Stepstone will mehr Gewinn reinvestieren und zukaufen.

Stepstone, Springers Online-Jobportal, bringt 20 % des Gesamt-Umsatzes und ein Drittel des operativen Gewinns – der künftig zu einem größeren Teil als bisher reinvestiert wird, um das Wachstum zu beschleunigen, sagt Chef Sebastian Dettmers im "Süddeutsche"-Interview. Stepstone plane auch Zukäufe, nicht nur in Deutschland. Die Arbeitsmärkte hierzulande findet er zu starr und reguliert. Dettmers plädiert für kürzere oder keine Kündigungsfristen, das würde die Hemmschwelle senken, "den Job zu wechseln, und Arbeitgeber finden schneller die richtigen Leute".
sueddeutsche.de

“Coronahelden”-Spots der Bundesregierung haben 2 Mio Euro gekostet.

Bundesregierung hat für die Produktion und Vermarktung der drei "Coronahelden"-Spots rund 2 Mio Euro bezahlt, ergibt eine Antwort auf eine Anfrage der FDP-Fraktion. Die Produktion hat mehr als 300.000 Euro gekostet, die Bewerbung mehr als 1,7 Mio Euro. In den Videos erinnern sich Corona-"Veteranen" aus der Zukunft an die Pandemie, sie sollen besonders 16- bis 29-Jährige ansprechen. In der Zielgruppe haben die Spots 57 % Gesamtreichweite erlangt.
rnd.de, turi2.de (Background)

Meinung: Opel-Krise ist “hausgemacht”, meint Annina Reimann.

Kein Popel fährt mehr Opel? Dass der Absatz des Autobauers 2020 um mehr als 35 % eingesackt ist, liegt nicht nur an Corona, meint Annina Reimann. Die Krise sei "hausgemacht", etwa weil das Flaggschiff-Modell Insignia nicht elektrifizierbar sei. Das Unternehmen stolpere gerade über die eigenen CO2-Ziele: "Der Preis dafür ist nun der desaströse Absatz." Opel müsse "sehr hart dafür kämpfen, dass die Marke nicht untergeht".
wiwo.de, spiegel.de

Meinung: Stefan Niggemeier checkt Cancel-Culture-Verständnis der “Welt”.

Springer-Diagnostiker Stefan Niggemeier will nach dem Lesen einer "Welt"-Übersicht, die Beispiele für Cancel Culture auszumachen versucht, "einen Preis ins Leben rufen: für den journalistischen Artikel, dem es am überzeugendsten gelingt, das Gegenteil von dem zu beweisen, was er behauptet". Die Beispiele zeigten, wie wenig Cancel in den Debatten um Sängerin Lana Del Rey ("verwehter" Shitstorm) oder Rammstein-Frontmann Till Lindemann ("vergebliche" Verbotsforderungen) steckt.
uebermedien.de, welt.de ("Cancel-Culture"-Übersicht, Paid)

Meinung: Christian Meier empfindet ZDF-Silvester-Show als “bizarre Idee”.

Seuchen-Silvester: Warum feiert das ZDF mitten im Lockdown eine Silvester-Show ohne Publikum vorm Brandenburger Tor?, fragt sich "Welt"-Redakteur Christian Meier. Der Aufwand für die Show mit Andrea Kiewel und Johannes B. Kerner sei "übertrieben", die "Symbolik" von Stars vor bekannter Kulisse dürfte dem Publikum "unter den gegebenen Umständen vor allem peinlich sein".
welt.de

Meinung: Homophobie im Fußball gehört ins ARD-Hauptprogramm.

Fehl am Platz? Die ARD verschenkt eine inhaltsstarke "Sportschau"-Diskussionsrunde über Homophobie im Fußball, indem sie sie mitten in der Nacht ausstrahlt, meint Holger Gertz: "In einer besseren Welt käme so was im Hauptprogramm, nirgendwo sonst gehört es hin." Der Autor beschreibt die Runde mit Moderatorin Jessy Wellmer, Thomas Hitzlsperger, Tabea Kemme und Kevin Kühnert als "informativ, nachhaltig, null Gebrüll."
sueddeutsche.de, daserste.de (60-Min-Video)

Streaming-Tipp: Livestream zum Auftakt von “Europa spricht”.

