnden Arbeitsschutzes in der Produktion kritisiert wird, ändere nichts an ihrer Wirkung. Lush sei vor allem für die Einführung von plastik- und verpackungsfreier Ware bei vielen großen Branchen-Playern verantwortlich.
handelsblatt.com

Zitat: Gabor Steingart sieht Medien in die Regressions­falle tappen.

"Mit ihrem stark ausgeprägten Herdentrieb werden die Medien ein ums andere mal in die Regressions­falle tappen und dem Journalismus keinen Dienst erweisen können."

Gabor Steingart kommentiert den "anschwellenden Abgesang auf die Union" und die "Überhöhung der Grünen" nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt als "Fehlurteile", die auch dann falsch blieben, wenn eine "Mehrheit der professionellen Beobachter" sie teilt.
news.gaborsteingart.com

Meinung: Christian Seifert wird Amateurfußball wohl nicht “kaputt machen”.

Sporthelfer: "Manche im Interessensdickicht rund um den seit Monaten tobenden Machtkampf an der deutschen Fußball-Spitze brauchen jetzt ein neues Narrativ", kommentiert Claudio Catuogno das neue Ehrenamt von Noch-DFL-Chef Christian Seifert bei der Deutschen Sporthilfe als Chef des Aufsichtsrats. Kritikerinnen hatten ihn schon ins Private Equity wechseln sehen. Auch in einem zusätzlichen Job würde Seifert künftig aber wohl kaum "den Amateurfußball kaputt" machen, meint Catuogno.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Meinung: Behörden müssen Telegram für verbotene Inhalte haftbar machen.

Mieser Messenger? Telegram ist "eine Bedrohung für die digitale Öffentlichkeit", stellt Philipp Bovermann in der "Süddeutschen Zeitung" fest. Er fordert, den Dienst als "'Netzwerk' im Sinne des Netzwerkdurchsetzungs­gesetzes" einzustufen, um eine Handhabe für verbotene Inhalte zu bekommen. Aktuell helfe es nur, die App zu löschen. Für den russischen Milliardär Pawel Durow sei Telegram "ein gigantisches Hobbyprojekt". Er schalte keine Werbung, um der Einflussnahme inserierender Unternehmen zu entgehen.
sueddeutsche.de (Paid), turi2.de (Background)

Debatte: NSU 2.0 offenbart, dass Privatadressen unzureichend geschützt sind.

NSU 2.0: Nach der Festnahme eines Tatverdächtigen erinnert Chefkommentator Torsten Krauel in der "Welt" an die "Unverletzlichkeit der Wohnung" als Teil des Grundgesetzes. Er hinterfragt, weshalb Privatadressen ohne Einbezug der Justiz überhaupt gesucht und weitergeleitet werden dürfen. "Die ganze Hass- und Drohszene" beruhe darauf, dass die Wohnadresse schlechter geschützt werde als andere Privatdaten.
edition.welt.de (Paid)

Debatte: Simone Menne fordert Diversität in Aufsichtsräten ein.

Update fürs Kontrollgremium: Simone Menne, u.a. Aufsichtsrätin bei BMW, Deutsche Post DHL und Henkel, fordert in Aufsichtsräten "mindestens 50 Prozent der Posten mit diversen Menschen zu besetzen." In ihrem "Handelsblatt"-Gastbeitrag schreibt sie, die Gremien müssen "Mehrdeutigkeit zulassen", wozu sie aktuell kaum in der Lage seien. Zudem verlangt sie mehr Offenheit für neue Trends, z.B. durch den "regelmäßigen Abgleich mit Entwicklungen bei Start-ups".
handelsblatt.com

Meinung: Die Oscars offenbaren sinkenden Einfluss des Kinos.

Oscar-Krise: Die Einschaltquoten des Kino-Awards sind im Vorjahresvergleich um 58 % zurückgegangen. Susan Vahabzadeh deutet die Zahlen in der "Süddeutschen Zeitung" auch als Symptom eines "Jahres fast ohne Kino", in dem "nur wenige Normalsterbliche die Filme gesehen haben". Die Filmauswahl sei weniger populistisch als sonst. Sie mutmaßt, dass es Zeit sein könnte, "sich vom Kino als dominanter Unterhaltungsmaschine zu verabschieden".
sueddeutsche.de

Meinung: TikTok fährt eine erfolgreiche Bildungsoffensive.

