Debatte: Die Autorenvereinigung Pen ist unfassbar tief gesunken, sagt Friedrich Christian Delius.

Alles hat ein Ende: Der Autor Friedrich Christian Delius verlässt Pen nach 50 Jahren und bedauert, dass der Verein "einen derart tapferen und klugen Mann wie Deniz Yücel öffentlich demütigt". Delius widerspricht Yücels "Bratwurst­buden"-Bezeichnung. Der Verband gleiche eher einem "Club von Kleingeistern", die "wenig oder nichts zum Kauen zu bieten haben". Am Freitag ist Deniz Yücel als Pen-Präsident zurückgetreten. Er wirft dem Verein vor, "nicht effizient zu arbeiten".
faz.net, turi2.de (Background)

Debatte: Die SPD ist der Klotz am Bein der Ampelkoalition, glaubt Anna Schneider.

Politik-Bremse: Die SPD ist "das Problemkind" der Ampelkoalition, sagt "Welt"-Chefreporterin Anna Schneider mit Blick auf den Ukraine-Krieg. Im Interview mit Christina Lewinsky mahnt sie, die SPD übernehme "nicht die Führung, die man der Kanzlerpartei zurechnen würde". Sie "bremst, kommuniziert nicht gut, trifft langsame Entscheidung und schmollt oft".
welt.de (3-Min-Audio)

Zitat: Comedian Hazel Brugger kritisiert Böhmermann-Video über Fynn Kliemann.

"Man darf nicht vergessen, dass dieses Stück von Jan Böhmermann und seiner Redaktion eine dramaturgische Arbeit ist. Nicht in dem Sinne, dass es erfunden ist, es ist journalistisch aufgearbeitet, aber auch künstlerisch verwertet."

Comedian Hazel Brugger äußert in einer Sonderfolge ihres Podcasts "Nur verheiratet" Kritik am Böhmermann-Video über Fynn Kliemann. Der Mix aus Journalismus und Entertainment sei schwierig, das Video selbst wenig "lösungsorientiert".
watson.de, turi2.de (Background)

Datenschützer Ulrich Kelber will EU-Chatkontrolle verhindern.

Gegen Massenüberwachung: Der Bundesdatenschutz­beauftragte Ulrich Kelber kündigt Widerstand gegen die von der EU geplante sogenannte Chatkontrolle an. Er werde sich "auf nationaler und europäischer Ebene dafür einsetzen", dass die Verordnung in dieser Form nicht komme, schrieb Kelber auf Twitter. Der Entwurf sei "nicht vereinbar mit europäischen Werten", kollidiere mit geltendem Datenschutzrecht und führe zu massenhaft Verdächtigungen unbescholtener Bürger. Die EU will Messenger-Dienste, Mail-Anbieter und Hosting-Provider dazu verpflichtet, die Kommunikation von Nutzerinnen nach verbotenen Inhalten zu durchsuchen.
golem.de

Debatte: Miriam Meckel plädiert dafür, angereicherte Intelligenz statt KI zu sagen.

KI vs. Mensch? Publizistin Miriam Meckel plädiert dafür, "angereicherte Intelligenz" statt "künstliche Intelligenz" zu sagen. KI sei kein "gepixeltes Schafott am Horizont", viel mehr helfe sie, menschliche Intelligenz auszubauen. Das "praktische Miteinander" von Mensch und Maschine müsse Teil des Alltags werden, da sich für diese Zusammenarbeit immer mehr Anwendungsbereiche ergeben, schreibt Meckel.
"Handelsblatt", S. 29

Debatte: Die Folgen der Fusion von G+J und RTL zeigen sich erst jetzt, schreiben Aurelie von Blazekovic und Anna Ernst.

Synergie: Die Folgen der Übernahme von Gruner + Jahr durch RTL beginnen sich jetzt erst abzuzeichnen, schreiben die Journalistinnen Aurelie von Blazekovic (Foto) und Anna Ernst in der "Süddeutschen Zeitung". Bereits vor der Fusion seien die "glanzvollen Jahre" der G+J-Titel vorbei gewesen. Nun stelle sich die Frage, was vom Traditionshaus G+J journalistisch bleibt. Das Wort Synergie ist letztlich eine Beschönigung für kanalübergreifende Eigenwerbung, Inhalts-Recycling und Gewinnmaximierung, schreiben die Autorinnen.
sueddeutsche.de (Paid)

Lese-Tipp: Kathrin Hollmer kritisiert Diversitäts-Checklisten bei TV-Produktionen.