Streaming-Tipp: Das Dialogprojekt "Europa spricht" von Zeit Online bringt politisch Andersdenkende zum persönlichen Gespräch zusammen, mehr als 12.000 Menschen haben sich registiert. Zur Eröffnung diskutieren im Livestream unter anderen Dubravka Suica, Vizepräsidentin der EU-Kommission für Demokratie und Demografie, der Politologe Ivan Krastev und die italienische Schriftstellerin Francesca Melandri. Es geht zum Beispiel um die Frage, ob der Schutz vor dem Coronavirus immer an erster Stelle stehen sollte, selbst wenn die Wirtschaft darunter leidet.
youtube.com (Livestream 13.00 bis 15.00 Uhr)

Meinung: AfD steckt in strategischem Dilemma.

AfD sucht dringend "Anschluss an die Corona-Proteste", schreibt Matthias Geis. Die Partei sei auf dem besten Weg, sich selbst unschädlich zu machen, auch wenn die Attacke im Bundestag die Radikalisierungsbereitschaft zeige. Geis interpretiert sie vor allem als Zeichen der Verzweiflung: "Niemand in der Partei weiß, wie sie ihren Bedeutungsverlust stoppen könnte." Viele Corona-Leugner*innen seien "zu wirr", um sich parteipolitisch instrumentalisieren zu lassen. Parteiintern sei die Atmosphäre vergifte, die AfD stecke in einem strategischen Dilemma.
zeit.de (Paid)

Florida Entertainment ist Schöpfer der #besonderehelden-Videos der Bundesregierung.


Klaas wars: Die viralen Videos der #besonderehelden-Kampagne der Bundesregierung stammen von Florida Entertainment, der Produktionsfirma von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf. Regierungssprecher Steffen Seibert streute am Samstag das erste, am Sonntag das zweite, heute soll ein drittes folgen, schreibt DWDL.de. Die Videos, die sich satirisch an junge Menschen richten und auffordern, als besondere Helden "mit dem Arsch auf der Couch" zu bleiben, sind "Teil der Informationsmaßnahmen und der Öffentlichkeitsarbeit in der Corona-Pandemie", so das Bundespresseamt, und sollen möglichst viele überzeugen, Kontakte zu reduzieren. Florida Entertainment hat sie im Auftrag der Hirschen Group erdacht und produziert.

International bekommen die Videos positive Reaktionen, bundesweit gemischte: Die "Bild" lässt empörte Historiker onkelig über in ihren Augen unpassende Kriegsrhetorik die Clips schimpfen. Im Netz sind die Reaktionen ebenfalls gespalten. Jan Böhmermann etwa beklatscht die "offizielle Ankunft von Humor in staatlicher Kommunikation", Kritiker*innen bemängeln die Idee, Nichtstun zu feiern und die angeblich fehlende Lebensrealität der beiden Videos. Teresa Bücker etwa schreibt "vielleicht taugt der Heldenbegriff auch einfach für nichts als Kitsch, der mit der Realität nichts zu tun hat".
dwdl.de, bild.de, twitter.com (Böhmermann), twitter.com (Bücker), turi2.de (Background)





Corona-Clips der Bundesregierung werden für Humor beklatscht, für Lebensferne kritisiert.

Corona-Clips der Bundesregierung, die sich satirisch an junge Menschen richten und auffordern, als besondere Helden "mit dem Arsch auf der Couch" zu bleiben, bekommen gemischtes Echo: Jan Böhmermann etwa beklatscht die "offizielle Ankunft von Humor in staatlicher Kommunikation", Kritiker*innen bemängeln die Idee, Nichtstun zu feiern und die angeblich fehlende Lebensrealität der beiden Videos. Teresa Bücker etwa schreibt "vielleicht taugt der Heldenbegriff auch einfach für nichts als Kitsch, der mit der Realität nichts zu tun hat".
tagesspiegel.de, twitter.com (Böhmermann), twitter.com (Bücker), turi2.de (Background)

Meinung: Streamingdienste entmündigen ihre Nutzer*innen.

Netflix LogoLese-Tipp: Medienwissenschaftler Marcus Kleiner sagt im Interview mit "Cicero", dass Streaming-Dienste wie Netflix die Zuschauer*innen passiv machen und entmündigen, sogar demokratiegefährdend sein können, weil sie "ein negatives Politikbild vermitteln". Kleiner plädiert für mehr Transparenz im Umgang der Streaminganbieter mit deren Algorithmen und Datennutzung. Er teilt außerdem gegen Digital Natives aus: Die, aufgewachsen mit einer "Like-Ökonomie", seien "zutiefst narzisstisch".
cicero.de

Boris Rosenkranz gibt Tipps zum Sprachmüll-Basteln nach Focus-Vorbild.