Mit Lerneffekt: TikTok ist zu Unrecht als Kinderplattform verschrien, schreibt Luca Schallenberger bei "Meedia". In der App gehe es zunehmend um Bildungsthemen. Auf TikTok lerne er u.a. bei den Themen Journalismus und Jura "mehr als auf Twitter in einer Woche". Schallenberger wolle manchmal "keine seitenlangen Essays über ein Thema lesen, um es zu verstehen", sondern Informationen "in kleinen Häppchen bekommen."
meedia.de

Meinung: RTL gibt den Kampf um junge Zuschauerinnen auf.

RTL scheint zu realisieren, dass es vergebene Liebesmühe ist, das lineare Fernsehen zu verjüngen, sagt Medienwissenschaftler Bjørn von Rimscha in der "Süddeutschen Zeitung" im Hinblick auf Sender-Neuzugänge wie Hape Kerkeling und Jan Hofer. Jüngere Zuschauerinnen würden nicht mehr "in großer Zahl nachwachsen" und seien deshalb "inzwischen so unwichtig, dass die Älteren relativ mehr Relevanz haben". Schon 2013 hat RTL seine Kernzielgruppe um zehn Jahre auf bis zu 59-Jährige erweitert.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Meinung: AfD nutzt harmlose Formulierungen zur Tarnung.

Sprachlist: Die AfD versucht, Wählerinnen mit ihrem neuen Wahlkampfslogan "Deutschland. Aber normal." mit einem "unter rechten Populisten beliebtem Sprachmuster" zu überlisten, schreibt Linguistin Clara Herdeanu: Die Partei arbeite mit "aufgesetzter und bewusst eingesetzter Harmlosigkeit" als Tarnung. Neben provokanten Äußerungen seien doppeldeutige und "einlullende Formulierungen" ein bewährtes rhetorisches Mittel der AfD.
migazin.de (Paid)

Meinung: Die Bundesnotbremse entmachtet auch die “Bild”.

Pandemiegesetz: "Endlich bestimmen nicht mehr allein halbgare Informationen und gezielte Durchstechereien von einer Handvoll Machtmenschen an Deutschlands unvernünftigste Boulevardzeitung die öffentliche Diskussion", schreibt Annika Leister in T-Online-Newsletter "Tagesanbruch" zur Bundesnotbremse. Statt dass "Landesfürsten mit sehr regionalen Interessen candycrushspielend das Pandemiegeschehen" kontrollieren, sei es nun am Bundestag. Der Fehler von Angela Merkel sei es, dies nicht bereits früher angeschoben zu haben.
t-online.de

Meinung: Das Kulturradio schafft sich ab.

Klassik-Clinch: Ronald Düker echauffiert sich in der "Zeit" über Änderungen des Klassikprogramms bei WDR 3. Die Orientierung der Musikauswahl an statistisch erhobenen Interessen selbsterklärter Klassikfans mache aus dem "Bildungsauftrag" einen "Nachbildungsauftrag". Der neue Moderationsleitfaden und seine "Stolpersteinsätze" wie "Musik ist Emotion pur", würden suggerieren, dass der WDR neben betreutem Hören auch auf betreutes Moderieren setze.
"Zeit" 17/2021 (Paid)

Meinung: ProSieben-Interview mit Annalena Baerbock bot “erfrischende Ansätze”.

ProSieben: Das Primetime-Interview mit der Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock geht "sicher nicht als Sternstunde des politischen Journalismus in die Geschichts­bücher" ein, bot aber "zumindest erfrischende Ansätze", kommentiert Alexander Krei. "Spiegel"-Autorin Hannah Pilarczyk findet das von Katrin Bauerfeind und Thilo Mischke geführte Gespräch nach anfangs recht "substanzlosen" Fragen und Antworten doch "unerwartet aufschlussreich".
dwdl.de (Krei), spiegel.de (Pilarczyk, Paid), prosieben.de (44-Min-Video, frei nach Anmeldung)

Meinung: Die Informationsoffensive bei RTL könnte auch mit Gruner + Jahr zusammen hängen.