Lese-Tipp: Diversitäts-Checklisten bei Fernseh­produktionen tragen dazu bei, dass bestimmte Gruppen halbherzig und "nur symbolisch abgebildet" werden, schreibt Kathrin Hollmer in einer Übermedien-Kolumne. Die Vielfalt der in Deutschland lebenden Menschen werde trotzdem nicht abgebildet. Hollmer kritisiert zudem, Produktionen, die sich mit dem "Label Diversity" schmücken, laufen oft spät in der Nacht oder auf einem Spartensender.
uebermedien.de (Paid)

Debatte: Barbara Vorsamer hat Vorher-Nachher-Vergleiche in Werbe-Posts auf sozialen Netzwerken satt.

Schlechter Vergleich: "Süddeutsche"-Journalistin Barbara Vorsamer hat Vorher-Nachher-Vergleiche in Werbe-Posts auf sozialen Netzwerken satt. Sie kritisiert, dass unter dem Deckmantel der Nachhaltigkeit bekannte Produkte wie z.B. Waschlappen als Mehrweg-Reinigungspads neu vermarktet werden. Zwischen den "old me - new me"-"Selbstverbesserungs­botschaften" würden zudem sinnvolle Tipps untergehen.
sueddeutsche.de

Debatte: Andrij Melnyk spricht “erfrischendes Klartext-Deutsch”, findet Ulf Poschardt.

Einer spricht Klartext: Die Argumentation des ukrainischen Botschafters Andrij Melnyk ist "erfrischend unmissverständlich" und "diskussions­anregend bis in die Polarisierung", schreibt "Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt. Melnyk durchschaue die "Solidaritätslyrik" von Olaf Scholz und Frank-Walter Steinmeier und konzentriere sich auf die "harten Fakten".
welt.de (Paid)

Debatte: Daten müssen zugänglich sein, damit Deutschland in der “digitalen Dekade” mitspielt, sagt Volker Wissing.

Datenzugang: Er will sich für "den freien Austausch von Daten über Grenzen" hinaus stark machen, schreibt Digital- und Verkehrsminister Volker Wissing im "Handelsblatt". Eine "bessere Verfügbarkeit" von Daten sei für Deutschland Voraussetzung, um in der "digitalen Dekade in erster Liga" zuspielen. Wissing schreibt außerdem, er will Anreize fürs Datenerheben und -teilen schaffen.
"Handelsblatt", S. 64

Debatte: Nico Fried begrüßt das Ende der Debatte um Frank-Walter Steinmeiers Ukraine­reise.

Ukraine-Reise: "SZ"-Parlamentsredaktionsleiter Nico Fried freut sich über die Einladung vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj an Frank-Walter Steinmeier und die Bundesregierung. Er "begrüßt", dass die "diplomatische Irritation" nach Steinmeiers Ausladung aus dem Weg geräumt wurde. Besuche hätten eine gewisse symbolische Bedeutung, jedoch sei es "für den Ausgang des Krieges zweitrangig", welche Politikerin nun zuerst reist.
zeitung.sueddeutsche.de (Paid)

Debatte: Intellektuelle plädieren in einem offenem Brief an Olaf Scholz für Waffenlieferungen.

Schriftlicher Konter: Intellektuelle, Autoren und Wissenschaftler widersprechen dem Appell von u.a. Alice Schwarzer. In dem in der "Zeit" erschienen offenen Brief fordern u.a. Marie von den Benken (Foto), Mathias Döpfner und Deniz Yücel eine "kontinuierliche Lieferung von Waffen" und die "Ausweitung" von Sanktionen gegen Russland. Keine Waffenlieferungen würden den "Kreml zu weiteren Aggressionen ermutigen". Zudem lege es im Interesse Deutschlands, "einen Erfolg des russischen Angriffskriegs zu verhindern".
zeit.de, welt.de

Debatte: Werbeeinschränkungen sind “extrem gefährlich”, sagt Claus Grewenig.