Er darf das sagen: Boris Rosenkranz zerpflückt für Übermedien die aktuelle Titelgeschichte des "Focus", die fragt, was man eigentlich noch sagen darf – und gibt nach diesem Vorbild eine Anleitung zum Basteln mit "altem Sprachmüll". Zu seinen Tipps gehört, den Genderstern "ausnahmslos schrecklich" zu finden, die "NZZ" als warnende Stimme zu zitieren und Protagonistinnen wie Lisa Eckhart oder J. K. Rowling auszuwählen. Eckhart wird Antisemitismus vorgeworfen, Rowling äußert sich immer wieder transphob.
uebermedien.de

“Die Welt nach Corona” – Matthias Horx über Veränderungen und Chancen durch die Virus-Krise.

Futur Zwei: Matthias Horx schreibt den wohl bemerkenswertesten Text zum Umgang mit der Corona-Krise. Der Zukunftsforscher versetzt sich in den September 2020 und erinnert sich, wie wir die Krise überstanden haben werden. Er glaubt u.a., dass unsere Technikgläubigkeit einen Dämpfer erfährt, dass "ortsnahe Produktionen boomen" und unsere Netzwerke lokaler werden. Er prognostiziert zwar einen Konjunktur- und Börseneinbruch, vergleicht die Wirtschaft aber mit einem atmenden Wesen, "das auch dösen oder schlafen" kann, aber nie den Nullpunkt erreicht. Vielleicht, so Horx in seiner fiktiven Erinnerung, "war der Virus nur ein Sendbote aus der Zukunft", der die "drastische Botschaft" übermittelt, dass es in der Richtung, in die unsere Zivilisation rast, keine Zukunft gibt.
horx.com, #thinkpositive #actpositive

Aus dem Archiv von turi2.tv: "Hypervernetzung macht Gesellschaften verrückt": Zukunftsforscher Matthias Horx über die Zukunft des Fernsehens. (10/2019)

Debatte: Frank Dopheide will seinen Ex-Chef Steingart “mit Argusaugen beobachten”.


Frank Dopheide, Sprecher der Geschäftsführung der Handelsblatt Media Group, zollt seinem früheren Weggefährten Respekt: Der habe "wahre Fans" und "kreativen Geist". Und tue gut daran, nicht auf Werbung setzen.

"Wenn Gabor Steingart 'Ideenreichtum' zur Grundlage für neuen Journalismus und ein neues Geschäftsmodell macht, klingt das stimmig für einen kreativen Geist und ist allemal eine gute Geschichte, die schon vom Start weg für Interesse und Diskussionsstoff sorgt, mehr als es ein ambitionierter Businessplan je könnte. Das hat sich schon mal ausgezahlt.

Die großen Unternehmenslenker lieben es, ihre Botschaften über die Leitmedien zu verbreiten und shiften gleichzeitig ihr Werbebudget in die Billigkanäle. Jeder Mediengründer ist gut beraten, seine Zukunft nicht darauf zu bauen. Das hilft auch bei der Fokussierung.

Die tägliche Relevanz und die Nähe zum Leser/Hörer/Teilnehmer sind die Punkte, an denen sich Businessplan und Zukunft entscheiden. Gabor Steingart hat nicht nur Leser, sondern wahre Fans. Es könnte klappen. Wir werden es mit Argusaugen beobachten."

Debatte: Patrick Kammerer will Papier und Werbung noch nicht einmotten.


Patrick Kammerer, Coca Colas Kommunikator im deutschen Markt, reagiert auf die Worte des vom Werbeglauben abgefallenen Gabor Steingart.

"Etwas zu verliebt in die eigene Formulierkunst, der Herr Steingart. Dabei lieben wir ihn doch schon genug.

Nicht zuletzt klingen seine Thesen - legitimerweise – angetrieben von den eigenen Geschäftsinteressen.

Denn selbstverständlich erlaubt Papier den Dialog. Schon mal (Leser-) Briefe geschrieben? Es ist auch nicht 'prähistorisch', sondern allenfalls historisch. Wie etwa das Grundgesetz oder der Pressekodex, die beide alt und nach wie vor aktuell sind.