Offensive als Vorbereitung: Der Schwenk zu mehr Informationsformaten bei RTL muss auch in Bezug auf die jüngsten Entwicklungen bei Gruner + Jahr gesetzt werden, sagt der Medienökonom Armin Rott. Er verweist auf die Überlegungen, RTL und Gruner + Jahr zusammenzulegen. Rott sieht die Entwicklung bei RTL daher skeptisch, "auch wenn dabei mehr Informationsangebot rauskommt". Die Frage sei nämlich, ob Bertelsmann nicht "in mittlerer und längerer Frist redaktionelle Kapazitäten eher zurückfährt, als sie aufzubauen".
deutschlandfunk.de, turi2.de (Background)

Meinung: Markus Lanz macht eine gute Figur in seiner Talkshow, schreibt Micky Beisenherz.

Lanz kann's: Die ZDF-Sendung von Markus Lanz hat sich zur "oft interessantesten und eigentlich immer unterhaltsamsten politischen Talkshow im deutschen Fernsehen" entwickelt, schreibt Gagautor und Podcaster Micky Beisenherz in der "Süddeutschen Zeitung". Der Studioflur sei Treibsand: "Der Gast sinkt tiefer, je heftiger er strampelt." Armin Laschet sei durch kritische Nachfragen von Lanz "im Grunde zerstört" worden.
sueddeutsche.de (Paid)

Meinung: Der TV-Start von Bild Live kommt zur richtigen Zeit.

Bild Live kommt zur richtigen Zeit, schreibt David Hein. Der geplante Start des Boulevard-Bewegtbilds im Herbst dürfte dank Corona-Pandemie und Bundestagswahl auf breites Interesse stoßen. Spannend findet Hein die Frage, wie sich "Bild" und "Welt" im TV-Markt voneinander abgrenzen wollen: Er vermutet, die "Bild" dürfte auch auf dem Fernsehschirm "lauter und krawalliger daherkommen".
"Horizont" 15/2021, S. 3 (Paid), turi2.de (Background)

Meinung: Bei Clubhouse blättert der Lack ab.

Clubhouse steht schon wieder vor dem Absturz, glaubt Lars Bube. Bei der "maroden App" blättere aufgrund von Sicherheitsbedenken und starker Konkurrenz der Lack ab, was u.a. abgeflaute Google-Trends belegen. Nutzerinnen seien "vom virtuellen Palaver schnell gelangweilt" – knapp die Hälfte aller deutschen Clubhouse-Userinnen gibt derzeit an, die App nicht mehr zu nutzen.
ict-channel.com

Meinung: Luca profitiert vor allem von geschickter PR.

Luca: Die Kontaktnachverfolgungs-App ist vor allem aufgrund geschickter PR erfolgreich, schreibt Benedikt Fuest. So sei es vor allem darum gegangen, schnell Reichweite aufzubauen. Dabei haben Smudo und Co. die App als kostenlos für Nutzerinnen und Veranstalterinnen beworben, um mit den so gewonnenen Nutzerinnen im Nachgang Lizenzen mit den Bundesländern abzuschließen – und auf diese Weise ohne öffentliche Ausschreibungen rund 20 Mio von den Bundesländern eingesammelt.
welt.de, turi2.de (Background)

Meinung: Linda Zervakis kann mehr als Nachrichten sprechen, schreibt Lars Haider.

Schlummernde Talente: Die Kündigung von Linda Zervakis bei der "Tagesschau" war "keine Entscheidung gegen die Nachrichtensendung, sondern für all das, was noch in ihr steckt und was raus muss", schreibt Lars Haider im "Hamburger Abendblatt". Zervakis brauche etwas "jenseits trockener Nachrichten, in dem sie sich ausleben und ausprobieren kann". Offenbar steht die Moderatorin deswegen vor einem Wechsel zu ProSieben.
abendblatt.de (Paid), turi2.de (Background)

Meinung: Apple News wird doch zum Erfolg.