Werbale Unterstützung: Werbeeinschränkungen bei Lebensmitteln und Energie sind "extrem gefährlich", sagt Vaunet-Vorstandschef Claus Grewenig im Interview mit der "Welt". Wer für Werbeverbote plädiert, legt eine "Axt an die Refinanzierung freier Medien" und "verhindert Wettbewerb und Vielfalt", urteilt Grewenig mit Blick auf die Sicherung der Finanzierungsgrundlagen privater Medien.
welt.de, turi2.de (Background)

Debatte: Paul Ronzheimer findet es absurd, dass ihm Embedded Journalism vorgeworfen wird.

Kriegsnahe Berichterstattung: "Bild"-Vize Paul Ronzheimer findet es "absurd", dass er für Embedded Journalism kritisiert wird, sagt er im BDZV-Talk. Dank seiner Kontakte zu den Klitschko-Brüdern und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ist Ronzheimer nah am Kriegsgeschehen. Das "tangiert" jedoch "nicht die journalistische Unabhängigkeit", sagt ZDF-Reporterin Katrin Egendorf.
horizont.net (Paid), youtube.com (70-Min-Video)

Debatte: Viele Menschen in Deutschland haben das Gefühl für Mehrheiten verloren, sagt Renate Köcher.

"Laute Minderheiten": Viele Menschen in Deutschland haben das Gefühl für Mehrheiten verloren, sagt Renate Köcher. Sie ist der Meinung, dass manche Gruppen in der Gesellschaft sehr aktiv sind und "in den Medien weit überproportional Beachtung finden". Die "quantitative Bedeutung" von Gruppierungen, die stark im Netz aktiv sind, werde überschätzt. Köcher geht davon aus, dass es mehr "stille Mehrheiten" und mehr "laute Minderheiten" als früher gibt.
landtag-bw.de

Debatte: Musk Authentifizierungspflicht auf Twitter gefährdet unsere Daten, sagt Patrick Breyer.

Anonymität schützt: Die von Musk geplante Authentifizierungspflicht auf Twitter bedroht "die Sicherheit unserer Daten", kritisiert Patrick Breyer von der Piratenpartei. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die Daten durch Hacks oder Leaks in kriminelle Hände gelangen. Zudem sagt er, die Abschaffung anonymer Twitteraccounts gefährdet u.a. Whistleblowerinnen und Stalkingopfer. Nur Anonymität schütze "wirksam" u.a. vor "Hacking, Bedrohung und Stalking im Netz".
patrick-breyer.de

Debatte: Boris Rosenkranz analysiert die Symbiose von Paparazzi und Klatschpresse.

Stalking als Storygarant: Autor Boris Rosenkranz beschreibt am Beispiel eines Fotografen, der Helene Fischer obsessiv verfolgt und die Bilder meistbietend verkauft hat, die perfide Symbiose von Paparazzi und Klatschpresse. Klatschblätter aus Verlagen, "die sich als ehrliche, bodenständige Unternehmen geben und sich für seriöse journalistische Produkte feiern" beschäftigen professionelle Stalker, die Promis das Leben zur Hölle machten. Die Yellow Press konstruiere daraus Skandal-Berichte oder zynische Geschichten über Promis in der Stalking-Falle.
uebermedien.de (Paid)

Debatte: Mediaagenturen entziehen sich ihrer Verantwortung für die Medienvielfalt.

Es wird politisch: Wenn es um die gesellschafts­politische Komponente ihrer Arbeit geht, duckten sich Mediaagenturen bisher lieber weg. Die Omnicom-Manager Holger Thalheimer und Manfred Kluge räumen damit jetzt auf und ziehen die Agenturen in die Verantwortung für Medienvielfalt. Sie müssen überlegen, was ihnen "wichtiger" ist - die "Fokussierung auf günstigere Tausend-Kontakt-Preis" oder "der Erhalt einer Vielzahl von Medien", sagt Kluge. Zudem sei es wichtig, Diskussionen über die womöglich gefährliche Abhängigkeit von US-Plattformen anzuregen.
Horizont 16-17/2022, S.1, 10f.