Wenn Werbung 'ein Übers-Ohr-Hauen von Leserinnen und Lesern' wäre, gälte das ebenso für jedes meinungsstarke Stück, das als journalistischer Bericht daherkommt. Gute Medien, gedruckt oder online, bestehen jeden Test zur Trennung von Redaktion und Anzeigen. Wie auch von Meinung und Bericht."

Zitat: Gute Medien trennen Redaktion und Anzeigen, aber auch Bericht und Meinung.

"Wenn Werbung 'ein Übers-Ohr-Hauen von Leserinnen und Lesern' wäre, gälte das ebenso für jedes meinungsstarke Stück, das als journalistischer Bericht daherkommt."

Patrick Kammerer, Coca Colas Kommunikator im deutschen Markt, reagiert auf die Worte des vom Werbeglauben abgefallenen Gabor Steingart, der "etwas zu verliebt in die eigene Formulierkunst" wirke.
turi2.de (Gastbeitrag), turi2.de (Steingart-Interview)

Debatte: Am schönsten ist, wenn der Nutzer zahlt, schreibt Florian Haller.


Ausgerechnet Florian Haller, Inhaber von Europas größter unabhängiger Kommunikationsagentur Serviceplan, teilt Gabor Steingarts Ansicht, dass ein Medium am besten ohne Werbung vorankommt. Steingarts Absage an Print widerspricht Haller aber energisch.

"Ich schätze den Morning Brief als journalistisches Produkt wirklich sehr. Er ist intelligent geschrieben, intellektuell unterhaltsam und vermittelt einen Überblick zu den wichtigsten Themen des Tages. Der Morning Brief gehört fest zu meinem Morgenritual. Und das obwohl wir ja alle überflutet werden von Newslettern.

Seine Einschätzung zum Thema Papier halte ich für journalistisch zugespitzt. Will heißen: Es ist schon richtig, dass man den Nachrichtenträger Papier nicht mehr zwingend braucht. Aber was braucht man schon alles nicht im Leben und nutzt es trotzdem? Das Papier hat auch ein paar Stärken: es ist unglaublich praktisch, es liegt physisch länger beim Nutzer im Wohnzimmer als der Newsletter und – wenn es gut gemacht ist – kann es auch einen besondere Ästhetik entfalten. Ich glaube eher, dass es nicht auf ein entweder oder, sondern auf ein mit einander von Print und Digital hinausläuft. So ist das übrigens in der Geschichte der Medien – bei Zeitung, Radio, Kino und Fernsehen – immer gewesen. Neue Medien kamen einfach dazu.

Zur Refinanzierung hat Gabor Steingart schon recht. Am schönsten ist es, wenn der Nutzer für das Medium, das er nutzt selber zahlt. Das muss man dann halt durchsetzen. Und in den meisten Fällen ist auch an dieser Stelle die Welt bunt und nicht schwarz-weiß."

Ohne Print und Werbung: Reaktionen auf das Steingart-Interview von turi2.tv.

"Toll! Finde sein Morning-Briefing großartig! Er hat Mut & Energie: Go!"

Gründer-Figur Frank Thelen begrüßt via Twitter Gabor Steingarts Expansionspläne.
twitter.com, turi2.de (weitere Reaktionen)

weitere Reaktionen:

"Soweit, dass wir durch Werbung 'übers Ohr gehauen' werden, würde ich nicht gehen. Eher gilt: je mehr, desto nerviger!"

Dirk Metz, Kommunikationsberater, via E-Mail

"Steingart hat aus meiner Sicht eine Begabung für verlegerisches Handeln. Schön, dass er es jetzt hier in Berlin ausbaut. Da ist er wagemutig, ohne tollkühn zu sein."

Uwe Walter, Storytelling-Coach, via YouTube

"Ich bin seit etlichen Jahren einer seiner begeisterten Gratis-Leser – äußerst dankbar dafür – bin aber weg, wenn's Geld kostet."

Hermann K. Severin, Kommunikationsberater, via E-Mail

Hat Gabor Steingart Recht und welche Chance hat sein Kurs ohne Werbung? Mailen Sie uns Ihre Meinung an: post@turi2.de



Debatte: Thomas Wilde: Steingart ist vielleicht naiv und größenwahnsinnig – aber er verdient Respekt!