Apple News mutiert allen Abgesängen zum Start zum Trotz zum Milliardengeschäft, schreibt Nils Jacobsen. Die US-Investmentbank Cowen prognostiziere dem Bezahlangebot Apple News+ in den nächsten zwei Jahren rund 19 Mio zahlende Abonnentinnen. Ihr Tech-Analyst Krish Sankar erwartet 2023 Umsätze von rund 2,2 Mrd Dollar. Auch in der kostenlosen News-App von Apple sieht Cowen erhebliches Potenzial. Das neue Ad-Targeting im aktuellen iOS 14.5 könne dazu beitragen, dass die Werbeerlöse bei Apple News in den nächsten drei Jahren um 36 % Wachsen.
meedia.de

Meinung: Unter Thomas Bellut ist das ZDF zum “Zentrum des Fortschritts” geworden.

ZDF hat sich unter Intendant Thomas Bellut (Foto) zum "Zentrum des Fortschritts" entwickelt, analysiert Alexander Krei. Mit fast 15 % Marktanteil liegt das Zweite "meilenweit vor der Konkurrenz". Jan Böhmermann, Markus Lanz und das "heute-journal" locken beim einst als "Senioren-Fernsehen" verschrienen Sender zunehmend junges Publikum vor den Bildschirm oder die Mediathek. Bei der Verpflichtung von Sabine Heinrich und Mai Thi Nguyen-Kim war das ZDF "wohl nicht nur flinker und mutiger als die öffentlich-rechtliche Konkurrenz, sondern auch attraktiver".
dwdl.de

Meinung: Cancel Culture gefährdet die Meinungsfreiheit.

Cancel-Culture-Kritik: "Es ist ein massiver Unterschied, ob man im Umgang miteinander falsche Meinungen bekämpft – oder gleich die 'Falschmeinenden' selbst", schreibt Imre Grimm (Foto) im Redaktionsnetzwerk Deutschland. Moralische Unfehlbarkeit dürfe nicht Grundvoraussetzung für öffentliche Äußerungen werden, sonst sei "die Freiheit am Ende". Er will "Mitglieder dominanter Gruppen" nicht aus Debatten um "dominierte Gruppen" ausschließen – Identität dürfe nicht mehr zählen als Argumente.
rnd.de

Meinung: ProSieben-Pflegereportage ist wichtig, aber nicht repräsentativ.

Pflege-Doku: Die ProSieben-Reportage, mit der Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf auf den Pflegemissstand in Deutschland aufmerksam machen, zeigt "keine hundertprozentig repräsentative Schicht", sagt Pfleger Alexander Jorde, der selbst Teil der Sendung war. Es habe keinen Notfall oder desorientierte Patientinnen gegeben, der Personalschlüssel war "gut im Vergleich zu vielen anderen Kliniken". Insgesamt habe die Sendung den Pflege-Alltag und die "riesige Verantwortung" aber gut dargestellt. Über die Medien auf die Interessen aufmerksam zu machen, sei elementar, denn "wir können nur bestimmte Bereiche bestreiken".
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Meinung: “Zapp”-Spezial zu “Lovemobil” überzeugt nicht.

Lovemobil: Der NDR drückt sich im "Zapp"-Spezial zur gefälschten Lovemobil-Doku um die eigene Verantwortung, schreibt Susan Vahabzadeh in der "Süddeutschen Zeitung". Fragen nach Verpflichtungen und Verantwortung seien allerdings noch immer offen, weil der Sender kein "Licht in die eigene Vorgehensweise" gebracht habe. NDR-Doku-Chefin Anja Reschke habe bei der "Zapp"-Aufarbeitung "nicht mehr zu bieten als das genervte Eingeständnis, man hätte vielleicht genauer hinschauen müssen". Es sei laut Vahabzadeh eine Sache für einen Sender, einen Fehler öffentlich zu machen, und eine andere, dafür auch einen Teil der Verantwortung zu übernehmen.
sueddeutsche.de, turi2.de (Background)

Meinung: Deepfakes sind eine Gefahr für die Demokratie.