Debatte: Björn Staschen plädiert für die Unabhängigkeit von Social-Media-Plattformen.

Auf dem Weg zur Digitalen Diktatur? Journalist Björn Staschen kritisiert die Meinungs­monopole der wenigen reichen, weißen Männer, die über Inhalte auf sozialen Netzwerken entscheiden. Nutzerinnen würden die Abhängigkeit hinnehmen, dabei seien freie Informationen "das Rohöl einer lebendigen Demokratie". Er plädiert dafür, die Meinungsvielfalt in der digitalen Medienwelt wie in der linearen Welt zu schützen. Das verhindere das Erstarken der großen Plattformen und eine "Digitale Diktatur".
bjoernsta.de

Debatte: Der Rückzug vom russischen Markt ist kompliziert.

Kein leichtes Geschäft: Lebensmittel­hersteller wie Dr. Oetker, Heineken und Carlsberg haben den komplizierten Rückzug aus Russland clever gelöst, schreibt das "Handelsblatt". Das russische Geschäfts aufzugeben, sei nicht nur ein langwieriger Prozess, sondern auch mit Folgen für das Unternehmen und die Mitarbeitenden verbunden, wie z.B. Vertragsstrafen und Enteignungen. Mit dem Verkauf der russischen Werke an das lokale Management können die Unternehmen den Markt "gesichtswahrend verlassen".
handelsblatt.com

Debatte: In Mediatheken kann der Zuschauer nicht der Gegenwart entfliehen, sagt Elmar Krekeler.

Früher war mehr Lametta: In den Mediatheken ist "alles Gegenwart, egal in welcher Geschichte man sich auch befindet", schreibt "Welt"-Journalist Elmar Krekeler. Er kritisiert, dass neue Filme und Serien "immer bunter" sein müssen als die Wirklichkeit. So u.a. in der Serie "Bridgerton", in der "keine Grenzen der Hautfarbe mehr existieren", aber sonst alles nach Manier des 19.Jahrhunderts laufe.
welt.de

Debatte: Harald Staun findet Ronzheimers Kritik an Medien paradox.

Widerspruch: "FAS"_Medienredakteur Harald Staun findet "paradox", wie Bild-Vize Paul Ronzheimer die eigenen Bericht­erstattung als einzigartig ausgibt und "gleichzeitig keine Gelegenheit" auslässt, Kollegen zu kritisieren. Ronzheimer stört sich u.a. am Begriff "mutmaßlich", wenn es um russische Kriegsverbrechen geht. Journalisten tragen jedoch nicht "zur Relativierung der Gräueltaten bei", wenn sie eine "unabhängige Untersuchung der Verbrechen" für nötig halten und "sich nicht auf eine 'Bild'-Reportage" verlassen, schreibt Staun.
zeitung.faz.net (Paid)

Debatte: Der Mut junger Journalistinnen ist inspirierend, sagt Isabell Beer.

Generationenwandel: Jüngere Journalistinnen sehen sich nicht mehr als "einsamen Wolf, der da reingeht und selbst eine Geschichte macht", freut sich Investigativ-Journalistin Isabell Beer. Im "Journalist"-Interview erzählt sie, dass junge Kolleginnen, die Missstände ansprechen, einen Mut mitbrächten, den sie "damals nicht hatte". Beer sieht jedoch die Gefahr, dass Jüngere wegen steigender Social-Media-Präsenz Hasskommentaren zum Opfer fallen könnten.
journalist.de

Waldemar Hartmann plädiert für sprachliche Nähe aber weniger political correctness.

Auf Du und Du: "Duz-Maschine" Waldemar Hartmann beklagt im SZ-Interview mit Philipp Crone, man müsse heute "auf jedes Wort achten", dürfe "aber jeden duzen". Der ehemalige Sportmoderator erzählt, dass er das Duzen in der eigenen Kneipe und in den Bergen gelernt hat und wie er in der strengsten Sie-Zeit das "Du" im Fernsehen salonfähig gemacht hat. Von Sportlern, die man nur für ein Interview plötzlich sieze, hätte "Weizen-Waldi" laut eigener Aussage nichts Neues erfahren. Der Vorwurf mangelnder Distanz und Anbiederei sei immer an ihm abgeperlt, auch weil er ausschließlich von Journalisten kam. Bei anderen sprachlichen Förmlichkeiten ist Hartmann, der privat übrigens immer erstmal siezt, dagegen weniger locker: Bei der "Denglisierung" habe er zwar aufgegeben, das Gendern wolle er aber "nicht kampflos hinnehmen".
sueddeutsche.de (Paid)

Debatte: Das “Z”-Symbol ist schon längst strafbar, sagt Uwe Murmann.