Ist Gabor Steingart naiv? Größenwahnsinng? Kann er ein Geschäftsmodell ohne Abo und Werbung etablieren? Thomas Wilde, Gründer der PR-Agentur Wilde & Partner, traut es ihm durchaus zu: Er "verdient Respekt", denn "den Mutigen gehört die Welt". (Foto: Wilde & Partner / Michael Englert für turi2.de/edition2)

"Die Frage wird sich so mancher gestellt haben, der am Morning Briefing von Gabor Steingart Gefallen gefunden hat und den Podcast so schätzt, dass er morgens regelrecht darauf wartet: Welches Geschäftsmodell steckt eigentlich hinter dem (bislang) kostenlosen und werbefreien Informationsangebot?

Da scharrt ein allseits hochgeschätzter Journalist und Autor mit nachweislich kaufmännischem Background und entsprechenden Ambitionen aus "der Mitte der Gesellschaft" eine Gruppe von Medienschaffenden um sich und startet ein Mediengeschäft – wie er selbst sagt – "ohne Plan, aber mit Business-Plan", will nichts von klassischen Abos wissen, erteilt der herkömmlichen Werbung und dem Produkt Print eine deutliche Absage, sieht sich aber auch nicht als Experimentier-Labor für einen möglichen Investor aus dem Kreis der Großverlage.

Und kündigt gegenüber Peter Turi in einem unterhaltsamen Interview über eine Dreiviertelstunde so nebenbei an, seine Mannschaft in Berlin von derzeit rund 20 auf 50 Mitarbeiter ausbauen und einen zweiten Standort in der Hauptstadt errichten zu wollen.

Naiv? Größenwahnsinnig? Mein erster Gedanke nach dem Interview: Warum denn nicht – warum sollte es nicht funktionieren? Und danach: In unserem Land fehlt es an mutigen Medienschaffenden, die abseits der bekannten Formeln auf die Suche nach neuen Formen des Dialogs mit dem Leser gehen und bereit sind, für ein durchaus nicht auszuschließendes Scheitern auch eigenes Geld in den Sand zu setzen. Das verdient Respekt – den Mutigen gehört die Welt. Die Debatte ist eröffnet.

Dank an Peter Turi für das aufschlussreiche Gespräch. So etwas ist Inspiration pur – nicht nur für den Moment an einem Sonntagvormittag."

Debatte: Christoph Schwennicke gibt Gabor Steingart recht – aber nur in Teilen.


Gabor Steingart will den Journalismus der Zukunft ohne Papier und Werbung realisieren (Text, Video und Podcast hier). Christoph Schwennicke, Verleger von "Cicero" und "Monopol" widerspricht in Teilen und warnt: "Wer Geld gibt, will Einfluss nehmen" - auch bei Steingarts Medienprojekt.

"Was Gabor Steingart sagt, ist immer interessant und immer schön markant. Seine Aussagen zum Papier teile ich gleichwohl nicht. Es wird weiter einen Markt für inhaltlich, optisch und haptisch reizvolle Magazine geben. Nicht mehr den Massenmarkt. Aber jenen, den sich Vinyl gerade von der CD zurückerobert. Wie bei der Musik wird es Vinyl geben und Streamingdienste, aber keine CD mehr. Heißt: Es wird weiter Feinkost-Magazine geben, aber keine Papier-Massenware mehr - und es wird die digitalen Kanäle geben, wie Gabor Steingart gerade einen auf- und ausbaut.

Dass wir besser mit unserer originären Dienstleistung (Inhalte) als über den Umweg Werbung unser Geschäft finanzieren, teile ich uneingeschränkt. Deshalb sind wir auch so froh mit dem Aufwuchs von Cicero Plus und unseren digitalen Abos. Da hat sich was verändert in der Bereitschaft der Nutzer, für guten Stoff auch im Netz zu bezahlen. Spotify und Netflix wirken hier.

Die Frage ist nur: Reicht das mittelfristig fürs Geschäftsmodell? Und wie verhält es sich mit den anderen Geldgebern, von denen er spricht: Ich wünsche Gabor Steingart wirklich, dass er Partner und Investoren findet, die Geld geben, ohne sich inhaltlich einzumischen. Unsere Erfahrung ist bei Sondierungen immer eine andere: Wer Geld gibt, will Einfluss nehmen. So einfach ist das. Und so verständlich irgendwo auch. Deshalb sind wir froh und dankbar, dass sich in den drei Jahren unserer Selbständigkeit der Res-Publica-Verlag ohne fremde Hilfe trägt."