Deepfakes, also technisch manipulierte Bilder und Videos, brauchen einen gesetzlichen Rahmen, schreibt Kathrin Werner. Die Technik sei mittlerweile so gut, dass reine Medienkompetenz als Antwort darauf nicht ausreiche. Gefälschte pornografische Inhalte würden oft eingesetzt, um die Opfer einzuschüchtern. Dadurch gefährden sie letztlich die Meinungsfreiheit und Demokratie.
sueddeutsche.de

Meinung: Peer Schader stellt Spartenkanäle von ARD und ZDF in Frage.

ARD und ZDF demonstrieren wenig Publikumsnähe, wenn sie europäische Serien wie Pure oder Beforeigners teils nachts auf ihren Spartenkanälen versenden, schreibt Peer Schader bei DWDL. Die Sender würden darauf abzielen, die Zuschauerinnen zur Mediathek zu lenken, "um Netflix, Prime und Disney+ zumindest ein bisschen Contra zu geben". Es stelle sich die Frage, wofür man One und ZDFneo braucht, wenn diese zu prominenten Sendezeiten "vorrangig als Zweitverwertungsstation der Inhalte aus dem Hauptprogramm" dienen.
dwdl.de

Meinung: Julian Reichelt muss sein ruppiges Verhalten zügeln.

Bild: Chefredakteur Julian Reichelt muss nach dem Compliance-Verfahren "sein ruppiges Verhalten und den Hang zum Niederargumentieren anderer zügeln", schreibt Ulrike Simon. Vor allem die Berufung von Alexandra Würzbach als gleichberechtigte Chefredakteurin und Sprecherin der "Bild"-Geschäftsführung soll Reichelts Macht "eindämmen". Der "Spiegel" urteilt, Reichelt gehe "beschädigt" aus den Ermittlungen hervor – mit einer "Aufpasserin an seiner Seite".
horizont.net (Paid), spiegel.de (Paid)

Meinung: Trumps angekündigtem Netzwerk fehlen “grundsätzliche Erfolgs-Elemente”.

Trumps Twitter-Klon wird die Social-Media-Landschaft kaum verändern, meint Santiago Campillo-Lundbeck. Die Zielgruppe von Donald Trump sei zu alt für Digital-Plattformen, ein großer Teil seiner Reichweite habe auf seiner Präsidentschaft beruht und zahlungskräftige Werbungtreibende hätten kein Interesse an Umfeldern mit Hate Speech und Desinformation. Campillo-Lundbeck vermutet deshalb hinter dem Projekt wohl "am Ende nur einen Newsletter für Trump-Fans, der bestenfalls Propaganda-Zwecke erfüllt".
horizont.net (Paid)

Meinung: Berichterstattung über Julian Reichelt ist “bisher geradezu sanftmütig”.

Causa Reichelt: Die Berichterstattung über die vermeintlichen Fehltritte von Julian Reichelt sind "verglichen mit boulevardesken Maßstäben" bisher "geradezu sanftmütig", urteilt Markus Wiegand. Der "Kress Pro"-Chefredakteur fragt sich, wie "Bild" über den eigenen Chefredakteur berichten würde, genügend "süffige Details aus dem Innenleben der Boulevardzeitung gäbe es "reihenweise". Dass Reichelt "seit Jahren insgesamt ein problematisches Führungsverhalten" zeige, werde wohl auch deshalb bisher wenig diskutiert, weil "Bild" ihre "Mitarbeiter ungewöhnlich gut entlohnt".
"Kress Pro" 2/2021, S. 56-57 (Paid), kress.de (Editorial zum Thema)

Meinung: Deutsche Schadenfreude zur Corona-Politik nervt.