Unnötige Ankündigung: Der Göttinger Straf­rechts­professor Uwe Murmann ist irritiert von Landes­regierungen, die ein Verbot des "Z" als russisches Propaganda-Symbol ankündigen. "Die Gesetzes­norm existiert bereits", sagt er gegenüber der "FAZ". Laut Straf­gesetzbuch ist eine öffentliche Billigung eines Angriffs­krieges verboten – und damit auch das Zurschaustellen des "Z" in der Öffentlichkeit.
faz.net, turi2.de (Background)

Debatte: Deutsch-Pop-Boom im Radio bekommt eine Delle.

Neue Deutsche Delle: Der einstige Boom des Deutsch-Pops im Radio ebbt ab, erfährt Manuel Weis. Radio-Hamburg-Musikchefin Tanja Ötvös (Foto) sieht einen Grund dafür in starker Polarisierung deutscher Songs und fehlender Innovation, weil "heute vieles eher nach einem alten Schema produziert" werde. Niklas Gruse von Radio FFN nennt als Problem den oft fließenden Übergang zu deutschem Schlager: "Beide Musik­stile sind nicht miteinander kompatibel." FFH-Musikchef Matthias Weber beobachtet, dass sich Menschen an deutschen Songs schneller satt hören.
dwdl.de

Debatte: Ralf Schuler sieht im Kampf gegen Putin “politische Tritt­brett­fahrer”.

Nur noch kurz die Welt retten: "Selbst ein Krieg schreckt politische Tritt­brett­fahrer nicht davon ab, ihre Laden­hüter noch einmal mit neuem Anstrich ins Schau­fenster zu stellen", ärgert sich Ralf Schuler. Der Leiter des "Bild"-Parlaments­büros findet es "anmaßend", dass grüne Vorstöße zum Tempo­limit und Veggie-Day, die "gestern mangels Mehr­heiten" noch gescheitert seien, die Welt nun "putinfrei" machen sollen.
bild.de

Debatte: Identitätspolitik dient nur der moralischen Selbstoptimierung.

Keine woke Brille: Der Gastarbeiter-Sohn Marco Cristalli vermutet hinter dem Trend zum "woken" Sprechen neoliberale Selbstoptimierung. "Die Selbstinzenierung über materielle Güter will man nicht mehr", sagt er im Interview mit der "Welt". An deren Stelle trete die Moral. Das Problem: "Terminologie, die inkludieren soll, exkludiert jene, die sie nicht beherrschen" – und verstelle den Blick auf die Realität: "Selbst 65 Jahre nach der Ankunft der ersten Gastarbeiter bleibt der Migrant vor allem für das bildungsbürgerliche Milieu ein Fremdkörper."
welt.de

Debatte: Die Ohrfeige erlebt ein Comeback, schreibt Arno Frank.

Klatschen-Kritik: Die "Verschulhofisierung der Öffentlichkeit" schreitet voran, schreibt "Spiegel"-Redakteur Arno Frank mit Blick auf die jüngsten Ohrfeigen für Chris Rock und Oliver Pocher. Im "Zeitalter der Kameras allüberall" sei die Ohrfeige offenbar das "aktuelle Mittel der Wahl, Meinungsverschiedenheiten endgültig beizulegen". Sie sei zudem "in der Regel eine Männersache". Dabei schien die Ohrfeige bis vor Kurzem noch, ähnlich wie der Angriffskrieg, "eigentlich aus der Mode gekommen" zu sein.
spiegel.de

Debatte: Ermittlerinnen sind den rechtsextremen Strukturen nicht gewachsen, kritisiert Jan Böhmermann.

Justiz-Schelte: Ermittlerinnen haben nicht die analytischen Fähigkeiten, um die Strukturen der Rechtsextremen aufzudecken, kritisiert Jan Böhmermann im Prozess gegen den mutmaßlichen Urheber der Drohschreiben von NSU 2.0. In Online-Foren könnten "dissoziale Typen" vermeintliche Wertschätzung erfahren, indem sie Informationen über politische Feinde liefern. Nutzerinnen solcher Plattformen seien "nicht nur Täter, sondern auch Opfer", weil die Organisatorinnen dahinter die Userinnen missbrauchen und verachten würden.
faz.net, deutschlandfunk.de

Debatte: Die Flüchtlinge heute sind nicht die von 2015, sagt Nikolaus Blome.

Wenig blumig: "Wenn sich 2015 nicht wiederholt, dann liegt das weniger an den Deutschen als an den Flüchtlingen", schreibt RTL-Politikchef Nikolaus Blome im "Spiegel". Die Ukraine sei Deutschland nicht nur geographisch näher als Syrien, auch weil beide Länder zum "christlich geprägten Kulturkreis" gehören. "Das Allerdümmste wäre, genau das aus Gründen grundsätzlicher Menschlichkeit zu leugnen", glaubt Blome.
spiegel.de

Debatte: Sean Penn fordert Selenskyj-Rede bei den Oscars.

Protest: Regisseur Sean Penn ruft zum Boykott der Oscars auf, wenn der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nicht per Video-Botschaft zugeschaltet wird. Ihn nicht zu Wort kommen zu lassen, wäre der "schamloseste Moment in der Geschichte Hollywoods". Penn geht davon aus, dass die Filmakademie ihn nicht einlädt. In diesem Fall wolle Penn seine Oscars einschmelzen. Der Vorschlag Selenskyj sprechen zu lassen, kommt von der diesjährigen Oscars-Moderatorin Amy Schumer. Ob er redet, sei nicht ihre Entscheidung, jedoch wolle sie ihre Rolle für eine wichtige Botschaft nutzen.
n-tv.de

Debatte: Verzicht auf Lokaljournalismus bei “StZN” ist gefährlich, findet Steffen Grimberg.

Lokales Beben: Bei der Umstellung der "Stuttgarter Zeitung" und "Stuttgarter Nachrichten" geht es mehr um die finanzielle als die journalistische Rendite, schreibt Medienjournalist Steffen Grimberg in der "taz". Die Auflösung klassischer Ressorts in "22 Themen-Teams" klinge "nach Privatfernsehen". In Zeiten von Desinformation und schwindendem Vertrauen in die Medien sei eine Einsparung lokaler Berichterstattung "nicht ungefährlich".
taz.de, turi2.de (Background)

Debatte: Selenskyj hat ein “neues Genre der politischen Kommunikation begründet”, schreibt Karen Krüger.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat mit seinen Videobotschaften "ein neues Genre der politischen Kommunikation begründet", schreibt Karen Krüger in der "FAS". Seine Ansprachen vor den europäischen Parlamenten haben eine "große emotionale Kraft", weil er menschlich und nahbar bleibt. Außerdem helfen seine Erfahrung als Produzent und Schauspieler bei der Umsetzung.
"FAS", S.33

Debatte: Im Internet können Verbote einfach umgangen werden, schreib Kurt Sagatz.

Ausgetrickst: "Tagesspiegel"-Journalist Kurt Sagatz schreibt, mit dem Verbot von RT wird nur "erreicht, dass niemand rein zufällig über die Stimme Moskaus stolpert". So wie die Deutsche Welle das russische Online-Verbot umgeht, könne das auch RT. Es sei technisch "so gut wie unmöglich", das Verbot von RT durch die Medien­anstalten umzusetzen. Für beide Seiten gelte: "Die Arbeit einer Redaktion außerhalb des eigenen Territoriums lässt sich nicht unterbinden".
tagesspiegel.de

Debatte: Im Bundestag wird “wieder richtig gestritten”, meint Cornelius Pollmer.