Rant auf den Rant: "Über Corona und die deutsche Corona-Politik wird nicht mehr diskutiert und debattiert, es wird geschimpft und gewettert, geklagt, gezetert", schreibt Elisabeth Raether. Sie wundert sich, denn außer den USA, Großbritannien und Israel, wo schnell geimpft wird, stünden die westlichen Länder "so mies wie Deutschland da, beziehungsweise schlechter". Beunruhigend sei nicht die Emotionalität der Debatte, sondern dass Deutsche offenbar die Wahrheit nicht vertrügen: "dass Teile des politischen Führungspersonals zwar versagt haben, die Misere jedoch trotzdem nicht verschulden."
zeit.de

Meinung: Unterhaltungsshows sind in der Corona-Krise Stimmungsmacher.

Ein Hoch auf Tänzerinnen und Maskierte: Die "Unterhaltungsleuchttürme" Let’s Dance (Foto) und The Masked Singer bieten in der Corona-Krise die Möglichkeit, "Rührung, Euphorie und positives Nervenkitzeln zu spüren", schreibt Fabian Dombrowski in der "Süddeutschen Zeitung". TV-Zuschauerinnen würden damit Mood-Management betreiben: "Erwünschte Gefühle können durch Unterhaltungsangebote auf schnell verfügbarem Wege stimuliert werden".
sueddeutsche.de (Paid)

Meinung: Geschwätzigkeit und Unverbindlichkeit machen den Reiz von Clubhouse aus.

Clubhouse bedient eine "neue Sehnsucht nach Geschwätzigkeit", schreibt der Schweizer Medien-Wissenschaftler Vinzenz Wyss im Blog seiner Hoch­schule. Die bisherige Einzig­artigkeit liege im Ad-hoc-Charakter, der Mündlichkeit und der damit "suggerierten Unverbindlichkeit". Für Medien biete Clubhouse eine "noch nie da gewesene Chance zur Meta­kommunikation" mit ihrem Publikum.
blog.zhaw.ch via persoenlich.com

Meinung: Karl Lauterbach spaltet die Bevölkerung.

Aufklärer und Angstmacher: Der SPD-Politiker und omnipräsente Talkshow-King Karl Lauterbach spaltet die Bevölkerung, schreibt Britta Spiekermann. Lauterbach liege mit vielen Corona-Prognosen richtig, male aber auch "unbeirrbar schwarz, obwohl sich die Menschen nach Helligkeit sehnen". Ein Rätsel ist Spiekermann auch Lauterbachs Nachtruhe: Zu später Stunde liest er für gewöhnlich "noch ein paar Studien."
zdf.de

Meinung: Die ZDF-Dokumentation mit Hendrik Streeck dient der “Selbstinszenierung”.

Streeck-Show: Bei der ZDF-Dokumentation "Corona – Pandemie ohne Ende?" mit Hendrik Streeck ging es nicht um "Wissenschaft im Format einer Abendsendung", sondern um die "Selbstinszenierung einer pandemischen Berühmtheit", kritisiert Christian Schwägerl. Jede kritische Auseinandersetzung mit den Fehlern oder falschen Einschätzungen des Virologen habe gefehlt. Stattdessen gab es nur allgemeine Aussagen, "die jeder schon kennt, der die vergangenen zwölf Monate bei Bewusstsein war". Die gute Nachricht sei so immerhin gewesen, dass Streeck die Sendung nicht genutzt hat "um wieder Werbung für vorschnelle Öffnungen zu machen" oder "Long Covid zu ignorieren", schreibt Schwägerl.
uebermedien.de, zdf.de (43-Min-Video)

Zitat: NDR-Intendant Joachim Knuth will Meinungsvielfallt stärker abbilden.

"Ich bin Journalist geworden, um Leute schlauer zu machen – und nicht durch Polarisierung erregter."

NDR-Intendant Joachim Knuth sagt im Streitgespräch mit Sachsen-Anhalts Medienminister Rainer Robra in der "Zeit", dass das Thema Meinungsvielfalt die Arbeit der Öffentlich-Rechtlichen in den kommenden Jahren "maßgeblich bestimmen" wird.
"Zeit" 12/2021 (Vorabmeldung), welt.de (Zusammenfassung)