Streitlustig: Im Bundestag "geht wieder die Post ab", schreibt "Süddeutsche"-Autor Cornelius Pollmer. Wegen des Ukraine-Kriegs bleibe im Parlament "immer weniger Raum, sich in der Vergangenheit oder im Kleinklein gegenseitiger Vorhaltungen zu verlieren". So sei z.B. Annalena Baerbock kürzlich "olympiareif im Augenrollen" gewesen und Friedrich Merz habe sich in "kalkulierter Lust auf Stammtisch" ein "bisschen dümmer gestellt, als er ist".
sueddeutsche.de (Paid)

Debatte: Sandro Schroeder nervt Personalisierung von Expertise in Podcasts.

Schema P: Den redaktionellen Gast zum "alleinigen Dreh- und Angelpunkt" eines Podcasts zu machen, kann "durchaus schief gehen", weil schnell verschwimme, "wer hier Absender und wer Gast ist", schreibt Sandro Schroeder mit Blick auf personalisierte Corona- und Ukraine-Podcasts. Ihn stört, wie das "Coronavirus-Update" mit Christian Drosten "plötzlich für ein nach­haltiges und wieder­holbares Podcast-Konzept gehalten wird". Zwar gebe der Erfolg dieser Formate ihm unrecht, die "Fantasie­losigkeit und Monokultur" nerve ihn trotzdem.
mailchi.mp

Debatte: RT-Verbot steht einer Demokratie trotz aller Kritik gut an, findet Michael Hanfeld.

Mediale Schlechtwetterfront: Die Kritik am Verbot von RT mit Verweis auf Staatsferne und Rechtsstaatlichkeit einer Demokratie, sei zwar recht und billig. Allerdings stehe es einer Demokratie auch gut an, Medien, die Gehirnwäsche betreiben, Krieg verherrlichen und nonstop Lügen verbreiten zu unterbinden, findet Michael Hanfeld mit Blick auf die Kritik des Hamburgs Mediensenator Carsten Brosda zum Verbot von RT.
"FAZ", S. 17 (Paid)

Lese-Tipp: Wie Ukrainerinnen ihren russischen Verwandten die Kriegspropaganda ausreden.

Lese-Tipp: Der ukrainische Unternehmer Misha Katsurin erzählt im Interview mit Bernhard Pörksen von dem Versuch, seinen in Russland lebenden Vater vom Gegenteil der russischen Kriegspropaganda zu überzeugen. Jetzt versucht Katsurin, die Putinsche Informationskontrolle zu unterlaufen, indem er die rund 11 Mio Ukrainerinnen mit russischen Verwandten dazu aufruft, ihnen vom russischen Angriffskrieg auf die Ukraine zu erzählen.
zeit.de

Debatte: Fridays for Future überführt sich der eigenen Intoleranz, meint Jörg Wimalasena.

Kein gutes Haar: "Welt"-Autor Jörg Wimalasena wirft Fridays for Future eine "Verachtung für die individuelle Entfaltungsfreiheit" vor. Die Bewegung hatte die Musikerin Ronja Maltzahn (Foto) von einer Veranstaltung in Hannover ausgeladen, weil sie als weiße Sängerin Dreadlocks trägt. Damit würden sich die Aktivistinnen der "eigenen Intoleranz überführen" und eine "kulturelle Trennlinie" ziehen, die "rechten Überlegungen nicht unähnlich" seien: "Jede Gruppe soll ihre eigene geschützte Sphäre haben."
welt.de

Debatte: Bilder vom Ukraine-Krieg tragen zur Eskalation bei, sagt Katharina Körting.

Aggressives Teilen: Bilder von zerbombten Straßen in der Ukraine oder getöteten Zivilisten sind "gefährliche Kriegstreiber", deren "Zweischneidigkeit" man sich bewusst sein sollte, schreibt Katharina Körting im "Freitag". Sie ruft zur Zurückhaltung beim Teilen solcher Bilder in den sozialen Medien auf, denn der Algorithmus "trägt zur Eskalation in den Köpfen bei".
freitag.de

Christian Haub rechnet mit Enteignung der Obi-Märkte in Russland.

Kein Biber für Russland: Tengelmann-Inhaber Christian Haub hat die 27 Obi-Baumärkte in Russland bereits abgeschrieben, sagt er im Interview mit dem "Manager Magazin". Er ist "fest davon überzeugt", dass Putin Firmen enteignen wird, deren Heimatländer sich an den Sanktionen gegen Russland beteiligen. Die Märkte weiter zu betrieben, sei für ihn "aus moralischen Gründen" sowieso keine Option.
manager-magazin.de (Paid)

Hunderte Promis unterzeichnen Appell gegen Aufrüstung.


Gegen Schnellschüsse: 600 mehr oder weniger prominente Menschen aus Politik, Kirche, Wissenschaft und Kultur haben sich am Dienstag mit einem Appell gegen das geplante Sonder­vermögen für die Bundeswehr ausgesprochen. Zu den Initiatorinnen gehören u.a. Linken-Politikerin Julia Schramm sowie Andrea Ypsilanti und Jan Dieren aus der SPD. Unter den Erst­unterzeichnern, die mehrheitlich zum grünen und linken Spektrum gehören, finden sich Namen wie die Theologin Margot Käßmann, Grünen-Sprecherin Sarah-Lee Heinrich, Linken-Politiker Gregor Gysi sowie die Journalisten Jakob Augstein und Günter Wallraff. Auch zahlreiche Musikerinnen und Schauspielerinnen haben unterschrieben, wie Katja Riemann, Robert Stadlober, Sebastian Krumbiegel und Bela B.

Mittlerweile haben mehr als 3.000 Menschen den Appell unterzeichnet. Die Unterstützer fordern "eine breite gesellschaftliche Debatte" über das geplante Sonder­vermögen in Höhe von 100 Mrd Euro. "Eine massive Hochrüstung der Bundeswehr hilft den Menschen in der Ukraine nicht", schreiben sie. Eine solche "Wende der deutschen Außenpolitik um 180 Grad" ohne vorherige Diskussionen in Politik und Gesellschaft zu beschließen, sei ein "demokratiepolitischer Skandal".

Der Appell kommt zu Beginn der viertägigen Haushaltsdebatte im Bundestag. Das Parlament berät über den neuen Etat, der die Sonderausgaben für die Verteidigung vorsieht.
derappell.de, faz.net, spiegel.de

Debatte: Tesla ist ein “Glück” für deutsche Autozulieferer, findet Annina Reimann.

Vollgas gefragt: Die deutschen Auto­zulieferer "profitieren immens vom Neu­ankömmling" Tesla, schreibt Annina Reimann in der "Wirtschafts­woche". Während deutsche Autobauer Zulieferer "knebeln und im Preis tiefer und tiefer drücken", ist der US-Autobauer "bereit zu bezahlen". VW und Co müssen jetzt "noch mehr Gas geben", um Innovationen nicht zu verpassen.
wiwo.de

Debatte: Die Deutschen können Kriegs-Resilienz von den Israelis lernen, sagt Richard C. Schneider.

Welt­untergangs­stimmung: Der frühere Leiter des ARD-Studios in Tel Aviv, Richard C. Schneider, rät im "Spiegel" dazu, sich in Sachen Kriegs-Resilienz etwas von Israel abzuschauen. Jedem Menschen sei dort bewusst, "dass ihm jeden Augenblick sein Haus um die Ohren fliegen kann". Die Israelis bereiten sich auf den Ernstfall vor, leben aber "mit einer gewissen Gelassenheit". Denn: "Wer weiß schon, was morgen ist."
spiegel.de (Paid)

Debatte: Herbert Wiesner verteidigt Deniz Yücels Aussagen zum Ukraine-Krieg.

Freiheit auch im Denken: Der frühere Generalsekretär des deutschen PEN-Zentrums Herbert Wiesner verteidigt Deniz Yücel vor fünf ehemaligen PEN-Präsidenten, die dessen Rücktritt von seinem Amt fordern. Yücel hatte sich vergangene Woche bei der Lit.Cologne für eine Flugverbotszone in der Ukraine ausgesprochen, womit er "seine Befugnisse überschritten" habe, so die Ex-Präsidenten. "Es kann doch nicht Euer Wunsch sein, dass Deniz Yücel, um dessen Freiheit wir gekämpft haben, jetzt nicht mehr sagen darf, was er denkt", entgegnet ihnen Wiesner in einem offenen Brief.
welt.de (Wiesner), t-online.de (Rücktrittsforderung)